Menstruation

… aus ganzheitlicher Sicht

Menstruation heißt wörtlich übersetzt „Mondwechsel“ und leitet sich aus dem lateinischen Wort „mens“ ab, was Maß, Mond und Monat bedeutet (Voss 1991: 46). In der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) wird Menstruation auch das „Himmlische Wasser“ oder der „Rote Drache“ genannt, da das Blut im Herzen gebildet wird und vom Herzen in die Gebärmutter fließt (Piontek 2000: 129).

Die Magie des Blutes

Menstruationsblut galt bis zur Patriarchalisierung vor ca. 5.000 Jahren als heilig (Northrup 2010: 129). Ihm wurden magische Kräfte zugeschrieben, insbesondere als Zaubermittel innerhalb kultureller Riten (Piontek 2004: 233; vgl. Voss 1991: 26-68).

Durch die Menstruation sind Frauen in den Kreislauf der Natur eingebunden (Northrup 2010: 121). Weibliche Heilung bedeutet, in die natürlichen Rhythmen, die körperlich-spirituell erfahrbar sind, eingebunden zu sein; und dies sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftspolitischer Ebene (Voss 1991: 58).

Da das Blut jeder Frau einen individuellen Ausdruck hat, eine eigene „Sprache“ spricht, kann über die Aufzeichnung der Menstruationsbesonderheiten (Farbe, Fluss, Beschaffenheit, Dauer des Zyklus) der gesundheitliche Allgemeinzustand einer Frau eingeschätzt werden. Empfehlenswert ist hierfür das Anlegen eines Menstruationstagebuchs.

Hier findest du eine Zusammenfassung der Hinweise, die das Menstruationsblut aus Sicht der TCM bietet, sowie Möglichkeiten, dein Ungleichgewicht zu beheben (pdf).

Ein bisschen Schulmedizin…Der Menstruationszyklus

Menstruationszyklus schulmedizinisch

Abbildung 1: Menstruationszyklus aus westlicher Perspektive (nach Elias/Ketcham 1995: 239-240)

Menstruation ist die Abstoßung der an Blut und Nährstoffen reichen Auskleidung der Gebärmutter.

Einheit von Körper – Geist – Seele am Beispiel der Menstruation

Körperlicher Prozess Verschlüsseltes Wissen  Störungen des Energieflusses Körperliche Manifestation
Menstruationszyklus Zyklen der Kreativität und die Einstimmung auf unbewusste lunare Informationen Weigerung, sich auf die Zyklen von Hell und Dunkel einzustellen sowie Schatten anzuerkennen und durchzuarbeiten keine, schwere,
unregelmäßige Menstruation
PMS

Tabelle 1: Die Anatomie weiblichen Wissens (Northrup 2010: 120)

Der Kontakt zu den intuitiven Erkenntnissen des Menstruationszyklus ist zum großen Teil verloren gegangen. Menstruationsbeschwerden haben überwiegend psychische Ursachen und stehen in Zusammenhang mit Konflikten hinsichtlich der Frauenrolle und Problemen mit der eigenen Weiblichkeit (Northrup 2010: 137). Deshalb bezeichnet Voss PMS als „patriarchal erzeugte Krankheit“ (Voss 1991: 29).

Die hormonelle und emotionale Heilung von Frauen beginnt, wenn sie den Menstruationszyklus als Bestandteil der inneren Stimme akzeptieren (Northrup 2010: 127).

Prämenstruelles Syndrom (PMS)

Mindestens 30 bis 60 % aller Frauen leiden an PMS, wobei die 30- bis 40-jährigen Frauen am stärksten betroffen sind (Northrup 2010: 145; Voss 1991: 32).

