Melanie Lanner Texte

Schoenheit_01

Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns. (Rumi)

Melanie Lanner

Alles fließt – die Leerheit im Taoismus und Zen-Buddhismus

Melanie Lanner Shiatsu

„Wir erfassen nicht so leicht, dass die Leere schöpferisch ist
und dass Sein aus dem Nichtsein kommt
wie der Klang aus der Stille und das Licht aus dem Raum.“
(Watts 1983: S. 48)

Wie ich im vorletzten Blogartikel bereits geschrieben habe, ist Shiatsu mehr als „nur“ eine Behandlungsmethode. Es ist auch ein Lebensweg und eine Weltsicht. Die Basis dieser Weltsicht findet sich im Taoismus und Zen-Buddhismus (zur praktischen Lebenskunst des Taoismus, also zu Wu wei bzw. „Nicht-Eingreifen“ findest du hier Informationen. Mit dem Zen-Buddhismus werde ich mich in einem nächsten Blogartikel beschäftigen). Im Zuge meiner Recherchen zum Taoismus und Zen-Buddhismus bin ich in beiden Weltsichten auf den Begriff der Leere bzw. Leerheit gestoßen (im Buddhismus als „shunyata“ bezeichnet). Da der Begriff in mir eine große Resonanz erzeugt, bin ich ihm näher nachgegangen.

Hierfür war ich in der Sprechstunde meines ehemaligen Philosophie-Professors Dr. Anton Grabner-Haider, der an der Uni Graz zu verschiedenen Weltdeutungen (Philosophien und Religionen) lehrt. Er hat mir erzählt, dass der Begriff der Leerheit in der östlichen Philosophie anders zu verstehen ist als in der westlichen. Zumindest seit Platon (genau kenne ich mich damit auch nicht aus, ist aber hier auch nicht das Thema) wird die Leere in der westlichen Philosophie als klare Abgrenzung zur Fülle verstanden, ähnlich wie das Nicht-Sein zum Sein, der Tod zum Leben. Es gibt nur dieses Entweder-Oder: Nichts oder alles, Leere oder Fülle, Nicht-Sein oder Sein. Anders in der östlichen Philosophie: Dort beschreibt die Leere die Möglichkeit des Werdens, also einen dynamischen Prozess und keinen statischen Zustand, so wie im natürlichen Kreislauf auf den Winter immer wieder der Frühling folgt.*

Alles fließt

Mir gefällt dieser prozesshafte, dynamische Charakter dieser Weltsicht, in der nichts bleibt, wie es ist, und alles sich stetig wandelt. Ist das LEBEN nicht ein ständiger Veränderungsprozess? Ist das einzig Fixe im Leben nicht, dass nix fix ist (um es mal österreichisch zu formulieren)? Oder um mit aus dem Zen heraus zu sprechen:

„Wirklichkeit [ist] jenes immer wechselnde, immer wachsende unsagbare Etwas, genannt ‚Leben‘, das keinen Augenblick stillsteht, um sich von uns auf befriedigende Art in irgendein starres System von Fächern und begrifflichen Schubladen einschachteln zu lassen“ (Watts 2008/1954: S. 13)

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Foto: Roger Aines (CC BY 2.0)

Was hat dies mit Shiatsu zu tun?

Auch im Shiatsu wird der Lebensweg eines Menschen als dynamischer Prozess betrachtet. So ist selbst der Körper stetigen Wandlungen unterworfen und keine statische Maschine, die immer gleich ist oder immer gleich „funktionieren“ muss. Wie ich es in mir selbst und in der Begleitung von Menschen erlebe, gibt es zwar Grundthemen eines Menschen, die sich in verschiedenen Facetten immer wieder ähnlich im Körper zeigen, wie z.B. mein Muster, den Atem anzuhalten und nicht mehr auszuatmen, wenn ich unter Stress stehe. Ich reagiere dann, wie ich es nenne, in meinem (körperlichen) Muster. Diese Muster sind verfestigte Gewohnheiten, sozusagen unsere „normale“, weil gelernte Reaktion auf bestimmte Situationen. Diese körperlichen Muster werden sich auch in der Shiatsu-Behandlung wieder und wieder zeigen, insbesondere wie wir mit Druck umgehen (für weitere Informationen dazu schaue hier). Dennoch sind auch diese verfestigten Muster nicht unveränderbar, geschweige denn weniger hartnäckige körperliche Botschaften. Im Gegenteil, gerade über den Körper lassen sich gelernte Muster (mit der Zeit) lösen. Durch die Körpererfahrung können die Muster bewusst gemacht und – in der Behandlung durch Berührung, Druck und andere manuelle Techniken unterstützt – gelöst werden.

