Raum schaffen

Bevor wir Neues einladen, Ziele finden und erreichen können, ist es wichtig, loszulassen und erst einmal Raum zu schaffen . Was sich dann in diesem entstandenen Frei-Raum zeigen will, wird sich zeigen. Doch ich kann diesen Weg nicht abkürzen, indem ich zuerst etwas Neues aufbauen will – und mir zumindest Klarheit und dadurch (Pseudo-)Sicherheit erwarte –, wenn ich nicht bereit bin, erst einmal loszulassen.

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Foto: Isabel Egger

Dieser Prozess vollzieht sich auf drei Ebenen: (Ich beschreibe dir hier meinen eigenen Prozess, wie ich ihn erlebt habe und lade dich ein, ihn selbst auszuprobieren, wenn es für dich stimmig ist, und alles Andere so zu gestalten, wie es für dich passt).

Reflektierendes Schreiben

Ich schreibe und schreibe und schreibe – was ich loslasse, was nicht mehr für mich passt, was ich nicht mehr will, womit es mir nicht gut geht, worüber ich enttäuscht bin, worüber ich trauere (auch ein Zeichen des Loslassens). Es gibt viel „nein“ und „Stopp“ und „Das will ich nicht (mehr)“. Das hat mich anfangs frustriert, weil ich eigentlich nach etwas suche, zu dem ich „ja“ sagen kann, das mir freudvolle, inspirierende und begeisterte Gefühle vermittelt. Doch dafür ist jetzt (noch) nicht die Zeit. Zumindest das habe ich durch das Schreiben annehmen können.

Der konkrete Frühjahrsputz

Dann habe ich begonnen, konkret auszusortieren. Begonnen habe ich mit Dingen, die in unserer Wohnung lagern, die wir aber eigentlich nicht mehr wirklich brauchen. Das war noch einfach. Diese Dinge sind für mich sowieso nur eine Belastung nach dem Motto „Was du hast, hat auch dich“.

Dann kamen die Dinge, die mir früher wichtig waren, jetzt aber nicht mehr zu mir passen: Bücher zu Themen, die sich verabschiedet und/oder vollendet haben; Kleidung, die nicht mehr zu mir passt und in der ich mich nicht wohlfühlen kann; Möbel und Wohnaccessoires, mit denen ich mich schon lange nicht mehr wohlfühle, die mir aber einmal etwas bedeutet haben. Auch meine Computerdateien habe ich neu organisiert. Das hat in mir viel Klarheit und Ordnung geschaffen. Denn eigentlich hatte ich innerlich schon gespürt, dass diese Zeit vorbei ist. Jetzt ist es konkret – greifbar, spürbar, gestaltbar.

Dann habe ich Erinnerungsstücke durchforstet. Da merke ich, wird es emotional schwierig für mich. Für Erinnerungsstücke von anderen fühle ich mich verantwortlich. Wie gehe ich damit um?  Ich merke, dass es mir hilft, die Erfahrung, die Beziehung, die Begegnung, die Freude, die mit der Erinnerung verbunden ist, zu ehren und dann das konkrete Ding loszulassen. So kann ich das Geschenk, das in der Erinnerung liegt, annehmen, ohne das Erinnerungsstück ewig mit mir herumzutragen.

Fotos habe ich schon vor meiner Hochzeit sortiert. Bin ich froh, dass der Prozess schon durch ist! Das war auch sehr intensiv… viel Aufarbeitungsarbeit!

Dieses Mal sind die Tagebücher dran. Ich habe für mich erkannt, dass ich mein Leben jetzt – nach vier Jahren Psychotherapie – nicht mehr an meiner Vergangenheit orientieren will und die Fragen, die sich mir stellen, nicht mehr aus der Vergangenheit heraus beantworten kann und will. Deshalb bin ich jetzt bereit, die Tagebücher loszulassen. Ich habe sie noch einmal durchgeblättert, manche Schätze entdeckt und geborgen, und den Rest weggegeben. Ich habe mir fast einen Bruch gehoben, als ich sie weggebracht habe. So schwer wiegt die Vergangenheit… Seitdem vibriert mein Energiefeld in einer Mischung aus Angst, Panik, Befreiung und Aufregung. Mal sehen, wo das noch hinführt…

Innen und Außen – eine wechselseitige Verbindung

An dem Reinigungsprozess zeigt sich für mich ganz konkret, wie Innen und Außen miteinander in Beziehung stehen, denn das Aussortieren im Außen hat wiederum zum Hinterfragen innerer Themen, Muster, Glaubenssätze und Gedanken geführt. Was sind eigentlich „nur“ Standpunkte, die ich in der Vergangenheit gelernt habe, die jedoch nicht mehr mit der jetzigen Realität zu tun haben? Bin ich bereit, sie loszulassen? Welche Muster verfolgen mich noch immer, obwohl sich meine Lebenssituation komplett verwandelt hat? Manchmal taucht an den Punkten viel Schmerz auf. Dann hilft es mir, mich dem Schmerz hinzugeben, ihn wirklich zu fühlen, um ihn schlussendlich loslassen zu können.

Ich weiß, das Ganze klingt nicht sonderlich attraktiv, zumal es mit Schmerz und vielen konfusen Gefühlen verbunden ist, doch meines Erachtens lohnt sich so ein innerer und äußerer Frühjahrsputz. Wie soll ich die Erfahrung in Worten zusammenfassen?!? Ich fühle mich jetzt einfach (wieder) mehr bei mir, klarer und ja präsenter in diesem Moment, da, ganz da, geordnet und gesammelt… Und erst durch das Loslassen von Altem schaffe ich Raum für Neues.

… Und at the end of the day, zeigt sich ganz oft ein Lachen… das Lachen einer Närrin, die nicht unterscheidet, nicht urteilt, nicht alles rationalisiert. Denn, was ich zum Zeitpunkt meines Frühjahrsputz noch nicht wusste: Ich war bereits schwanger, als das Raumschaffen begonnen hat. – Und jetzt hat sich das Neue manifestiert.

Viel Spaß bei deinem Frühjahrsputz! ;-)

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Melanie LannerRaum schaffen