Endometriose

… aus ganzheitlicher Sicht

„Sie [Endometriose] ist ein Versuch des Körpers,
uns an unsere weibliche Natur,
unser Bedürfnis nach Pflege und Schutz der eigenen Person
und nach Kontakt mit anderen Frauen zu erinnern.“
(Northrup 2010: 186).

Ich war letzte Woche bei einer Informationsveranstaltung vom Frauengesundheitszentrum in Graz (FGZ) zu Endometriose, da ich mich schwerpunktmäßig mit Frauengesundheit beschäftige. An dieser Stelle möchte ich zusammenfassen, was ich über Endometriose (auch ergänzend in Büchern) gelernt habe und dieses Wissen mit dir teilen. Außerdem will ich zeigen, wie Shiatsu dich bei Endometriose unterstützen kann und was du selbst tun kannst. Dazu findest du hier mehr Informationen.

Was ist Endometriose?

Endometriose ist eine Versprengung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium = Gebärmutterschleimhaut, welche die Uterushöhle auskleidet und normalerweise nur dort wächst) in andere Bereiche des Körpers, hauptsächlich in die Beckenorgane, das Bauchfell (das die Organe der Beckenhöhle umgibt) und den Darm.

Endometriose ist die häufigste gynäkologische Erkrankung: 5 bis 15 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter sind laut FGZ davon betroffen. Und die Häufigkeit nimmt zu. Die große Bandbreite beruht darauf, dass es kaum Studien und erst seit Kurzem einen Leitfaden für GynäkologInnen zur Diagnose von Endometriose im deutschsprachigen Raum gibt. 20 bis 48 Prozent aller unfruchtbaren Frauen leiden unter Endometriose. Junge Frauen, die unter chronischen Unterbauchschmerzen leiden, sind zu 70 Prozent von Endometriose betroffen.

Manchmal geht Endometriose mit Übelkeit, Darmbeschwerden (z.B. Durchfall, Verstopfung), Müdigkeit und Blut im Urin einher. Die Diagnose ist schwierig, da diese Symptome auch andere Ursachen haben können und Endometriose nicht routinemäßig bei diesen Beschwerden untersucht wird.

Endometriose und dessen Symptome stehen mit dem Hormonhaushalt im Zusammenhang: meist verschlimmern sich die Symptome beim Eisprung, vor und während der Menstruation.

Wie tritt Endometriose in Erscheinung?

Meist geht Endometriose mit Schmerzen im unteren Bauch und Rücken sowie im Beckenraum einher. Ein weiteres klassisches Symptom sind anormale Menstruationszyklen. Manchmal verursacht Endometriose auch Schmerzen während dem Geschlechtsverkehr. Endometriose steht im Zusammenhang mit Unfruchtbarkeit, auch wenn die Art des Zusammenhangs medizinisch noch nicht geklärt ist. Manchmal ist der Verlauf auch schmerzfrei, weswegen Endometriose zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt wird.

Northrup, eine amerikanische Ärztin, geht in ihrem Buch “Frauenkörper – Frauenweisheit” davon aus, dass jede Frau bei gründlicher Untersuchung endometrisches Gewebe aufweist. Die meisten Frauen haben jedoch keine Symptome, daher stellt sich die Frage, warum nur manche und nicht alle Frauen Symptome bekommen. Die medizinische Forschung kann diese Frage nicht beantworten, deshalb muss jede Frau in sich selbst die Antwort finden und die Botschaften ihrer Körpers entschlüsseln.

Shiatsu ist eine Möglichkeit, deinen Körperbotschaften auf den Grund zu gehen
und dein Leben nach diesen Botschaften auszurichten.

Wie wird Endometriose diagnostiziert?

Wichtig zu wissen ist, dass Endometriose sehr häufig gar nicht festgestellt wird, weil von „normalen“ Menstruationsbeschwerden ausgegangen wird und deshalb kein Verdacht auf Endometriose fällt. Die durchschnittliche Dauer vom Auftreten der ersten Symptome bis zur endgültigen Diagnose beträgt sieben Jahre.

