Da ist Angst.

Melanie Lanner Texte

Angst ohne Träume.
Angst mit Träumen.
Angst vor Träumen.
Angst in Träumen.
Träume von Angst.
Der Traum, ohne Angst zu träumen.
Die Angst vor den Konsequenzen angstloser Träume.

(Melanie Lanner 2004)

Melanie LannerDa ist Angst.

Unsere Muster über unseren Körper kennenlernen und auflösen.

Melanie Lanner Shiatsu

Im vorletzten Blogartikel haben wir uns mit körperlichen Symptomen als Sprache des Unbewussten beschäftigt. Körperliche Reaktionen zeigen uns auch unsere gelernten und erstarrten Verhaltensmuster. Und über den Körper können wir sie auflösen – und so mehr inneren und äußeren Freiraum gewinnen. Wenn du wissen willst, wie, dann schaue hier!

Befreiung

Melanie LannerUnsere Muster über unseren Körper kennenlernen und auflösen.

Eierstöcke aus ganzheitlicher Sicht

Melanie Lanner Shiatsu

Außerdem habe ich einen Artikel zu Eierstöcken aus ganzheitlicher Sicht geschrieben.

Eierstock

Dort findest du Hintergrundinformationen rund um die Eierstöcke aus Sicht der westlichen und der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM). Außerdem beschäftige ich mich damit, wie Shiatsu dich bei Problemen an den Eierstöcken – wie Zysten und beim PCO-Syndrom – unterstützen kann und stelle dir Tipps und Übungen für dich zuhause vor.

Melanie LannerEierstöcke aus ganzheitlicher Sicht

Homepage und Blog überarbeitet!

Melanie Lanner Blog

Für mich ist der Herbst immer meine produktivste Zeit im Jahr. Dieses Mal widme ich mich der Überarbeitung meiner Homepage und meines Blogs. Dadurch hat mein Blog mehr Ordnung bekommen. Er gliedert sich inhaltlich in zwei Teilbereiche: Die ganzheitliche Gesundheit und die Selbsterfahrung mit Übungen für dich zuhause. Du findest Hintergrundinformationen zur ganzheitlichen Gesundheit, insbesondere zu Shiatsu, zu „Gesundheit – Was ist das?“ und zur Frauengesundheit.

Auch in den Selbsterfahrungsbereich habe ich Ordnung gebracht. Neben grundlegenden Übungen und Themen wie der Erdung, dem Selbstwert, dem Umgang mit unseren Gedanken und Gefühlen, Macht-Ohnmacht und dem (bunten) Sinn des Lebens findest du die Möglichkeiten, mit deinem Selbst in Kontakt zu treten, die ich dir aus eigener Erfahrung ans Herzen legen kann: die Auseinandersetzung mit Gefühlen, die Arbeit mit Träumen, mit Symbolen und inneren Bildern, mit Imaginationen, mit Geschichten und Archetypen, mit Ritualen und symbolischen Handlungen und natürlich über den Körper, der ebenfalls die Sprache des Unbewussten spricht.Ich stelle dir außerdem Möglichkeiten vor, das, was du an Erkenntnissen, Wünschen und Zielen in deinem Inneren gefunden hast, nach außen zu bringen. Und ich erzähle dir von meinem eigenen Heilungsweg.

Ich wünsche dir eine spannende Lektüre!

Melanie LannerHomepage und Blog überarbeitet!

Gefühle kommen und gehen

Melanie Lanner Selbstbegegnung

„Bei der inneren Anschauung ist beständige Wiederholung das einzige, woran man sich halten kann, um etwas der Wirklichkeit wenigstens Ähnliches von den in ständigem Fluss befindlichen Stimmungen unserer Seele zu unterscheiden. Im Extremfall kann die Wiederholung so beständig werden, dass sich das ununterbrochene Vorherrschen einer Stimmung, einer Empfindung ergibt; doch das ist stets ein Zeichen schweren seelischen Störung, der Euphorie des Manikers oder der Depression des Melancholikers.”
(Hannah Arendt)

