Willkommen auf meinem Blog zu Shiatsu und Selbsterfahrung!

Melanie Lanner Willkommen

Die Frage nach meiner Identität  hat mich schon immer beschäftigt. In meiner Kindheit hat sich die Suche nach einer Antwort mit der Frage nach meinem Platz im Leben und dadurch mit meiner Daseinsberechtigung in dieser Welt verbunden. Seitdem ich 16 Jahre alt bin, ist die Frage „Wer bin ich?“ zu einer treibenden Kraft in meinem Leben geworden. Jetzt habe ich auf die Frage zwar noch immer keine fertige Antwort, aber ich weiß, wie essentiell die Frage für mich ist. Sie ist mein Lebensmotto und mein Lebensweg. Mehr…

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“There is a crack in everything. That’s how the light gets in.” (Leonard Cohen)

Neben diesem inneren Erkenntnispfad und dem Bewusstwerden der Polaritäten meines Menschseins umfasst „Sei, wer du bist“ auch die Aufforderung, das, was ich in mir finde, nach außen zu bringen und meine Potentiale zu verwirklichen.

Verschiedene Zugänge haben mir geholfen, diesen Weg der Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung zu gehen. Mein Anliegen ist es, das, was ich erfahren habe, an dich weiterzugeben und dich auf deinem Weg zu deiner Selbst-Entfaltung zu begleiten.

Erkenne dich selbst – verwirkliche deine Potentiale!

Hier auf meinem Blog findest du:

  • Hintergrundinformationen zu Shiatsu und zur ganzheitlichen Gesundheit
  • Wege zur Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung
  • Informationen und Bestellmöglichkeiten meines Buchs Hin zu Fuß – zurück auf Adlerschwingen. “Der Herr der Ringe” als heldenhafte Selbsterfahrung. (opus magnum, 2018)

Auf meiner Homepage zur ganzheitlichen Körperarbeit Berührt! – Mehr als Shiatsu findest du mein Angebot, dich auf diesem Weg zu dir selbst zu begleiten.

Ich freue mich, wenn du dich bei mir meldest, um einen Termin zu vereinbaren oder mit schreibst, was du bei deinen Übungen für dich erfahren hast.

Melanie LannerWillkommen auf meinem Blog zu Shiatsu und Selbsterfahrung!

Umgang mit Gedanken und Gefühlen

Melanie Lanner Shiatsu

“Wirst du dich darum mit einem Baum oder Tier verwechseln,
weil du sie anschaust und weil sie mit dir in einer und derselben Welt existieren?
Musst du deine Gedanken sein, weil du in der Welt deiner Gedanken bist?
Deine Gedanken sind aber doch ebenso sehr außerhalb deines Selbst,
wie Bäume und Tiere außerhalb deines Körpers sind.“
(C. G. Jung)

Immer wieder begegnet mir in meiner Praxis die Frage nach dem Umgang mit den eigenen Gefühlen und Gedanken. Warum werde ich in der Behandlung von Gedanken abgelenkt? Warum tauchen plötzlich Gefühle auf? Warum tauchen sie gerade jetzt auf? Was soll ich mit ihnen machen? Wie kann ich die Gedanken wegschieben und mich ganz auf den Moment konzentrieren?

Fangen wir mit den Gefühlen an. Gefühle wollen vor allem gefühlt werden. Gefühlt – wie die Sonne unseren Rücken wärmt, wie der Wind unser Haar zerzaust, wie der Regen uns abkühlt. Gefühle ändern sich so schnell wie Wetter und sind ebenso schwer vorhersagbar. Gefühle sind Naturphänomene. Sie lassen sich nicht kontrollieren, nicht unterdrücken, nicht planen.

Und Gefühle sind nicht persönlich. Ich bin nicht die Verursacherin meiner Gefühle. Vielmehr kommen die Gefühle über mich. Ich habe keine Gefühle, die Gefühle haben mich.

Und was, wenn der Schmerz kommt?

„Nichts übergehen, alles aufdecken, sich nicht mehr betrügen.
Auch die schmerzhaftesten Stellen berühren.
Alles wagen, mitten durch den Schmerz hindurchgehen.
Und dann wird einem leichter, die Last des bösen Urteils fällt ab,
man entdeckt unter alledem das Gute in sich.
Danach ist man richtig auf dem Weg, von Stufe zu Stufe, immer weiter.“
(Ulli Olvedi)

Schmerz – körperlicher und/oder emotionaler – zeigt an, dass etwas berührt wurde, sich etwas löst, etwas in Bewegung kommt.* Schmerz begleitet Wandlungsprozesse. Schmerz fordert uns auf, aufmerksam zu sein, hin zu spüren, hindurchzugehen. Schmerz ist unser Wachstumslehrer.

Manchmal wird im Shiatsu ein Körperbereich oder ein Punkt berührt, wo sich ein emotionales Thema festgesetzt oder verkörpert hat, wie wir das sagen. Dann geht die Berührung mit Gefühlen einher, ja oft mit emotionalem und körperlichem Schmerz. Meist sind das tiefliegende Themen der Vergangenheit, die nicht verarbeitet werden konnten und deshalb ins Unbewusste verschoben wurden, die sich jedoch im Körper „festsetzen“ oder speichern. (Zum Körper als Sprache des Unbewussten habe ich einen eigenen Blogartikel geschrieben.) Wird dann dieser Bereich oder Punkt unseres Körpers berührt, gelockert, in Bewegung und zum Fließen gebracht, kommen wir in Kontakt mit den bislang unbewussten Gefühlen und Themen. Und dies erleben wir zumeist als Schmerz. Doch wenn wir in diesen Schmerz hineingehen, mit der Aufmerksamkeit dort verweilen, atmen und achtsam mit uns selbst sind, kann sich körperlich etwas lösen und Gefühle können befreit werden.

