Wärme, Rhythmus und Konstanz im Shiatsu

„Vielen meiner Klienten und überhaupt uns allen wünschte ich eine Dame Aiuòla im Änderhaus
[aus „Die Unendliche Geschichte“ von Michael Ende],
deren ganze Existenzaufgabe darin besteht,
Zärtlichkeit, Geborgenheit und Wärme zu geben, so lange,
bis wir zutiefst satt geworden sind an dieser mütterlichen Gabe
und aus dieser Sättigung der Wunsch erwachsen kann, selbst zu lieben.“
(Lutz Müller)

Neben dem Lockern von Anspannungen und der (Wieder)Belebung abgespaltener Anteile hat Shiatsu auch ganz unmittelbare Wirkung auf unser gesamtheitliches psychisches Erleben. Die Berührung im Shiatsu ist wärmend, konstant und rhythmisch. Wärme, Konstanz und Rhythmus sind frühkindliche Erfahrungen – im Mutterleib und besonders in den ersten zwei Lebensjahren. Werden diese frühkindlichen Erfahrungen im Shiatsu wiederholt oder nachgeholt, kann Heilung geschehen… Denn dieser ursprünglich leibhafte Zugang zur Welt begleitet uns ein Leben lang.

Wärme umfasst dabei sowohl körperliche Wärme als auch ein Gefühl von emotionaler Wärme und Geborgenheit. Sie bildet die Basis für Vertrauen in die Welt und für Genussfähigkeit im späteren Leben. Ein regelmäßiger und passender Rhythmus gibt Sicherheit und Halt und ermöglicht das Wahrnehmen von Form und Grenzen, vor allem auch der eigenen Körpergrenzen. Konstanz macht die Erfahrungen von Wärme und Rhythmus verlässlich, sodass sich auch ein Urvertrauen im Inneren entwickeln kann. Erst in diesem Erleben von Beständigkeit können emotionale Bindungen eingegangen und positiv bewältigt werden.

„Erlebte Beständigkeit befähigt uns, ambivalenten, einander zumindest scheinbar entgegengesetzten Gefühlen und Impulsen umzugehen und diese zu integrieren.
Und gerade ein solch reifer Umgang mit einander widerstreitenden Inhalten bildet die Grundlage
für Ausgeglichenheit, Gesundheit und steht als Basis für stabile, verbindliche, reife und ‘ganze’ Beziehungen.“ (Eduard Tripp)

Wärme, Rhythmus und Konstanz sind also grundlegende Erfahrungen in unserem Leben, die auf grundlegende Themen verweisen, die mir auch immer wieder in der Praxis begegnen: Urvertrauen, Grenzen und gesunde Beziehungen. Außerdem sind sie die Basis unseres Selbstverständnisses und Selbstwerts. Auch wie wir unseren Körper wahrnehmen und erleben, wird dadurch geprägt. Wir könnten auch sagen, dass Shiatsu eine Form der mütterlichen Fürsorge und Liebe (wieder)belebt.

„Das innere Wesen der Shiatsu-Behandlung ist wie rein mütterliche Liebe;
der Druck der Hände bringt die Quellen des Lebens zum Fließen.“
(Tokujiro Namikoshi)

Haende

Gerade bei seelischen Themen ist das (Wieder)Erleben dieser Grunderfahrungen von besonderer Bedeutung, da das Erfahren von Wärme und Geborgenheit, Rhythmus und Struktur sowie Konstanz und Verlässlichkeit die Basis für die Wandlung ist. Rhythmus und Verlässlichkeit sind besonders wichtig in Krisensituationen, in denen wir den Halt in unserem Leben sowie Beziehungs- und Lebensordnungen (vorläufig) verloren haben. Der klare Rhythmus und die klare Struktur im Shiatsu können Halt schenken.

Ein weiterer Aspekt, warum Shiatsu gerade auch bei seelischen Themen heilsam sein kann, ist die Verankerung in der Realität, die durch die Körperberührung entsteht. Spüren wir unseren Körper und unsere Körpergrenzen (wieder), kommen wir auch wieder in der Realität an. Das Kopfkino kommt zur Ruhe, das emotionale Auf und Ab findet einen Bezugspunkt, der Körper kann sich entspannen. Meine Klientinnen und Klienten beschreiben dies oft mit den Worten: „Jetzt spüre ich den Boden unter meinen Füßen wieder“ oder „Ich fühle mich geerdet“ oder „Ich fühle mich wieder ganz bei mir angekommen“.

Bei sich zu sein, um den Herausforderungen des Lebens begegnen zu können, dies ist auch ein Geschenk vom Shiatsu.

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin vereinbarst!
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Literatur: Tripp, Eduard: Shiatsu aus Sicht der Psychotherapie (pdf)

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Melanie LannerWärme, Rhythmus und Konstanz im Shiatsu