Gesundheit durch ungehinderten Lebensfluss

Melanie Lanner Shiatsu

„Es ist nämlich seelisch viel leichter, in einem Bewegungszustand,
in einem Auf- und Abwogen des Geschehens,
als in einem ausgeglichenen Dauerzustand zu leben,
denn in letzerem Zustand
– unbekümmert um seine vielleicht bewundernswerte Höhe und Vollendung –
droht die Erstickung in unerträglicher Langeweile.”
(C. G. Jung)

Im letzten Blogartikel habe ich mich damit beschäftigt, wie über die Integration der Polaritäten und durch Belebung bisher abgelehnter und abgespaltener Körperbereiche, Heilung stattfinden kann. Um ganz zu werden, braucht es die Integration beider Polaritäten (z.B. von Verletzlichkeit und Stärke, Geschehenlassen und Aktivsein, Entspannung und Anspannung). Es geht also im Prozess der Ganzwerdung auch um eine Form des Ausgleichs.

Gesundheit heißt in einer ganzheitlichen Sichtweise, dass der Körper selbst für einen Ausgleich sorgen kann – auch mit Unterstützung von anderen Menschen und Methoden, z.B. vom Shiatsu oder von Heilkräutern. Der Körper ist somit gesund, wenn er für diesen Ausgleich sorgen kann. Ungleichgewicht erzeugt Krankheit oder andere körperlichen Symptome.

Ausgleich bedeutet hingegen nicht Stillstand, kein Verharren in einer vermeintlich ausgeglichenen Mittel-Position, sondern den lebendigen Gang zwischen den Polaritäten. Es braucht Bewegung, um sich selbst gesund zu halten – oder freien Energiefluss, wie es im Shiatsu heißt. Fließt die Energie nicht frei, können Krankheiten und andere körperlichen Symptome die Folge sein. Shiatsu folgt einem System des stufenweisen Krankheitsverlaufs:

  1. Ein Ungleichgewicht zeigt sich auf der ersten Stufe meist mit Müdigkeit und Erschöpfung, verbunden mit genereller Unzufriedenheit. Es wird jedoch keine Veränderung durchgeführt, „obwohl irgendetwas nicht passt“. Auf dieser Krankheitsstufe hilft es, Abstand zu gewinnen (z.B. in der Natur, einen längeren oder kürzeren Urlaub zu machen), um wieder zu sich selbst zu finden.
  2. Auf der zweiten Stufe des Krankheitsverlaufs werden die körperlichen Symptome alltäglich, und die emotionalen Störungen beginnen, ohne dass sich schon pathologische Züge aufweisen, z.B. wachen wir jeden Morgen mit Rückenschmerzen auf.
  3. Auf der dritten Stufe zeigen sich Blutbildveränderungen, Anfälligkeit bestimmter Körperbereiche, z.B. der Atemwege, immer wiederkehrende Blasenentzündungen, chronische Sinusitis.
  4. Auf der vierten Stufe befinden sich die psychischen Störungen, z.B. Depressionen, Panikattacken, Angststörungen
  5. Auf der fünften Stufe kommt es zu Organerkrankungen und degenerativen Prozessen, z.B. Gallen- und Nierensteine, also zu dem, was in der westlichen Medizin als „Krankheit“ betrachtet wird.
  6. Auf der sechsten Stufe kommt es zu Erkrankungen des Nervensystems und zum Versagen des Immunsystems.
  7. Die siebte Stufe bezeichnet Trennung und Segregation, was im Extremfall den Tod bedeutet.

Der stufenweise Krankheitsverlauf bedeutet auch, dass es nicht das in Extremen aufgespaltene Gegensatzpaar Gesundheit oder Krankheit gibt, sondern dass Krankheit und Gesundheit ein Kontinuum ausmachen (vgl. auch das Konzept von Gesundheit in der Salutogenese). Krankheit und körperliche Symptome sind ein Prozess, der mit einem Ungleichgewicht und subtilen Botschaften beginnt. Diese subtilen Botschaften zu verstehen und das, was der Körper in dem Moment als Ausgleich braucht, zu stärken, ist Aufgabe vom Shiatsu. Dann kann die Energie frei fließen – und der Körper bleibt gesund.

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In der östlichen Medizin und somit auch im Shiatsu liegt der Fokus auf dem ungehinderten Lebensfluss. Damit der Lebensfluss, von dem wir Teil sind (vgl. auch C. G. Jungs Begriff des persönlichkeitsüberschreitenden Selbst), fließen kann, müssen starre Fixierungen und vertraut gewordene Gewohnheiten losgelassen werden.

„Begreift sich der Schneemann als kristallisierte Form, deren Wesen in ihrer Festigkeit liegt,
so spürt er eine tödliche Bedrohung.
Fühlt er sich aber als vorübergehend gefrorenes Wasser,
so erlebt er den Vorgang des Schmelzens als Befreiung.“
(Joachim Schrievers)

Denn Leben bedeutet stetige Veränderung. Und erst durch das Loslassen kann Wandlung geschehen. Was bedeutet dies fürs Shiatsu? Durch das Loslassen von Spannungen, von (körperlichen, mentalen und emotionalen) Verhärtungen und Verkrampfungen durch berührenden Druck im Shiatsu können sich Blockaden lösen, und die Energie kann wieder frei fließen. Fließt die Energie in unserem Körper frei, können wir uns spontan und in Freiheit auf die sich verändernden Lebensumstände einstellen und so dem Lebensfluss folgen.

„Das Ziel ist nicht die Ruhe jenseits der Bewegung, sondern inmitten von Bewegung,
nicht der Friede jenseits der Gefühle, sondern inmitten von Gefühlen.“
(Joachim Schrievers)

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin für eine Shiatsu-Behandlung vereinbarst!

Interessierst du dich für den philosophischen Hintergrund vom Shiatsu, der die Verbindung zum Lebensfluss zum Fokus hat, empfehle ich dir das leicht verständliche Buch von Alan Watts über den Taoismus: Watts, Alan (1983): Der Lauf des Wassers. Eine Einführung in den Taoismus. München: Suhrkamp.

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