Gefühle nicht persönlich zu nehmen, bedeutet also nicht, sie nicht zu fühlen. Im Gegenteil, Gefühle sind zum Fühlen da. Gefühle tauchen auf, werden gefühlt und gehen wieder. Sie setzen sich nur dann (im Körper) fest, wenn wir sie nicht fühlen, zum Beispiel weil wir überfordert sind oder als Kind überfordert waren. Nicht an Gefühlen festzuhalten – oder wir könnten auch sagen, uns nicht mit ihnen zu identifizieren, indem wir glauben, wir wären unsere Wut, unsere Trauer, unsere Ängste –, ist ein gesunder Umgang mit Gefühlen – den bunten Wechselwettern unserer Seele.

Gewitter

Und für was brauchen wir dann Gedanken?

In der Körperarbeit und anderen körperorientierten Methoden hören wir oft, dass der Kopf schlecht und nur der Körper wahrhaftig ist, dass wir unseren Kopf ausschalten sollen, „um ganz im Moment zu sein“. Doch was bedeutet dieses „Im-Moment-Sein“? Bedeutet das, ich muss meinen Kopf frei machen und „leer“ werden, erst dann kann ich mich auf die Shiatsu-Behandlung einlassen, nur dann bewirkt sie etwas?

Aus meiner eigenen Erfahrung und aus der meiner Praxis weiß ich, dass das utopisch ist. Wann sind wir denn schon jemals frei von Gedanken?!? In ganz wenigen ausgewählten Momenten unseres Lebens. Und diese Momente sind wichtig, weil sie uns erinnern, um was es im Leben wirklich geht… Was das ist, lässt sich nicht in Worte fassen – doch sicher nicht darum, mir immer wieder bereits vergangene Situationen ins Gedächtnis zu rufen oder mir Sorgen um die Zukunft zu machen.

Und doch ist es das, was unseren Verstand beschäftigt. Und das wird uns so richtig bewusst, wenn wir uns ruhig auf die Shiatsu-Matte legen, weil wir dann ja gerade nicht von äußeren Dingen abgelenkt sind, sondern uns einmal so richtig zuhören. Aber dann fühlen wir uns vom Shiatsu abgelenkt und erst recht nicht im Moment. Wie ärgerlich!

Ich sehe das so: Zum Einen braucht der Kopf Raum, um alles zu verarbeiten und zu bedenken, was wir den ganzen Tag erleben und an Eindrücken in uns aufnehmen. So verdauen wir das, was wir erleben und was auf uns einströmt. Diese Gedanken dienen also der Verarbeitung und lassen uns, wenn der Prozess vorbei ist – und das ist er bestimmt einmal! – in einem gereinigten Zustand zurück. Und je mehr wir uns zwingen, nicht zu denken, desto mehr wird der Verstand einfordern, ihm Raum zu geben. Also denken wir einfach, was gedacht werden will! Irgendwann geht der Prozess vorbei…

Natürlich ist es auch eine Möglichkeit, im Alltag solche Denkpausen einzurichten. Das heißt, nichts zu tun, einfach nur den eigenen Gedanken nachzuhängen und so unser Leben zu verdauen. Meine Beobachtung ist, dass dies dann in ungefähr einer viertel Stunde pro Tag erledigt ist, wenn wir das regelmäßig machen. Manchmal braucht es auch zwei viertel Stunden pro Tag – einmal mittags und einmal vor dem Einschlafen.

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Aber was ist, wenn die Gedanken immer wieder um die gleichen Themen kreisen, wir uns festbeißen und dann keinen Ausweg mehr sehen? Dann braucht es Aufmerksamkeit und Bewusstheit, was gerade passiert: Aha, ich habe mich in einer Gedankendauerschleife verfangen.

Mir hilft es dann, die Gedanken aufzuschreiben, also aus meinem Kopf heraus aufs Papier zu bringen oder sie einer Vertrauensperson gegenüber auszusprechen. Denn so werden sie konkreter und dadurch weniger kreisend. Hilft das auch noch nicht, widme ich mich etwas Konkretem, zum Beispiel der Hausarbeit. Auch Bewegung tut gut, denn bewege ich meinen Körper, bewegt sich auch mein Geist.

Gedanken sind also nicht gleich Gedanken. Oder vielleicht doch. Gedanken sind wie Gefühle etwas Unpersönliches. Ich bin ebenso wenig Verursacherin meiner Gedanken wie meiner Gefühle. Auch Gedanken kommen und gehen – wenn wir sie ziehen lassen. Und hier liegt der Unterschied: Denken wir die Gedanken, die gerade da sind, lösen sie sich wieder auf wie Wolken am Himmel. Nur wenn wir an Gedanken festhalten, entstehen diese endlosen Gedankenschleifen, die uns wirklich aus dem Moment hinauskatapultieren und uns von uns selbst wegführen.

Im Moment zu sein, bedeutet also nicht, nichts zu denken und nichts zu fühlen, sondern gerade das Gegenteil: Das zu fühlen, was gerade da ist. Und uns bewusst zu machen, was wir gerade denken.

Denn das ist vielleicht die Kunst des Denkens: Uns darüber bewusst zu sein, was wir denken.

Und das nennen wir dann ganz da zu sein, aufmerksam und präsent zu sein.

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(*) Ich spreche hier von Schmerz, der keine physische Ursache (wie z.B. Bandscheibenvorfälle oder organische Krankheiten) hat.

