Träume

Träume sind Geschichten, die dir das Unbewusste erzählt. Träume sind die metaphorische, bildhafte Sprache des Unbewussten – meist in überzeichneter, übertriebenen und vergrößerter Form und deshalb umso eindrücklicher und deutlicher. Durch Träume gelangen wir zu Anteilen in uns selbst, die uns oftmals im Wachzustand nicht bewusst sind. Dadurch können sie unserem Prozess neue Richtungen geben, Antworten schenken und andere Perspektiven eröffnen.

Werden Träume als symbolische Sprache des Unbewussten verstanden, können aus den einzelnen Aspekten des Traumes, seiner Figuren und Symbole Erkenntnisse über unseren Prozess abgeleitet werden. Ich habe für mich (inspiriert durch das Buch „Suche nach dem Zauberwort“ von Lutz Müller) einen Fragebogen entwickelt, anhand dessen ich mich mit meinen Träumen beschäftige (als pdf zum downloaden).

TraumbildUm dich an deine Träume zu erinnern, braucht es vor allem die Absicht, dass du dich an sie erinnern willst. Wie jede neue Fähigkeit, setzt das Erlernen Übung und Geduld voraus. Besonders am Anfang ist es leichter, die Träume direkt nach dem Aufstehen oder in Stichpunkten noch im Bett zu notieren. Dann sind die Erinnerungen noch frisch und verblassen nicht in den ganzen To-dos des Alltags. Mit der Zeit wird es immer leichter, sich an die Träume zu erinnern, sodass du sie dir in deinem Kopf vermerken und später aufschreiben kannst. Notiere jedes Fragment, an das du dich erinnerst, so unwichtig dir das auch erscheinen mag. Das kann ein einzelnes Traumbild, eine Figur, ein Gefühl oder ein Gedanke sein. Alles ist wichtig. Aus meiner Erfahrung sind es oft die „banalsten“ Einzelheiten, die mir wichtige Einblicke schenken. Mit der Zeit wirst du dich immer detailreicher erinnern können. Es wird dir auch immer leichter fallen, die Sprache deiner Träume zu deuten. Hier findest du eine Möglichkeit, wie du mit deinen Träumen umgehen kannst.

Traum-Analyse – die Sprache des Unbewussten verstehen

  1. Der Traum wird zuerst in der Gegenwartsform niedergeschrieben, um leichter Zugang zu Gefühlen und Emotionen zu bekommen, die mit dem Traum in Verbindung stehen.
  2. In weiterer Folge setzt du dich damit auseinander, was bisher noch offen und vage bleibt. Meist liegen darunter verborgene, ungelebte und ungewollte Themen. Wenn es dir schwerfällt, diese „blinden Flecken“ selbst wahrzunehmen, kannst du deinen Traum auch einer vertrauten Person erzählen und sie darum bitten, dir bei dieser Fragestellung zu helfen (natürlich ohne dass sie deinen Traum oder die blinden Flecken bewertet!). Mein Mann und ich haben es uns zur Gewohnheit gemacht, morgens beim Frühstück unsere Träume auszutauschen. Dies ist für uns beide immer wieder sehr fruchtbar.
  3. In einem nächsten Schritt beschäftigst du dich mit den Hauptmotiven des Traums. Das sind insbesondere die Facetten, die dir überraschend und merkwürdig erscheinen; das, was von deinem Wachbewusstsein abweicht und was die stärksten Gefühle in dir auslöst. Diese Hauptmotive umkreist du assoziativ. Das bedeutet, dass du dich, ohne groß darüber nachzudenken oder etwas erzwingen zu möchten, fragst, was in dir zu dem Thema entsteht. Was fällt dir dazu ein? Was kommt dir dazu? Was bedeutet das Motiv symbolisch für dich? (So kannst du auch mit den vagen Einzelheiten und Gefühlen in Punkt 2 vorgehen.) Näheres zum Umgang mit Symbolen findest du hier.
  4. Dann legst du noch besonderes Augenmerk auf das Verhalten des Traum-Ichs, also auf die Figur in Traum, mit der du dich identifizierst. Wieder kannst du deinen Assoziationen folgen.
  5. Nachdem du dich intensiv mit dem Traum an sich beschäftigt hast, geht es darum, ihn in Beziehung zu deinem aktuellen Leben zu setzen. Im Formular (als pdf zum downloaden) findest du konkrete Fragestellungen zu diesem Thema.

