Ritualgestaltung

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten und Zugänge, magisch und rituell zu arbeiten. Ich kann dir hier keinen Überblick über all die verschiedenen Richtungen und spirituell-magischen Wege geben. Darum geht es auch gar nicht. Es geht darum, dass du deine eigenen Wege findest, mit den Elementen und Kräften der Natur, den göttlichen Wesen (wie auch immer du sie nennen magst) zu kommunizieren und sie um Hilfe zu bitten. Dich zu verbinden und dein Eingebundensein in alles, was ist, zu erleben. Ich kann dir hier nur ein grobes Gerüst, quasi den strukturellen Fahrplan zur Ritualgestaltung mitgeben und dir meine Art und Weise, mit Ritualen zu arbeiten, vorstellen.

Das Wichtigste ist, dass du dich dabei wohlfühlst, auf all deinen Seins-Ebenen angesprochen wirst und wirklich etwas dabei empfindest, statt nur leere Worte nachzureden und symbolische Handlungen nachzuvollziehen, die du nicht verstehst oder in dir nichts auslösen. Verstehe also meine Vorschläge als Inspirationen, um das zu finden, was wirklich für dich passt. Und auch das kann sich im Laufe der Zeit verändern. Mit Ritualen zu arbeiten, ist ein lebendiges und aktives Geschehen und Wirken, das deine Lebendigkeit herausfordert und Spontanität einfordert.

Die Struktur eines Rituals

Kurz zusammengefasst braucht ein Ritual einen klaren Beginn und ein klares Ende. Es findet mitten in deinem Leben, jedoch abseits von deinem Alltagsbewusstsein, statt, in einem „Heiligen Raum“, einem Zwischenraum zwischen den Welten. Das heißt auch, dass du dafür sorgen musst, ungestört zu sein und zu bleiben (Tür zu, „Bitte nicht stören!“, Handy aus).

Vorbereitung

RhythmusEin Ritual braucht eine klare Absicht. Das heißt, du musst wissen und im besten Fall auch vor dem Ritual benennen, warum du das Ritual durchführst. Das kann auch sein, dass du nicht weiter weißt und um Hilfe bittest. Dann ist dies deine Absicht. Oder du hast ein nicht näher definiertes Gefühl, dem du auf die Spur gehen willst. In diesem Fall ist dies der Ausgangspunkt und die Absicht des Rituals. Manchmal ist deine Absicht auch ganz klar. Du musst nicht wissen, was das Ergebnis des Rituals sein wird. Das würde auch die Macht des Rituals um einiges schmälern, weil es sich dann in seiner eigenen “Logik” (die nichts mit rationaler Logik zu tun hat:-)) nicht mehr frei entfalten kann. Doch du musst wissen, warum du das Ritual überhaupt machst, was der Ausgangspunkt deiner Reise ist. Und du brauchst eine Richtung. Ansonsten verliert es seine Wirkung.

Eine Absicht kann es sein, Dank zu sagen, einen Lebensabschnitt zu feiern oder um Heilung zu bitten. Es ist wichtig darauf zu achten, was du dir wünschst. Denn Wünsche können in Erfüllung gehen :-)

Lege dir die Zutaten, die du für das Ritual brauchst, zurecht.

Nachdem du alles vorbereitet und eine klare Absicht für das Ritual festgelegt hast, geht es darum, dich selbst auf das Ritual vorzubereiten. Das geschieht durch Reinigung und Erdung.