Himmel

„Wenn ich laufe, laufe ich einfach. Normalerweise in einer Leere.
Oder vielleicht sollte ich es lieber umgekehrt ausdrücken: Ich laufe, um Leere zu erlangen.
Aber natürlich schlüpft stets der eine oder andere Gedanke in diese Leere.
Klar, denn in den Herzen der Menschen kann es keine wahre Leere geben.
Der menschliche Geist ist nicht stark genug, um ein echtes Vakuum zu halten,
und auch nicht so konsequent.
Ich sage nur, dass die Gedanken, die beim Laufen in mein Bewusstsein dringen,
dieser Leere untergeordnet sind.
Sie haben keinen Inhalt, sie tauchen auf und umkreisen die Leere wie eine Achse.
Die Gedanken, die mir beim Laufen durch den Kopf gehen, sind wie die Wolken am Himmel.
Wolken in verschiedenen Formen und Größen. Sie kommen und ziehen vorüber.
Der Himmel jedoch bleibt immer derselbe.
Die Wolken sind nicht mehr als Gäste auf der Durchreise.
Sie tauchen auf und verschwinden wieder. Und nur der Himmel bleibt zurück.
Er existiert und existiert zugleich nicht. Er hat Substanz und ist zugleich substanzlos.
Wir können nicht mehr tun, als die Existenz dieses grenzenlosen Raumes zu akzeptieren
und in uns aufzunehmen.“

(Haruki Murakami)

Melanie LannerUmgang mit Gedanken und Gefühlen

Körper und Seele – Gegensätze oder Einheit?

Melanie Lanner Shiatsu

„Seele und Körper sind wohl Gegensatzpaar und als solches der Ausdruck eines Wesens, dessen Natur weder aus der stofflichen Erscheinung noch aus der inneren unmittelbaren Wahrnehmung erkennbar ist. Man weiß, dass eine altertümliche Anschauung aus dem Zusammenkommen einer Seele mit einem Körper den Menschen entstehen lässt. Es ist aber wohl richtiger, zu sagen, dass ein unerkennbares lebendiges Wesen – über dessen Natur schlechthin nichts auszusagen ist, als dass wir damit undeutlich einen Inbegriff von Leben bezeichnen – äußerlich als stofflicher Körper erscheint, innerlich angeschaut aber als Folge von Bildern der im Körper stattfindenden Lebenstätigkeit. Das eine ist das andere, und der Zweifel befällt uns, ob nicht am Ende diese ganze Trennung von Körper und Seele nichts sei als eine zum Zwecke der Bewusstmachung getroffene Verstandesmaßnahme, eine für die Erkenntnis unerlässliche Unterscheidung eines und desselben Tatbestandes in zwei Ansichten, denen wir unberechtigterweise sogar selbständige Wesenheit zugedacht haben.“
(C. G. Jung, Hervorhebung im Original)

In den letzten Blogartikeln habe ich mich mit der Integration der Polaritäten und dem freien Fluss der Lebensenergie als Voraussetzungen für Gesundheit und Heilung beschäftigt. Eine gegensätzlich verstandene Polarität, die sich durch unser westliches Denken zieht, ist die von Körper und Seele. Körper und Seele werden seit Platon als getrennte Lebensbereiche wahrgenommen. Ganz anders in der östlichen Medizin – so auch im Shiatsu – und in der modernen ganzheitlichen Medizin in den westlichen Ländern: Dort werden Körper, Geist und Seele als Einheit betrachtet. Diesem Zugang folgt auch Arnold Mindell, ein Physiker und Psychotherapeut nach C. G. Jung, der sich insbesondere mit körperlichen Symptomen als Ausdruck des Unbewussten beschäftigt.

Mindell sieht körperliche Symptome und Beschwerden sowie Krankheiten ebenso als Sprache des Unbewussten wie Träume.

„Der Körper drückt unbewusste Strömungen aus, die gerade stattfinden, und zeigt Beziehungsverflechtungen und unausgedrückte Gefühle.” (Mindell 1985: S. 37)

Körperliche Symptome sind in diesem Zusammenhang meist kein Ausdruck krankhafter Phänomene und müssen deshalb auch nicht geheilt werden. Vielmehr fordert der Körper eine Änderung der Lebensumstände und der Bewusstseinseinstellung.

„Die Symptome selber sind Potentiale, sie sind unvollendete oder unvollendbare Ausdrucksformen der realen Persönlichkeit.” (ebd. S. 248)

Das heißt, Körpersignale sind nicht nur Krankheiten, sondern potentiell integrierbare Lebensaspekte.

Bewusstwerdung durch Verstärkung

Eine Möglichkeit, sich der Botschaften der Körpersignale bewusst zu werden, ist die Verstärkung oder das Amplifizieren, wie es in der Jungianischen Psychotherapie genannt wird. Hierbei werden die Körpersignale, z.B. ein Kloß im Hals, nicht geheilt oder weggemacht, nicht ausgeglichen oder verringert, sondern der Hals wird gerade noch mehr verengt, der Kloß wird noch mehr verstärkt.

Lasse die Enge sich in deinem ganzen Körper ausbreiten! Werde selbst die Enge! – Und dann schaue, was passiert… Wie fühlt sich das an? An was erinnert dich das? Wo bist du selbst wie das Körpersymptom? Und warum gehst du in diese Enge? Probiere es doch gleich einmal aus! Denn Bewusstwerdung ist der erste Schritt zur Veränderung – auch von körperlichen Symptomen. Und wenn du dabei Unterstützung suchst, freue ich mich, wenn du einen Termin für eine Shiatsu-Behandlung vereinbarst!

