Muttersein und andere neue Wege

Auch das Muttersein ist mit vielen Desillusionierungen verbunden. Doch langsam lüften sich die Schleier, und ich merke, dass eine neue Phase beginnt. Eine Phase der Klarheit – und der Demut:

„Wir sind von allem Anfang an Wesen,
die sich selbst in hohem Maße unbekannt sind
und in eine fremde, unbekannte Welt hineingeboren werden.

Sobald wir unseren ersten Atemzug gemacht haben, sind wir verlassen, einsam, unverstanden.
Keine noch so gute Mutter und kein noch so einfühlsamer Partner
wird sich in unsere Eigenart wirklich einfühlen können,
keine noch so intensive Selbsterforschung wird uns selbst ganz verstehen lehren,
kein Mensch wird uns in unseren großen Ängsten,
Demütigungen und Schmerzen wirklich trösten können
und keiner kann für uns und mit uns jene Reifungsschritte tun,
die auf unserem unbekannten Weg durch das Leben bis in den Tod notwendig sind.

Überall müssen wir die Angst und das Risiko des Lebens alleine tragen und aushalten,
auch wenn wir nur allzu gerne die Augen vor dieser Tatsache verschließen möchten.“

(Lutz Müller)

Da ich mittendrin stecke, weiß ich noch nicht, wie ich diese Phase aus der Retrospektive betrachten und bezeichnen werde. Ich habe derzeit das Gefühl, dass die Prozesse der letzten Jahrzehnte von der Kindheit bis dahin, selbst Mama zu sein, zusammenfließen und eine (seelische) Einheit bilden. Ja, ich fühle mich ganzer! Und Ganzwerdung bedeutet für mich Heilung.

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Melanie LannerMuttersein und andere neue Wege