Willkommen auf meinem Blog zu Shiatsu und Selbsterfahrung!

Melanie Lanner Willkommen

Die Frage nach meiner Identität  hat mich schon immer beschäftigt. In meiner Kindheit hat sich die Suche nach einer Antwort mit der Frage nach meinem Platz im Leben und dadurch mit meiner Daseinsberechtigung in dieser Welt verbunden. Seitdem ich 16 Jahre alt bin, ist die Frage „Wer bin ich?“ zu einer treibenden Kraft in meinem Leben geworden. Jetzt habe ich auf die Frage zwar noch immer keine fertige Antwort, aber ich weiß, wie essentiell die Frage für mich ist. Sie ist mein Lebensmotto und mein Lebensweg. Mehr…

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“There is a crack in everything. That’s how the light gets in.” (Leonard Cohen)

Neben diesem inneren Erkenntnispfad und dem Bewusstwerden der Polaritäten meines Menschseins umfasst „Sei, wer du bist“ auch die Aufforderung, das, was ich in mir finde, nach außen zu bringen und meine Potentiale zu verwirklichen.

Verschiedene Zugänge haben mir geholfen, diesen Weg der Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung zu gehen. Mein Anliegen ist es, das, was ich erfahren habe, an dich weiterzugeben und dich auf deinem Weg zu deiner Selbst-Entfaltung zu begleiten.

Erkenne dich selbst – verwirkliche deine Potentiale!

Hier auf meinem Blog findest du:

  • Hintergrundinformationen zu Shiatsu und zur ganzheitlichen Gesundheit
  • Wege zur Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung
  • Informationen und Bestellmöglichkeiten meines Buchs Hin zu Fuß – zurück auf Adlerschwingen. “Der Herr der Ringe” als heldenhafte Selbsterfahrung. (opus magnum, 2018)

Auf meiner Homepage zur ganzheitlichen Körperarbeit Berührt! – Mehr als Shiatsu findest du mein Angebot, dich auf diesem Weg zu dir selbst zu begleiten.

Ich freue mich, wenn du dich bei mir meldest, um einen Termin zu vereinbaren oder mit schreibst, was du bei deinen Übungen für dich erfahren hast.

Melanie LannerWillkommen auf meinem Blog zu Shiatsu und Selbsterfahrung!

Gesundheit durch ungehinderten Lebensfluss

Melanie Lanner Shiatsu

„Es ist nämlich seelisch viel leichter, in einem Bewegungszustand,
in einem Auf- und Abwogen des Geschehens,
als in einem ausgeglichenen Dauerzustand zu leben,
denn in letzerem Zustand
– unbekümmert um seine vielleicht bewundernswerte Höhe und Vollendung –
droht die Erstickung in unerträglicher Langeweile.”
(C. G. Jung)

Im letzten Blogartikel habe ich mich damit beschäftigt, wie über die Integration der Polaritäten und durch Belebung bisher abgelehnter und abgespaltener Körperbereiche, Heilung stattfinden kann. Um ganz zu werden, braucht es die Integration beider Polaritäten (z.B. von Verletzlichkeit und Stärke, Geschehenlassen und Aktivsein, Entspannung und Anspannung). Es geht also im Prozess der Ganzwerdung auch um eine Form des Ausgleichs.

Gesundheit heißt in einer ganzheitlichen Sichtweise, dass der Körper selbst für einen Ausgleich sorgen kann – auch mit Unterstützung von anderen Menschen und Methoden, z.B. vom Shiatsu oder von Heilkräutern. Der Körper ist somit gesund, wenn er für diesen Ausgleich sorgen kann. Ungleichgewicht erzeugt Krankheit oder andere körperlichen Symptome.

Ausgleich bedeutet hingegen nicht Stillstand, kein Verharren in einer vermeintlich ausgeglichenen Mittel-Position, sondern den lebendigen Gang zwischen den Polaritäten. Es braucht Bewegung, um sich selbst gesund zu halten – oder freien Energiefluss, wie es im Shiatsu heißt. Fließt die Energie nicht frei, können Krankheiten und andere körperlichen Symptome die Folge sein. Shiatsu folgt einem System des stufenweisen Krankheitsverlaufs:

  1. Ein Ungleichgewicht zeigt sich auf der ersten Stufe meist mit Müdigkeit und Erschöpfung, verbunden mit genereller Unzufriedenheit. Es wird jedoch keine Veränderung durchgeführt, „obwohl irgendetwas nicht passt“. Auf dieser Krankheitsstufe hilft es, Abstand zu gewinnen (z.B. in der Natur, einen längeren oder kürzeren Urlaub zu machen), um wieder zu sich selbst zu finden.
  2. Auf der zweiten Stufe des Krankheitsverlaufs werden die körperlichen Symptome alltäglich, und die emotionalen Störungen beginnen, ohne dass sich schon pathologische Züge aufweisen, z.B. wachen wir jeden Morgen mit Rückenschmerzen auf.
  3. Auf der dritten Stufe zeigen sich Blutbildveränderungen, Anfälligkeit bestimmter Körperbereiche, z.B. der Atemwege, immer wiederkehrende Blasenentzündungen, chronische Sinusitis.
  4. Auf der vierten Stufe befinden sich die psychischen Störungen, z.B. Depressionen, Panikattacken, Angststörungen
  5. Auf der fünften Stufe kommt es zu Organerkrankungen und degenerativen Prozessen, z.B. Gallen- und Nierensteine, also zu dem, was in der westlichen Medizin als „Krankheit“ betrachtet wird.
  6. Auf der sechsten Stufe kommt es zu Erkrankungen des Nervensystems und zum Versagen des Immunsystems.
  7. Die siebte Stufe bezeichnet Trennung und Segregation, was im Extremfall den Tod bedeutet.