Seele

Körperthemen als Trauminhalt

Außerdem wirken Körperprozesse und Träume zusammen: Träume haben häufig körperliche Beschwerden und Krankheiten zum Inhalt. Ein Beispiel: Eine Klientin von mir leidet unter Menstruationsbeschwerden und Hüftschmerzen, die keine organische Ursache haben. Sie erzählt mir von einem Traum, in welchem die unteren Stockwerke ihres Hauses brennen. Das Feuer zerstört die Stockwerke, bevor die Feuerwehr kommt, um das Feuer zu löschen. In der Tiefenpsychologie steht das Symbol des Hauses im Zusammenhang mit unserem Selbst. Die unteren Stockwerke entsprechen auf der körperlichen Ebene den unteren Körperbereichen wie den Beinen und dem Bauchraum bzw. dem unteren Rücken. Brennen diese also, deutet dies auf ein Ungleichgewicht in dem Körperbereich hin, oder wie wir im Shiatsu sagen würden, auf ein Zuviel an Energie (Jitsu). Der Traum drückt also symbolisch das körperliche Empfinden aus. Im Shiatsu geht es dann darum, das Feuer zu löschen, also die Energie „abzukühlen“, das heißt durch Druck und Berührung zu verteilen und Blockaden zu lösen, damit sie wieder frei fließen kann. Andersherum betrachtet bezeichnet Mindell den Körper auch als „real gewordene Traumwelt“ (ebd. S. 47).

Kennst du Träume, die deine körperlichen Beschwerden bildhaft ausdrücken? Beschäftigt dich gerade ein intensiver Traum, den du nicht verstehst und nicht einordnen kannst? Hast du sich wiederholende Träume? Dann freue ich mich, wenn du deine Träume zu deiner nächsten Shiatsu-Behandlung mitbringst. Vereinbare gleich jetzt einen Termin!
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Literatur: Mindell, Arnold (1985): The Dreambody. Der Körper im Märchen. Krankheit und Individuation. Fellbach-Oeffingen: Bonz.

Eine weitere Möglichkeit, Träume in der Körperarbeit zu erfahren, habe ich bereits in einem Blogartikel vorgestellt, und Informationen dazu findest du hier.

Melanie LannerKörper und Seele – Gegensätze oder Einheit?

Gesundheit durch ungehinderten Lebensfluss

Melanie Lanner Shiatsu

„Es ist nämlich seelisch viel leichter, in einem Bewegungszustand,
in einem Auf- und Abwogen des Geschehens,
als in einem ausgeglichenen Dauerzustand zu leben,
denn in letzerem Zustand
– unbekümmert um seine vielleicht bewundernswerte Höhe und Vollendung –
droht die Erstickung in unerträglicher Langeweile.”
(C. G. Jung)

Im letzten Blogartikel habe ich mich damit beschäftigt, wie über die Integration der Polaritäten und durch Belebung bisher abgelehnter und abgespaltener Körperbereiche, Heilung stattfinden kann. Um ganz zu werden, braucht es die Integration beider Polaritäten (z.B. von Verletzlichkeit und Stärke, Geschehenlassen und Aktivsein, Entspannung und Anspannung). Es geht also im Prozess der Ganzwerdung auch um eine Form des Ausgleichs.

Gesundheit heißt in einer ganzheitlichen Sichtweise, dass der Körper selbst für einen Ausgleich sorgen kann – auch mit Unterstützung von anderen Menschen und Methoden, z.B. vom Shiatsu oder von Heilkräutern. Der Körper ist somit gesund, wenn er für diesen Ausgleich sorgen kann. Ungleichgewicht erzeugt Krankheit oder andere körperlichen Symptome.

Ausgleich bedeutet hingegen nicht Stillstand, kein Verharren in einer vermeintlich ausgeglichenen Mittel-Position, sondern den lebendigen Gang zwischen den Polaritäten. Es braucht Bewegung, um sich selbst gesund zu halten – oder freien Energiefluss, wie es im Shiatsu heißt. Fließt die Energie nicht frei, können Krankheiten und andere körperlichen Symptome die Folge sein. Shiatsu folgt einem System des stufenweisen Krankheitsverlaufs:

  1. Ein Ungleichgewicht zeigt sich auf der ersten Stufe meist mit Müdigkeit und Erschöpfung, verbunden mit genereller Unzufriedenheit. Es wird jedoch keine Veränderung durchgeführt, „obwohl irgendetwas nicht passt“. Auf dieser Krankheitsstufe hilft es, Abstand zu gewinnen (z.B. in der Natur, einen längeren oder kürzeren Urlaub zu machen), um wieder zu sich selbst zu finden.
  2. Auf der zweiten Stufe des Krankheitsverlaufs werden die körperlichen Symptome alltäglich, und die emotionalen Störungen beginnen, ohne dass sich schon pathologische Züge aufweisen, z.B. wachen wir jeden Morgen mit Rückenschmerzen auf.
  3. Auf der dritten Stufe zeigen sich Blutbildveränderungen, Anfälligkeit bestimmter Körperbereiche, z.B. der Atemwege, immer wiederkehrende Blasenentzündungen, chronische Sinusitis.
  4. Auf der vierten Stufe befinden sich die psychischen Störungen, z.B. Depressionen, Panikattacken, Angststörungen
  5. Auf der fünften Stufe kommt es zu Organerkrankungen und degenerativen Prozessen, z.B. Gallen- und Nierensteine, also zu dem, was in der westlichen Medizin als „Krankheit“ betrachtet wird.
  6. Auf der sechsten Stufe kommt es zu Erkrankungen des Nervensystems und zum Versagen des Immunsystems.
  7. Die siebte Stufe bezeichnet Trennung und Segregation, was im Extremfall den Tod bedeutet.