Fluss

Melanie LannerGefühle kommen und gehen

Umgang mit Gedanken und Gefühlen

Melanie Lanner Shiatsu

“Wirst du dich darum mit einem Baum oder Tier verwechseln,
weil du sie anschaust und weil sie mit dir in einer und derselben Welt existieren?
Musst du deine Gedanken sein, weil du in der Welt deiner Gedanken bist?
Deine Gedanken sind aber doch ebenso sehr außerhalb deines Selbst,
wie Bäume und Tiere außerhalb deines Körpers sind.“
(C. G. Jung)

Immer wieder begegnet mir in meiner Praxis die Frage nach dem Umgang mit den eigenen Gefühlen und Gedanken. Warum werde ich in der Behandlung von Gedanken abgelenkt? Warum tauchen plötzlich Gefühle auf? Warum tauchen sie gerade jetzt auf? Was soll ich mit ihnen machen? Wie kann ich die Gedanken wegschieben und mich ganz auf den Moment konzentrieren?

Fangen wir mit den Gefühlen an. Gefühle wollen vor allem gefühlt werden. Gefühlt – wie die Sonne unseren Rücken wärmt, wie der Wind unser Haar zerzaust, wie der Regen uns abkühlt. Gefühle ändern sich so schnell wie Wetter und sind ebenso schwer vorhersagbar. Gefühle sind Naturphänomene. Sie lassen sich nicht kontrollieren, nicht unterdrücken, nicht planen.

Und Gefühle sind nicht persönlich. Ich bin nicht die Verursacherin meiner Gefühle. Vielmehr kommen die Gefühle über mich. Ich habe keine Gefühle, die Gefühle haben mich.

Und was, wenn der Schmerz kommt?

„Nichts übergehen, alles aufdecken, sich nicht mehr betrügen.
Auch die schmerzhaftesten Stellen berühren.
Alles wagen, mitten durch den Schmerz hindurchgehen.
Und dann wird einem leichter, die Last des bösen Urteils fällt ab,
man entdeckt unter alledem das Gute in sich.
Danach ist man richtig auf dem Weg, von Stufe zu Stufe, immer weiter.“
(Ulli Olvedi)

Schmerz – körperlicher und/oder emotionaler – zeigt an, dass etwas berührt wurde, sich etwas löst, etwas in Bewegung kommt.* Schmerz begleitet Wandlungsprozesse. Schmerz fordert uns auf, aufmerksam zu sein, hin zu spüren, hindurchzugehen. Schmerz ist unser Wachstumslehrer.

Manchmal wird im Shiatsu ein Körperbereich oder ein Punkt berührt, wo sich ein emotionales Thema festgesetzt oder verkörpert hat, wie wir das sagen. Dann geht die Berührung mit Gefühlen einher, ja oft mit emotionalem und körperlichem Schmerz. Meist sind das tiefliegende Themen der Vergangenheit, die nicht verarbeitet werden konnten und deshalb ins Unbewusste verschoben wurden, die sich jedoch im Körper „festsetzen“ oder speichern. (Zum Körper als Sprache des Unbewussten habe ich einen eigenen Blogartikel geschrieben.) Wird dann dieser Bereich oder Punkt unseres Körpers berührt, gelockert, in Bewegung und zum Fließen gebracht, kommen wir in Kontakt mit den bislang unbewussten Gefühlen und Themen. Und dies erleben wir zumeist als Schmerz. Doch wenn wir in diesen Schmerz hineingehen, mit der Aufmerksamkeit dort verweilen, atmen und achtsam mit uns selbst sind, kann sich körperlich etwas lösen und Gefühle können befreit werden.

Gefühle nicht persönlich zu nehmen, bedeutet also nicht, sie nicht zu fühlen. Im Gegenteil, Gefühle sind zum Fühlen da. Gefühle tauchen auf, werden gefühlt und gehen wieder. Sie setzen sich nur dann (im Körper) fest, wenn wir sie nicht fühlen, zum Beispiel weil wir überfordert sind oder als Kind überfordert waren. Nicht an Gefühlen festzuhalten – oder wir könnten auch sagen, uns nicht mit ihnen zu identifizieren, indem wir glauben, wir wären unsere Wut, unsere Trauer, unsere Ängste –, ist ein gesunder Umgang mit Gefühlen – den bunten Wechselwettern unserer Seele.

