Warum “Sei, wer du bist”?

„Tatsächlich wäre es eine schwierige Aufgabe,
das Bild, das ich von mir selber habe,
mit dem, das andere Leute sich von mir machen, in Übereinstimmung zu bringen.
Wer hat recht? Und wer ist das wirkliche Individuum?
Wenn man noch weitergeht und die Tatsache in Betracht zieht,
dass der Mensch auch noch das ist, was weder er selbst noch andere Leute von ihm wissen
– ein zunächst unbekanntes Etwas, dessen Existenz jedoch bewiesen werden kann –,
so wird das Problem der Identität noch viel schwieriger.
Tatsächlich ist es unmöglich,
die Ausdehnung und den definitiven Charakter psychischer Existenz zu bestimmen.
Wenn wir nun vom Menschen sprechen,
so meinen wir dessen unbegrenztes Ganzes, eine unformulierbare Totalität,
die nur symbolisch ausgedrückt werden kann.“
(C. G. Jung, GW 11, S. 99-100)

Die Frage danach, wer ich bin, beschäftigt mich schon seit meiner Kindheit. In dieser Zeit verbindet sich die Suche nach einer Antwort mit der Frage nach meinem Platz im Leben und dadurch mit meiner Daseinsberechtigung in dieser Welt. Seitdem ich 16 Jahre alt bin, ist die Frage „Wer bin ich?“ zu einer treibenden Kraft durch mein Leben geworden. Jetzt habe ich auf die Frage zwar noch immer keine fertige Antwort, aber ich weiß, wie essentiell die Frage für mich ist. Sie ist mein Lebensmotto und mein Lebensweg. Sie ist auch mein Tor zu meiner Heilung.

Auf diesem Erkenntnis- und Heilungspfad, der durch die Frage „Wer bin ich?“ initiiert wurde, ist mir die Analytische Psychologie nach C. G. Jung eine wichtige Impulsgeberin geworden. Über die Integration der Pole erschließt sich die Ganzheit. Für mich bedeutet dies, mich nicht auf einen Pol festzulegen und dadurch meine Identität festzuschreiben, z.B. „Ich bin introvertiert, ein Kopfmensch und strukturiert“, sondern meine Identität als dynamischen Prozess zu verstehen. Dann geht es nicht so sehr darum, eine Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ zu finden, sondern darum, mich in einem lebendigen Prozess immer wieder aufs Neue zu fragen, welcher Pol in meinem Leben im Vordergrund, welcher im Hintergrund bzw. welcher Pol bewusst und gelebt ist und welcher unbewusst bleibt und im Schatten liegt. Habe ich einen ungelebten Schattenanteil erkannt, ist dies für mich ein Auftrag, diesen Pol in meinem Leben zu integrieren. Das bedeutet, ihn in einem ersten Schritt ins Bewusstsein zu heben und dann mit Leben zu füllen. Zum Beispiel: Wie kann ich mehr Chaos in mein Leben einladen, um meine Strukturiertheit zu ergänzen? Wie verbinde ich meinen Verstand mit meiner Herzensweisheit? Wie bringe ich mehr Extravertiertheit in mein Leben? Denn nur wenn ich beide Pole in mein Leben integriere, öffne ich den Raum für Ganzheit – und damit für Heilung. Denn Heilung bedeutet Ganzwerdung.

Foto: Isabel Egger

Foto: Isabel Egger

Auch Shiatsu ist ein Weg über die Pole. Es geht im Shiatsu nicht darum, den „richtigen“, einzig wahren oder besten Weg zu Gesundheit und (Selbst-)Heilung zu finden, sondern darum, sich immer wieder aufs Neue einem Gleichgewicht anzunähern, das nie wirklich erreicht werden kann. Ein einfaches Beispiel: Übe ich einen sitzenden Beruf im Büro aus und bin vor allem geistig beschäftigt, brauche ich als Ausgleich Bewegung und etwas, das mich „aus meinem Kopf rausholt“ und mich mit meinem Körper verbindet. Umsorge ich als Mutter vor allem andere, ist es meine Aufgabe, auch gut für mich selbst zu sorgen. Bin ich viel mit anderen Menschen in Kontakt und in Verbindung, brauche ich zum Ausgleich Ruhe und Zeit für mich alleine. Wie du siehst: Oftmals sind es die ganz einfachen Schritte und kleinen Veränderungen, die viel bewirken und zu einem umfassenden Wohlbefinden und zur Gesundheit beitragen. Interessierst du dich für die Lebensweise von Shiatsu – einem Leben in Polaritäten, dann schaue auf meinen Blog.

Auch in der Shiatsu-Behandlung selbst geht es um das Ausgleichen von Polen und dadurch, wie wir im Shiatsu es sagen, den freien Fluss der Lebensenergie. Fließt unsere Lebensenergie frei im Körper, kann der Körper gesund bleiben und sich selbst heilen. Gesundheit bedeutet freier Energiefluss.

Neben diesem inneren Erkenntnispfad und dem Bewusstwerden der Polaritäten umfasst „Sei, wer du bist“ auch die Aufforderung, das, was ich in mir finde, nach außen zu bringen und mich selbst zu verwirklichen. Innen und außen bilden so eine Einheit – und erst dann fühle ich mich ganz und erfüllt. Ein Teil meiner Berufung ist es, das, was ich für mich auf meinem Heilungsweg herausgefunden habe, auf meinem Blog mit dir zu teilen, und dich als Shiatsu-Praktikerin auf deinem eigenen Weg zu begleiten. Dafür und darüber habe ich auch ein Buch geschrieben, das sich mit deinem tiefgreifenden Heilungsweg beschäftigt. 

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin vereinbarst!

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Melanie LannerWarum “Sei, wer du bist”?