  • Westliche Interpretation: Störung der Progesteronproduktion, Ungleichgewicht im Östrogen- und Progesteronspiegel; Ursachen unklar; Behandlung durch Progesterontherapie und medikamentöse Behandlung der Symptome (Elias/Ketcham 1995: 302, 305-306; Northrup 2010: 154, Ridolfi/Franzen 1998: 238).
  • Östliche Interpretation: Anzeichen einer Stagnation von Blut und Ki (Ridolfi/Franzen 1998: 238-240; Elias/Ketcham 1995: 302-303):
    – gestautes Leber-Ki: Blockierung und Stagnation (u.a. Reizbarkeit, Schmerzen in der Brust, Kopfschmerzen, Gefühl des Aufgetriebenseins)
    – mangelndes Milz- und Nieren-Ki: allgemeines Aufgetriebensein, chronische Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, Mattigkeit, Schmerzen im ganzen Körper, verstärktes Verlangen nach Süßem

Behandlung

PMS ist multifaktoriell begründet und muss deshalb ganzheitlich betrachtet werden. Wenn PMS nicht behandelt wird, verschlimmern sich die Symptome mit der Zeit (Northrup 2010: 147). Als Behandlungsprogramm schlägt Northrup folgende Punkte vor (Northrup 2010: 151-152, ergänzt durch S. 148-149; vgl. auch Elias/Ketcham 1995: 303-304, 307-308, Pröll 2004: 148-177):

  • Ernährungsumstellung: fettarme, stärke- und faserstoffreiche Ernährung; Verzicht auf Koffein (auch in Form von Schokolade), raffinierten Zucker und Weißmehl; mehr essentielle Fettsäuren, vor allem Linolsäure (u.a. Saflor-, Sonnenblumen- und Maisöl, Nüsse und Kerne) – Bitte mit medizinischem Fachpersonal oder ErnährungsberaterInnen abklären!
  • Nahrungsergänzung: Magnesium, B-Vitamine (v.a. Vitamin B6), γ-Linolsäure, Vitamin E – Bitte mit medizinischem Fachpersonal oder ApothekerInnen abklären!
  • Stressreduktion: Tiefenentspannung, Meditation
  • Körperliche Bewegung: dreimal wöchentlich mindestens 20 Minuten
  • Lichtbehandlung
  • Behandlung mit natürlichem Progesteron, z.B. mit Jamswurzel als natürlicher Progesteronquelle (keine Gestagene; keine Cremes mit Jamsextrakt) – Bitte mit medizinischem Fachpersonal oder ApothekerInnen abklären!
  • Kräuter: Mönchspfeffer, Herzgespann, Falsche Einhornwurzel, Löwenzahnwurzel – Bitte mit medizinischem Fachpersonal oder ApothekerInnen abklären!
  • Druck spezifischer Shiatsu-Punkte (Näheres zu Shiatsu findest du hier)

Menstruationskrämpfe (Dysmenorrhoe)

Etwa 60 % aller Frauen leiden unter Menstruationskrämpfen (Northrup 2010: 137).

  • Westliche Interpretation: zu hoher Spiegel des hormonähnlichem Prostaglandins F2α; durch die Ablösung der Gebärmutterschleimhaut abgeben von Prostaglandin ins Blut; Behandlung durch Antirheumatika, um die Synthese des Prostaglandins zu verhindern, sowie orale Ovulationshemmer (Elias/Ketcham 1995: 243-244; Northrup 2010: 138, 142).
  • Östliche Interpretation: gestautes Leber-Ki mit verdicktem Blut (vor allem bei Schmerzen vor der Menstruation); Kälte in der Gebärmutter, was auf einen Mangel an Milz-Ki hinweist, so dass Kälte in den Uterus eindringen kann (Elias/Ketcham 1995: 243).

Menstruation und Shiatsu

Durch ein ganzheitliches Verstehen setzt Shiatsu bei Menstruationsbeschwerden (z.B. Menstruationskrämpfe, PMS, verlängerter oder verkürzter Zyklus) auf mehreren Ebenen an:

  • Die Meridianenergien werden durch die Behandlung ins Gleichgewicht gebracht, dadurch können körperliche Symptome gelindert werden. Einzelne Punkte, die mit dem Blutfluss im Zusammenhang stehen, werden unterstützend stimuliert.
  • Darüber hinaus werden die Ursachen und Ursprünge der Menstruationsbeschwerden beleuchtet. Wir beschäftigen uns in der Behandlung mit den Fragen: Wie fühle ich mich als Frau? Wie geht es mir mit meiner Weiblichkeit? Ich sehne mich nach Raum und Zeit für mich, wie kann ich mir diesen Raum nehmen? Wie kann ich selbst gut zu mir sein? Auch weiterführende Fragen zu Kreativität und dem, was in dir geboren werden will (denn die Gebärmutter ist unser kreatives Zentrum), können uns beschäftigen.
  • Tipps und unterstützende Übungen werden individuell entwickelt und “für den täglichen Gebrauch” mitgegeben, damit “deine Tage” wieder zu DEINEN Tagen werden können.

