Frühe Erwachsenenzeit – das Alleinsein

Das Alleinsein hat zwei Prozesse in mir geöffnet: das Leben in Partnerschaften, die mir ab diesem Zeitpunkt Halt und Geborgenheit gegeben haben, und die tiefe Auseinandersetzung mit mir selbst. Seitdem ich 16 Jahre alt bin, ist die Frage „Wer bin ich?“, wie ich bereits geschrieben habe, die Leitfrage meines Lebens. Im Tagebuchschreiben habe ich mich mir seit dieser Zeit selbst mehr und mehr angenähert. Für mich ist diese Phase der Beginn meines Erwachsenwerdens.

Der wohl wichtigste Schritt in diesem Prozess war der Umzug von München nach Graz. Ich habe vor allem Abstand zu meiner Familie und ihrem engen Korsett gesucht. Die Idee meines damaligen Freundes, zum Studium nach Graz zu gehen, kam daher zur rechten Zeit. Ich hatte mein Abitur gerade gemacht und wusste nicht, was und wohin ich wollte, ich wusste nur, dass ich weg wollte, also bin ich nach Graz mitgegangen. Obwohl ich noch nie in dieser Stadt war und nicht wusste, worauf ich mich mit dem Umzug nach Österreich einlasse, hat mich mein Gefühl nicht getrogen: der Abstand zu meiner Heimat, die ich nie als solche empfunden hatte, hat mir den (äußeren und inneren) Freiraum verschafft, mich selbst – abseits der Vorstellungen meiner Familie – zu entdecken und auszuprobieren.

img_0747Auch in Graz war ich die ersten Monate vor allem alleine. Und wieder hat das Alleinsein viele Tore zu mir selbst geöffnet. Denn ich kann mich gerade im Alleinsein besonders gut selbst spüren, das, was in mir ist, wahrnehmen, meinen inneren – auch den unangenehmen – Prozessen begegnen und daran wachsen. Ich fürchte mich nicht (mehr) vor dem Alleinsein, ich suche es, um mir selbst zu begegnen.

Weiter…

Melanie LannerFrühe Erwachsenenzeit – das Alleinsein