Der stufenweise Krankheitsverlauf bedeutet auch, dass es nicht das in Extremen aufgespaltene Gegensatzpaar Gesundheit oder Krankheit gibt, sondern dass Krankheit und Gesundheit ein Kontinuum ausmachen (vgl. auch das Konzept von Gesundheit in der Salutogenese). Krankheit und körperliche Symptome sind ein Prozess, der mit einem Ungleichgewicht und subtilen Botschaften beginnt. Diese subtilen Botschaften zu verstehen und das, was der Körper in dem Moment als Ausgleich braucht, zu stärken, ist Aufgabe vom Shiatsu. Dann kann die Energie frei fließen – und der Körper bleibt gesund.

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In der östlichen Medizin und somit auch im Shiatsu liegt der Fokus auf dem ungehinderten Lebensfluss. Damit der Lebensfluss, von dem wir Teil sind (vgl. auch C. G. Jungs Begriff des persönlichkeitsüberschreitenden Selbst), fließen kann, müssen starre Fixierungen und vertraut gewordene Gewohnheiten losgelassen werden.

„Begreift sich der Schneemann als kristallisierte Form, deren Wesen in ihrer Festigkeit liegt,
so spürt er eine tödliche Bedrohung.
Fühlt er sich aber als vorübergehend gefrorenes Wasser,
so erlebt er den Vorgang des Schmelzens als Befreiung.“
(Joachim Schrievers)

Denn Leben bedeutet stetige Veränderung. Und erst durch das Loslassen kann Wandlung geschehen. Was bedeutet dies fürs Shiatsu? Durch das Loslassen von Spannungen, von (körperlichen, mentalen und emotionalen) Verhärtungen und Verkrampfungen durch berührenden Druck im Shiatsu können sich Blockaden lösen, und die Energie kann wieder frei fließen. Fließt die Energie in unserem Körper frei, können wir uns spontan und in Freiheit auf die sich verändernden Lebensumstände einstellen und so dem Lebensfluss folgen.

„Das Ziel ist nicht die Ruhe jenseits der Bewegung, sondern inmitten von Bewegung,
nicht der Friede jenseits der Gefühle, sondern inmitten von Gefühlen.“
(Joachim Schrievers)

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin für eine Shiatsu-Behandlung vereinbarst!

Interessierst du dich für den philosophischen Hintergrund vom Shiatsu, der die Verbindung zum Lebensfluss zum Fokus hat, empfehle ich dir das leicht verständliche Buch von Alan Watts über den Taoismus: Watts, Alan (1983): Der Lauf des Wassers. Eine Einführung in den Taoismus. München: Suhrkamp.

Melanie LannerGesundheit durch ungehinderten Lebensfluss

Ganzwerdung bedeutet Heilung.

Melanie Lanner Shiatsu

„Das Erleben einer solchen individuellen Ganzheit und Einheit,
die durch das Wissen um die Endlichkeit der eigenen Existenz, der Relativierung des Ich
und die Bejahung des Lebens zustande kommt,
vermag einem in gelegentlichen Augenblicken das Gefühl von hintergründigem Glück,
von Frieden, von Ekstase oder auch heiterer Gelassenheit zu schenken.
Häufiger aber scheint es sich dabei um eine mehr meditative Mischung
aus merkwürdigen Stimmungen verschiedenster Art zu handeln:
ein überwältigendes Staunen und Wundern,
ein ungläubiges Kopfschütteln und Zweifeln,
ein Schwanken zwischen Besonderheit und Kleinheit,
ein melancholischer Humor, eine heitere Resignation,
eine närrische Weisheit und eine mitfühlende, ohnmächtige Liebe
dieser ganzen unfasslichen menschlichen Existenz gegenüber.“
(Lutz Müller)

Im letzten Blogartikel habe ich mich mit den Begriffen „Ich“ und „Selbst“ von C. G. Jung beschäftigt. Das Selbst ist unser überpersönlicher Teil, der uns mit dem Großen Ganzen verbindet, während das Ich unsere individuelle Persönlichkeit ausmacht. Meist identifizieren wir uns mit unserem Ich, unserer bewussten Persönlichkeit, die durch Erwartungen von außen, durch Erziehung und Sozialisation, durch (emotionale und körperliche) Verletzungen und unseren Umgang damit geprägt ist. Heilung finden wir im Kontakt mit unserem Selbst.

Heilung bedeutet Ganzwerdung.

Etwas, das vorher getrennt war, verbindet sich. Polaritäten, die nur in einem Extrem oder einer Ausprägung gelebt wurden, werden in beiden Aspekten integriert. Dann sind wir stark und verletzlich, weise und nicht-wissend, mitfühlend und aggressiv, würdevoll und demütig sowie __________________ [bitte einsetzen]. Leben wir ausschließlich einen Anteil, greift das Unbewusste ein, um uns auf den anderen Teil der Medaille aufmerksam zu machen und uns aufzufordern, diesen zu integrieren. Dies ist die selbstregulierende und damit heilende Funktion der Psyche. Auch wenn uns ihr Eingreifen oft als unangenehme Last erscheinen mag, ist sie doch der Teil, der uns zur Ganzheit führt. Sind wir beispielsweise in unserem Leben immer nett und freundlich und verstehen uns als ausschließlich guten Menschen, träumen wir vielleicht besonders gewaltsame Träume. Dann ist die Polarität der Aggression ins Unbewusste verdrängt und wird durch Träume, also die Sprache des Unbewussten, in unsere Aufmerksamkeit gelenkt. Wollen wir immer stark sein, alles aushalten und (alleine) durchstehen, erinnert uns unsere Psyche an unsere Schwäche und Verletzlichkeit. Dann werden wir vielleicht krank und müssen uns in die Obhut von Anderen begeben, um unsere Angewiesenheit und damit Verletzlichkeit ausleben zu können.