Gewitter

Und für was brauchen wir dann Gedanken?

In der Körperarbeit und anderen körperorientierten Methoden hören wir oft, dass der Kopf schlecht und nur der Körper wahrhaftig ist, dass wir unseren Kopf ausschalten sollen, „um ganz im Moment zu sein“. Doch was bedeutet dieses „Im-Moment-Sein“? Bedeutet das, ich muss meinen Kopf frei machen und „leer“ werden, erst dann kann ich mich auf die Shiatsu-Behandlung einlassen, nur dann bewirkt sie etwas?

Aus meiner eigenen Erfahrung und aus der meiner Praxis weiß ich, dass das utopisch ist. Wann sind wir denn schon jemals frei von Gedanken?!? In ganz wenigen ausgewählten Momenten unseres Lebens. Und diese Momente sind wichtig, weil sie uns erinnern, um was es im Leben wirklich geht… Was das ist, lässt sich nicht in Worte fassen – doch sicher nicht darum, mir immer wieder bereits vergangene Situationen ins Gedächtnis zu rufen oder mir Sorgen um die Zukunft zu machen.

Und doch ist es das, was unseren Verstand beschäftigt. Und das wird uns so richtig bewusst, wenn wir uns ruhig auf die Shiatsu-Matte legen, weil wir dann ja gerade nicht von äußeren Dingen abgelenkt sind, sondern uns einmal so richtig zuhören. Aber dann fühlen wir uns vom Shiatsu abgelenkt und erst recht nicht im Moment. Wie ärgerlich!

Ich sehe das so: Zum Einen braucht der Kopf Raum, um alles zu verarbeiten und zu bedenken, was wir den ganzen Tag erleben und an Eindrücken in uns aufnehmen. So verdauen wir das, was wir erleben und was auf uns einströmt. Diese Gedanken dienen also der Verarbeitung und lassen uns, wenn der Prozess vorbei ist – und das ist er bestimmt einmal! – in einem gereinigten Zustand zurück. Und je mehr wir uns zwingen, nicht zu denken, desto mehr wird der Verstand einfordern, ihm Raum zu geben. Also denken wir einfach, was gedacht werden will! Irgendwann geht der Prozess vorbei…

Natürlich ist es auch eine Möglichkeit, im Alltag solche Denkpausen einzurichten. Das heißt, nichts zu tun, einfach nur den eigenen Gedanken nachzuhängen und so unser Leben zu verdauen. Meine Beobachtung ist, dass dies dann in ungefähr einer viertel Stunde pro Tag erledigt ist, wenn wir das regelmäßig machen. Manchmal braucht es auch zwei viertel Stunden pro Tag – einmal mittags und einmal vor dem Einschlafen.

Himmel_2

Aber was ist, wenn die Gedanken immer wieder um die gleichen Themen kreisen, wir uns festbeißen und dann keinen Ausweg mehr sehen? Dann braucht es Aufmerksamkeit und Bewusstheit, was gerade passiert: Aha, ich habe mich in einer Gedankendauerschleife verfangen.

Mir hilft es dann, die Gedanken aufzuschreiben, also aus meinem Kopf heraus aufs Papier zu bringen oder sie einer Vertrauensperson gegenüber auszusprechen. Denn so werden sie konkreter und dadurch weniger kreisend. Hilft das auch noch nicht, widme ich mich etwas Konkretem, zum Beispiel der Hausarbeit. Auch Bewegung tut gut, denn bewege ich meinen Körper, bewegt sich auch mein Geist.

Gedanken sind also nicht gleich Gedanken. Oder vielleicht doch. Gedanken sind wie Gefühle etwas Unpersönliches. Ich bin ebenso wenig Verursacherin meiner Gedanken wie meiner Gefühle. Auch Gedanken kommen und gehen – wenn wir sie ziehen lassen. Und hier liegt der Unterschied: Denken wir die Gedanken, die gerade da sind, lösen sie sich wieder auf wie Wolken am Himmel. Nur wenn wir an Gedanken festhalten, entstehen diese endlosen Gedankenschleifen, die uns wirklich aus dem Moment hinauskatapultieren und uns von uns selbst wegführen.

