“Finger-Druck”

Und noch etwas Anderes macht Shiatsu aus: der Druck. Shiatsu bedeutet auf Japanisch „Finger-Druck“. Und es ist eine besondere Form von Druck, der auf verschiedene Körperbereiche, Punkte und Meridiane ausgeübt wird, der Shiatsu technisch von anderen Körperarbeiten und Massagearten unterscheidet.

Foto: Isabel Egger

Foto: Isabel Egger

Im Laufe der Jahre, die mich Shiatsu jetzt schon als Beruf und Lebensweg begleitet, habe ich beobachtet, dass wir in gleicher Art und Weise auf Druck in der Shiatsu-Behandlung wie auf Druck von außen reagieren. Beziehungsweise zeigt sich unser Umgang mit Druck (zum Beispiel mit Stress in der Arbeit, mit Erwartungshaltungen der Familie, die nicht mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmen, mit perfektionistischen Ansprüchen an sich selbst) auch in der Shiatsu-Behandlung.

Ich reagiere beispielsweise automatisch (also wenn ich es mir nicht bewusst mache) auf unangenehmen Druck, indem ich mich totstelle, den Atem anhalte und hoffe, dass ich es schon irgendwie überlebe und dass es bald von alleine vorbeigeht. So gehe ich auch mit Situationen in meinem Leben um, die mir unangenehm sind und die mit einem mehr oder weniger großen Druck daherkommen. Wenn es zum Beispiel in meiner Familie eine Erwartungshaltung gibt, die ich zwar nicht erfüllen will, die jedoch mit Druck durchgesetzt wird, werde ich plötzlich stumm: Ich kann dann nicht mehr „nein“ oder „Stopp“ oder „Das will ich nicht sagen!“. Ich hoffe, dass sich die Situation von alleine löst. Manchmal tut sie das auch. Oftmals aber auch nicht, und ich bleibe auf der Strecke. Mein Mann hingegen weicht (energetisch) bei Druck aus. Deshalb schiebt er unangenehme Aufgaben auch immer so weit vor sich her, bis der Druck so unerträglich wird, dass er es unter großen Stress und Selbstverachtung erledigen muss. Ein  Freund von mir reagiert auf Druck mit Gegendruck. Er kann in der Behandlung dann gar nicht loslassen, auch wenn er es will. Auch im Leben geht er immer mit voller Kraft voraus – und manchmal dann auch über seine Grenzen. Dann kann er gar nicht mehr abschalten. Und wie ist das bei dir? Wenn du magst, kannst du mit diesem Fokus in deine nächste Behandlung gehen!

Shiatsu bietet die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen, neue Verhaltensweisen auszuprobieren. Reagierst du zum Beispiel wie ich mit einem Totstellmechanismus auf unangenehmen Druck, kannst du in der Behandlung üben dazubleiben, indem du zum Beispiel atmest, in den Schmerz hineingehst und eben bewusst nicht ausweichst, dich tot stellt, starr und hart machst oder, wie der Freund von mir, noch mehr Gegendruck erzeugst. Dann kannst du loslassen, in den Schmerz hinein spüren und dich weich machen. So lernt der Körper loszulassen. Und in einem gelösten (Körper-)Zustand kann auch viel leichter und offener mit der druckerzeugenden Situation umgegangen werden.

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin vereinbarst!

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Melanie Lanner“Finger-Druck”