Über die Bewusstwerdung können sie dann auch im Alltag Schritt für Schritt ursächlich aufgelöst werden. Um bei meinem Beispiel zu bleiben: Wenn mir im Alltag bewusst wird, dass ich den Atem anhalte, weil ich unter Druck stehe, atme ich bewusst aus und dann – wie von selbst – wieder tief ein. So kann ich mein Muster, mich über die Atmung „tot zu machen“, durch die Körperwahrnehmung auflösen und so Stress abbauen.

Da Körper, Geist, Psyche und Seele eine Einheit bilden, lösen sich über den Körper auch mentale, emotionale und seelische Blockaden. Plötzlich – wenn das körperliche Muster sich löst – spüre ich in meinen Gedanken und Gefühlen und dadurch auch in meinen Lebensmöglichkeiten auch wieder mehr Freiraum. Herrlich! 

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin vereinbarst, um deinem (körperlichen) Muster auf die Spur zu kommen und zu lernen, dieses aufzulösen.
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(*) Eine kleine Ergänzung: Im Buddhismus bezeichnet die Leere auch das Leersein von einem individuell abgegrenzten Ich, d.h. es gibt in dieser Vorstellung kein getrenntes Ich, sondern eine Einheit aller Wesen. Im Taoismus wird mit Leere eine Geisteshaltung der innere Ruhe und Gelöstheit bezeichnet, in welcher sich das Tao (ich würde es „LEBEN“ nennen) selbst entfalten kann. Konsequent zu Ende gedacht, führen beide Konzepte meines Erachtens jedoch zum Gleichen: zum Eingebundensein in etwas Größerem, das sich stetig wandelt. 

Literatur:

Watts, Alan (2008/1954): Vom Geist des Zen. Frankfurt am Main/Leipzig: Insel.

Watts, Alan (1983): Der Lauf des Wassers. Eine Einführung in den Taoismus. München: Suhrkamp.

Melanie LannerAlles fließt – die Leerheit im Taoismus und Zen-Buddhismus

Der Lebensfluss und unsere Träume

Melanie Lanner Selbstbegegnung

Wenn alles stetig fließt, gibt es nichts, was wir festhalten oder auch nur festschreiben können, also auch weder eine konstante, unveränderliche Identität noch einen unwandelbaren, gleichbleibenden Körper. Wollen wir dem Lebensfluss folgen und dadurch unser Leid (auf welcher Ebene auch immer) lindern*, heißt dies ebenfalls, mit den Wandlungen des Lebens mitzugehen und uns nicht dagegen zu wehren, indem wir zum Beispiel krampfhaft versuchen, alles unter Kontrolle – heißt auch alles beim Alten zu belassen – zu halten. Dies meint im Kern auch Wu wei, die Lebenskunst des Tao, mit der ich mich im letzten Blogartikel beschäftigt habe.

Mystik

Foto: Hartwig HKD (CC BY-ND 2.0)

Eine Möglichkeit herauszufinden, wohin der Lebensfluss fließen will, sind unsere Träume – insbesondere das letzte Traumbild, das kurz vor dem Aufwachen (meist etwas vage und diffus) aufflackert. Während der gesamte Traum das zugrundeliegende Thema in symbolischer Weise darstellt, beschäftigt sich das letzte Traumbild damit, wohin sich unsere Lebensenergie als nächstes wenden will. Es ist also spannend, im Besonderen auf dieses Traumbild zu achten und es als bildhaften Wegweiser zu wählen. Probiere es doch einfach einmal aus!

Ich freue mich, wenn du mir von deinen Erfahrungen (damit) berichtest!

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(*) Die Ursache von Leid wird im Taoismus und im Zen-Buddhismus im Widerstand gegen die Wirklichkeit, also gegen das, was ist, gesehen.

Melanie LannerDer Lebensfluss und unsere Träume

Tao – Wandlung

Melanie Lanner Shiatsu

„Einst träumte Dschuang Dschou, dass er ein Schmetterling sei, ein flatternder Schmetterling, der sich wohl und glücklich fühlte und nichts wusste von Dschuang Dschou. Plötzlich wachte er auf: da war er wieder wirklich und wahrhaftig Dschuang Dschou. Nun weiß ich nicht, ob Dschuang Dschou geträumt hat, dass er ein Schmetterling sei, oder ob der Schmetterling geträumt hat, dass er Dschuang Dschou sei, obwohl doch zwischen Dschuang Dschou und dem Schmetterling sicher ein Unterschied ist. So ist es mit der Wandlung der Dinge.“

Aus: Dschuang Dsï (2011): Das wahre Buch vom südlichen Blütenland. Köln: Anaconda, S. 63.