Im Moment zu sein, bedeutet also nicht, nichts zu denken und nichts zu fühlen, sondern gerade das Gegenteil: Das zu fühlen, was gerade da ist. Und uns bewusst zu machen, was wir gerade denken.

Denn das ist vielleicht die Kunst des Denkens: Uns darüber bewusst zu sein, was wir denken.

Und das nennen wir dann ganz da zu sein, aufmerksam und präsent zu sein.

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(*) Ich spreche hier von Schmerz, der keine physische Ursache (wie z.B. Bandscheibenvorfälle oder organische Krankheiten) hat.

Himmel

„Wenn ich laufe, laufe ich einfach. Normalerweise in einer Leere.
Oder vielleicht sollte ich es lieber umgekehrt ausdrücken: Ich laufe, um Leere zu erlangen.
Aber natürlich schlüpft stets der eine oder andere Gedanke in diese Leere.
Klar, denn in den Herzen der Menschen kann es keine wahre Leere geben.
Der menschliche Geist ist nicht stark genug, um ein echtes Vakuum zu halten,
und auch nicht so konsequent.
Ich sage nur, dass die Gedanken, die beim Laufen in mein Bewusstsein dringen,
dieser Leere untergeordnet sind.
Sie haben keinen Inhalt, sie tauchen auf und umkreisen die Leere wie eine Achse.
Die Gedanken, die mir beim Laufen durch den Kopf gehen, sind wie die Wolken am Himmel.
Wolken in verschiedenen Formen und Größen. Sie kommen und ziehen vorüber.
Der Himmel jedoch bleibt immer derselbe.
Die Wolken sind nicht mehr als Gäste auf der Durchreise.
Sie tauchen auf und verschwinden wieder. Und nur der Himmel bleibt zurück.
Er existiert und existiert zugleich nicht. Er hat Substanz und ist zugleich substanzlos.
Wir können nicht mehr tun, als die Existenz dieses grenzenlosen Raumes zu akzeptieren
und in uns aufzunehmen.“

(Haruki Murakami)

Melanie LannerUmgang mit Gedanken und Gefühlen

Körper und Seele – Gegensätze oder Einheit?

Melanie Lanner Shiatsu

„Seele und Körper sind wohl Gegensatzpaar und als solches der Ausdruck eines Wesens,
dessen Natur weder aus der stofflichen Erscheinung
noch aus der inneren unmittelbaren Wahrnehmung erkennbar ist.
Man weiß, dass eine altertümliche Anschauung
aus dem Zusammenkommen einer Seele mit einem Körper den Menschen entstehen lässt.
Es ist aber wohl richtiger, zu sagen, dass ein unerkennbares lebendiges Wesen –
über dessen Natur schlechthin nichts auszusagen ist,
als dass wir damit undeutlich einen Inbegriff von Leben bezeichnen –
äußerlich als stofflicher Körper erscheint,
innerlich angeschaut aber als Folge von Bildern der im Körper stattfindenden Lebenstätigkeit.
Das eine ist das andere, und der Zweifel befällt uns,
ob nicht am Ende diese ganze Trennung von Körper und Seele nichts sei
als eine zum Zwecke der Bewusstmachung getroffene Verstandesmaßnahme,
eine für die Erkenntnis unerlässliche Unterscheidung
eines und desselben Tatbestandes in zwei Ansichten,
denen wir unberechtigterweise sogar selbständige Wesenheit zugedacht haben.“
(C. G. Jung, Hervorhebung im Original)

In den letzten Blogartikeln habe ich mich mit der Integration der Polaritäten und dem freien Fluss der Lebensenergie als Voraussetzungen für Gesundheit und Heilung beschäftigt. Eine gegensätzlich verstandene Polarität, die sich durch unser westliches Denken zieht, ist die von Körper und Seele. Körper und Seele werden seit Platon als getrennte Lebensbereiche wahrgenommen. Ganz anders in der östlichen Medizin – so auch im Shiatsu – und in der modernen ganzheitlichen Medizin in den westlichen Ländern: Dort werden Körper, Geist und Seele als Einheit betrachtet. Diesem Zugang folgt auch Arnold Mindell, ein Physiker und Psychotherapeut nach C. G. Jung, der sich insbesondere mit körperlichen Symptomen als Ausdruck des Unbewussten beschäftigt.

