Wintersonnenwende

Nur aus dem Schweigen ward das Wort,
Nur aus dem Dunkel ward das Licht,
Nur aus dem Tod ward das Leben:
Hell ist der Flug des Falken,
In der Weite des Himmels.
(Ursula K. Le Guin: “Erdsee”)

Die Wintersonnenwende am 21. Dezember feiert die Wiedergeburt des Lichts. Am kürzesten Tag des Jahres wendet sich das Blatt ein weiteres Mal: Die Tage werden wieder länger, die Nächte kürzer. Jeden Tag scheint die Sonne um ein klein bisschen länger. Das Licht wird neu geboren. Diese Feier des neu geborenen Lichtes (im Christentum: Jesus Christus) gab es schon vor dem christlichen Weihnachten.

Die Wintersonnenwende ist der Beginn einer neuen lichtvollen Zeit – inmitten der kalten, dunklen Jahreszeit. Denn obwohl der Winter erst beginnt, ist die Wandlung der Natur schon vollzogen: Die lichtvolle Zeit hat bereits begonnen. Sie verheißt einen neuen Frühling und einen wiederkehrenden Sommer voller Wärme und Sonnenstrahlen. Somit ehrt die Wintersonnenwende das kleine Fünkchen Licht in der Dunkelheit, das ab jetzt weiter wachsen wird. Sie macht Hoffnung, dass auch in der tiefsten Dunkelheit ein neues Licht geboren wird.

Neues LichtDie Tage um die Wintersonnenwende sind eine Zeit, um in dir zu spüren, was du ans Licht bringen willst. Was in dir soll geboren werden? Was bist du bereit, ans Licht zu bringen? Welches Licht bist du bereit, in dir reifen zu lassen und damit “schwanger zu gehen”?

Diesem inneren Licht gehen wir im Ritual zur Wintersonnenwende auf die Spur. In der inneren Schatzkammer begegnest du deinem Werkzeug, mit dem du deine Talente ans Licht und in die Welt bringen kannst.

Ritualidee zur Wintersonnenwende

Was du brauchst: eine Tranceeinleitung, um zu deinem inneren Kraftort zu kommen (zur Tranceeinleitung findest du hier Informationen und zum inneren Kraftort hier), dein Tagebuch zum Schreiben sowie deine magischen Ritualutensilien für die Trance, zum Kreisziehen und um unterstützende Wesenheiten zu rufen.

Beginne das Ritual damit, dass du deine Absicht festlegst, z.B. „Ich feiere heute die Wintersonnenwende und öffne mich meinem Talent, das ich ans Licht bringen will“. Sprich dies am besten laut aus! Lege dir alles zurecht, was du brauchst.

Reinige und erde dich (zur Ritualgestaltung und zum Kreisziehen findest du hier Informationen). Ziehe auf deine Weise einen Kreis und öffne dadurch einen Heiligen Raum, einen Raum zwischen den Welten, einen Raum abseits deines Alltags und Alltagsbewusstseins. Rufe unterstützende Wesenheiten, die sich für dich hier und heute stimmig anfühlen. Du kannst sie mit Worten rufen oder mit der Stille, mit deinem Körper, durch Tanz und Bewegung, durch Singen oder Tönen. Einfach so, wie du dich wohlfühlst. Denn wenn du dich wohlfühlst, Wohlgefühl ausstrahlst, Wohlgefühl bist, ziehst du wohlwollende Wesen an.

Begib dich die Mitte deines Kreises und mache es dir bequem. Nimm ein paar kräftige Atemzüge und mache dich bereit, auf eine Trancereise zu gehen. Versetze dich wie angeleitet in Trance und reise an deinen inneren Kraftort. Nimm dir dort Zeit alles wahrzunehmen.

Wenn du dich bereit fühlst, begib dich in die Mitte deines Kraftortes und lasse dich mit jedem Ausatmen mit deinem Energiekörper immer tiefer in den Boden sinken… bis zu einem unterirdischen Fluss. Wasche in diesem Fluss alles weg, was noch an Alltagsgedanken und Sorgen da ist und du nicht mitnehmen willst… Lasse dich durch den Fluss immer tiefer in die Erde hineintragen… bis du zum Ufer einer Wiese kommst, einer Quelle und einem Wald. Blicke dich um… Finde einen Stein auf der Wiese, auf dem du Platz nehmen und dem Gezwitscher der Vögel lauschen kannst.