Um in der Diagnose sicher zu gehen, ist eine Bauchspiegelung nötig. In seltenen Fällen lässt sie sich bei einer normalen gynäkologischen Untersuchung feststellen, z.B. wenn sich endometrisches Gewebe an der Vagina oder im Gebärmutterhals erkennen lässt.

Wie entsteht Endometriose?

Wie Endometriose entsteht, ist durch keine allgemeingültige Theorie belegt. Es gibt Theorien, die besagen, dass Endometriose durch Menstruationsblut entsteht, das durch eine offene Eileiter in den Bauchraum oder ins Beckengewebe gelangt. Weitere Theorien besagen, dass sich Zellen im Bauchfell in Endometriose-Zellen verwandeln oder dass bei einer Operation Endometriose-Gewebe verschleppt wird. Auch genetische Ursachen könnten eine Rolle spielen. Northrup geht davon aus, dass Endometriose angeboren und bereits bei der Geburt vorhanden ist. Außerdem werden Zusammenhänge mit einer geschwächten Immunabwehr und einer östrogenfördernden Ernährung gesehen. Psychisch-seelische Hintergründe, z.B. in den Themen „Frausein“ und „Weiblichkeit“ können eine Rolle spielen.

Wie wird Endometriose schulmedizinisch behandelt?

Zumeist wird das endometrische Gewebe operativ entfernt, manchmal auch die gesamte Gebärmutter und die Eierstöcke. Eine schulmedizinische Alternative zur Operation stellt die medikamentöse Behandlung mit Hormonen dar, um die Gebärmutterschleimhaut auszutrocknen. Dabei wird der Hormonspiegel so gesenkt, dass es nicht mehr zu Mentruationsblutungen kommt. Natürliches Progesteron kann laut Northrup die Symptome verringern. Sprich am besten darüber mit deiner Frauenärztin/deinem Frauenarzt.

Wie kann Shiatsu bei Endometriose helfen?

Durch ein ganzheitliches Körper- und Menschenbild setzt Shiatsu bei Endometriose auf mehreren Ebenen an:

  • Die Meridianenergien werden durch die Behandlung ins Gleichgewicht gebracht, dadurch können körperliche Symptome gelindert werden. Einzelne Punkte, die mit dem Blut- und Energiefluss im Beckenraum in Zusammenhang stehen, werden unterstützend stimuliert. Shiatsu hilft, das Blut ins Fließen zu bringen und Stagnationen im Beckenbereich aufzulösen. Dadurch können akute und chronische Schmerzen, die mit Endometriose im Zusammenhang stehen, gelindert werden.
  • Shiatsu stärkt das Immunsystem. Northrup verweist auf den Zusammenhang zwischen Endometriose und einem geschwächten Immunsystem. Für sie ist ein umfassendes Behandlungsprogramm, welches das Immunsystem unterstützt, am geeignetsten bei Endometriose.
  • In der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM), die Shiatsu theoretisch zugrundeliegt, wird Endometriose als Kälteschaden in der Gebärmutter betrachtet. Kälte ist zumeist ein Symptom von Energie-Leere in dem „kalten“ Körperbereich. Shiatsu wirkt ausgleichend auf den Energiefluss: Wenn im Körper irgendwo zu wenig Energie ist (in diesem Fall im Becken), ist woanders zu viel Energie. Shiatsu kann einen Ausgleich der Energien im Körper unterstützen, sodass Energie aus einem Energie-Fülle-Bereich des Körpers in die „kalte“ Gebärmutter zurückfließt. Die Zusammenhänge sind sehr komplex, weswegen es ratsam ist, eine Expertin auf diesem Gebiet aufzusuchen: entweder eine Shiatsu-Praktikerin oder eine TCM-Ärztin, die beide in diesen komplexen Zusammenhängen fundiert ausgebildet sind.
  • Darüber hinaus schafft Shiatsu einen Raum, dich mit dir selbst und deinem Körper zu verbinden. So wird Endometriose zu einer Botschaft deines Körpers, statt zu einem Symptom, das du möglichst schnell beseitigen musst, oder einem Problem, das es zu lösen gilt. Wir beschäftigen uns in der Behandlung mit den Ursachen und Ursprüngen der Endometriose: Was sind meine emotionalen Bedürfnisse? Welche beruflichen und privaten Veränderungen wären für mich wirklich förderlich? Welche Konflikte trage ich über meinen Körper aus? Habe ich Möglichkeiten, mich wirklich zu regenerieren? Was brauche ich, um zur Ruhe zu kommen? Shiatsu eröffnet dir den Raum, dich in einem achtsamen und vertrauensvollen Raum mit deinem Körper, deinem Frausein auseinander zu setzen und deinen weiblichen Körper zu spüren und zu lernen, ihn zu lieben, so wie er ist!