Melanie LannerTao – Wandlung

Wu wei – die Lebenskunst des Daoismus

Melanie Lanner Shiatsu

„Wu-wei bedeutet, nicht selbst handeln zu wollen,
sondern eben der erwähnten Autorität das Handeln, die Entscheidungen zu überlassen.
Gekoppelt mit dieser Bereitschaft,
selber weitgehend die Hand vom Steuer unseres Lebens zu nehmen,
ist die Notwendigkeit, unsere Sinne in immer größerem Maße der Gegenwart zuzuwenden.
Im gleichen Maße, wie wir – statt ständig in Gedanken über Vergangenheit und Zukunft zu kreisen –
unseren Alltag beobachten, ihm unsere Aufmerksamkeit voll zuwenden,
werden sich unser ganzes Leben und unsere Sicht darauf verändern.“
(Fischer 2001: S. 21)

Dass Shiatsu mehr ist als „nur“ die Behandlung auf der Matte, ist mir schon länger bewusst. Für mich ist Shiatsu vor allem auch ein Lebensweg und eine besondere Weltsicht, in welcher alles miteinander verbunden ist: Körper, Geist, Psyche und Seele sowie der Mensch mit dem, was ihn umgibt: die Natur, andere Lebewesen, andere Menschen… Alles ist verbunden, nichts ist getrennt. Shiatsu hat also auch eine spirituelle Komponente, was jedoch nicht heißt, abgehoben zu sein oder sich in einer Religion zu verfestigen. Vielmehr geht es um die Ganzheitlichkeit des Lebens.

Ausgehend von meiner Erfahrung habe ich Lust bekommen, mich tiefergehend mit den Theorien bzw. Weltsichten, die dem Shiatsu zugrundeliegen, zu beschäftigen: dem Taoismus/Daoismus* und dem Zen-Buddhismus. Auf meinem Blog habe ich bereits in Kürze zusammengefasst, was den Daoismus ausmacht und bin insbesondere auf seine Konzepte von YIN und YANG sowie auf die Fünf Elemente eingegangen, die für den praktischen Teil von Shiatsu (also für die Shiatsu-Behandlung) von besonderer Bedeutung sind. Jetzt möchte ich ein bisschen mehr in die Tiefe der Theorie gehen, die mein Herz so tief berührt. Im Besonderen werde ich mich mit dem praktischen Aspekt dieser Theorie beschäftigen, die Theo Fischer als „Lebenskunst des Tao“ bezeichnet hat: mit Wu wei.

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Foto: DaiLuo (CC BY 2.0)

Der Begriff des Wu wei ist mir schon vor Jahren durch einen Bekannten begegnet. Wu wei wird häufig mit „Nicht-Handeln“, „Nicht-Eingreifen“ übersetzt. Da ich seinen Zugang jedoch als Ausrede empfunden habe, sich auf die faule Haut zu legen, keine Entscheidungen zu treffen und in seinem Leben zu versumpfen, habe ich mich damals nicht näher damit beschäftigt. Doch ganz losgelassen hat es mich nicht, vor allem weil ich mich davon angesprochen gefühlt habe, meinem Kontrollbedürfnis etwas entgegen setzen zu können, eben Wu wei: Handeln durch Nicht-Eingreifen, durch Geschehenlassen, denn Wu wei „ist die Fähigkeit, das Steuer des Lebens jener Macht zu überlassen, die eine Dimension von uns selbst ist und die Laotse einst das Tao genannt hat“ (Fischer 2001: S. 7).

Wahrnehmen – Beobachten – Aufmerksamkeit

Mir gefällt insbesondere der in dem Buch vorgestellte Zugang, über ein Problem – welcher Art auch immer – nicht nachzugrübeln, es zu analysieren und nach einer Lösung zu suchen, es aber auch nicht zu verdrängen und die Verantwortung abzugeben, sondern das Problem genau anzusehen (was ja an sich schon oft ein schmerzhafter Prozess ist) und die Lösung dem Tao (ich würde es LEBEN nennen) zu überlassen. Wenn dann ein direktes Eingreifen meinerseits zur Lösung des Problems erforderlich ist, wird meine Intuition eingreifen und mir klare, zweifelsfreie Anweisungen erteilen.