Auch im Shiatsu geht es um die Integration beider Polaritäten, um über die Polaritäten zur Ganzheit und Heilung zu gelangen. Oft sind es nämlich gerade die Körperteile, die wir ablehnen oder nicht spüren, durch welche sich Symptome äußern. In diesen abgelehnten, abgegrenzten, leblosen und dadurch auch unbewussten Bereichen unseres Körpers und damit auch unseres Gesamterlebens liegen jedoch auch neue Erkenntnisse, Erfahrungen und dadurch Heilmöglichkeiten – wenn wir uns ihnen mit liebevoller Aufmerksamkeit zuwenden.

Beten

Selbsterfahrung:

Gehe von einem Körperempfinden oder Körperbereich aus, den du nicht einordnen kannst und/oder den du ablehnst. Lasse Assoziationen und Phantasien auftauchen, ohne sie zu bewerten. Bleibe dabei ganz bei deiner deinem Körperempfinden und lasse dich durch die Assoziationen nicht vom Hundertsten ins Tausendste führen. Wie fühlt sich der Bereich an? Was spürst du? An was erinnert dich das? Was assoziierst du mit dem Körperbereich? Komme immer wieder zum körperlichen Empfinden zurück. Halte deine Assoziationen und Phantasien in einem ersten Schritt schriftlich oder bildlich fest. Wenn sie noch nicht klar greifbar sind, kannst du sie auch durch plastische Materialien gestalten, in Bewegung/Tanz umsetzen oder ihnen im Automatischen Schreiben Ausdruck verleihen. Dadurch wird dir dein zuerst unbewusstes, unklares und schwammiges Körperempfinden mehr und mehr bewusst.

Nimm dann in einem nächsten Schritt dein gestaltetes Material und verdichte es durch verschiedene Variationen immer mehr zu einem Symbol. Male immer neue Bilder zum gleichen Thema. Schreibe assoziativ zum gefundenen Thema. Achte jedoch wieder darauf, beim ersten Material zu bleiben und dich nicht von Assoziationen davontragen zu lassen. Beobachte, wenn du einen Zugang über den Körperausdruck wählst, welche körperlichen Bewegungen immer wiederkehren und wiederhole sie bewusst, bis sie sich zu einer konkreten Bewegungsabfolge verdichten. Das Material wird dadurch zugleich variantenreicher und dichter.

Ich kenne diesen Zugang vor allem aus der Gruppenselbsterfahrung im Tanz. Dort tanze ich zuerst frei zu einem bestimmten Thema, z.B. zur Wut. Mit der Zeit achte ich darauf, welche Bewegungsabfolgen sich wiederholen und verdichte sie weiter, indem ich sie bewusst wiederhole. Dadurch kristallisiert sich mit der Zeit die Essenz der Bewegung heraus. Diese Essenz wiederhole ich, bis ich sie abrufen und auch mit zeitlichem Abstand wiederholen kann. Von dieser Bewegungsabfolge gehe ich in meiner Reflexion aus.

In einem weiteren Schritt geht es darum, die Gestaltung(en) in ihrem Sinngehalt zu verstehen. Kehre hierfür immer wieder zum gestalteten Material zurück und lasse dich von ihm ausgehend leiten (und nicht von deinem analytischen Verstand oder deinen moralischen Vorstellungen). Was wollen sie dir sagen? Was taucht dazu in dir auf? Was entsteht in dir?

Wenn du im Verstehen nicht weiterkommst, kehre zum Gestalten zurück, sodass ein lebendiger Prozess zwischen Gestalten und Verstehen entsteht. Wenn du merkst, dass du in eine künstlerisch-ästhetisch bewertende Haltung kommst, wechsle auf die Reflexionsebene und frage dich, was dir das Material sagen will. Wenn du den Prozess zerdenkst, komme zum Gestalten zurück. In diesem wechselseitigen Prozess dringst du immer tiefer in die Weisheit deines Körpers ein, ohne dich darin zu verlieren. – Und dein bisher im Unbewussten liegendes Körperempfinden schenkt dir neue Erkenntnisse und Wege der Ganzwerdung und Heilung.

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Ganzheit bedeutet in diesem Zusammenhang persönliche, individuelle Ganzheit, ein gelegentlich erlebtes Gefühl des „Ganz-mit-sich-selbst-eins-Seins“, keine allgemeinmenschliche Vollkommenheit – dies als unvollkommener Mensch erreichen zu wollen, ist Größenwahn. Vielmehr erfährt man eine Einheit der „früher als unvereinbar empfundenen konträren Bedürfnisse, Gefühle und Gedanken“, die dann als zusammengehörig bejaht werden können (Müller 1987: S. 128). Gegensätze können ausgeglichen werden. Das Entweder-Oder wird durch das Sowohl-als-auch ergänzt. Das Leben im Sowohl-als-auch löst die Starre, die Verkrampfung, die Anspannung – auch im Körper, da Körper, Psyche und Geist eine Einheit bilden. Dann dürfen wir alles sein, was wir sind – und das bedeutet Gesundheit im ganzheitlichen Sinn.

Wünschst du dir Begleitung in diesem Prozess? Dann freue ich mich, wenn du dich bei mir meldest und einen Termin für eine Shiatsu-Behandlung vereinbarst. Interessiert dich dieser Zugang? Dann findest du detaillierte Beschreibungen in meinem Buch.
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Literatur: Müller, Lutz (1987): Der Held. Jeder ist dazu geboren. Zürich: Kreuz.

Melanie LannerGanzwerdung bedeutet Heilung.