Körperbild

  • Gemeinsam entwickeln wir Tipps und unterstützende Übungen, die du dir “für den täglichen Gebrauch” mitnehmen kannst, und Möglichkeiten, dir selbst Gutes zu tun. Wir sprechen darüber, was du selbst tun kannst, um dein Leben so zu verändern, dass dein Körper diese Signale nicht mehr aussenden muss, um gehört zu werden.

Tipps und Übungen

Endometriose ist, sowohl was den Verlauf als auch die Symptome betrifft, individuell. Deshalb ist es hilfreich, wenn du deinen Zyklus genau beobachtest und deine Schmerzen und Körperbotschaften in ein Zyklustagebuch einträgst: Was spürst du wann wo genau? Wie geht es mir heute? Was fühle ich gerade? Das erleichtert dir auch, in Kommunikation mit deinen Körperbotschaften zu gehen, statt die Symptome einfach als lästig oder unerträglich zu empfinden. Du befreist dich aus deiner Opferhaltung und übernimmst Verantwortung für deine Selbstheilung!

Um die Energie und das Blut ins Fließen zu bringen, kannst du täglich dein Gesäß mit einem Tennisball stimulieren, indem du dich auf ihn legst und ihn unter dir kreisen lässt. Außerdem kannst du deinen Körper täglich abschrubben (z.B. mit einer Bürste nach dem Duschen), um das Blut in Fluss zu bringen.

In manchen Fällen hilft eine Ernährungsumstellung, vor allem wenn östrogenhaltige Ernährung reduziert wird. Östrogenreiche Lebensmittel sind z.B. Soja, Margarine, Tintenfisch, Basilikum, Gurken, Kartoffeln, Sellerie, Spinat, Tomaten, Lauch, alle Hülsenfrüchte und Bier. Eine ballaststoffreiche Ernährung kann den Östrogenspiegel ebenfalls senken. Außerdem fördert laut Northrup eine sehr fettreiche Ernährung Endometriose; Milchprodukte können die Schmerzen verstärken. Die Umstellung der Ernährung zeigt erst nach zwei bis drei Monaten ihre Wirkung. – Bitte besprich dies mit medizinischem Fachpersonal!

Northrup beschreibt Endometriose als „Konflikterkrankung“, d.h. sie entsteht, wenn es zu Konflikten zwischen inneren Bedürfnisse und äußeren Funktionen kommt. Dein Körper möchte dich auf deine tiefsten emotionalen Bedürfnisse aufmerksam machen. Was sind deine Bedürfnisse? Und mit was stehen sie in Konflikt? Was brauche ich wirklich? Nach was sehne ich mich? Nimm dir Zeit, diese Fragen ehrlich zu beantworten. Nimm hierfür am besten eine Tagbuch zur Hand, denn durch das Schreiben geht der Prozess meist tiefer.

Quellen und zusätzliche Literatur

Northrup, Christiane (2010): „Frauenkörper–Frauenweisheit. Wie Frauen ihre ursprüngliche Fähigkeit zur Selbstheilung wiederentdecken können.“ München: Goldmann.

Ridolfi, Ray/ Franzen, Susanne (1996): Das große Shiatsu-Handbuch für Frauen. München: dtv.

Kaiser, Britta/Korell, Matthias: „Endometriose und Ernährung“. München: Müller & Steinicke.

Österreichische Endometriose Vereinigung

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Melanie LannerEndometriose