„Sorgen macht sich der Mensch des Tao keine, weil er Probleme sofort nach ihrem Auftauchen seine Aufmerksamkeit zuwendet, statt sie zu verdrängen und ihnen so die Möglichkeit zu geben, dass sie einen andauernden unterschwelligen Druck ausüben. […] Herausforderungen, wie sie auch beschaffen sein mögen, stellen dann keine Bedrohung des inneren Friedens mehr dar, sondern werden als das angesehen, was sie in Wirklichkeit eben sind, Herausforderungen an die uns innewohnenden Möglichkeiten. Und diese Möglichkeiten sind niemals schwächer oder geringer als der Druck, der von außen an uns herantritt.“ (Fischer 2001: S. 59)

Wenn ich es aus dieser Perspektive betrachte, habe ich die meisten Probleme meines Lebens auf diese Art und Weise gelöst – und nicht, indem ich mich unter Druck gesetzt habe und zwanghaft versucht habe, (mit dem Verstand) eine Lösung zu finden. Und du?

Kind

Interessant finde ich hierbei auch den Aspekt, Probleme sofort nach dem Auftauchen zu betrachten, uns also den Keimen einer problematischen Situation direkt zuzuwenden und sie – bildlich gesprochen – auszureißen, bevor sie schon feste Wurzeln und Blüten gebildet haben. Diesen Aspekt im Umgang mit inneren und äußeren Konflikten unterstreicht auch die Jungianische Psychoanalytikerin Marie-Louise von Franz. Dringen wir in die Tiefen der geheimen, leisen Wirkungen jener Keime ein und bringen Bewusstsein in jene Keimtriebe, die aus dem Hintergrund wirkt, können unmögliche Situationen entwirrt und neue Möglichkeiten eröffnet werden (vgl. von Franz 1997: S. 159 und S. 161). Dafür braucht es „nur“ den Mut der aufrichtigen Aufmerksamkeit. Also: Was schwelt in dir? Um welche Keime musst du dich kümmern? Welche Probleme kannst du an der Wurzel packen?

Verbunden mit etwas Größerem

Edward Slingerland (ein US-amerikanischer Sinologe und Kognitionswissenschaftler) bezeichnet Wu wei als “müheloses, spontanes Handeln” und hebt hervor, dass Wu wei die Erfahrung der Verbundenheit mit etwas Größerem voraussetzt.

„Bei uns wird Spontaneität normalerweise mit Individualität assoziiert – man tut einfach, was man will. Wu wei hingegen bedeutet, zu einem Teil von etwas Größerem zu werden, der kosmischen Ordnung, für die das Dao steht.“ (Slingerland 2014: S. 58-59)

Diese Verbindung zu etwas Größerem können wir auch als Gerüst aus Werten bezeichnen. Dich kann hierbei die Frage leiten: „Inwieweit entspricht das, womit du dich gerade beschäftigst, dem, wer du bist und was dir am Herzen liegt?“

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(*) Taoismus und Daoismus bzw. Tao und Dao meinen dasselbe, sind nur verschiedene übersetzte Schreibweisen aus dem Chinesischen.

Literatur: Fischer, Theo (2001): Wu Wei. Die Lebenskunst des Tao. 14. Auflage. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Franz, Marie-Louise von (1997): Das Weibliche im Märchen. 12. Auflage. Leinfelden-Echterdingen: Bonz.

Slingerland, Edward (2014): Wie wir mehr erreichen, wenn wir weniger wollen. Das Wu-Wei-Prinzip. Berlin: Berlin-Verlag.

Melanie LannerWu wei – die Lebenskunst des Daoismus

Shiatsu rund um die Geburt

Melanie Lanner Shiatsu

Rund um den Jahreswechsel ist meine Tochter ein Jahr alt geworden. Für mich ist dies ein guter Zeitpunkt, um Shiatsu rund um die Geburt zu reflektieren und die Zugänge meiner Arbeit als Shiatsu-Praktikerin für dich zusammenzufassen.

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Hier findest du Informationen zu

  • Shiatsu während der Schwangerschaft
  • Shiatsu als Geburtsvorbereitung
  • Shiatsu nach der Geburt

Außerdem erzähle ich dir von meinen eigenen Erfahrungen damit.

