Willkommen auf meinem Blog zu Shiatsu, ganzheitlicher Gesundheit und Selbsterfahrung!

Melanie Lanner Willkommen

Shiatsu, ganzheitliche Gesundheit und Selbsterfahrung sind die Themen, die die letzten Jahre – eigentlich ist es schon mehr als ein Jahrzehnt – mein privates und berufliches Leben wie ein roter Faden durchziehen. Es ist mir ein großes Anliegen, die Erfahrungen, die ich machen durfte, mit dir zu teilen. Außerdem stelle ich dir Wege vor, die sich für mich auf meinem persönlichen Weg und in der Begleitung von Menschen als Shiatsu-Praktikerin als hilfreich erwiesen haben. Mit ganz viel Übungen für dich zuhause!

Der Blog zur Selbsterfahrung und Selbstheilung mit ganz vielen Übungen

“THERE IS A CRACK IN EVERYTHING. THAT’S HOW THE LIGHT GETS IN.” (LEONARD COHEN)

Heilung geht über uns selbst hinaus

Deshalb findest du auf meinem Blog auch gesellschaftskritische Essays und Hinweise zu einem kollektiven Blick auf Heilung. Was braucht (kollektiv) Heilung? Wie kannst du zur Heilung der Welt beitragen? Und was ist überhaupt Heilung in diesem großen Maßstab? 

Hier auf meinem Blog findest du also:

… mit ganz vielen Übungen und Tipps für dich zuhause.

 

Du findest alle Artikel chronologisch auf meinem Blog. Außerdem habe ich die wichtigsten Artikel thematisch in Unterkategorien sortiert. So kannst du die Themen, die dich besonders interessieren, leichter finden.

Ich wünsche dir viele heilsame Erkenntnisse beim Lesen und mit den Übungen!

 

Und hier findest du mein Angebot, dich auf diesem Weg zu begleiten.

Ich freue mich, wenn du dich bei mir meldest, um einen Termin zu vereinbaren,
o
der mir schreibst, was du bei deinen Übungen für dich erfahren hast.

Melanie LannerWillkommen auf meinem Blog zu Shiatsu, ganzheitlicher Gesundheit und Selbsterfahrung!

Das Metall-Element

Melanie Lanner Shiatsu

Dass Loslassen auch immer Raum für etwas Neues schafft, erfahre ich gerade im eigenen Leben. Wie ich ja bereits im letzten Blogartikel geschrieben habe, haben mein Mann und ich uns getrennt. Ich bin in der Zwischenzeit umgezogen und ein ganz neuer Lebensabschnitt hat für mich begonnen. Um es gleich vorweg zu sagen: Es geht mir gut – sehr gut sogar. Ich fühle mich wie verliebt, verliebt in mein neues Leben, es ist wirklich ein wunderbares Gefühl!

Metall-Element TCM

Und da fühle ich mich wieder an die Weisheit der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) erinnert: Loslassen und Neubeginn sind zwei Seiten derselben Medaille. Denn Leben bedeutet Rhythmus. Einatmen und Ausatmen. Geburt-Wachstum-Sterben-Tod-Geburt. Alles Leben schwingt in Rhythmen. Diese Lebensweisheit findet sich in der TCM vor allem im Metall-Element ausgedrückt. Mehr…

Melanie LannerDas Metall-Element

7- bzw. 8-Jahres-Rhythmus

Melanie Lanner Selbstbegegnung

In der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) heißt es, dass sich das Leben von Menschen in 7- bzw. 8-Rhythmen vollzieht: Für Frauen ändert sich das Leben im 7-Jahres-, für Männer im 8-Jahres-Rhythmus. Ich bin selbst immer skeptisch, was Schablonen für alle Menschen betrifft. Doch ich finde es auch spannend, das eigene Leben unter solchen Konzepten zu betrachten: Was ist für mich dran? Was kann ich für mich daraus lernen? In welchem Rhythmus gestaltet sich mein Leben?

