Verzweiflung

Mit der Frage “Wer bin ich?” ist die Verzweiflung gekommen. Ich habe mich verloren, haltlos und vor allem einsam gefühlt. Ich habe keinen Ausweg mehr gesehen. Also habe ich laut um Hilfe geschrien – erst gegenüber einer Brieffreundin, schlussendlich bin ich zu einem Psychotherapeuten gegangen.

Herbst-Stimmung

Alleine der Weg zu ihm war steinig: Meine Eltern waren dagegen. Ich bin trotzdem gegangen und habe mir alles selbst organisiert – auch die finanzielle Übernahme durch die Krankenkassa (was in Deutschland mit viel Papierkram möglich ist). Das war dann anscheinend auch der wichtige Lernschritt für mich – um Hilfe zu rufen und mich um mich selbst zu kümmern. Denn der Psychotherapeut konnte mir nicht weiterhelfen. Vielleicht lag es daran, dass er mir in Folge dreimal „wegen einer wichtigeren Klientin“ (sein Wortlaut) abgesagt hat. Dann war mein Vertrauen gebrochen. Aber die U-Bahn-Fahrten zu ihm waren heilsam. Eine halbe Stunde Einstimmzeit auf mich: mich selbst spüren, mich auf mich besinnen, mich mit mir beschäftigen. Ich habe mir Notizen zu seinen Fragen – hauptsächlich über meine Kindheit und Familiensituation – gemacht und dadurch viel über mich gelernt.

Und ich habe gelernt, dass es wichtig ist, um Hilfe zu rufen, wenn ich verzweifelt bin. Leider hat es Jahre gedauert (um genau zu sein, zehn Jahre) bis ich mich wieder für eine Psychotherapie öffnen und Vertrauen fassen konnte. Doch dieser Schritt über meine eigene Hürde hat sich gelohnt. Eigentlich bin ich über meine erste Erfahrung mit einem Psychotherapeuten dankbar – auch wenn ich nach wie vor finde, dass er sich falsch verhalten hat – denn ich habe gelernt, meinen eigenen Antworten zu vertrauen.

Die U-Bahn-Fahrten waren auch der Beginn meiner intensiven Tagebuch-Zeit, die seither nicht mehr aufgehört hat…

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Melanie LannerVerzweiflung