Melanie LannerShiatsu rund um die Geburt

Jahresreflexion

Melanie Lanner Selbstbegegnung

Zum Jahreswechsel habe ich das Jahr 2016 für mich reflektiert. Wie jedes Jahr tut es mir gut, zurückzuschauen und aufzuschreiben, was mich das letzte Jahr bewegt hat. Ich habe – teilweise auch anhand meines Kalenders – in einem Mindmap zusammengefasst, was ich letztes Jahr erlebt habe, was mich beschäftigt hat und womit ich meine Zeit verbracht habe. Dadurch wird mir auch klar, was wirklich wesentlich und wichtig für mich ist: Selbstbestimmtheit. Und diese Klarheit ist sicher meinem ersten Jahr als Säuglingsmama geschuldet ;-) Was ist essentiell für dich?

Außerdem hat mich in meiner Jahresreflexion die Frage begleitet, was ich ins neue Jahr mitnehmen und was ich verändern möchte. Um der Reflexion ein bisschen Struktur zu geben und mein Leben leichter aus der Metaebene betrachten zu können, habe ich mein Leben in einzelne Lebensbereiche unterteilt. Natürlich gehe ich nicht davon aus, dass diese sich wirklich trennen lassen oder das Leben sich in dieser Weise zerstückeln lässt. Doch hilft mir das Aufschlüsseln dabei, mir mein Leben konkret anzuschauen. Die einzelnen Lebensbereiche, die ich für mich ausgewählt habe, sind:

Beruf Geld materieller Besitz
Wohnen Haushalt Mutterrolle
Kreativität gesellschaftliches Engagement Partnerschaft/Ehe
(Herkunfts-)Familie Umgang mit mir selbst Spiritualität
Freizeitaktivitäten Reisen Naturbegegnung
Tiere

Anhand dieser verschiedenen Lebensbereiche habe ich mein Leben reflektiert, z.B. wie geht es mir mit meinem Beruf? Gefällt mir die Tätigkeit? Bin ich zufrieden mit den Rahmenbedingungen? Will ich etwas verändern?

Hier findest du ein Formular, das du für deine eigene Analyse verwenden kannst. Die Lebensbereiche, die ich festgelegt habe, erheben natürlich keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit. Vielmehr will ich dir mit dem Formular einen Einstieg und Inspiration schenken, sodass du deine eigenen Lebensbereiche finden kannst.

Wie war dein Jahr 2016? Was hat dich beschäftigt, bewegt, aufgerüttelt, gelangweilt? Was hat sich verändert? Was ist gleichgeblieben? Was willst du auch im neuen Jahr weiterhin so leben? Was willst du verändern? Was wünscht du dir fürs Jahr 2017?

Melanie LannerJahresreflexion

Aufrichtigkeit

Melanie Lanner Selbstbegegnung

Heilung setzt Bewusstwerdung und Aufrichtigkeit mit sich selbst voraus.

Vervollständige diese fünf Fragen – schriftlich und ehrlich (es wird und soll niemand anderes lesen).

  1. Wenn ich es mir gestatte, es mir einzugestehen, dann…
  2. Wenn es nicht so riskant wäre, würde ich…
  3. Wenn es mir nicht solche Angst machte, dann …
  4. Wenn es nicht so albern wäre, dann …
  5. Wenn es nicht so bedrohlich wäre, würde ich …

Bei mir ist ein 10-seitiges Dokument daraus geworden – und schlussendlich ein neuer Lebensabschnitt :-)

Melanie LannerAufrichtigkeit

Vollenden, Heilung und Weihnachten

Melanie Lanner Selbstbegegnung

Wie ich im letzten Blog-Artikel ja schon geschrieben habe, geht es für mich nach Abschluss meines Buchprojekts vor allem ums Aufarbeiten und Vollenden von liegengebliebenen Dingen. Das passt für mich auch wunderbar zum Jahreswechsel, weswegen mich das Thema „Vollenden“ nach wie vor als Lebensmotto begleitet. Auch meinen Blog habe ich mir dahingehend angeschaut und festgestellt, dass auch dort ein paar Themen noch auf ihre Fertigstellung warten. Eines davon habe ich in der Zwischenzeit in Angriff genommen: die Ergänzung meines Selbstheilungsweges von meiner Kindheit bis jetzt. Er geht von meiner Auseinandersetzung mit Spiegeln in meiner Kindheit über meine Jugendzeit in München, das Alleinsein in meiner jungen Erwachsenenzeit, das Mich-Ausprobieren während meiner Studienjahre bis zu einer tiefgehenden Krise, die mich schlussendlich zum Shiatsu geführt hat – und darüber hinaus… Neugierig? Dann findest du hier all meine Reisestationen der (Selbst-)Heilung.

