Erdung

Eine der zentralsten Übungen, vor allem in unserer komplexen, schnelllebigen und manchmal auch sehr verwirrenden Zeit, ist die Erdung. Besonders wenn du dich auf die Reise ins Unbewusste und in deine eigene Tiefe machst, kann es sein, dass du den Boden unter den Füßen verlierst. Auch hierbei hilft dir die Erdung. Ich stelle dir eine Erdungsübung, die ich aus dem Buch von Starhawk und Valentine (2001) übernommen und zu meiner regelmäßigen Praxis gemacht habe, vor:

Strecke, dehne und schüttle deinen Körper für ein paar Minuten, bis du das Gefühl hast, im Körper angekommen zu sein und dich angenehm eingerichtet zu haben. Dann atme tief ein und tief aus.

Baum

Foto: HaPe_Gera (CC BY 2.0)

Stelle dich bequem hin. Spüre den Boden unter deinen Füßen. Wenn dir das schwerfällt, stampfe ein paar Mal auf und/oder ziehe die Zehen zusammen, sodass du deine Füße gut spüren kannst. Spüre, wie dich der Boden trägt.

Dann stelle dir vor, wie Wurzeln tief aus deinen Füßen heraus in die Erde greifen. Die Wurzeln ziehen sich durch das Fundament des Gebäudes (falls du dich drinnen aufhältst), durch die verschiedenen Erd- und Gesteinsschichten, kommen am Grundwasser vorbei und all den Wurzeln von Pflanzen und Bäumen… Die Wurzeln wachsen tiefer und tiefer – bis sich das Gestein mehr und mehr verflüssigt und sich in das flüssige Magma der Erde verwandelt. Von dort wachsen die Wurzeln noch immer tiefer und tiefer… bis zum Mittelpunkt der Erde.

Im Mittelpunkt der Erde verbindest du dich mit dieser mächtigen Kraft. Du atmest tief ein und tief aus. Mit dem Einatmen ziehst du diese Kraft höher und höher – durch das Magma, die verschiedenen Gesteinsschichten, vorbei am Grundwasser, durch die verschiedenen Erdschichten, vorbei an den Wurzeln von Bäumen und Pflanzen, bis du die Energie der Erde unter deinen Füßen pulsieren spürst.

Dann ziehst du die Energie der Erde in deine Füße, lässt sie deine Füße und Beine beleben. Du lässt die Energie in dein Becken und deinen Bauch fließen und diesen Bereich deines Körpers ausfüllen. Die Energie ist ganz warm. Die Energie steigt höher – deinen Rücken entlang, in deinen Brustkorb. Sie fließt in deine Arme und Hände. Und dann weiter in deine Schultern, deinen Nacken und deinen Kopf. Sie durchströmt deinen Kopf und dein Gesicht. Du spürst ein Prickeln in deinem Körper.

Dann tritt die Energie am obersten Punkt deines Kopfes aus deinem Körper hinaus. Sie steigt höher und höher – in die Luft über deinem Körper, durch die verschiedenen Luftatmosphären, immer höher und höher… bis sie ins unendliche Weltall kommt.

Dort verbindest du dich mit der Kraft des Himmels. Du atmest tief ein und tief aus. Mit dem Ausatmen lässt du die Kraft des Himmels einem silbernen Regen gleich zu dir zurückfließen – durch die Dunkelheit des Alls, die verschiedenen Erdatmosphären… bis sich die Energie in der Luft über deinem Kopf verdichtet.

Am höchsten Punkt deines Scheitels nimmst du die Energie des Himmels in dich auf. Du lässt sie durch deinen Kopf, dein Gesicht, deinen Nacken und deine Schultern fließen. Sie durchströmt deinen Brustkorb und deine Wirbelsäule, deine Arme und Hände. Sie durchfließt deinen Bauch, dein Becken, deine Beine und Füße.

Du lässt die Energie der Erde und des Himmels hinauf- und hinuntersteigen – bis sie sich in deinem Bauch, deinem Zentrum sammelt.

In deiner Mitte verbindet sich die Kraft des Himmels mit der Kraft der Erde. In deinem Zentrum bist du jetzt ganz geerdet, ganz da, ganz präsent…

Du bist der Kuss zwischen Himmel und Erde.

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Literatur: Starhawk/Valentine, Hilary (2001): Die zwölf wilden Schwäne. Eine Reise ins Reich der Magie. Rituale – Übungen – Ausbildung. Freiburg im Breisgau: Bauer, S. 53-54.

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Melanie LannerErdung