Mindell sieht körperliche Symptome und Beschwerden sowie Krankheiten ebenso als Sprache des Unbewussten wie Träume.

„Der Körper drückt unbewusste Strömungen aus, die gerade stattfinden,
und zeigt Beziehungsverflechtungen und unausgedrückte Gefühle.”
(Mindell 1985: S. 37)

Körperliche Symptome sind in diesem Zusammenhang meist kein Ausdruck krankhafter Phänomene und müssen deshalb auch nicht geheilt werden. Vielmehr fordert der Körper eine Änderung der Lebensumstände und der Bewusstseinseinstellung.

„Die Symptome selber sind Potentiale,
sie sind unvollendete oder unvollendbare Ausdrucksformen der realen Persönlichkeit.”
(ebd. S. 248)

Das heißt, Körpersignale sind nicht nur Krankheiten, sondern potentiell integrierbare Lebensaspekte. Mehr…

Bewusstwerdung durch Verstärkung

Eine Möglichkeit, sich der Botschaften der Körpersignale bewusst zu werden, ist die Verstärkung oder das Amplifizieren, wie es in der Jungianischen Psychotherapie genannt wird. Hierbei werden die Körpersignale, z.B. ein Kloß im Hals, nicht geheilt oder weggemacht, nicht ausgeglichen oder verringert, sondern der Hals wird gerade noch mehr verengt, der Kloß wird noch mehr verstärkt.

Lasse die Enge sich in deinem ganzen Körper ausbreiten! Werde selbst die Enge! – Und dann schaue, was passiert… Wie fühlt sich das an? An was erinnert dich das? Wo bist du selbst wie das Körpersymptom? Und warum gehst du in diese Enge? Probiere es doch gleich einmal aus! Denn Bewusstwerdung ist der erste Schritt zur Veränderung – auch von körperlichen Symptomen. Und wenn du dabei Unterstützung suchst, freue ich mich, wenn du einen Termin für eine Shiatsu-Behandlung vereinbarst!

Seele

Körperthemen als Trauminhalt

Außerdem wirken Körperprozesse und Träume zusammen: Träume haben häufig körperliche Beschwerden und Krankheiten zum Inhalt. Ein Beispiel: Eine Klientin von mir leidet unter Menstruationsbeschwerden und Hüftschmerzen, die keine organische Ursache haben. Sie erzählt mir von einem Traum, in welchem die unteren Stockwerke ihres Hauses brennen. Das Feuer zerstört die Stockwerke, bevor die Feuerwehr kommt, um das Feuer zu löschen. In der Tiefenpsychologie steht das Symbol des Hauses im Zusammenhang mit unserem Selbst. Die unteren Stockwerke entsprechen auf der körperlichen Ebene den unteren Körperbereichen wie den Beinen und dem Bauchraum bzw. dem unteren Rücken. Brennen diese also, deutet dies auf ein Ungleichgewicht in dem Körperbereich hin, oder wie wir im Shiatsu sagen würden, auf ein Zuviel an Energie (Jitsu). Der Traum drückt also symbolisch das körperliche Empfinden aus. Im Shiatsu geht es dann darum, das Feuer zu löschen, also die Energie „abzukühlen“, das heißt durch Druck und Berührung zu verteilen und Blockaden zu lösen, damit sie wieder frei fließen kann. Andersherum betrachtet bezeichnet Mindell den Körper auch als „real gewordene Traumwelt“ (ebd. S. 47).