Shiatsu und Träume

Melanie Lanner Shiatsu

„Träume sind Teil des Lebensflusses,
und sie sind von großer Bedeutung für die Entwicklung des Bewusstseins.
Sie sind der individuelle Ausdruck der inneren Lebenskräfte des Träumers und damit
– wenn wir sie zu lesen vermögen – ein diagnostisches Hilfsmittel.“
(Joachim Schrievers)

Im Zuge meines Buchs habe ich mich viel mit C. G. Jung beschäftigt, dessen Analytische Psychologie die theoretische Basis für mein Buch bildet. Jung geht von einem umfassenden Selbst aus, das neben unserem bewussten Ich auch das Unbewusste umfasst, das sowohl individuelle als auch kollektive Teile in sich trägt. Das Ich, mit dem wir uns zumeist identifizieren, ist also nicht die letzte Instanz unserer Identität, sondern es bildet „nur“ das Zentrum unseres Bewusstseins. Das Bewusstsein ist wiederum Teil des Selbst, das über den bloß persönlichen Bereich hinaus und ins individuelle und kollektive Unbewusste greift. Mehr dazu…

Diese Vorstellung eines umfassenden Selbst liegt auch dem Shiatsu zugrunde, wo Körper, Geist und Seele als Einheit betrachtet werden. Wir sind nicht nur unser Ich, unser Bewusstsein, unser Verstand – sondern ein umfassendes, vielschichtiges Selbst, das auch mit Überpersönlichem im Zusammenhang steht. Deshalb ist es im Shiatsu auch so wichtig, die Lebenssituation des Menschen zu kennen, der mit bestimmten Beschwerden zu uns kommt, denn:

Rückenschmerzen sind nicht gleich Rückenschmerzen.

Diese Sichtweise spielt bei psychosomatischen Beschwerden eine besondere Bedeutung, da Psyche und Körper speziell bei solchen Beschwerdemustern nicht getrennt werden können. Denn manchmal reagiert der Körper mit Symptomen, die keine (erkennbare und diagnostizierbare) physische Ursache haben, sondern er äußert sich auf symbolische Weise: Unser Rücken schmerzt, weil wir zu viel tragen oder immer aufrecht stehen müssen. Wir bekommen keine Luft, weil wir vor lauter Verantwortung keinen Raum mehr zum Atmen haben. Oder wir bekommen eine Erkältung, um unserem Bedürfnis nach Ruhe nachgehen zu können.

In der Shiatsu-Behandlung geht es dann darum, die zugrunde liegenden Themen bewusst zu machen, um neben der Symptomlinderung durch die Behandlung bestimmter Punkte und Körperbereiche die Ursache der Symptome zu finden und so die Basis zu schaffen, dass die Beschwerden nicht mehr entstehen (müssen).

Weg

Wenn sich die zugrunde liegende Thematik nicht „von alleine“ über den Körper und die Reflexion der Körpererfahrung erschließt, können auch Träume ein wichtiger Hinweis auf die zugrunde liegenden Themen sein. Denn Träume schaffen eine Verbindung zu unserem (persönlichen und kollektiven) Unbewussten, das mehr weiß als unserem Ich bewusst ist. Werden Träume bewusst, schenken sie uns in verschlüsselter, bildlicher Weise Erkenntnisse – über unsere körperlichen Beschwerden.

Eine Möglichkeit, uns mit unseren Träumen zu beschäftigen, ist neben dem Aufschreiben und der gedanklichen Beschäftigung (wie es Jung sie in seiner Psychologie tut – Hinweise dazu findest hier) wiederum die Körperarbeit. Im Shiatsu werden dann die Trauminhalte in das Körperempfinden hineingenommen. Hierfür werden alle Trauminhalte (also alle Figuren, Gegenstände, Landschaften, Handlungen etc.) als verschiedene Aspekte des Träumenden selbst betrachtet. Im Traum können wir uns also wie in einem Film von außen betrachten. In einem nächsten Schritt nehmen wir diese (Traum-)Aspekte in unseren Körper hinein und fühlen die in ihnen verborgene Kraft im geschützten Rahmen der Shiatsu-Behandlung. Uns begleiten die Fragen: „Wie fühlt sich dieser oder jener Aspekt des Traumerlebens im Körper an?“ und „Welche Kraft wird in uns durch das Traumbild lebendig?“ Es geht darum, die in den Trauminhalten liegenden Kräfte (die an sich immer neutral sind, auch wenn sie im Traum oft bedrohliche Gestalt annehmen) wahrzunehmen und zuzulassen, denn „erst wenn die im Traum erschienenen Kräfte im Körper ihren Platz gefunden haben, ihr Qi frei fließen kann, stehen sie uns wirklich zur Verfügung beziehungsweise kann der Prozess der Umwandlung des Ich beginnen“ (Schrievers 2004: 390).

Träume können also den Shiatsu-Prozess begleiten und zeigen oftmals auch eine Veränderung an, die durch die Körperarbeit in Gang gebracht wird. Manche Menschen, die sich davor nicht an ihre Träume erinnern konnten, beginnen lebhaft zu träumen. Wiederholungsträume, die uns seit Jahren begleiten, lösen sich auf oder verändern sich. Zum Beispiel wird der gleiche Traum aus einer anderen Perspektive geträumt. Ich hatte auch schon Träume, in denen mir meine Shiatsu-Lehrerin gesagt hat, was die Ursache meiner derzeitigen Beschwerden sind. – Und am nächsten Morgen hatten sie sich aufgelöst. Träume sind also ein wichtiger Hinweis auf die zugrunde liegenden Themen von körperlichen Beschwerden, und die Körperarbeit kann über Druck, Berührung und das begleitende Gespräch auch tiefliegende Thematiken verwandeln.

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin für eine Shiatsu-Behandlung vereinbarst.
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Literatur: Schrievers, Joachim (2004): Durch Berührung wachsen. Shiatsu und Qigong als Tor zu energetischer Körperarbeit. Bern: Hans Huber, S. 385-397.