Der stufenweise Krankheitsverlauf bedeutet auch, dass es nicht das in Extremen aufgespaltene Gegensatzpaar Gesundheit oder Krankheit gibt, sondern dass Krankheit und Gesundheit ein Kontinuum ausmachen (vgl. auch das Konzept von Gesundheit in der Salutogenese). Krankheit und körperliche Symptome sind ein Prozess, der mit einem Ungleichgewicht und subtilen Botschaften beginnt. Diese subtilen Botschaften zu verstehen und das, was der Körper in dem Moment als Ausgleich braucht, zu stärken, ist Aufgabe vom Shiatsu. Dann kann die Energie frei fließen – und der Körper bleibt gesund.

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In der östlichen Medizin und somit auch im Shiatsu liegt der Fokus auf dem ungehinderten Lebensfluss. Damit der Lebensfluss, von dem wir Teil sind (vgl. auch C. G. Jungs Begriff des persönlichkeitsüberschreitenden Selbst), fließen kann, müssen starre Fixierungen und vertraut gewordene Gewohnheiten losgelassen werden.

„Begreift sich der Schneemann als kristallisierte Form, deren Wesen in ihrer Festigkeit liegt,
so spürt er eine tödliche Bedrohung.
Fühlt er sich aber als vorübergehend gefrorenes Wasser,
so erlebt er den Vorgang des Schmelzens als Befreiung.“
(Joachim Schrievers)

Denn Leben bedeutet stetige Veränderung. Und erst durch das Loslassen kann Wandlung geschehen. Was bedeutet dies fürs Shiatsu? Durch das Loslassen von Spannungen, von (körperlichen, mentalen und emotionalen) Verhärtungen und Verkrampfungen durch berührenden Druck im Shiatsu können sich Blockaden lösen, und die Energie kann wieder frei fließen. Fließt die Energie in unserem Körper frei, können wir uns spontan und in Freiheit auf die sich verändernden Lebensumstände einstellen und so dem Lebensfluss folgen.

„Das Ziel ist nicht die Ruhe jenseits der Bewegung, sondern inmitten von Bewegung,
nicht der Friede jenseits der Gefühle, sondern inmitten von Gefühlen.“
(Joachim Schrievers)

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin für eine Shiatsu-Behandlung vereinbarst!

Interessierst du dich für den philosophischen Hintergrund vom Shiatsu, der die Verbindung zum Lebensfluss zum Fokus hat, empfehle ich dir das leicht verständliche Buch von Alan Watts über den Taoismus: Watts, Alan (1983): Der Lauf des Wassers. Eine Einführung in den Taoismus. München: Suhrkamp.

Melanie LannerGesundheit durch ungehinderten Lebensfluss

Ganzwerdung bedeutet Heilung.

Melanie Lanner Shiatsu

„Das Erleben einer solchen individuellen Ganzheit und Einheit,
die durch das Wissen um die Endlichkeit der eigenen Existenz, der Relativierung des Ich
und die Bejahung des Lebens zustande kommt,
vermag einem in gelegentlichen Augenblicken das Gefühl von hintergründigem Glück,
von Frieden, von Ekstase oder auch heiterer Gelassenheit zu schenken.
Häufiger aber scheint es sich dabei um eine mehr meditative Mischung
aus merkwürdigen Stimmungen verschiedenster Art zu handeln:
ein überwältigendes Staunen und Wundern,
ein ungläubiges Kopfschütteln und Zweifeln,
ein Schwanken zwischen Besonderheit und Kleinheit,
ein melancholischer Humor, eine heitere Resignation,
eine närrische Weisheit und eine mitfühlende, ohnmächtige Liebe
dieser ganzen unfasslichen menschlichen Existenz gegenüber.“
(Lutz Müller)

Im letzten Blogartikel habe ich mich mit den Begriffen „Ich“ und „Selbst“ von C. G. Jung beschäftigt. Das Selbst ist unser überpersönlicher Teil, der uns mit dem Großen Ganzen verbindet, während das Ich unsere individuelle Persönlichkeit ausmacht. Meist identifizieren wir uns mit unserem Ich, unserer bewussten Persönlichkeit, die durch Erwartungen von außen, durch Erziehung und Sozialisation, durch (emotionale und körperliche) Verletzungen und unseren Umgang damit geprägt ist. Heilung finden wir im Kontakt mit unserem Selbst.

Heilung bedeutet Ganzwerdung.

Etwas, das vorher getrennt war, verbindet sich. Polaritäten, die nur in einem Extrem oder einer Ausprägung gelebt wurden, werden in beiden Aspekten integriert. Dann sind wir stark und verletzlich, weise und nicht-wissend, mitfühlend und aggressiv, würdevoll und demütig sowie __________________ [bitte einsetzen]. Leben wir ausschließlich einen Anteil, greift das Unbewusste ein, um uns auf den anderen Teil der Medaille aufmerksam zu machen und uns aufzufordern, diesen zu integrieren. Dies ist die selbstregulierende und damit heilende Funktion der Psyche. Auch wenn uns ihr Eingreifen oft als unangenehme Last erscheinen mag, ist sie doch der Teil, der uns zur Ganzheit führt. Sind wir beispielsweise in unserem Leben immer nett und freundlich und verstehen uns als ausschließlich guten Menschen, träumen wir vielleicht besonders gewaltsame Träume. Dann ist die Polarität der Aggression ins Unbewusste verdrängt und wird durch Träume, also die Sprache des Unbewussten, in unsere Aufmerksamkeit gelenkt. Wollen wir immer stark sein, alles aushalten und (alleine) durchstehen, erinnert uns unsere Psyche an unsere Schwäche und Verletzlichkeit. Dann werden wir vielleicht krank und müssen uns in die Obhut von Anderen begeben, um unsere Angewiesenheit und damit Verletzlichkeit ausleben zu können.