Ein Beispiel

Ich träume, dass ich in einem Wald spazieren gehe. Zwischen den Bäumen treffe ich einen fremden Mann. Ich habe ihn noch nie zuvor gesehen, fühle mich aber dennoch mit ihm verbunden. Er hält ein Geschenk in den Händen, das er mir übergibt. Ich nehme es an mich und frage ihn, ob ich es gleich auspacken darf. Er bejaht. Als ich die Verpackung löse, sehe ich, dass ein Buch zum Vorschein kommt. Ich spüre eine tiefe Freude. Als ich aufblicke, ist er verschwunden. Ich wache auf. Ich fühle mich gestärkt und reich beschenkt.

Die Mischung aus Vertrautheit und Fremdsein, die der Mann in mir ausstrahlt, bleibt vage. Ich weiß, dass er ein Teil von mir ist, aber auch irgendwie fremd. Ich erinnere mich, gelesen zu haben, dass gegengeschlechtliche Personen in Träumen häufig für den Animus bzw. die Anima stehen. Anscheinend hat mein Animus gerade ein Geschenk für mich. Was das Buch beinhaltet, bleibt auch vage. Ich weiß noch nicht, ob es beschrieben oder unbeschrieben ist.

Das Buch ist eines der Hauptmotive des Traumes (andere sind der Wald, der fremde Mann…). Ich lasse Assoziationen zum Thema „Buch“ entstehen: Schreiben-Lesen-Wahrheit-Weisheit-Lebensbuch-Kapitel… Ich erinnere mich daran, ein solches Buch schon einmal in einer Imagination gesehen zu haben. In der Imagination ging es ums Schreiben als Seelengabe.

Auch wenn ich noch nicht weiß, was das Buch wirklich zu bedeuten hat, spüre ich doch eine tiefe Zufriedenheit und Freude, da ich das Buch im Traum angenommen habe (Verhalten des Traum-Ichs).

Einen Zusammenhang mit meinem jetzigen Leben sehe ich vor allem darin, dass ich derzeit viel schreibe und dies als irrsinnig erfüllend erlebe. Dennoch weiß ich noch nicht, wo mich das Schreiben hinbringen wird.

Interessant ist auch das letzte Traumbild, das kurz vor dem Aufwachen (meist etwas vage und diffus) aufflackert. Während der gesamte Traum das zugrundeliegende Thema in symbolischer Weise darstellt, beschäftigt sich das letzte Traumbild damit, wohin sich unsere Lebensenergie als nächstes wenden will. Es ist also spannend, im Besonderen auf dieses Traumbild zu achten und es als bildhaften Wegweiser zu wählen.

Manchmal sind es auch genau die Anteile in uns (Menschen, Dinge, Atmosphären), die anders als wir selbst erscheinen – als das genaue Gegenteil, unsere WidersacherInnen oder als besonders begehrenswert –, die uns auf Teile aufmerksam machen, die integriert werden wollen. Dann gilt es, uns zu fragen, was diese Anteile für uns repräsentieren und dies in unser Leben einzuladen. Manchmal ergibt sich daraus ein wahrer Perspektivenwechsel auf das eigene Leben und auf uns selbst.

Ich habe zum Beispiel immer wieder Albträume von Zügen. Ich habe Angst, sie nicht zu erreichen. Ich weiß, dass es den Zügen egal ist, ob ich mitfahre oder nicht. Dieses „Ich bin egal“ und „Niemand will mich“ kenne ich als Lebensthema. Durch diese Zugträume fühle ich mich immer wieder in diesem Grundgefühl bestätigt. Betrachte ich das Ganze jedoch aus der Perspektive des Zuges, zeigt sich ein ganz neues Bild: Er zeigt mir, was für ein Freiheitsgefühl es ist, nicht auf Andere angewiesen zu sein. Der Zug ist auch Teil von mir, sonst würde er nicht in meinen Träumen eine solch wichtige Rolle spielen. Ich erkenne, dass „Niemand will mich“ nur ein Teil meiner Erfahrung ist. Im Endeffekt ist es ja so, dass manche Menschen mich mögen, wie ich bin, andere nicht – weder „Niemand will mich“ noch „Alle wollen mich“ ist real. Und ebenso wie der Zug bin ich nicht mehr oder weniger liebenswert, wenn mich jemand mag oder nicht, oder in Zug-Sprache, wenn jemand mitfährt oder nicht. Ich bin nicht auf das Gewollt-werden von anderen angewiesen. Ich bin davon nicht abhängig. Ich bin einfach ein Zug, der seine Lebensreise unternimmt.

