Hara

Das HARA ist unser Zentrum und entspricht dem Bauch, also dem Ort, an dem unsere Eingeweide und Därme liegen. Dessen Mitte, das Tan-t’ien, (das auch unsere energetische und physische Körpermitte und Sitz der Lebensenergie Ki ist), befindet sich laut Shiatsu-Definition mittig etwa zwei Fingerbreit (oder in Shiatsu-Sprache 1,5 Kun) unter unserem Bauchnabel.

HARA_2Damit ist aber noch nicht viel ausgesagt. Was bedeutet unsere Mitte? Was bedeutet es, mit dem HARA verbunden und in der eigenen Mitte zu sein? Was bedeutet es, aus der eigenen Mitte heraus zu wirken und zu leben? Einige Gedanken dazu, in der eigenen Mitte zu sein, habe ich in meinem Artikel Gleichgewicht-Ungleichgewicht zusammengefasst. Dort beschäftige ich mich damit, dass es kein wirkliches Gleichgewicht geben kann, denn Leben bedeutet Spannung, bedeutet Ungleichgewicht. Ein vollkommenes Gleichgewicht bedeutet Stillstand, also Tod.

Doch gibt es auch ein Zuviel an Ungleichgewicht. Dieses Ungleichgewicht macht krank und unzufrieden. Dennoch kann, in unserer Mitte zu sein, nicht bedeuten, dass wir immer im Gleichgewicht sind und alles in uns und in unserem Leben immer harmonisch ist.

Auch das Urvertrauen, mit dem ich mich in einem anderen Artikel beschäftige, ist eine Form der Mitte, denn Urvertrauen ist die Basis, von der ausgehend wir leben und wirken. Im HARA verwurzelt zu sein, bedeutet auch, aus dem Urvertrauen heraus zu leben.

Darüber hinaus bilden sich ähnlich wie in der Fußreflexzonenmassage alle zwölf Meridiane und ihre jeweilige aktuelle Energiequalität im HARA ab. Dies ist besonders in der Shiatsu-Behandlung von besonderer Bedeutung. Das HARA, unsere Mitte, hat also viele Aspekte. Mit einer weiteren Perspektive aus das HARA will ich mich im Folgenden etwas näher beschäftigen.

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Als Shiatsu-Praktikerin ist es wichtig, aus dem eigenen HARA zu wirken und nicht mit physischem Daumendruck (alleine) zu behandeln. Das wäre auch viel zu anstrengend. Was noch wichtiger ist: Bin ich mit meinem HARA verbunden und wirke aus meinem HARA, bin ich geschützt. Dann bin ich bei mir, meine Mitte ist gefüllt, und andere Energien können mir nichts anhaben. Das ist also eines meiner Geheimnisse, wie ich mich vor „Fremdenergie“ schütze – eine Frage, die mir übrigens häufig von meinen Klientinnen und Klienten gestellt wird.

Auch im Kampfsport ist es wichtig, aus dem HARA heraus zu agieren, denn so verfügen wir über mehr innere Stabilität, und der Angriff eines anderen bringt uns nicht so schnell aus dem Gleichgewicht. Das kannst du auch selbst gemeinsam mit einem Partner oder einer Partnerin ausprobieren. Stellt auch beide mit einer halben Armlänge Abstand gegenüber auf. Dann lasse dich von deinem Partner/deiner Partnerin schubsen und beobachte, was passiert. Dann stelle dich wieder auf deinen Platz. Atme mehrmals tief ein und tief aus. Schließe die Augen, lege deine Hände auf dein HARA und atme mehrere Minuten achtsam in diesen Bereich. Beobachte, wie sich mit dem Ein- und Ausatmen deine Hände heben und senken. Fühlst du dich bei dir und in deiner Mitte angekommen, öffne die Augen und bitte deinen Partner/deine Partnerin nochmals, dich zu schubsen. Beobachte wieder, wie es sich anfühlt. Hat sich etwas verändert? Und wenn ja, wie nimmst du die Veränderung wahr? Wenn du magst, kannst du deine Wahrnehmung mit deinem Partner/deiner Partnerin teilen. Du kannst dir auch ein Feedback einholen. Wenn ihr wollt, könnt ihr die Rollen auch tauschen. Denn es ist auch spannend, selbst Angreifer/in zu sein und mögliche Unterschiede wahrzunehmen.

Mit dem HARA verbunden zu sein, bedeutet Zentrierung.
Und Zentrierung bedeutet innere Stabilität.
Und innere Stabilität bedeutet, den Herausforderungen des Lebens gewachsen zu sein.

 

Shiatsu ist eine Möglichkeit, das eigene HARA zu stärken. Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin für eine Shiatsu-Behandlung vereinbarst.

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Melanie LannerHara