Auch im Shiatsu geht es um die Integration beider Polaritäten, um über die Polaritäten zur Ganzheit und Heilung zu gelangen. Oft sind es nämlich gerade die Körperteile, die wir ablehnen oder nicht spüren, durch welche sich Symptome äußern. In diesen abgelehnten, abgegrenzten, leblosen und dadurch auch unbewussten Bereichen unseres Körpers und damit auch unseres Gesamterlebens liegen jedoch auch neue Erkenntnisse, Erfahrungen und dadurch Heilmöglichkeiten – wenn wir uns ihnen mit liebevoller Aufmerksamkeit zuwenden.

Beten

Selbsterfahrung:

Gehe von einem Körperempfinden oder Körperbereich aus, den du nicht einordnen kannst und/oder den du ablehnst. Lasse Assoziationen und Phantasien auftauchen, ohne sie zu bewerten. Bleibe dabei ganz bei deiner deinem Körperempfinden und lasse dich durch die Assoziationen nicht vom Hundertsten ins Tausendste führen. Wie fühlt sich der Bereich an? Was spürst du? An was erinnert dich das? Was assoziierst du mit dem Körperbereich? Komme immer wieder zum körperlichen Empfinden zurück. Halte deine Assoziationen und Phantasien in einem ersten Schritt schriftlich oder bildlich fest. Wenn sie noch nicht klar greifbar sind, kannst du sie auch durch plastische Materialien gestalten, in Bewegung/Tanz umsetzen oder ihnen im Automatischen Schreiben Ausdruck verleihen. Dadurch wird dir dein zuerst unbewusstes, unklares und schwammiges Körperempfinden mehr und mehr bewusst.

Nimm dann in einem nächsten Schritt dein gestaltetes Material und verdichte es durch verschiedene Variationen immer mehr zu einem Symbol. Male immer neue Bilder zum gleichen Thema. Schreibe assoziativ zum gefundenen Thema. Achte jedoch wieder darauf, beim ersten Material zu bleiben und dich nicht von Assoziationen davontragen zu lassen. Beobachte, wenn du einen Zugang über den Körperausdruck wählst, welche körperlichen Bewegungen immer wiederkehren und wiederhole sie bewusst, bis sie sich zu einer konkreten Bewegungsabfolge verdichten. Das Material wird dadurch zugleich variantenreicher und dichter.

Ich kenne diesen Zugang vor allem aus der Gruppenselbsterfahrung im Tanz. Dort tanze ich zuerst frei zu einem bestimmten Thema, z.B. zur Wut. Mit der Zeit achte ich darauf, welche Bewegungsabfolgen sich wiederholen und verdichte sie weiter, indem ich sie bewusst wiederhole. Dadurch kristallisiert sich mit der Zeit die Essenz der Bewegung heraus. Diese Essenz wiederhole ich, bis ich sie abrufen und auch mit zeitlichem Abstand wiederholen kann. Von dieser Bewegungsabfolge gehe ich in meiner Reflexion aus.

In einem weiteren Schritt geht es darum, die Gestaltung(en) in ihrem Sinngehalt zu verstehen. Kehre hierfür immer wieder zum gestalteten Material zurück und lasse dich von ihm ausgehend leiten (und nicht von deinem analytischen Verstand oder deinen moralischen Vorstellungen). Was wollen sie dir sagen? Was taucht dazu in dir auf? Was entsteht in dir?

Wenn du im Verstehen nicht weiterkommst, kehre zum Gestalten zurück, sodass ein lebendiger Prozess zwischen Gestalten und Verstehen entsteht. Wenn du merkst, dass du in eine künstlerisch-ästhetisch bewertende Haltung kommst, wechsle auf die Reflexionsebene und frage dich, was dir das Material sagen will. Wenn du den Prozess zerdenkst, komme zum Gestalten zurück. In diesem wechselseitigen Prozess dringst du immer tiefer in die Weisheit deines Körpers ein, ohne dich darin zu verlieren. – Und dein bisher im Unbewussten liegendes Körperempfinden schenkt dir neue Erkenntnisse und Wege der Ganzwerdung und Heilung.

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Ganzheit bedeutet in diesem Zusammenhang persönliche, individuelle Ganzheit, ein gelegentlich erlebtes Gefühl des „Ganz-mit-sich-selbst-eins-Seins“, keine allgemeinmenschliche Vollkommenheit – dies als unvollkommener Mensch erreichen zu wollen, ist Größenwahn. Vielmehr erfährt man eine Einheit der „früher als unvereinbar empfundenen konträren Bedürfnisse, Gefühle und Gedanken“, die dann als zusammengehörig bejaht werden können (Müller 1987: S. 128). Gegensätze können ausgeglichen werden. Das Entweder-Oder wird durch das Sowohl-als-auch ergänzt. Das Leben im Sowohl-als-auch löst die Starre, die Verkrampfung, die Anspannung – auch im Körper, da Körper, Psyche und Geist eine Einheit bilden. Dann dürfen wir alles sein, was wir sind – und das bedeutet Gesundheit im ganzheitlichen Sinn.

Wünschst du dir Begleitung in diesem Prozess? Dann freue ich mich, wenn du dich bei mir meldest und einen Termin für eine Shiatsu-Behandlung vereinbarst. Interessiert dich dieser Zugang? Dann findest du detaillierte Beschreibungen in meinem Buch.
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Literatur: Müller, Lutz (1987): Der Held. Jeder ist dazu geboren. Zürich: Kreuz.

Melanie LannerGanzwerdung bedeutet Heilung.

