Shiatsu und Atmung

„Die Atmung bildet die Grundlage deines Lebens.
Die Qualität deiner Atmung bestimmt die Qualität deiner Handlungen und
deines Erlebens, die Qualität deiner Gedanken und Stimmungen.“
(Achim Eckert)

Ki ist im Shiatsu ein anderer Ausdruck für Atmung in der westlichen Körperarbeit und Körpertherapie. In den westlichen Körperarbeiten, z.B. der Osteopathie, wird geschaut, wo Atem im Körper hinfließt und wo die Atmung blockiert. Es geht dann in der Behandlung darum, den Atem im ganzen Körper zu verteilen und frei fließen zu lassen. Im Shiatsu sprechen wir von Ki, dem Energiefluss im Körper. Dieser soll möglichst ungehindert fließen. Wir könnten es auch so formulieren: Was in der westlichen Körperarbeit die Atmung ist, ist im Shiatsu das Ki – also nur ein anderer Ausdruck. Im Shiatsu schauen wir nämlich, wo die Lebensenergie Ki fließt, wo sie blockiert, wo viel Energie ist und wo wenig. In der Behandlung geht es dann darum, den (Ki-)Fluss bzw. das Gleichgewicht (wieder)herzustellen. Darüber hinaus wird im Shiatsu ausdifferenziert, um welche Energiequalität es sich handelt, die blockiert ist: Magen, Milz, Lunge, Dickdarm oder…? Doch immer geht es darum, LEBEN in blockierte oder, um es psychologisch auszudrücken, abgespaltene (körperliche) Bereiche zu bringen. Und LEBEN ist nichts Anderes als Atmung.

Ich lebe. Ich atme.

Manchmal, besonders in schwierigen Situationen und Krisen, bleibt auch nichts Anderes als die Atmung. Wenn ich nicht weiß, wie es weitergehen soll, wenn ich nicht weiß, was der Ausweg ist, wenn ich nicht weiß, wie ich den ganzen Schmerz aushalten soll, bleibt mir immer noch die Atmung.

Ich atme. Ich lebe. 

Über die Atmung sind wir also mit dem LEBEN verbunden. Über die Atmung können wir uns mit Lebensenergie oder Ki füllen. Über die Atmung sind wir auch mit allen anderen Lebewesen verbunden. Denn wir atmen dieselbe Luft – ein und aus… aus und ein…

Kreis

Foto: Eddi van W. (CC BY-ND 2.0)

Darüber hinaus lassen sich verschiedene Atemmuster feststellen. Um es einfach zu formulieren: Es gibt Menschen, die tun sich vor allem mit dem Ausatmen schwer. Diesen Menschen fällt es schwer, loszulassen, die Kontrolle aufzugeben und sich der Leere hinzugeben, da sie nicht wissen, was dann als nächstes passiert. Diese Unsicherheit macht Angst. Angst macht eng. Und in dieser empfundenen Enge können sie nicht mehr ausatmen, denn in ihrer Vorstellung würde es dann noch enger werden. Außerdem: Was passiert denn, nachdem ich alles losgelassen habe?!? Woher soll ich wissen, dass dann noch etwas nachkommt?!? Über dieses Vertrauen verfügen Menschen mit diesem Atemmuster nicht. Meist hat dies auch mit frühkindlichen Prägungen, vor allem mit der Mutter-Kind-Beziehung zu tun.

Dann gibt es Menschen, denen fällt das Einatmen schwer. Sie haben Angst vor dem Maß an Energie, die durch die Atmung entstehen würde. Denn Energie sucht sich ihren Ausdruck. Vor diesem Ausdruck haben die Menschen Angst. Was ist, wenn ich dann etwas tun müsste?!? Dann müsste ich ja meine passive (Opfer-)Haltung verlassen. Nein, dann bleibe ich lieber im sicheren Hafen ohne Fahrtwind. Und sie atmen lieber keine Lebensenergie ein.

Und dann gibt es Menschen, denen sowohl das Ein- als auch das Ausatmen schwerfällt. Meist sind es sowieso Mischformen und die oben formulierten Atemtypen nur Extrempole auf einem Kontinuum.

Um herauszufinden, ob es dir tendenziell leichter fällt, ein- oder auszuatmen, tanze eine Viertelstunde lang frei zu einer Musik, die dir gefällt. Dann lege dich auf den Rücken und beobachte, wie dein Atem fließt, ohne ihn zu beeinflussen. Fällt es dir schwer auszuatmen? Oder atmest du mehr aus als ein? Verharrst du in der Einatmung und hast einen gewölbten, aufgeblähten Brustkorb? Oder fällt es dir schwer, nach dem Ausatmen wieder Energie aufzunehmen? Oder fließen Ein- und Ausatmung ungehindert?

Doch egal, um welches Muster es sich handelt, um es aufzulösen, ist immer die Ausatmung zentral, denn die Einatmung passiert von alleine. Um Atemblockaden zu lösen, müssen wir also ausatmen! Atmen wir aus, entsteht die Einatmung von alleine, da wir es nur ein paar Minuten ohne Sauerstoff aushalten. Und so viel Überlebenswillen hat der Körper. Atmen wir also aus!

Rueckenlage

Foto: Robert Beijil (CC BY 2.0)

Das Ausatmen kannst du durch Töne unterstützen. Wenn du deine Stimme dazu nimmst, geht die Ausatmung viel tiefer. Lege dich hierfür auf den Rücken, stelle deine Beine auf und falte deine Hände vor der Brust. Strecke die Arme mit dem Ausatmen nach außen und mache den Laut „Ahhhhhhhhhhhhhhh“, bis alle Luft aus deinen Lungen gewichen ist. Dann warte, bis die Einatmung von alleine entsteht. Bringe deine Arme wieder nach innen und falte deine Hände mit dem Einatmen wieder vor deiner Brust. Wiederhole die Übung mindestens zehn Minuten lang. Beobachte, wie sich durch das Tönen und die Bewegung deine Ausatmung immer mehr vertieft.

Shiatsu ist eine weitere Möglichkeit, das Ausatmen – unterstützt durch körperlichen Druck – zu üben. Wird nämlich Druck von außen auf den Körper ausgeübt, ist es oft leichter festzustellen, wo wir festhalten und dann über den Umgang mit diesem Druck das Loslassen zu üben. Lassen wir los, kann sich der Körper entspannen und die Atmung frei fließen. Ausatmen bedeutet Loslassen. Außerdem löst Shiatsu körperliche und energetische Spannungszustände, welche einen freien Fluss des Atems verhindern. Auch verschiedene Atemtechniken, die ebenfalls Teil der Fortbildung waren, können in die Shiatsu-Behandlung integriert werden und den freien Atemfluss unterstützen.

Fließt der Atem, fließt die Energie (das Ki). Fließt die Energie, ist (fast) alles möglich!

 

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin für eine Shiatsu-Behandlung vereinbarst!

Interessierst du dich näher für das Thema „Shiatsu und Atmung“, empfehle ich dir den sehr informativen und ausführlichen Artikel von Eduard Tripp, den du hier als pdf findest.

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Melanie LannerShiatsu und Atmung