Ganzheitliche Körperarbeit

Shiatsu hat für mich viele Aspekte. Doch am wichtigsten erachte ich die Haltung, mit der Shiatsu „gemacht“ wird: Es wird immer der ganze Mensch berührt und beispielsweise nicht „nur“ der Rücken behandelt. Oder anders gesagt:

Über den Rücken berühre ich den ganzen Menschen.

Kommt ein Klient oder eine Klientin zum Beispiel mit Rückenschmerzen zum Shiatsu, geht es darum, den ganzen Menschen einzubeziehen und nicht nur symptomatisch die Rückenschmerzen zu behandeln. Natürlich geht es auch um Symptomlinderung. Diese ist jedoch erst der Beginn des Shiatsu-Prozesses. Wenn ich vom „ganzen Menschen“ spreche, meine ich den Menschen sowohl als Körper-Geist-Psyche-Seele-Einheit als auch den Menschen in Kontakt mit seiner Umwelt. Es geht also auch um die Fragen, wie der Klient oder die Klientin lebt, welcher Arbeit er/sie nachgeht, um die Familienverhältnisse, um besondere Herausforderungen der jetzigen Lebensphase, um Schlaf- und Essrhythmen, um Belastungen in der Gegenwart und der Vergangenheit… Es geht darum, die Ursache der Rückenschmerzen zu finden und diese gemeinsam mit dem Klienten oder der Klientin zu beheben. Manchmal geht es auch darum, einschränkende Gedanken und blockierte Emotionen über den Körper zu befreien. Um die Ursache zu verändern, sind meist kleinere oder größere Lebensumstellungen Teil des Prozesses. Manchmal ist es hierfür auch nötig, den Klienten oder die Klientin an eine Psychotherapie weiterzuvermitteln und Shiatsu dann als Ergänzung zur Psychotherapie anzuwenden. Um organische Ursachen auszuschließen, ist ärztliche Abklärung manchmal vonnöten.

Deshalb ist auch das Vor- und Nachgespräch für mich so zentral, denn dadurch kann der umfassendere Lebenskontext in die Behandlung mit hineingenommen werden. Ich merke, dass je tiefergehend das Gespräch zuvor ist, desto intensiver auch die Körpererfahrung erlebt wird. Mein Eindruck ist, dass das Gespräch ein Tor öffnet, sodass all das, was besprochen wird, wie von selbst in die Behandlung mit hineinkommt und der Körper durch das Gespräch auf das Thema vorbereitet ist. Das Thema zeigt sich dadurch auch leichter im Körper.

Im Nachgespräch lässt sich die Körpererfahrung dann noch einmal bewusst machen und so leichter ins alltägliche Leben integrieren. Durch das Vor- und Nachgespräch wird Shiatsu für mich erst wirklich rund.

Um es zusammenzufassen: Berühren wir einen Menschen, zum Beispiel am Rücken, berühren wir immer den ganzen Menschen. Diese Haltung ist es, was Shiatsu zu einer ganzheitlichen Körperarbeit macht.

Foto: brando.n (CC BY 2.0)

Foto: brando.n (CC BY 2.0)

Shiatsu basiert darüber hinaus theoretisch auf der Traditionell Chinesischen Medizin und ihren Vorstellungen der Meridiane sowie von Kyo und Jitsu (Energieleere und Energiefülle). Deshalb geht es auch ums Spüren, ob den Rückenschmerzen ein energetisches Ungleichgewicht zugrundeliegt, zum Beispiel ob im Rücken die Energie festgehalten wird, während dadurch im Bauch zu wenig Energie ist. Dies kann sich zum Beispiel als Verdauungsbeschwerden äußern. Oder die Füße des Klienten oder der Klientin sind immer kalt. Dies ist auch ein Zeichen dafür, dass dort zu wenig Energie hinfließt. Da die Energiemenge im Körper gleich bleibt, gibt es immer, wenn es ein Zuviel an Energie in einem Bereich gibt, ein Zuwenig in einem anderen – und umgekehrt. Ziel der Shiatsu-Behandlung ist es, einen freien Fluss der Energie und ein Gleichgewicht (u.a. zwischen oben und unten, vorne und hinten, links und rechts, innerhalb der zwölf Meridiane) zu bewirken.

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin vereinbarst!

zu meiner Shiatsu-Homepage | zu Gesundheit | zu “Finger-Druck”

Melanie LannerGanzheitliche Körperarbeit