Shiatsu und Träume

Melanie Lanner Shiatsu

„Träume sind Teil des Lebensflusses,
und sie sind von großer Bedeutung für die Entwicklung des Bewusstseins.
Sie sind der individuelle Ausdruck der inneren Lebenskräfte des Träumers und damit
– wenn wir sie zu lesen vermögen – ein diagnostisches Hilfsmittel.“
(Joachim Schrievers)

Im Zuge meines Buchs habe ich mich viel mit C. G. Jung beschäftigt, dessen Analytische Psychologie die theoretische Basis für mein Buch bildet. Jung geht von einem umfassenden Selbst aus, das neben unserem bewussten Ich auch das Unbewusste umfasst, das sowohl individuelle als auch kollektive Teile in sich trägt. Das Ich, mit dem wir uns zumeist identifizieren, ist also nicht die letzte Instanz unserer Identität, sondern es bildet „nur“ das Zentrum unseres Bewusstseins. Das Bewusstsein ist wiederum Teil des Selbst, das über den bloß persönlichen Bereich hinaus und ins individuelle und kollektive Unbewusste greift. Mehr dazu…

Diese Vorstellung eines umfassenden Selbst liegt auch dem Shiatsu zugrunde, wo Körper, Geist und Seele als Einheit betrachtet werden. Wir sind nicht nur unser Ich, unser Bewusstsein, unser Verstand – sondern ein umfassendes, vielschichtiges Selbst, das auch mit Überpersönlichem im Zusammenhang steht. Deshalb ist es im Shiatsu auch so wichtig, die Lebenssituation des Menschen zu kennen, der mit bestimmten Beschwerden zu uns kommt, denn:

Rückenschmerzen sind nicht gleich Rückenschmerzen.

Diese Sichtweise spielt bei psychosomatischen Beschwerden eine besondere Bedeutung, da Psyche und Körper speziell bei solchen Beschwerdemustern nicht getrennt werden können. Denn manchmal reagiert der Körper mit Symptomen, die keine (erkennbare und diagnostizierbare) physische Ursache haben, sondern er äußert sich auf symbolische Weise: Unser Rücken schmerzt, weil wir zu viel tragen oder immer aufrecht stehen müssen. Wir bekommen keine Luft, weil wir vor lauter Verantwortung keinen Raum mehr zum Atmen haben. Oder wir bekommen eine Erkältung, um unserem Bedürfnis nach Ruhe nachgehen zu können.

In der Shiatsu-Behandlung geht es dann darum, die zugrunde liegenden Themen bewusst zu machen, um neben der Symptomlinderung durch die Behandlung bestimmter Punkte und Körperbereiche die Ursache der Symptome zu finden und so die Basis zu schaffen, dass die Beschwerden nicht mehr entstehen (müssen).

Weg

Wenn sich die zugrunde liegende Thematik nicht „von alleine“ über den Körper und die Reflexion der Körpererfahrung erschließt, können auch Träume ein wichtiger Hinweis auf die zugrunde liegenden Themen sein. Denn Träume schaffen eine Verbindung zu unserem (persönlichen und kollektiven) Unbewussten, das mehr weiß als unserem Ich bewusst ist. Werden Träume bewusst, schenken sie uns in verschlüsselter, bildlicher Weise Erkenntnisse – über unsere körperlichen Beschwerden.

Eine Möglichkeit, uns mit unseren Träumen zu beschäftigen, ist neben dem Aufschreiben und der gedanklichen Beschäftigung (wie es Jung sie in seiner Psychologie tut – Hinweise dazu findest hier) wiederum die Körperarbeit. Im Shiatsu werden dann die Trauminhalte in das Körperempfinden hineingenommen. Hierfür werden alle Trauminhalte (also alle Figuren, Gegenstände, Landschaften, Handlungen etc.) als verschiedene Aspekte des Träumenden selbst betrachtet. Im Traum können wir uns also wie in einem Film von außen betrachten. In einem nächsten Schritt nehmen wir diese (Traum-)Aspekte in unseren Körper hinein und fühlen die in ihnen verborgene Kraft im geschützten Rahmen der Shiatsu-Behandlung. Uns begleiten die Fragen: „Wie fühlt sich dieser oder jener Aspekt des Traumerlebens im Körper an?“ und „Welche Kraft wird in uns durch das Traumbild lebendig?“ Es geht darum, die in den Trauminhalten liegenden Kräfte (die an sich immer neutral sind, auch wenn sie im Traum oft bedrohliche Gestalt annehmen) wahrzunehmen und zuzulassen, denn „erst wenn die im Traum erschienenen Kräfte im Körper ihren Platz gefunden haben, ihr Qi frei fließen kann, stehen sie uns wirklich zur Verfügung beziehungsweise kann der Prozess der Umwandlung des Ich beginnen“ (Schrievers 2004: 390).

Träume können also den Shiatsu-Prozess begleiten und zeigen oftmals auch eine Veränderung an, die durch die Körperarbeit in Gang gebracht wird. Manche Menschen, die sich davor nicht an ihre Träume erinnern konnten, beginnen lebhaft zu träumen. Wiederholungsträume, die uns seit Jahren begleiten, lösen sich auf oder verändern sich. Zum Beispiel wird der gleiche Traum aus einer anderen Perspektive geträumt. Ich hatte auch schon Träume, in denen mir meine Shiatsu-Lehrerin gesagt hat, was die Ursache meiner derzeitigen Beschwerden sind. – Und am nächsten Morgen hatten sie sich aufgelöst. Träume sind also ein wichtiger Hinweis auf die zugrunde liegenden Themen von körperlichen Beschwerden, und die Körperarbeit kann über Druck, Berührung und das begleitende Gespräch auch tiefliegende Thematiken verwandeln.

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin für eine Shiatsu-Behandlung vereinbarst.
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Literatur: Schrievers, Joachim (2004): Durch Berührung wachsen. Shiatsu und Qigong als Tor zu energetischer Körperarbeit. Bern: Hans Huber, S. 385-397.