Melanie LannerShiatsu und Träume

Buchpräsentation

Melanie Lanner Veranstaltung

Mein Buch ist fertig! Das Buch ist eine psychologische Deutung von Tolkiens Meisterwerk “Der Herr der Ringe”. Mehr…

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Und diese Freude will ich bei einer Buchpräsentation mit dir teilen.

Wann: Donnerstag, 28.06.2018 ab 18 Uhr (Lesung ab 18:30 Uhr)
Wo: Café Vergissmeinnicht, Griesgasse 26, 8020 Graz

Ich lade dich herzlich zur Lesung mit Live-Musik und zu einem kleinen Buffet ein!

Eintritt kostenfrei!

Ich freue mich auch, wenn du die Informationen an Interessierte weiterleitest!

 

Melanie LannerBuchpräsentation

Wärme, Rhythmus und Konstanz im Shiatsu

Melanie Lanner Shiatsu

„Vielen meiner Klienten und überhaupt uns allen wünschte ich eine Dame Aiuòla im Änderhaus
[aus „Die Unendliche Geschichte“ von Michael Ende],
deren ganze Existenzaufgabe darin besteht,
Zärtlichkeit, Geborgenheit und Wärme zu geben, so lange,
bis wir zutiefst satt geworden sind an dieser mütterlichen Gabe
und aus dieser Sättigung der Wunsch erwachsen kann, selbst zu lieben.“
(Lutz Müller)

Neben dem Lockern von Anspannungen und der (Wieder)Belebung abgespaltener Anteile (worauf ich im letzten Blogartikel eingegangen bin) hat Shiatsu auch ganz unmittelbare Wirkung auf unser gesamtheitliches psychisches Erleben. Die Berührung im Shiatsu ist wärmend, konstant und rhythmisch. Wärme, Konstanz und Rhythmus sind frühkindliche Erfahrungen – im Mutterleib und besonders in den ersten zwei Lebensjahren. Werden diese frühkindlichen Erfahrungen im Shiatsu wiederholt oder nachgeholt, kann Heilung geschehen… Denn dieser ursprünglich leibhafte Zugang zur Welt begleitet uns ein Leben lang.

Wärme umfasst dabei sowohl körperliche Wärme als auch ein Gefühl von emotionaler Wärme und Geborgenheit. Sie bildet die Basis für Vertrauen in die Welt und für Genussfähigkeit im späteren Leben. Ein regelmäßiger und passender Rhythmus gibt Sicherheit und Halt und ermöglicht das Wahrnehmen von Form und Grenzen, vor allem auch der eigenen Körpergrenzen. Konstanz macht die Erfahrungen von Wärme und Rhythmus verlässlich, sodass sich auch ein Urvertrauen im Inneren entwickeln kann. Erst in diesem Erleben von Beständigkeit können emotionale Bindungen eingegangen und positiv bewältigt werden.

„Erlebte Beständigkeit befähigt uns, ambivalenten, einander zumindest scheinbar entgegengesetzten Gefühlen und Impulsen umzugehen und diese zu integrieren.
Und gerade ein solch reifer Umgang mit einander widerstreitenden Inhalten bildet die Grundlage
für Ausgeglichenheit, Gesundheit und steht als Basis für stabile, verbindliche, reife und ‘ganze’ Beziehungen.“ (Eduard Tripp)

Wärme, Rhythmus und Konstanz sind also grundlegende Erfahrungen in unserem Leben, die auf grundlegende Themen verweisen, die mir auch immer wieder in der Praxis begegnen: Urvertrauen, Grenzen und gesunde Beziehungen. Außerdem sind sie die Basis unseres Selbstverständnisses und Selbstwerts. Auch wie wir unseren Körper wahrnehmen und erleben, wird dadurch geprägt. Wir könnten auch sagen, dass Shiatsu eine Form der mütterlichen Fürsorge und Liebe (wieder)belebt.

„Das innere Wesen der Shiatsu-Behandlung ist wie rein mütterliche Liebe;
der Druck der Hände bringt die Quellen des Lebens zum Fließen.“
(Tokujiro Namikoshi)

Haende

Gerade bei seelischen Themen ist das (Wieder)Erleben dieser Grunderfahrungen von besonderer Bedeutung, da das Erfahren von Wärme und Geborgenheit, Rhythmus und Struktur sowie Konstanz und Verlässlichkeit die Basis für die Wandlung ist. Rhythmus und Verlässlichkeit sind besonders wichtig in Krisensituationen, in denen wir den Halt in unserem Leben sowie Beziehungs- und Lebensordnungen (vorläufig) verloren haben. Der klare Rhythmus und die klare Struktur im Shiatsu können Halt schenken.

Ein weiterer Aspekt, warum Shiatsu gerade auch bei seelischen Themen heilsam sein kann, ist die Verankerung in der Realität, die durch die Körperberührung entsteht. Spüren wir unseren Körper und unsere Körpergrenzen (wieder), kommen wir auch wieder in der Realität an. Das Kopfkino kommt zur Ruhe, das emotionale Auf und Ab findet einen Bezugspunkt, der Körper kann sich entspannen. Meine Klientinnen und Klienten beschreiben dies oft mit den Worten „Jetzt spüre ich den Boden unter meinen Füßen wieder“ oder „Ich fühle mich geerdet“ oder „Ich fühle mich wieder ganz bei mir angekommen“.

Bei sich zu sein, um den Herausforderungen des Lebens begegnen zu können, dies ist auch ein Geschenk vom Shiatsu.

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin vereinbarst!
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Literatur: Tripp, Eduard: Shiatsu aus Sicht der Psychotherapie (pdf)

Melanie LannerWärme, Rhythmus und Konstanz im Shiatsu