Selbstwertanker

Für mich ist mein Selbstwertanker das wichtigste “Werkzeug” im Umgang mit mir selbst, vor allem wenn ich meinem Größenselbst bzw. meinem kindlichen Größenwahn (siehe z.B. “Ich muss die ganze Welt retten!”) oder meinen Minderwertigkeitsgefühlen bzw. meinem Minderwertigkeitskomplex begegne. Wie erschaffst du diesen Selbstwertanker?

Größenselbst

Sorge für einen ruhigen, ungestörten Raum. Nimm ein paar kräftige Atemzüge und komme ganz bei dir an. Spüre, wie du deinen Körper gerade wahrnimmst, welche Gedanken und Gefühle auftauchen. Nimm noch ein paar kräftige Atemzüge. Öffne die Augen und nimm wahr, wie du die Welt um dich herum wahrnimmst. Schließe deine Augen wieder und atme noch ein paar Mal tief ein und aus.

Und dann hole dir das aufgeblasenste, überzogenste Bild von dir vor dein inneres Auge, das du dir überhaupt vorstellen kannst. Die Kaiserin von Österreich ist noch zu wenig ;-) Lass deinem Größenwahn freien Lauf und zensiere dich nicht!

Achte auf alle Details! Welche Kleidung trägst du? In welcher Situation befindest du dich? Was tust du, was sagst du? Sind Menschen in deiner Nähe? Und wie reagieren sie auf dich? Wie sieht dein Körper aus? Wie fühlst du dich in ihm? Welche Gedanken gehen dir durch den Kopf? Welche Gefühle tauchen auf? Nimm alles wahr! Öffne auch kurz die Augen und achte darauf, wie du aus diesem Zustand heraus deine Umgebung jetzt wahrnimmst. Schließe deine Augen wieder. Und lass dir Zeit, dich in diesem Zustand wahrzunehmen. Das ist dein Größenselbst.

Dann lass dein Größenselbst mit einem kräftigen Ausatmen wieder gehen. Das bist nicht du! Atme kräftig ein und aus. Schüttle dich, schüttle dein Größenselbst ganz von dir ab! Atme tief ein und aus.

Nimm dir Zeit, deine Erkenntnisse zu verarbeiten. Am besten, du schreibst sie auf oder teilst sie einer Vertrauensperson mit. Es ist gut, die eigenen Schwachpunkte zu kennen – in diesem Fall dein völlig überzeichnetes Größenselbst. Dann kann es dich nicht unbewusst “überfallen”. Du weißt, mit wem du es zu tun hast: “Ah, hallo, Größenselbst, du auch hier!” Dann kannst du Verantwortung dafür übernehmen und wirst nicht von deinem Größenwahn kontrolliert.

(So kannst du auch mit deinem Minderwertigkeitsselbst verfahren. Dafür stellst du dich in deiner kleinsten, erbärmlichsten und ohnmächtigsten Form vor und gehst, wie oben beschrieben, vor.)

Ich bin dadurch meinem kindlichen Wunsch nach Anerkennung und einem Selbstwertproblem begegnet: Ich bin nur durch die Anerkennung von anderen etwas wert. Dadurch bin ich aber komplett von anderen abhängig. Das kann also nicht der Weg sein! Es gilt, einen Wert aus mir selbst heraus zu entwickeln, einen Selbstwertanker, der mich in jedem Moment an meinen Wert erinnert – unabhängig von den Reaktionen anderer.

SchattenSelbstwertanker

Nimm eine dir angenehme und bequeme Körperposition ein. Atme tief ein und aus! Rufe dir Situationen in Erinnerung, in denen du völlig entspannt, innerlich ruhig, in deiner Mitte und ganz bei dir warst. Greife eine Situation heraus und lasse dich ganz davon erfüllen. Wie fühlst du dich in deinem Körper? Was hörst, was riechst, was schmeckst du? Was siehst du, wenn du dich umschaust? Wie ist deine Körperhaltung? Wie fließt dein Atem? Lasse diesen Seinszustand so real wie möglich werden!

Nimm eine Körperhaltung ein, die diesen Zustand verkörpert. Vielleicht ist es auch ein Körperbereich, der dich besonders anspricht, oder eine bestimmte Geste. Berühre diese Körperstelle. Mache diese Geste mehrmals. Und/oder nimm diese Körperhaltung ein. Atme tief und voll!

Während du diese Körperstelle berührst, eine bestimmte Körperhaltung einnimmst und/oder eine spezielle Geste machst, greife ein Bild aus den vorherigen Erinnerungen heraus. Ein Bild, das du besonders gut visualisieren kannst. Visualisiere dieses Bild, während du diese Stimmung verkörperst.

Dann suche nach einem Satz, einem Wort, der dich an diesen Zustand erinnert.

Sprich das Wort oder den Satz laut aus, während du die Körperstelle berührst, eine bestimmte Körperhaltung einnimmst und/oder eine spezielle Geste machst, und dir das Bild vor dein geistiges Auge bringst.

Wenn du diese drei Dinge gleichzeitig machst, hast du einen Selbstwert-Anker erschaffen. Du kannst ihn jederzeit nutzen, um dich in diesen Zustand zu versetzen. Atme tief in deinen Anker hinein; in dem Wissen, dass er umso stärker wird, je häufiger du ihn nutzt.

Aus: Starhawk/Valentine, Hilary (2001): Die zwölf wilden Schwäne. Eine Reise ins Reich der Magie. Rituale – Übungen – Ausbildung. Freiburg i. Breisgau: Bauer, S. 94.

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Melanie LannerSelbstwertanker