Melanie LannerShiatsu und Träume

Buchpräsentation

Melanie Lanner Veranstaltung

Mein Buch ist fertig! Das Buch ist eine psychologische Deutung von Tolkiens Meisterwerk “Der Herr der Ringe”. Mehr…

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Und diese Freude will ich bei einer Buchpräsentation mit dir teilen.

Wann: Donnerstag, 28.06.2018 ab 18 Uhr (Lesung ab 18:30 Uhr)
Wo: Café Vergissmeinnicht, Griesgasse 26, 8020 Graz

Ich lade dich herzlich zur Lesung mit Live-Musik und zu einem kleinen Buffet ein!

Eintritt kostenfrei!

Ich freue mich auch, wenn du die Informationen an Interessierte weiterleitest!

 

Melanie LannerBuchpräsentation

Wärme, Rhythmus und Konstanz im Shiatsu

Melanie Lanner Shiatsu

„Vielen meiner Klienten und überhaupt uns allen wünschte ich eine Dame Aiuòla im Änderhaus
[aus „Die Unendliche Geschichte“ von Michael Ende],
deren ganze Existenzaufgabe darin besteht,
Zärtlichkeit, Geborgenheit und Wärme zu geben, so lange,
bis wir zutiefst satt geworden sind an dieser mütterlichen Gabe
und aus dieser Sättigung der Wunsch erwachsen kann, selbst zu lieben.“
(Lutz Müller)

Neben dem Lockern von Anspannungen und der (Wieder)Belebung abgespaltener Anteile (worauf ich im letzten Blogartikel eingegangen bin) hat Shiatsu auch ganz unmittelbare Wirkung auf unser gesamtheitliches psychisches Erleben. Die Berührung im Shiatsu ist wärmend, konstant und rhythmisch. Wärme, Konstanz und Rhythmus sind frühkindliche Erfahrungen – im Mutterleib und besonders in den ersten zwei Lebensjahren. Werden diese frühkindlichen Erfahrungen im Shiatsu wiederholt oder nachgeholt, kann Heilung geschehen… Denn dieser ursprünglich leibhafte Zugang zur Welt begleitet uns ein Leben lang.

Wärme umfasst dabei sowohl körperliche Wärme als auch ein Gefühl von emotionaler Wärme und Geborgenheit. Sie bildet die Basis für Vertrauen in die Welt und für Genussfähigkeit im späteren Leben. Ein regelmäßiger und passender Rhythmus gibt Sicherheit und Halt und ermöglicht das Wahrnehmen von Form und Grenzen, vor allem auch der eigenen Körpergrenzen. Konstanz macht die Erfahrungen von Wärme und Rhythmus verlässlich, sodass sich auch ein Urvertrauen im Inneren entwickeln kann. Erst in diesem Erleben von Beständigkeit können emotionale Bindungen eingegangen und positiv bewältigt werden.

„Erlebte Beständigkeit befähigt uns, ambivalenten, einander zumindest scheinbar entgegengesetzten Gefühlen und Impulsen umzugehen und diese zu integrieren.
Und gerade ein solch reifer Umgang mit einander widerstreitenden Inhalten bildet die Grundlage
für Ausgeglichenheit, Gesundheit und steht als Basis für stabile, verbindliche, reife und ‘ganze’ Beziehungen.“ (Eduard Tripp)

Wärme, Rhythmus und Konstanz sind also grundlegende Erfahrungen in unserem Leben, die auf grundlegende Themen verweisen, die mir auch immer wieder in der Praxis begegnen: Urvertrauen, Grenzen und gesunde Beziehungen. Außerdem sind sie die Basis unseres Selbstverständnisses und Selbstwerts. Auch wie wir unseren Körper wahrnehmen und erleben, wird dadurch geprägt. Wir könnten auch sagen, dass Shiatsu eine Form der mütterlichen Fürsorge und Liebe (wieder)belebt.

„Das innere Wesen der Shiatsu-Behandlung ist wie rein mütterliche Liebe;
der Druck der Hände bringt die Quellen des Lebens zum Fließen.“
(Tokujiro Namikoshi)

Haende

Gerade bei seelischen Themen ist das (Wieder)Erleben dieser Grunderfahrungen von besonderer Bedeutung, da das Erfahren von Wärme und Geborgenheit, Rhythmus und Struktur sowie Konstanz und Verlässlichkeit die Basis für die Wandlung ist. Rhythmus und Verlässlichkeit sind besonders wichtig in Krisensituationen, in denen wir den Halt in unserem Leben sowie Beziehungs- und Lebensordnungen (vorläufig) verloren haben. Der klare Rhythmus und die klare Struktur im Shiatsu können Halt schenken.

Ein weiterer Aspekt, warum Shiatsu gerade auch bei seelischen Themen heilsam sein kann, ist die Verankerung in der Realität, die durch die Körperberührung entsteht. Spüren wir unseren Körper und unsere Körpergrenzen (wieder), kommen wir auch wieder in der Realität an. Das Kopfkino kommt zur Ruhe, das emotionale Auf und Ab findet einen Bezugspunkt, der Körper kann sich entspannen. Meine Klientinnen und Klienten beschreiben dies oft mit den Worten „Jetzt spüre ich den Boden unter meinen Füßen wieder“ oder „Ich fühle mich geerdet“ oder „Ich fühle mich wieder ganz bei mir angekommen“.

Bei sich zu sein, um den Herausforderungen des Lebens begegnen zu können, dies ist auch ein Geschenk vom Shiatsu.

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin vereinbarst!
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Literatur: Tripp, Eduard: Shiatsu aus Sicht der Psychotherapie (pdf)

Melanie LannerWärme, Rhythmus und Konstanz im Shiatsu

Wie zeigen sich psychische Themen im Körper?

