Gefühlsrad

Eine Weiterführung der Gefühlsbilder ist das Gefühlsrad.

Wenn du dich mit deinen Gefühlen beschäftigen willst, ist es aus meiner Erfahrung sinnvoll, ihnen mit Bildern, Symbolen und Farben zu begegnen, weniger mit analytischen und sezierenden Gedanken. Damit sie dennoch ihre Bedrohlichkeit verlieren – denn oft erscheinen sie als irrational (was sie im wahrsten Sinne des Wortes auch sind, weil nicht-rational, sondern eben emotional), zickig und ungemütlich –, tut es gut, sie ins Bewusstsein zu heben und zu benennen. Um ihnen einen Namen zu geben, sie aus dem schwammigen Einheitsbrei des Unbewussten herauszukristallisieren, ihnen eine Form zu verleihen, um sie als Freundinnen einzuladen und rufen zu können – statt sie wegzuschieben, zu verdrängen oder wegzurationalisieren -, können sie kreativ gestaltet werden. Dabei geht es weniger um eine Erklärung, warum ich so fühle, wie ich fühle, denn dies würde ihnen nur ihre Kraft nehmen, als darum, sie herbeirufen und einladen zu können, damit sie dich zu deiner innerer Weisheit, der Sprache deines Selbst, führen.

Das Gefühlsrad stellt die Buntheit der Gefühle, ihre Vielfalt und ihre Beziehungen zueinander dar. Denn manche Gefühle sind wie Schwestern und gehen Hand und Hand, während andere in Konflikt miteinander stehen oder sich völlig fremd sind. Am besten ist, du denkst gar nicht zu viel darüber nach, sondern beginnst einfach.

Und zwar so: Nimm ein DIN-A3-Papier und zeichne einen Kreis. Teile ihn in so viele Teile, wie du Gefühle kennst. Das sieht dann aus wie Tortenstücke. Benenne jedes Tortenstück mit einem Gefühl. Und dann male das Tortenstück mit den Farben und Symbolen aus, die dir intuitiv dazu einfallen bzw. die du spontan wählst. Du kannst dich auch in eine Situation hinein versetzen, in der du das letzte Mal dieses Gefühl gespürt hast, und dann intuitiv eine Farbe und/oder ein Symbol wählen.

Wenn du fertig bist, nimm dir Zeit, das Gefühlsrad zu betrachten. Erkennst du Ähnlichkeiten und Beziehungen zwischen den Gefühlen? Es kann auch interessant sein zu betrachten, welche Gefühle nebeneinander liegen und welche genau gegenüber. Erkennst du Polaritäten, d.h. Gegensätze bzw. Gegenpole, zwischen den gegenüberliegenden Gefühlen? Sind sie vielleicht Extrempositionen eines Kontinuums? Oder verstärken sie sich gegenseitig? Bei mir liegt z.B. das Gefühl, falsch zu sein, auf der einen Seite (ein eingesperrtes Herz, auf das rote Pfeile abgeschossen werden) und das rosafarbene Gefühl der Selbstliebe auf der anderen Seite des Kontinumms. Meist sind die gegenüberliegenden Seiten unbeabsichtigt und ungeplant entstanden, lasse dich also überraschen!

Gefuehlsrad

Du kannst dein Gefühlsrad auch mit der Zeit erweitern und ergänzen, wenn du auf neue Gefühle stößt oder verändern, wenn ein Gefühl einen neuen Aspekt dazu bekommen hat. Spannend ist es auch, wenn du später entdeckst, welches Gefühl bislang gefehlt hat. In meinem Fall zum Beispiel das Gefühl der Scham… ein bisher blinder Fleck auf meinem Gefühlsrad, welches jedoch allem zugrundeliegt. Spannend, oder? Das Gefühlsrad wurde um einen Aspekt erweitert, und meine Gefühlslandschaft ist noch bunter geworden.

Du kannst das Gefühlsrad in Situationen, in denen sich deine Gefühlslandschaft so unklar wie die graue Suppe eines Novembertages anfühlt, auch zu Rate ziehen und fragen: Wo stehe ich gerade in meinem Gefühlsrad? Was kommt meinem Gefühl gerade am nächsten? Gerade fühle ich mich so zwischen dunkelblau und hellbraun… ah, ist es vielleicht der Kuss der Melancholie, der mich begleitet? So gewinnst du ein bisschen mehr Bewusstheit über deine innere Gefühlslandschaft und somit die Sprache deines Selbst.

Gefühle sind eine Aufforderung, innezuhalten und in dich hinein zu spüren.

Gefühle sind auch immer wieder Teil einer Shiatsu-Behandlung. Sie werden durch körperliche Berührung und das Lösen von Blockaden wachgerufen. Manchmal ist auch ein Gefühl, das nicht näher bestimmt werden kann, Ausgangspunkt der Behandlung. Gerne kannst du dein Gefühlsrad zu deiner nächsten Shiatsu-Behandlung mitbringen. Auf die fünf Gefühle, die in der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) den fünf Elementen zugeordnet sind, gehe ich in weiterer Folge ein.

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Melanie LannerGefühlsrad