Reinigung

Um vom Alltagsbewusstsein in einen anderen Bewusstseinszustand überzugehen, reinige dich zuerst von allem, was dich gerade beschäftigt, das du jedoch nicht ins Ritual mitnehmen willst (z.B. deine Alltagssorgen rund um deine Familie, deine Finanzen, die To-dos in der Arbeit). Auch hier gilt es, deine eigenen Wege zu finden. Du kannst dich zum Beispiel mit Räucherstäbchen räuchern oder mit Salzwasser (deine Chakren) reinigen, eine Geste machen, die dich in einen rituellen Zustand versetzt, oder dein Ritualgewand überziehen, das du nur für solche Momente verwendest. Experimentiere, was bei dir am besten funktioniert oder lass dich von deiner Intuition in diesem Moment leiten. Vielleicht willst du dich auch abklopfen oder deinen Körper schütteln, Atemübungen machen, tanzen oder singen. Es gibt so viele Möglichkeiten wie es Menschen gibt :-) Es geht nicht darum, etwas richtig zu machen, sondern etwas zu finden, was für dich passt, damit du im Hier und Jetzt ankommen und deine Alltagsgedanken für den Augenblick des Rituals loslassen kannst. Danach kannst du sie auch getrost wieder einsammeln, sie werden auf dich warten ;-) Wenn du ganz angekommen fühlst, bist du bereit für die…

Erdung

Um bei einem Ritual (energetisch) nicht abzuheben, sondern mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen (das nennt Cambra Skadè so schön „verwurzelt fliegen“), musst du für eine gute Erdung sorgen. Auch hier gilt: Finde deine eigene Wege, wie du dich am besten erden kannst. Du kannst dir vorstellen, wie Wurzeln aus dir heraus in die Erde wachsen, wie sich die Kraft der Erde und des Himmels in dir verbinden. Du kannst stampfen, bis du den Boden unter deinen Füßen gut wahrnehmen kannst, dich auf den Boden legen, um wirklich den Boden unter dir selbst zu spüren, zu spüren, wie er dich trägt… Du kannst eine Pflanze, einen Baum im wahrsten Sinne des Wortes be:greifen.

Wenn du noch AnfängerIn bist, empfehle ich dir, dir ein Buch über Erdung zu besorgen und mit den verschiedenen Möglichkeiten zu experimentieren, um herauszufinden, was sich für dich stimmig anfühlt und was dich auch während des Rituals gut erdet. Hier findest du eine Möglichkeit, wie ich mich gut erden kann.

Wenn du während dem Ritual spürst, dass du abhebst, hilft es mir gut, meine Hände auf meinen Körper zu legen, speziell auf meinen Bauch, und mir meine Körperlichkeit bewusst zu machen und tief zu atmen oder die Hände auf den Boden zu legen, um mich so zu erden und überschüssige Energien in die Erde abzuleiten, damit sie woanders jemandem zur Verfügung steht, der oder die sie gerade braucht. Mama Erde weiß schon, wohin damit…

Das Ritual selbst

Wenn du dich gereinigt und geerdet hast, geht es zum „eigentlichen Ritual“. Und auch hier gibt es nicht die einzige richtige oder wahre Möglichkeit, einen Kreis zu ziehen, einen Heiligen Raum zu öffnen und unterstützende Wesenheiten zu rufen – sondern nur DEINE.

Kreisziehen und den Heiligen Raum öffnen

Die meisten Traditionen arbeiten damit, sich in alle Himmelsrichtungen zu wenden und damit den Kreis zu ziehen und den Heiligen Raum zu öffnen. Dies kannst du mit Worten tun, mit einem Gesang, mit Tönen und Instrumenten, mit Bewegung und Tanz… Probiere einfach aus, was sich für dich stimmig anfühlt.

KreisFür mich hat es sich bewährt, immer den gleichen Satz dabei auszusprechen, um mein Unterbewusstsein auf „Ritual“ einzustimmen und wirklich in den Heiligen Raum einzutreten. Wenn du AnfängerIn bist, empfehle ich dir auch hier, dir ein Buch, das dich anspricht, auszuleihen oder zu kaufen, dich einer mit Ritualen arbeitenden Gruppe oder Gemeinschaft anzuschließen oder ein Seminar zur Ritualarbeit zu besuchen, um einen Einstieg in diese Form der magischen Arbeit zu finden. Wenn du einen Einblick gewonnen hast, kannst du deine eigene Art und Weise kreieren, den Heiligen Raum zwischen den Welten zu öffnen und einen Kreis zu ziehen.