Melanie Lanner Shiatsu

„In jedem Yin liegt der Keim des Yang,
in jeder Schwäche ist auch ihr Potential enthalten,
das sie in eine Stärke umzuwandeln vermag.“
(Joachim Schrievers)

Im letzten Blog-Artikel bin ich auf die Begriffe „Ich“ und „Selbst“ von C. G. Jung eingegangen. Jetzt beschäftige ich mich damit, wie sich psychische Themen im Körper zeigen (können).

Die Polarität von Anspannung und Entspannung ist im Shiatsu von zentraler Bedeutung. Anspannungen, die keine physischen Ursachen haben, sind mehr als bloße Muskelverkrampfungen, die zum Beispiel durch eine „schlechte Haltung“ entstehen. Vielmehr deuten Spannungen an, dass wir versuchen, uns unbewusst vor Erfahrungen, Gefühlen, Erinnerungen oder Anderem, das uns unangenehm ist, zu schützen. Werden im Shiatsu die Spannungen gelöst, löst sich auch dieser Schutz auf und zuvor unbewusste Themen kommen an die Oberfläche und ins Bewusstsein. Gleichzeitig erlangen wir mehr Flexibilität in unserem Verhalten, Denken und Fühlen, sobald unser Körper die Anspannung loslässt und dadurch durchlässiger, weicher, offener wird.

Auch Erschlaffung und Gefühllosigkeit in manchen Körperbereichen oder im ganzen Körper sind ein wichtiger Hinweis auf abgespaltene Gefühle und ungelebte Persönlichkeitsanteile. Oft begegnen sie mir in der Praxis nach physischen und emotionalen Traumata. Nach der Geburt unserer Tochter hatte ich zum Beispiel einen Bereich in der Hüfte nur noch ganz schwammig, wie durch Watte wahrgenommen. Im Shiatsu habe ich die Stelle nicht wirklich gespürt, also nicht so, als würde sie direkt berührt werden können, sondern nur über eine Schutzschicht. Das war auffällig für mich. Deshalb habe ich mich mit meiner Shiatsu-Praktikerin auf diesen Bereich fokussiert und ihn mit Berührungen und Achtsamkeit eingeladen, sich wieder mit dem restlichen Körper zu verbinden und die Watteschutzschicht loszulassen. Begleitet durch Atmung und Aufmerksamkeit ist uns dies gelungen. Darüber bin ich sehr dankbar, vor allem auch, weil ich weiß, dass aus diesen subtilen Körperbotschaften, wenn sie länger nicht beachtet und nicht in den ganzen Körper integriert werden, manifeste körperliche Beschwerden – wie in meinem Fall zum Beispiel Hüftschmerzen – entstehen können.

Der Körper wird also nicht nur durch Erfahrungen in der physischen Welt geprägt (wie zum Beispiel durch das Essen, das wir zu uns nehmen, die Luft, die wir atmen und wie wir uns bewegen), sondern speichert auch Emotionen und Erfahrungen. Dieses Körpergedächtnis wird über Shiatsu angesprochen. Über den Körper können daher auch emotionale und mentale Blockaden angesprochen und befreit werden.

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Wunde Punkte sind dabei oft die, von denen Veränderungen ausgehen, denn viele Beschwerden resultieren aus den Abwehr- und Schutzmechanismen, die wir entwickelt haben, um die wunden Punkte nicht zu spüren und nicht an ihnen berührt zu werden. Werden diese oft unbewussten Mechanismen über die Körperarbeit gelockert, kann Veränderung entstehen – in unserem Leben als ganzer Mensch.

Dafür kannst du dir selbst die Frage stellen, was sich in deinem Leben ändern würde, wenn du dich so entspannt/gelöst/beweglich/energiegeladen/kräftig/ _________________ [bitte einsetzen] fühlst, wie nach einer Shiatsu-Behandlung, in einer Meditation, in einer für dich angenehmen Bewegung oder in einer anderen Situation, in der du dich selbst gut spüren kannst. Was ändert sich durch die veränderte Körperwahrnehmung in dir als ganzer Mensch? Wie würde sich dein Leben ändern, wenn du ihm in einer solchen Haltung begegnest?

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Foto: Lolowaro974(CC BY 2.0)

Unser Schatten

Verdrängte Aspekte unserer selbst bezeichnet C. G. Jung als unseren „Schatten“. Diesen können wir neben der Körperarbeit auch durch unsere Projektionen auf andere auf die Spur kommen: Wer regt dich so richtig auf? Und warum? Über wen ärgerst du dich immer wieder? Und worüber genau? – Und: Was hat das mit dir zu tun? Lebt die Person Aspekte aus, die du dir verwehrst? Zeigt sie dir etwas auf, was du an dir selbst nicht wahrhaben willst?

Diese projizierten Anteile zu sich selbst zurückzunehmen und für sie Verantwortung zu übernehmen, ist ein Weg zur Ganzwerdung und damit zur Heilung.

„Nicht Licht und Schatten vereinigen sich dabei in einem verwaschenen Halbdunkel,
sondern wir erfahren eine Qualität, die von Licht und Schatten nicht berührt wird, den Berg.
Voraussetzung für diese Umwandlung ist, dass wir die in unseren Blockierungen und Problemen steckende Kraft nicht ablehnen und bekämpfen, sondern beginnen, mit ihr zu ‚arbeiten‘, beziehungsweise zu spielen.“
(Joachim Schrievers)

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Melanie LannerWie zeigen sich psychische Themen im Körper?

