Kreativer Prozess

Bist du an deine kreative Quelle angeschlossen, brauchst du eigentlich nur noch dem kreativen Prozess zu folgen. Wie ich bereits in meinem Blog-Artikel zu meiner Homepage-Erstellung reflektiert habe, folgen Projekte – auch solche des kreativen Ausdrucks – verschiedenen Phasen. Lutz Müller, Psychotherapeut/Analytische Psychologie nach C. G. Jung aus Deutschland, beschreibt diesen Prozess in seinem Buch „Suche nach dem Zauberwort – Identität und schöpferisches Leben“ (Kreuz Verlag) sehr anschaulich und bringt es mit dem Yin-Yang-Prinzip des Taoismus (der Philosophie, die auch dem Shiatsu zugrundeliegt) in Verbindung (S. 87-89).

yin und yangDie weiße Yang-Phase steht für die aktive, umsetzende Phase – die, die in unserer Gesellschaft hauptsächlich gefragt und gefördert wird, während die schwarze Yin-Phase der Schwangerschaft entspricht, dem Dunklen und Geheimnisvollen, dem Empfänglichen.

Am Höhepunkt der weißen Yang-Phase – der Such- und Problemvorbereitungsphase – wird in einem Projekt festgelegt, worum es überhaupt geht, welche Informationen und Erfahrungen zur Problemlösung uns bereits zur Verfügung stehen. Das Problem soll gelöst werden.

Wir stoßen irgendwann an einen Punkt, an dem uns die gegebenen, bereits gefundenen Antworten und Lösungen nicht mehr ausreichen. Wir fühlen uns vielleicht unruhig, nervös, angespannt, geladen und gereizt. Wir können nichts mehr kontrollieren – also lassen wir los. Die Inkubationsphase, die schwarze Yin-Phase beginnt. Jetzt heißt es, nichts zu tun, sondern zu empfangen.

An ihrem Höhepunkt erleben wir die Lösungs-oder Erleuchtungsphase. Wir haben eine Eingebung, Idee oder Vorstellungen, wie es weitergehen könnte. Etwas ereilt uns, wie ein Geistesblitz, den wir nicht kontrollieren können.

Indem wir uns mit dieser Idee konkret auseinandersetzen, nimmt die aktive Phase, die Yang-Phase wieder zu – bis sie wiederum ihren Höhepunkt erreicht und wir sozusagen wieder am Anfang des Prozesses stehen.

Vielleicht hilft dir das Bild der spiralförmigen Entwicklung, um durch diese Erkenntnis nicht deprimiert zu werden. Oft fühlt es sich nämlich so an, als würden wir immer wieder am selben Punkt landen. Aus meiner Erfahrung stimmt das auch, aber nicht ganz – weil wir uns entwickelt haben, weil wir auf unserer Reise etwas erfahren und uns verändert haben, weilSpirale_Feuer wir Erkenntnisse gewonnen und weitergegangen sind. Wir stehen vor dem gleichen Thema, aber doch auch nicht, weil wir anders stehen. Wir betrachten das gleiche von einem anderen Punkt aus. Das meint das Bild der Spirale.

Auch kreative Projekte folgen aus meiner Erfahrung diesem spiralförmigen Verlauf (siehe meine Homepageerstellung). Ich will dir Mut machen und das Vertrauen teilen, dass alle Phasen wesentlich für die (Projekt-)Entwicklung sind; auch die, die für uns selbst vielleicht unangenehm sind, weil wir Geduld entwickeln müssen, oder die, welche von anderen bzw. unserem gesellschaftlichen System nicht wertgeschätzt werden wie das Warten, Empfänglich-Sein und Nichtstun. Doch dies alles ist Teil des großen, ganzen Prozesses, den wir „Leben“ nennen. Das Leben schwingt in diesen Polaritäten. Und so auch der kreative Ausdruck, denn er ist nichts Anderes als Ausdruck des LEBENS selbst.

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Melanie LannerKreativer Prozess