Meine Kindheit – die Basis

Meine Kindheit war geprägt durch Unsicherheit und Haltlosigkeit, von der Erfahrung des Verlassenwerdens und der furchterregenden Einsamkeit. Oft stand ich vor einer endlosen Weite, einer haltlosen Leere, vor dem ungreifbaren Nichts, das mich in seiner Bedrohlichkeit an die „Unendliche Geschichte“ von Michael Ende erinnert. Das hat mich mit existentieller Angst erfüllt. Auch Schuldgefühle und Scham haben meine Kindheit begleitet. Trotz alledem – ich weiß zwar nicht wie, bin jedoch unendlich dankbar dafür – konnte ich mir meinen inneren Kern bewahren.

Spiegel sind seither ein wichtiges Symbol für mich. Einen Aspekt will ich hier hervorheben: Seit der Kindergarten-Zeit war ich gebannt von Spiegeln. Wir hatten im Flur einen dunkelbraunen Vollholz-Vorzimmerschrank. Die hübschen 80er Jahre lassen grüßen :-) Eingefasst war ein Spiegel, wahrscheinlich zwei Meter hoch. Immer wenn ich nach draußen gegangen oder wieder nach Hause gekommen bin, habe ich minutenlang in den Spiegel gestarrt. Der Spiegel hat mich gebannt, meine alltäglichen Gedanken und Sorgen zum Schweigen gebracht. Ich habe etwas gesucht. Ich habe auch etwas gefunden, aber damals hat es mich überfordert.

Ich suche Halt,
finde ihn nicht,
suche mich,
finde mich nicht,
finde nur mein Spiegelbild,
leer und leblos.

Erst jetzt als erwachsene Frau, nachdem ich mich in mir selbst stabil genug fühle, Halt in mir selbst finden kann und ein gereiftes Ich entwickelt habe, kann ich dieser Leere und unendlichen Weite wieder begegnen, sie zulassen und mich hinein entspannen (versuchen). Vielleicht war das Erlebnis mit dem Spiegel in meiner Kindheit der Beginn meiner spirituellen Reise.

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Melanie LannerMeine Kindheit – die Basis