Das Ich und das Selbst

Melanie Lanner Selbstbegegnung, Shiatsu

Nicht ich lebe, es lebt mich.
(C. G. Jung)

Nachdem ich im letzten Blogartikel auf C. G. Jungs Zugang zur östlichen Weisheitslehre eingegangen bin und herausgearbeitet habe, dass er auch daraus seinen Begriff und seine Vorstellung des „kollektiven Unbewussten“ (als Ergänzung zum bloß persönlichen Unterbewussten) entwickelt hat, welches alle Menschen – unabhängig historischen und kulturellen Kontext miteinander teilen –, will ich jetzt noch etwas tiefer in diesen Raum eintreten, in welchem die bloße Ich-Identität um eine überpersönliche Entität ergänzt wird. C. G. Jung nennt diesen Teil „Selbst“. Mehr…

Das Ich und das persönliche Unbewusste sind in das kollektive Unbewusste eingebunden, und dem kollektiven Unbewussten liegt das Selbst zugrunde, denn das Selbst ist die Mitte allen Seins (Schrievers 2004: S. 306).

„Insofern es [das Selbst] eine complexio oppositorum, eine Vereinigung von Gegensätzen, darstellt, kann es auch als eine geeinte Zweiheit erscheinen, wie zum Beispiel das Tao als Zusammenspiel von yang und yin.”
(C. G. Jung, GW 6, § 891).

Heilung geht vom Selbst aus, das seine Impulse, z.B. in Form von Träumen, in die Psyche und das Ich aussendet. Andere Impulse sind körperliche Beschwerden und Symptome, die als Botschaften des Selbst verstanden werden können. Die Weisheit unseres Körpers überschreitet unsere oftmals festgefahrenen und überholten Lebensvorstellungen und Erwartungen – und verbindet uns mit unserer inneren Weisheit, unserem Selbst. Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin vereinbarst.
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Literatur: Müller, Lutz (1986): Suche nach dem Zauberwort. Identität und schöpferisches Leben. Stuttgart: Kreuz

Himalaya

Andere Möglichkeiten, mit deinem Selbst in Kontakt zu kommen, findest du unter “Selbst-Gespräche“: der Weg über Träume, über Symbole, über Geschichten, über Imaginationen, über Rituale, über Synchronizitäten, über ein symbolisches Leben und über unsere Gefühle. Ein Zugang, unseren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, sind Gefühlsbilder. Schaue auf meine Galerie – und lass dich inspirieren, deine eigenen Gefühle zu gestalten!

Für Frauen ist auch die Menstruation eine Türöffnerin zu ihrem Selbst. Informationen zu Shiatsu und Menstruation findest du unter “Frauengesundheit”. Ergänzt habe ich den Artikel um eine Tabelle, welche die Sprache des Menstruationsblutes zusammenfasst (du findest sie hier als pdf).

Und noch eine weitere Ergänzung zu meinen bisherigen Artikeln findest du auf meinem Blog: Ich habe meinen Selbstheilungsweg um meinen spirituellen Zugang ergänzt: einen Zugang, der danach fragt, warum ich mich überhaupt mit mir selbst beschäftigen sollte. Und der wiederum an das Selbst anschließt.

Melanie LannerDas Ich und das Selbst

C. G. Jung und östliche Weisheitslehre

Melanie Lanner Shiatsu

„Die meisten, wenn nicht alle körperlichen wie seelischen Störungen lassen sich darauf zurückführen, dass die Dynamik der Polaritäten im Menschen gestört ist,
weil bestimmte seelische Funktionen gehemmt oder nicht entwickelt sind
und weil bestimmte wesentliche Eigenschaften der Persönlichkeit
nicht zugelassen oder gelebt werden“.
(Lutz Müller)

Neben dem Daoismus (im Deutschen oft auch “Taoismus” geschrieben) und dem Zen-Buddhismus, auf welchen Shiatsu theoretisch basiert, liegt meiner Arbeit das Konzept der Ganzwerdung nach C. G. Jung zugrunde.

Ganzwerdung bedeutet, nicht nur eine Polarität zu leben, wie z.B. stark zu sein, sondern ebenfalls den Gegenpol, z.B. die Verletzlichkeit, ins eigene Leben einzuladen. Die grundlegende Polarität im Shiatsu ist Yin und Yang, aus der alles Leben hervorgeht. Ganzwerdung bedeutet Heilung.

C. G. Jung selbst hat sich mit östlicher Weisheitslehre beschäftigt und seine Gedanken besonders im Vorwort des Buches “Das Geheimnis der Goldenen Blume” formuliert. In deutscher Übersetzung ist es durch Richard Wilhelm herausgebracht worden, der als wichtigster deutschsprachiger Kenner der chinesischen Philosophie gilt. Wilhelm hat Jung eingeladen, ein Vorwort zu seiner Übersetzung des chinesischen Textes zu schreiben, in welchem es um die Bewusstseinsentwicklung des Menschen geht.

Für Jung ist insbesondere auffällig, dass die Metaphern, die in “Das Geheimnis der Goldenen Blume” verwendet werden, spontan auch in Träumen seiner KlientInnen auftauchen, die noch nie von chinesischer Weltsicht etwas gehört haben. Die Bilder scheinen also aus den tiefsten Schichten der Seele hervor zu steigen und Menschen unabhängig von Zeit und Raum zu begleiten. Dieser Gedanke der kulturellen und zeitlichen Unabhängigkeit hat für ihn zur Entwicklung des Konzepts des “kollektiven Unbewussten” geführt. Jung geht davon aus, dass alle Menschen – egal wo und wann sie leben – diese urmenschlichen Erfahrungen und dadurch auch Bilder teilen. Eines das für ihn wichtigsten Symbole ist das Mandala, das die Selbstwerdung des Menschen bildlich ausdrückt.