Auch zur derzeitigen Jahreszeitqualität passt das Thema „Heilung“ für mich sehr gut. Heute ist Wintersonnenwende, die längste Nacht des Jahres, das größte YIN (um in der Sprache vom Shiatsu zu sprechen). Danach beginnt langsam, aber stetig die lichtvollere Zeit. Im größten YIN liegt schon das neue YANG. YIN bedeutet Dunkelheit, Nicht-Tun, Empfangen.

Heilung wird empfangen. Anfangs noch nicht sichtbar, bahnt sie sich die langsam, aber stetig – der Sonne gleich – ihren Weg nach draußen, bis sie mehr und mehr auch unser äußeres Leben erfüllt und in unserem Alltag erstrahlt.

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Foto: Nick Kendrick (CC BY-NC-SA 2.0)

Heilung geschieht – und ist nichts, was wir tun oder kontrollieren können. Wir können uns vergangene Verletzungen und ins Unbewusste verschobene Themen bewusst machen. Dadurch verlieren sie die Macht über uns; und wir gewinnen Wahlfreiheit. Erst in der Bewusstwerdung liegt die Freiheit. Die Freiheit können wir nutzen, um unser derzeitiges Leben (unsere Beziehungen, unseren Beruf, unseren Umgang mit uns selbst…) so zu gestalten, dass es uns guttut (und nicht so, dass es vergangene Verletzungen wiederholt). Wir können Gewohnheiten hinterfragen und unseren Alltag so gestalten, dass er uns nährt und uns selbst wirklich entspricht. Wir können über den Körper Blockaden lösen und Energien ins Fließen bringen. Wir können dadurch angestaute Emotionen und festgefahrene Gedanken befreien. Auch kreativer Ausdruck (zum Beispiel freies Schreiben, Tanzen und Malen) hilft uns dabei. Diese Prozesse sind die Basis für unsere Heilung. Doch Heilung geschieht oder sie geschieht nicht. Das liegt nicht in unserer Hand. Doch wir können um Heilung bitten.

Wofür bzw. worin bittest du um Heilung? Was in dir will heil werden? Für wen bittest du um Heilung?

Und wen oder was bittest du? WEM VERTRAUST DU?

Heilung ist Gnade. Gnade wiederum passt gut zu Weihnachten, das, in christlicher (Bild-)Sprache ausgedrückt, die Wiederkehr des Göttlichen in dieser Welt feiert. Das Göttliche – oder wie auch immer wir es nennen –, schenkt diese Gnade.

Heilung ist ein Geschenk. Vielleicht das größte.

Wen kannst du auf seinem/ihren Heilungsweg unterstützen? Und wie?

In diesem Sinne wünsche ich dir Frohe Weihnachten, kraftspendende Feiertage, eine lichtvolle Zeit und einen heilsamen Jahreswechsel!

Melanie LannerVollenden, Heilung und Weihnachten

Begrifflichkeiten im Shiatsu

Melanie Lanner Shiatsu

Um YIN und YANG und das Wechselspiel der Polaritäten geht es auch in einem neuen Artikel, den ich auf meinem Blog veröffentlicht habe. Ich habe mich nämlich – auch als etwas, das liegengeblieben ist – daran gemacht, die Begrifflichkeiten, die im Shiatsu wie selbstverständlich verwendet werden, zu definieren und hoffentlich in verständlicher Weise darzustellen. Es geht hierbei um

  • Meridiane – als Leitbahnen der Energie, die unseren Körper ähnlich durchströmen wie das Blutgefäßsystem
  • die Lebenskraft Ki, die uns mit Lebendigkeit füllt
  • die Fünf Elemente und ihre Wandlungszyklen, welche den Prozess des Lebens vom Werden, Wandeln und Vergehen beschreiben
  • YIN und YANG, die dualen Kräfte des Lebens, die in ihrem Wechselspiel erst das Leben hervorbringen

sowie deren theoretische Grundlage, die im Daoismus (auf Deutsch auch „Taoismus“) liegt. Außerdem geht es darum, wie YIN und YANG im Shiatsu ausgeglichen werden können. 

Melanie LannerBegrifflichkeiten im Shiatsu