Körper und Seele – Gegensätze oder Einheit?

Melanie Lanner Shiatsu

„Seele und Körper sind wohl Gegensatzpaar und als solches der Ausdruck eines Wesens, dessen Natur weder aus der stofflichen Erscheinung noch aus der inneren unmittelbaren Wahrnehmung erkennbar ist. Man weiß, dass eine altertümliche Anschauung aus dem Zusammenkommen einer Seele mit einem Körper den Menschen entstehen lässt. Es ist aber wohl richtiger, zu sagen, dass ein unerkennbares lebendiges Wesen – über dessen Natur schlechthin nichts auszusagen ist, als dass wir damit undeutlich einen Inbegriff von Leben bezeichnen – äußerlich als stofflicher Körper erscheint, innerlich angeschaut aber als Folge von Bildern der im Körper stattfindenden Lebenstätigkeit. Das eine ist das andere, und der Zweifel befällt uns, ob nicht am Ende diese ganze Trennung von Körper und Seele nichts sei als eine zum Zwecke der Bewusstmachung getroffene Verstandesmaßnahme, eine für die Erkenntnis unerlässliche Unterscheidung eines und desselben Tatbestandes in zwei Ansichten, denen wir unberechtigterweise sogar selbständige Wesenheit zugedacht haben.“
(C. G. Jung, Hervorhebung im Original)

In den letzten Blogartikeln habe ich mich mit der Integration der Polaritäten und dem freien Fluss der Lebensenergie als Voraussetzungen für Gesundheit und Heilung beschäftigt. Eine gegensätzlich verstandene Polarität, die sich durch unser westliches Denken zieht, ist die von Körper und Seele. Körper und Seele werden seit Platon als getrennte Lebensbereiche wahrgenommen. Ganz anders in der östlichen Medizin – so auch im Shiatsu – und in der modernen ganzheitlichen Medizin in den westlichen Ländern: Dort werden Körper, Geist und Seele als Einheit betrachtet. Diesem Zugang folgt auch Arnold Mindell, ein Physiker und Psychotherapeut nach C. G. Jung, der sich insbesondere mit körperlichen Symptomen als Ausdruck des Unbewussten beschäftigt.

Mindell sieht körperliche Symptome und Beschwerden sowie Krankheiten ebenso als Sprache des Unbewussten wie Träume.

„Der Körper drückt unbewusste Strömungen aus, die gerade stattfinden, und zeigt Beziehungsverflechtungen und unausgedrückte Gefühle.” (Mindell 1985: S. 37)

Körperliche Symptome sind in diesem Zusammenhang meist kein Ausdruck krankhafter Phänomene und müssen deshalb auch nicht geheilt werden. Vielmehr fordert der Körper eine Änderung der Lebensumstände und der Bewusstseinseinstellung.

„Die Symptome selber sind Potentiale, sie sind unvollendete oder unvollendbare Ausdrucksformen der realen Persönlichkeit.” (ebd. S. 248)

Das heißt, Körpersignale sind nicht nur Krankheiten, sondern potentiell integrierbare Lebensaspekte.

Bewusstwerdung durch Verstärkung

Eine Möglichkeit, sich der Botschaften der Körpersignale bewusst zu werden, ist die Verstärkung oder das Amplifizieren, wie es in der Jungianischen Psychotherapie genannt wird. Hierbei werden die Körpersignale, z.B. ein Kloß im Hals, nicht geheilt oder weggemacht, nicht ausgeglichen oder verringert, sondern der Hals wird gerade noch mehr verengt, der Kloß wird noch mehr verstärkt.

Lasse die Enge sich in deinem ganzen Körper ausbreiten! Werde selbst die Enge! – Und dann schaue, was passiert… Wie fühlt sich das an? An was erinnert dich das? Wo bist du selbst wie das Körpersymptom? Und warum gehst du in diese Enge? Probiere es doch gleich einmal aus! Denn Bewusstwerdung ist der erste Schritt zur Veränderung – auch von körperlichen Symptomen. Und wenn du dabei Unterstützung suchst, freue ich mich, wenn du einen Termin für eine Shiatsu-Behandlung vereinbarst!

Seele

Körperthemen als Trauminhalt

Außerdem wirken Körperprozesse und Träume zusammen: Träume haben häufig körperliche Beschwerden und Krankheiten zum Inhalt. Ein Beispiel: Eine Klientin von mir leidet unter Menstruationsbeschwerden und Hüftschmerzen, die keine organische Ursache haben. Sie erzählt mir von einem Traum, in welchem die unteren Stockwerke ihres Hauses brennen. Das Feuer zerstört die Stockwerke, bevor die Feuerwehr kommt, um das Feuer zu löschen. In der Tiefenpsychologie steht das Symbol des Hauses im Zusammenhang mit unserem Selbst. Die unteren Stockwerke entsprechen auf der körperlichen Ebene den unteren Körperbereichen wie den Beinen und dem Bauchraum bzw. dem unteren Rücken. Brennen diese also, deutet dies auf ein Ungleichgewicht in dem Körperbereich hin, oder wie wir im Shiatsu sagen würden, auf ein Zuviel an Energie (Jitsu). Der Traum drückt also symbolisch das körperliche Empfinden aus. Im Shiatsu geht es dann darum, das Feuer zu löschen, also die Energie „abzukühlen“, das heißt durch Druck und Berührung zu verteilen und Blockaden zu lösen, damit sie wieder frei fließen kann. Andersherum betrachtet bezeichnet Mindell den Körper auch als „real gewordene Traumwelt“ (ebd. S. 47).

Kennst du Träume, die deine körperlichen Beschwerden bildhaft ausdrücken? Beschäftigt dich gerade ein intensiver Traum, den du nicht verstehst und nicht einordnen kannst? Hast du sich wiederholende Träume? Dann freue ich mich, wenn du deine Träume zu deiner nächsten Shiatsu-Behandlung mitbringst. Vereinbare gleich jetzt einen Termin!
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Literatur: Mindell, Arnold (1985): The Dreambody. Der Körper im Märchen. Krankheit und Individuation. Fellbach-Oeffingen: Bonz.

Eine weitere Möglichkeit, Träume in der Körperarbeit zu erfahren, habe ich bereits in einem Blogartikel vorgestellt, und Informationen dazu findest du hier.

Melanie LannerKörper und Seele – Gegensätze oder Einheit?