Das Malen von Mandalas ist auch im Zen-Buddhismus eine wichtige Übung zur Konzentration. Als ich in Nepal war, habe ich einige Thangka-MalerInnen (eine spezielle Form des Mandalas) kennengelernt. Ich war erstaunt und begeistert, mit welcher Hingabe sie sich den kleinsten Details des Bildes widmen. Ich würde die Geduld dafür nicht aufbringen und würde mich durch den großen Teil, der noch leer ist, gestresst fühlen. Doch genau darum geht es beim Tangka-Malen: Ganz präsent im Moment und bei dem zu sein, was du gerade tust. Das ist Meditation. Und in der Meditation können wir uns an das Selbst, das Dao, das All-Eine, das Große Ganze – egal, wie du es nennst – anschließen.

Thangka-Malerin in Pasadur (Nepal)

Thangka-Malerin in Pasadur (Nepal)

Dem kollektiven Unbewussten wohnt außerdem die Kraft inne, dass Menschen ein Problem – seien es körperliche Beschwerden oder emotional-seelische Themen – überwachsen:

“d.h. irgendein höheres und weiteres Interesse trat in den Gesichtskreis, und durch diese Erweiterung des Horizonts verlor das unlösbare Problem die Dringlichkeit. Das heißt, es wird nicht in sich selbst logisch gelöst, sondern verblasste gegenüber einer neuen und stärkeren Lebensrichtung. Es wurde aber auch nicht verdrängt und unbewusst gemacht, es erschien bloß in einem anderen Licht – und wurde so auch anders.”
(Jung/Wilhelm 1971: 12)

Dabei erkennt Jung, dass die wirklich wichtigen und großen Themen und Lebensprobleme nicht gelöst werden, sondern nur überwachsen werden können. Außerdem geht er davon aus, dass der Keim dieser Fähigkeit in allen Menschen vorhanden ist und unter günstigen Umständen zur Entfaltung kommen kann. Dass diese Fähigkeit zur Entfaltung kommt, setzt jedoch kein aktives Tun voraus, sondern geschieht von selbst (was im Taoismus als “Wu Wei – Tun durch Nichts-Tun” bezeichnet wird).

Diese Erfahrung habe ich auch in meiner Praxis gemacht: Da geht es monatelang um das gleiche Thema – körperlich oder emotional. Und dann ist plötzlich keine Rede mehr davon. Wenn ich nachfrage, sind meine KlientInnen oft erstaunt: Stimmt, daran habe ich gar nicht mehr gedacht. Das hat sich “wie von selbst erledigt”. Kennst du selbst solch überwachsene Lebensprobleme?

Im Shiatsu beschäftigen wir uns konkret mit dem Ausgleichen der Pole, vor allem von Leere (kyo) und Fülle (jitsu), und dem freien Fluss zwischen den Polaritäten. So können vorher verdrängte (energieleere) Körper- und damit Lebensbereiche integriert und Spannungen aufgelöst werden, welche eine Reaktion auf Energiefülle in einem Körperbereich sind. Außerdem wird durch die Körpererfahrung bewusst, welche Seite es im alltäglichen Leben einzuladen gilt.

„Energetische Ausgeglichenheit ist also kein statischer Zustand ohne Spannung, sondern der permanente Ausgleich durchgehend vorhandener Spannungsfelder. Das eigentliche Problem für uns ist nicht das Spannungsfeld, sondern unsere mangelnde Fähigkeit, es zwischen den beiden Polen fließen zu lassen. Je weniger uns dies gelingt, desto mehr versuchen wir, Spannungen zu vermeiden, mitunter auch dadurch, dass wir einen Pol des Spannungsfeldes ausblenden und so zu einer die Wirklichkeit verzerrenden Scheinharmonie finden. Damit fällt zwar die Spannung aus unserem Wahrnehmungsfeld, jedoch nicht aus unserem Leben. Wenn wir ihr aber in unserem Bewusstsein keine Chance geben, berauben wir uns selbst der Möglichkeit, mit ihr zu arbeiten. Statt dessen beginnen die Spannungen mit uns zu arbeiten, unsere Muskeln zu verkrampfen oder auf andere Weise unsere Körperfunktionen zu beeinträchtigen: Wir somatisieren. Wollen wir körperliche Beschwerden heilen, so müssen wir den Energiefluss fördern; den Energiefluss fördern aber heißt, sich den Spannungsfeldern des Lebens zu öffnen, der Widersprüchlichkeit der Welt in uns selbst einen Platz zu geben und an ihr zu wachsen.“
(Schrievers 2004: 406)

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin vereinbarst.

Eine Erfahrung aus dem Shiatsu lässt sich auch auf unser praktisches Leben übertragen: Oftmals liegt einer Beschwerde scheinbar eine Energiefülle zugrunde, z.B. sind Kopfschmerzen durch Anspannung im Nacken bedingt. Schauen wir jedoch etwas tiefer, erkennen wir, dass die eigentliche Ursache in einer (Energie-)Leere liegt. So auch in unserem alltäglichen Leben. – Und manchmal hilft es, so paradox es auf den ersten Blick vielleicht scheint, erst den starken Teil noch etwas mehr zu leben, z.B. noch schneller (weil gestresst) zu gehen, bevor es „wie von selbst“ ins Gegenteil umschlägt und wir mehr Ruhe und Langsamkeit finden. Probiere es doch einfach einmal aus!
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(*) ein daoistischer Text aus dem chinesischen Yoga
(**) in welchem er sich u.a. von Freud deutlich unterscheidet, der ausschließlich von einem persönlichen Unterbewusstsein ausgeht

Literatur:

Jung, C. G./Wilhelm, Richard (1971): Das Geheimnis der Goldenen Blüte. Ein chinesisches Lebensbuch. 18. Auflage. Olten: Walter.

Schrievers (2004): Durch Berührung wachsen. Shiatsu und Qigong als Tor zu energetischer Körperarbeit. Bern: Hans Huber, S. 303-311.

Melanie LannerC. G. Jung und östliche Weisheitslehre