Tipps und Übungen für dich zuhause

Bei Menstruationsbeschwerden ist es wichtig, das Becken vor Eindringen von Kälte und Feuchtigkeit zu schützen. Da die Knöchel im direkten Zusammenhang mit dem Fortpflanzungssystem stehen, müssen diese ebenfalls warmgehalten werden. Legwarmer haben sich für mich bewährt.

Auch das Malen deines Frauseins und deines (weiblichen) Körpers sowie deiner Gebärmutter hat sich in der Praxis als unterstützend herausgestellt.

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Tanzen bringt deinen Körper in Schwung und verbindet dich mit deinem Körper.

Rituale können ein Zugang sein, ein positives Gefühl zu deiner Menstruation und deinem Blut zu entwickeln. Wenn du dafür Anleitung benötigst oder dir Begleitung auf deinem Weg wünschst, freue ich mich, wenn du mit mir Kontakt aufnimmst. Informationen zur Ritualbegleitung findest du hier.

Auch die Abstimmung des Menstruationszyklus auf die Mondphasen haben sich für mich als heilsam erwiesen. Nachdem ich die Pille für zehn Jahre genommen und dann abgesetzt habe, hatte ich für zwei Jahre keine regelmäßige Menstruation mehr. Mein Frauenarzt wollte mir Gelbkörperhormone verschreiben und meinte, ohne diese könnte ich nie Kinder bekommen. Ich habe mich entschieden, meinem Körper Zeit zu geben und meiner inneren Stimme vertraut, die gesagt hat: Es geht auch ohne künstliche Hormone. Ich habe angefangen, ein Menstruationstagebuch zu führen. Und als ich dann die Mondphasen dazu eingetragen habe (mit denen ich davor nicht viel am Hut hatte), hat sich mein Menstruation auf einen regelmäßigen Zyklus eingestellt. Das erstaunt mich selbst immer noch… (Informationen zu Shiatsu und Mondphasen findest du auch hier auf meiner Homepage.)

Grundlegend erachte ich es bei Menstruationsbeschwerden als grundlegend, den eigenen Menstruationszyklus und eigenen Rhythmus zu achten – was natürlich in unserer Gesellschaft und Selbstbildern an Grenzen stößt… Doch manchmal ändern schon die kleinen Veränderungen sehr viel! Manchmal ist ein kurzer Moment der Stille ausreichend, in dem du in dich hinein spürst: Was will ich eigentlich gerade? Was brauche ich? Nimm dir die Zeit, die Botschaften deines Körpers zu hören!

Die ganzheitliche Körperarbeit ist ein Weg, diesen Botschaften zu begegnen – statt dich den Schmerzen und Beschwerden ausgeliefert zu fühlen. (Mehr Informationen hier).

Wenn du zuhörst, wird deine innere Stimme dir antworten…

Quellen

Elias, Jason/Ketcham, Katherine (1995): Im Haus des Mondes. Heilen durch Intuition und weibliche Weisheit. München: Knaur.

Northrup, Christiane (2010/1994): Frauenkörper. Frauenweisheit. Wie Frauen ihre ursprüngliche Fähigkeit zur Selbstheilung wiederentdecken können. München: Arkana.

Piontek, Maitreyi D. (2000): Das Tao der Frau. Energiearbeit, Selbstheilung, Sexualität. 4. Auflage. München: Heyne.

Piontek, Maitreyi D. (2004): Das Tao der weiblichen Sexualität. Das Praxisbuch für Frauen. Berlin: Ullstein.

Pröll, Gabriele (2004): Das Geheimnis der Menstruation. Kraft und Weisheit des Mondzyklus. München: Goldmann.

Ridolfi, Ray/Franzen, Susanne (1998): Das große Shiatsu-Handbuch für Frauen. München: dtv.

Voss, Jutta (1991): Das Schwarzmond-Tabu. Die kulturelle Bedeutung des weiblichen Zyklus.
3. Auflage. Stuttgart: Kreuz.

Weitere Informationen zu Menstruation und Shiatsu im Flyer des HARA-Shiatsu-Instituts (pdf)

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Melanie LannerMenstruation