Kennst du Träume, die deine körperlichen Beschwerden bildhaft ausdrücken? Beschäftigt dich gerade ein intensiver Traum, den du nicht verstehst und nicht einordnen kannst? Hast du sich wiederholende Träume? Dann freue ich mich, wenn du deine Träume zu deiner nächsten Shiatsu-Behandlung mitbringst. Vereinbare gleich jetzt einen Termin!
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Literatur: Mindell, Arnold (1985): The Dreambody. Der Körper im Märchen. Krankheit und Individuation. Fellbach-Oeffingen: Bonz.

Eine weitere Möglichkeit, Träume in der Körperarbeit zu erfahren, habe ich bereits in einem Blogartikel vorgestellt, und Informationen dazu findest du hier.

Melanie LannerKörper und Seele – Gegensätze oder Einheit?

Übungen: Bindungen

Melanie Lanner Selbstbegegnung

Eine Übung, die mir geholfen hat, mir meiner starren Fixierungen und Vorstellungen bewusst zu werden, ist mich schreibend mit meinen Bindungen auseinanderzusetzen: An wen oder was fühle ich mich gebunden? In welchen Situationen reagiere ich nicht frei, sondern gebunden? Was bindet mich? (Dies können u.a. Beziehungen mit Menschen, Orte, materieller Besitz, Gewohnheiten im Umgang mit sich selbst, Lebens- und Weltvorstellungen, Schuldgefühle und andere bindende Gefühle sein.)

Spinnennetz

Foto: Peter O (CC BY 2.0)

Schreibe deine Antworten auf, ohne sie zu bewerten oder zu verurteilen! Du musst auch nichts ändern, nichts „zwanghaft“ loslassen, denn genauso funktioniert Loslassen nicht. Loslassen geht nicht in der Aktivität, nicht im bewussten Wollen, sondern genau dadurch, nichts zu tun und nichts zu erzwingen. Schreibe also deine Antworten auf! – Und beobachte, was dadurch passiert!

Melanie LannerÜbungen: Bindungen

Gesundheit durch ungehinderten Lebensfluss

Melanie Lanner Shiatsu

„Es ist nämlich seelisch viel leichter, in einem Bewegungszustand,
in einem Auf- und Abwogen des Geschehens,
als in einem ausgeglichenen Dauerzustand zu leben,
denn in letzerem Zustand
– unbekümmert um seine vielleicht bewundernswerte Höhe und Vollendung –
droht die Erstickung in unerträglicher Langeweile.”
(C. G. Jung)

Im letzten Blogartikel habe ich mich damit beschäftigt, wie über die Integration der Polaritäten und durch Belebung bisher abgelehnter und abgespaltener Körperbereiche, Heilung stattfinden kann. Um ganz zu werden, braucht es die Integration beider Polaritäten (z.B. von Verletzlichkeit und Stärke, Geschehenlassen und Aktivsein, Entspannung und Anspannung). Es geht also im Prozess der Ganzwerdung auch um eine Form des Ausgleichs.

Gesundheit heißt in einer ganzheitlichen Sichtweise, dass der Körper selbst für einen Ausgleich sorgen kann – auch mit Unterstützung von anderen Menschen und Methoden, z.B. vom Shiatsu oder von Heilkräutern. Der Körper ist somit gesund, wenn er für diesen Ausgleich sorgen kann. Ungleichgewicht erzeugt Krankheit oder andere körperlichen Symptome.

Ausgleich bedeutet hingegen nicht Stillstand, kein Verharren in einer vermeintlich ausgeglichenen Mittel-Position, sondern den lebendigen Gang zwischen den Polaritäten. Es braucht Bewegung, um sich selbst gesund zu halten – oder freien Energiefluss, wie es im Shiatsu heißt. Fließt die Energie nicht frei, können Krankheiten und andere körperlichen Symptome die Folge sein. Shiatsu folgt einem System des stufenweisen Krankheitsverlaufs:

