Teenagerin in München

In meiner Jugend waren es vor allem Freundinnen und Freunde, die mir Halt und so etwas wie einen Familienersatz gegeben haben. Dort konnte ich mich ausprobieren, mit meinem erwachenden Frausein experimentieren und in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen meine eigene Identität formen. Ich habe mich für nicht viel mehr interessiert als für „Jungs“, Partys, Tanzen, Ausgehen, Schminken, Kleidung, Shoppen und allem voran meine Freundschaften. Danach habe ich dies lange als oberflächlich abgewertet, die „Münchner Tussi“ (wie ich sie nenne) in mir unterdrückt, bis ich draufgekommen bin, wie viel Kraft doch auch in diesem Anteil von mir steckt. Dieser Anteil ist ganz präsent im Augenblick, einfach lebendig, ohne ständig alles zu hinterfragen und über alles nachzudenken, und sagt frech und laut die eigene Meinung – etwas, das ich mir danach jahrelang – weil zu plump und eben zu oberflächlich – verwehrt habe. Doch dieser Teil in mir ist es auch, der nach wie vor Freundschaften wertschätzen und pflegen kann. Und er war es, der mich zu Gedichten, meinem ersten kreativen Ausdruck, geführt hat, auf den ich in allen Lebensphasen seither zurückgegriffen habe. Er war es auch, der mich zu meiner Frage „Wer bin ich?“ geführt hat. Mit dieser Frage hat jedoch meine Jugendzeit auch ein Ende, vielleicht auch eine Vollendung gefunden. Auf jeden Fall habe ich das Gefühl, die Jugendzeit voll ausgekostet und ausgelebt, ja, die Entwicklungsschritte dieser Lebensphase „gemeistert“ und in mir integriert zu haben.

img_0745Ein jähes Ende hat diese unbeschwerte Phase gefunden, als ich einen tiefen Konflikt mit meinen Freundinnen erlebt habe und schlussendlich alleine da stand. Wieder alleine…

Weiter…

Melanie LannerTeenagerin in München