Anrufung

Und so verhält es sich auch mit den Wesenheiten, die du zur Unterstützung des Rituals rufst.

Rufe in jedem Fall nur Wesenheiten, mit denen du wirklich etwas anfangen kannst und die sich für dich gut anfühlen. Gut ist es, wenn du dich, bevor du sie rufst, mit ihnen beschäftigst, indem du zum Beispiel über sie liest. Und weniger ist oft mehr: Rufe für ein Ritual nicht zu viele Wesenheiten auf einmal. Das schafft nur Durcheinander – und verwirrt unnötig deinen Geist. Du kannst entweder Wesenheiten (oder eine Wesenheit) rufen, die zur Thematik des Rituals passen oder vertraute Wesenheiten, die dich schon durch mehrere Rituale begleitet haben.

Der innere Kern des Rituals

Nachdem du einen Raum zwischen den Welten geschaffen und um Unterstützung gebeten hast, kommst du zum inneren Kern des Rituals, der je nach Absicht des Rituals variiert. Und auch hier ist weniger mehr: eine Absicht, ein Thema und eine symbolisch-magische Handlung pro Ritual. Das ist genug. (Anlässe und damit Themen von Ritualen findest du hier.)

Im Heiligen Raum kannst du eine magisch-symbolische Handlung setzen (siehe z.B. meine Ideen zur Gestaltung von Jahreskreisfesten), eine Trancereise zu einem Thema machen, das dich beschäftigt, um Unterstützung der magisch-spirituellen Welt bitten, deine Dankbarkeit ausdrücken, einen ersten Schritt in eine neue Richtung setzen, magische „Erdarbeit“ leisten… Deiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und wie immer geht es darum, dass du wirklich etwas dabei fühlst und sich vor allem auch dein inneres Kind durch die Symbolik angesprochen fühlt. Deine Phantasie, deine Kreativität, deine Spontanität und deine Sinn-lichkeit (das heißt, das Ansprechen deiner Sinne) ist gefragt.

Abschluss des Rituals

Ebenso wichtig wie der klare Beginn ist der klare Abschluss des Rituals, damit sich die Energien, die du gerufen hast, nicht einfach zerstreuen. Nimm dir die Zeit, alles, was zu tun ist, in Ruhe abzuschließen. Du kannst auch ein paar Notizen in dein Tagebuch machen. Finde einen stimmigen Abschluss, z.B. indem du noch einmal die Stille in deinem Kreis genießt. Bedanke dich gebührend bei den unterstützenden Wesenheiten und schließe den Kreis und damit den „Heiligen Raum“ wieder. Ich gehe so vor, dass ich mich in umgekehrter Reihenfolge in alle Himmelsrichtungen wende, “meinen” Satz spreche und somit das Ritual beende.

Nachbereitung

Gehe in dein Alltagsbewusstsein über. Mir hilft es zum Beispiel, alle Gegenstände des Rituals an ihren Platz zu räumen. Auch essen bringt dich zurück in deinen Körper. Nimm dir noch ein bisschen Zeit, alles nachwirken zu lassen. Das heißt auch, nicht sofort ins Auto zu steigen (das wäre sogar gefährlich), nicht gleich alle Anrufe, die inzwischen eingegangen sind, zu beantworten und nicht die gesamte To-do-Liste von oben nach unten durchzuackern. Außer es fühlt sich für dich stimmig an. Bleib einfach bei deinem Gefühl.

Falls dir die Ausführungen zu theoretisch sind, findest du hier ein Beispiel.

Ich wünsche dir viel Spaß! Ups, ja, Rituale dürfen Spaß machen :-)

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Melanie LannerRitualgestaltung