  1. Ein Ungleichgewicht zeigt sich auf der ersten Stufe meist mit Müdigkeit und Erschöpfung, verbunden mit genereller Unzufriedenheit. Es wird jedoch keine Veränderung durchgeführt, „obwohl irgendetwas nicht passt“. Auf dieser Krankheitsstufe hilft es, Abstand zu gewinnen (z.B. in der Natur, einen längeren oder kürzeren Urlaub zu machen), um wieder zu sich selbst zu finden.
  2. Auf der zweiten Stufe des Krankheitsverlaufs werden die körperlichen Symptome alltäglich, und die emotionalen Störungen beginnen, ohne dass sich schon pathologische Züge aufweisen, z.B. wachen wir jeden Morgen mit Rückenschmerzen auf.
  3. Auf der dritten Stufe zeigen sich Blutbildveränderungen, Anfälligkeit bestimmter Körperbereiche, z.B. der Atemwege, immer wiederkehrende Blasenentzündungen, chronische Sinusitis.
  4. Auf der vierten Stufe befinden sich die psychischen Störungen, z.B. Depressionen, Panikattacken, Angststörungen
  5. Auf der fünften Stufe kommt es zu Organerkrankungen und degenerativen Prozessen, z.B. Gallen- und Nierensteine, also zu dem, was in der westlichen Medizin als „Krankheit“ betrachtet wird.
  6. Auf der sechsten Stufe kommt es zu Erkrankungen des Nervensystems und zum Versagen des Immunsystems.
  7. Die siebte Stufe bezeichnet Trennung und Segregation, was im Extremfall den Tod bedeutet.

Der stufenweise Krankheitsverlauf bedeutet auch, dass es nicht das in Extremen aufgespaltene Gegensatzpaar Gesundheit oder Krankheit gibt, sondern dass Krankheit und Gesundheit ein Kontinuum ausmachen (vgl. auch das Konzept von Gesundheit in der Salutogenese). Krankheit und körperliche Symptome sind ein Prozess, der mit einem Ungleichgewicht und subtilen Botschaften beginnt. Diese subtilen Botschaften zu verstehen und das, was der Körper in dem Moment als Ausgleich braucht, zu stärken, ist Aufgabe vom Shiatsu. Dann kann die Energie frei fließen – und der Körper bleibt gesund.

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In der östlichen Medizin und somit auch im Shiatsu liegt der Fokus auf dem ungehinderten Lebensfluss. Damit der Lebensfluss, von dem wir Teil sind (vgl. auch C. G. Jungs Begriff des persönlichkeitsüberschreitenden Selbst), fließen kann, müssen starre Fixierungen und vertraut gewordene Gewohnheiten losgelassen werden.

„Begreift sich der Schneemann als kristallisierte Form, deren Wesen in ihrer Festigkeit liegt,
so spürt er eine tödliche Bedrohung.
Fühlt er sich aber als vorübergehend gefrorenes Wasser,
so erlebt er den Vorgang des Schmelzens als Befreiung.“
(Joachim Schrievers)

Denn Leben bedeutet stetige Veränderung. Und erst durch das Loslassen kann Wandlung geschehen. Was bedeutet dies fürs Shiatsu? Durch das Loslassen von Spannungen, von (körperlichen, mentalen und emotionalen) Verhärtungen und Verkrampfungen durch berührenden Druck im Shiatsu können sich Blockaden lösen, und die Energie kann wieder frei fließen. Fließt die Energie in unserem Körper frei, können wir uns spontan und in Freiheit auf die sich verändernden Lebensumstände einstellen und so dem Lebensfluss folgen.

„Das Ziel ist nicht die Ruhe jenseits der Bewegung, sondern inmitten von Bewegung,
nicht der Friede jenseits der Gefühle, sondern inmitten von Gefühlen.“
(Joachim Schrievers)

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin für eine Shiatsu-Behandlung vereinbarst!

Interessierst du dich für den philosophischen Hintergrund vom Shiatsu, der die Verbindung zum Lebensfluss zum Fokus hat, empfehle ich dir das leicht verständliche Buch von Alan Watts über den Taoismus: Watts, Alan (1983): Der Lauf des Wassers. Eine Einführung in den Taoismus. München: Suhrkamp.

Melanie LannerGesundheit durch ungehinderten Lebensfluss