Rufe den Hüter deiner inneren Schatzkammer herbei und sage ihm, dass du auf der Suche nach deinem Werkzeug bist, mit dem du dich selbst ausdrücken und deine Talente leben kannst. Und bitte ihn, dich in deine innere Schatzkammer zu bringen.

Folge ihm in deine innere Schatzkammer. Sieh dich um… Du kannst mit allem, was du dort findest in Dialog treten, nachfragen, welche Art von Werkzeug es ist und wie du es verwenden kannst… Blicke dich mit offenen Augen um… Vielleicht musst du auch erst eine Truhe oder Box öffnen, um dein Werkzeug zu finden, oder es unter Spinnweben ausgraben. Wenn du Hilfe brauchst, dann bitte den Hüter deiner inneren Schatzkammer um Hilfe. Du musst nichts erzwingen, das Werkzeug wird zu dir kommen…

Wenn du dein Werkzeug gefunden hast, nimm es an dich. Nimm es in die Hand, drehe es in deinen Händen hin und her. Wozu ist es gut? Wie kannst du es gebrauchen? Was kann es dich lehren?

Nimm dein Werkzeug in die Hand und tritt deine Rückreise an. Denke daran, dass du hier jederzeit zurückkommen kannst. Danke dem Hüter deiner Schatzkammer. Gehe zurück zum Ufer, tauche in das Wasser und reinige dich von allem, was du nicht von dort mitnehmen willst. Lasse dich vom Fluss dorthin zurücktragen, wo deine Reise begonnen hat. Und dann lasse dich mit jedem Atemzug immer weiter nach oben an deinen inneren Kraftplatz tragen.

Blicke dich an deinem Kraftplatz um. Hat sich etwas verändert? Gibt es dort noch etwas zu erledigen? Dann tue es… Nimm dir noch ein paar Augenblicke Zeit, auch von dort Abschied zu nehmen.

Und dann komme mit deinem Werkzeug in der Hand wieder ins Zimmer und deinen Körper zurück. Halte es (energetisch) in deinen Händen und übergib es deinem Körper, einem Bereich, der sich für dich gerade stimmig anfühlt, indem du die Hände auf die Stelle legst (wenn nichts kommt, dann wähle den Herzbereich). Atme tief ein und spüre, wie die Energie und die Kraft deines Werkzeugs jede Zelle deines Körpers erfüllt…

Nimm dir Zeit nachzuspüren und wirklich aus der Trance zurückzukommen (Informationen dazu findest du in der Tranceanleitung). Mache dir, wenn du magst, Notizen in deinem Tagebuch.

Wenn du dich bereit fühlst, beende das Ritual. Frage dich, ob es jetzt noch etwas im Heiligen Raum zu tun gibt. Und wenn ja, tue es. Bedanke dich bei den Wesenheiten für die Unterstützung im Ritual. Schließe den Heiligen Raum auf deine Weise (siehe Ritualgestaltung).

Finde nach dem Ritual einen Gegenstand zuhause, der dem Werkzeug am meisten ähnelt. Kaufe nichts Neues! Denke daran, dass die Werkzeuge meistens vor unserer Nase liegen. Benutze diesen Gegenstand zur Meditation, und nimm Rat und Führung hinsichtlich der Gaben an, die er zum Ausdruck bringen möchte.

Du kannst auch mit deinem Werkzeug in Kontakt gehen und Fragen stellen, z.B. „Für was kann ich dich einsetzen?“, „Wie kann ich dich in meinen Alltag gebrauchen?“, „Was kannst du mich lehren?“, „Wie kann ich durch dich mein Licht in die Welt bringen?“ Nimm hierfür am besten dein Tagebuch zur Hand, teile die Seiten in zwei Spalten. In die eine Spalte schreibst du deine Fragen an dein Werkzeug, in die andere Spalte die Antworten. Lass dich überraschen – manchmal entstehen dadurch ganz neue Perspektiven. Und manchmal ist die Antwort erschreckend einfach :-)

Inspiriert aus Alberto Villoldo (2006): Seelenrückholung. Die Vergangenheit schamanistisch erkunden. Die Zukunft heilen. 6. Auflage. München: Goldmann.

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Melanie LannerWintersonnenwende