Diese Beispiele schaffen natürlich nur einen kurzen Einblick, wie du in deiner Traum-Analyse vorgehen kannst. Die Symbole und Traumbilder sind viel vielschichtiger, als ich sie hier in einem Überblick vorstellen kann. Meist ergeben sich überraschende Erkenntnisse, wenn du ein bisschen tiefer gehst und die Frage aus dem Formular auf dich wirken lässt.

Weg

Träume im Körper erfahren

„Träume sind Teil des Lebensflusses,
und sie sind von großer Bedeutung für die Entwicklung des Bewusstseins.
Sie sind der individuelle Ausdruck der inneren Lebenskräfte des Träumers und damit
– wenn wir sie zu lesen vermögen – ein diagnostisches Hilfsmittel.“
(Joachim Schrievers)

Träume schaffen eine Verbindung zu unserem (persönlichen und kollektiven) Unbewussten, das mehr weiß als unserem Ich bewusst ist. Werden Träume bewusst, schenken sie uns in verschlüsselter, bildlicher Weise Erkenntnisse – auch über unsere körperlichen Beschwerden.

Eine Möglichkeit, uns mit unseren Träumen zu beschäftigen, ist neben dem Aufschreiben und der gedanklichen Beschäftigung (wie ich es oben beschrieben habe) die Körperarbeit. Im Shiatsu werden die Trauminhalte in das Körperempfinden hinein genommen. Hierfür werden alle Trauminhalte (also alle Figuren, Gegenstände, Landschaften, Handlungen etc.) als verschiedene Aspekte des Träumenden selbst betrachtet. Im Traum können wir uns also wie in einem Film von außen betrachten. In einem nächsten Schritt nehmen wir diese (Traum-)Aspekte in unseren Körper hinein und fühlen die in ihnen verborgene Kraft im geschützten Rahmen der Shiatsu-Behandlung. Uns begleiten die Fragen: „Wie fühlt sich dieser oder jener Aspekt des Traumerlebens im Körper an?“ und „Welche Kraft wird in uns durch das Traumbild lebendig?“ Es geht darum, die in den Trauminhalten liegenden Kräfte (die an sich immer neutral sind, auch wenn sie im Traum oft bedrohliche Gestalt annehmen) wahrzunehmen und zuzulassen, denn „erst wenn die im Traum erschienenen Kräfte im Körper ihren Platz gefunden haben, ihr Qi frei fließen kann, stehen sie uns wirklich zur Verfügung beziehungsweise kann der Prozess der Umwandlung des Ich beginnen“ (Schrievers 2004: 390).

Träume können also den Shiatsu-Prozess begleiten und zeigen oftmals auch eine Veränderung an, die durch die Körperarbeit in Gang gebracht wird. Manche Menschen, die sich davor nicht an ihre Träume erinnern konnten, beginnen lebhaft zu träumen. Wiederholungsträume, die uns seit Jahren begleiten, lösen sich auf oder verändern sich. Zum Beispiel wird der gleiche Traum aus einer anderen Perspektive geträumt. Ich hatte auch schon Träume, in denen mir meine Shiatsu-Lehrerin gesagt hat, was die Ursache meiner derzeitigen Beschwerden sind. – Und am nächsten Morgen hatten sie sich aufgelöst. Träume sind also ein wichtiger Hinweis auf die zugrunde liegenden Themen von körperlichen Beschwerden, und die Körperarbeit kann über Druck, Berührung und das begleitende Gespräch auch tiefliegende Thematiken verwandeln.

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin für eine Shiatsu-Behandlung vereinbarst.
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Literatur: Schrievers, Joachim (2004): Durch Berührung wachsen. Shiatsu und Qigong als Tor zu energetischer Körperarbeit. Bern: Hans Huber, S. 385-397.

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Melanie LannerTräume