Macht-Ohnmacht

Macht-Ohnmacht ist eine zentrale Polarität in meinem Leben, das heißt, viele meiner Themen finden entlang dieses Erfahrungs-Kontinuums statt. Deshalb will ich hier meine Gedanken und Erfahrungen mit dir teilen.

Macht-Ohnmacht ist mehr als ein Gefühl. Oftmals sind es real erlebte Erfahrungen, wenn Menschen zum Beispiel für das, wer sie sind, oder für ihre Meinungen, Religion, Sexualität etc. verfolgt werden. Auch Kinder sind den Eltern und anderen Bezugspersonen meist machtlos ausgeliefert. Macht-Ohnmacht hat also eine gesellschaftliche Komponente. Doch dies sind nicht die Aspekte, mit denen ich mich hier befassen will, sondern mit einem Gefühl von Ohnmacht, das mir in vielen Gesprächen mit Menschen – so auch auf dem Podium des Gemeinwohlökonomie-Kongresses – und in meiner Praxis begegnet: „Ich kann doch nichts an meinem Leben ändern! Was kann ich denn tun?! Es ist halt so.“ Auch ich kenne dieses Ohnmachtsgefühl. Ich glaube auch, dass dies ein systemisch und strukturell erzeugtes Gefühl ist. Ich glaube nur einfach nicht, dass wir alle wirklich machtlos sind! Über manche Dinge und Situationen haben wir Macht, über andere nicht. Darauf, dass wir sterben, haben wir zum Beispiel keinen Einfluss. Doch in unserem Leben haben wir oftmals mehr Gestaltungsmacht, als wir selbst glauben. Nämlich dann, wenn wir das, was wir in unserem Leben sowieso tun, gestalten. Dann ist es möglich an einer neuen Welt zu bauen: der individuellen und der kollektiven.

Du nutzt deine Macht, indem du dein Feld bestellst, indem du dein Umfeld gestaltest und mit dem bewirtschaftest, was dir wichtig ist. Für mich sind dies meine Werte. Ich stelle mir immer wieder die Frage: „Was bedeutet es, unter den für mich wichtigen Prinzipien „Liebe, Leben, Authentischsein“ Shiatsu zu machen?“ – Und dann tue ich es auch.

Beispiele, das eigene Feld zu bestellen, gibt es viele: Eine Freundin von mir ist Kindergartenpädagogin und arbeitet in einer Kinderkrippe. Ihr ist es besonders wichtig, die Kinder in ihrer Würde zu stärken. Es geht viel um die Art der Kommunikation, darum, dass Kinder ihre Grenzen äußern können und deren Bedürfnisse gehört werden. So gestaltet sie ihr Feld nach den Werten, die ihr wichtig sind. Eine andere Freundin von mir ist Mutter, Mediatorin und hat den Gemeinwohl-Kongress mit organisiert. Das sind alleine drei Felder, die sie nach ihren Werten bewirtschaftet: Was ist mir in der Erziehung unseres Kindes wichtig? Was für ein Setting von Kommunikation schaffe ich als Mutter, Mediatorin, Partnerin – immer und überall? Sie nutzt ihre Handlungsmacht auch, um mit anderen Menschen gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, was ihr wichtig ist.

GestaltenAlso: Wenn ich mein Feld bestelle, wenn ich etwas bewusst mache und mein Leben nach meinen Vorstellungen gestalte, spüre ich meine Macht. Macht hat ganz viel mit Machen zu tun.

Daran knüpft sich auch die Frage, worüber du Macht haben willst. Das heißt auch: Was willst du wirklich? Erinnere dich an die Unendliche Geschichte, deren Motto „Tu, was du willst“ ist. Klingt leicht, oder?! Ist es aber nicht unbedingt. Zu wissen, was ich wirklich will, ist oftmals der schwierigere Part als das, was ich will, dann zu tun. Die Zugänge zur Seelensprache, die ich dir auf meinem Blog vorstelle, sind Möglichkeiten herauszufinden, was du wirklich willst.

Das Tun beginnt einfach mit einem Schritt, dann noch einem, und noch einem… Ich treffe eine Entscheidung – dann noch eine… Ich stehe zu meinen Handlungen und trage die Konsequenzen. Ich übernehme Verantwortung. So einfach ist das menschliche Leben – eigentlich…

Veränderungen vollziehen sich Schritt für Schritt – die eigenen und die gesellschaftlichen. Du musst nur losgehen. Ist der erste Schritt getan, verfliegt das Gefühl von Ohnmacht meist wie von selbst.

Willst du dich mit deiner Ohnmachtshaltung beschäftigen, zugrundeliegende Dynamiken kennenlernen und sie auflösen, findest du hier eine wunderbare Übung: das Drama-Dreieck.

zum Trauern und Loslassen | Selbstbegegnung | zu Träumen

Melanie LannerMacht-Ohnmacht