In unserer Gesellschaft kommen wir mit sechs Jahren in die Schule und reifen vom Säugling über das Kleinkind zum Schulkind. Schulkind zu sein, ist auf jeden Fall ein Meilenstein in der eigenen Entwicklung. Die Lebenswelt vergrößert sich von der Familie, der Verwandtschaft und einem engen Freundeskreis um die Peer-Group und weitere Bezugspersonen. FreundInnen werden immer wichtiger.

Mit 11 bis 15 Jahren werden Mädchen geschlechtsreif. Wieder ein Meilenstein. Das Jugendalter ist auf jeden Fall ein eigener Lebensabschnitt. Oft befinden wir uns bis Anfang/Mitte 20 in der Ausbildung, studieren oder experimentieren mit den ersten (prekären) Jobmöglichkeiten und verschiedenen Lebensformen. Die jungen Erwachsenenjahre, also wieder ein eigener Lebensabschnitt. Dadurch finden wir immer mehr heraus, wie wir leben wollen und was uns wichtig ist. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt: Familiengründung und/oder berufliche Herausforderungen begleiten zumeist diese Lebensphase. Zwischen 45 und 50 beginnen bei den meisten Frauen die Wechseljahre und damit wieder eine ganz eigene Zeit: Die Kinder sind schon größer, die Verantwortlichkeiten verschieben sich…

Rhythmen Biographiearbeit

In jedem Lebensabschnitt gibt es eigene Herausforderungen zu bewältigen und je eigene Reifungschancen. Habe ich diese Chancen ergreifen können? Oder will noch etwas nachreifen in mir? Dies können Fragen sein, die deine Biographiearbeit begleiten, wenn wir unser Leben unter den (7er/8er-) Rhythmen betrachten.

Eine Übung aus der Biographiearbeit

Male deinen eigenen Lebensweg unterteilt in (7/8-Jahres-)Schritten auf. Schreibe dir zu jedem Abschnitt ein Stichwort, z.B. „Kindheit“, „Pubertät“, „Studienzeit“ etc. Und dann notiere dir zu jedem Lebensabschnitt stichpunktartig, wie du diese Phase erlebt hast, was du erfahren, gelernt und vermisst hast. Wenn du einen Mangel in einem Lebensabschnitt klar benennen kannst, kannst du auch die Verantwortung dafür übernehmen und dafür sorgen, dass dieser Teil in dir nachreifen kann. Denn dafür ist es nie zu spät!

Melanie Lanner7- bzw. 8-Jahres-Rhythmus

Shiatsu im Herbst

Melanie Lanner Shiatsu

Der Herbst bringt nicht nur der Natur das Loslassen, sondern auch meinem persönlichen Leben: Mein Mann und ich haben uns getrennt. Und ich bin gerade dabei, in meine neue Wohnung umzuziehen. Ich erzähle dir davon, weil dieser Zusammenhang von Mikro- und Makrokosmos auch der Weisheit der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) entspricht: Aus Naturbeobachtungen abgeleitet, entwickelt sie ihr ganzheitliches Medizinsystem. Die einzelnen Qualitäten der verschiedenen Jahreszeiten bringt sie mit den Fünf Elementen und ihren Qualitäten in Zusammenhang. Und so finden sich die verschiedenen Energiequalitäten sowohl in der Natur als auch in unserem persönlichen Leben, in unserem Körper und Gefühlen wieder.

Metall TCM Loslassen

Loslassen

Im Herbst lassen die Bäume vertrauensvoll ihre Blätter fallen – in dem Wissen, dass dies die Voraussetzung für neues Wachstum im Frühling ist. Im Shiatsu können auch wir das Loslassen als natürlichen Prozess, als Teil des Lebens erleben. Denn nur wenn wir loslassen, kann Neues entstehen.

Und noch etwas zeigt uns die Natur im Herbst: Die Säfte in der Natur ziehen sich ins Innere zurück. So können auch wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. Die Energie richtet sich wie bei den Bäumen, die all ihre Kraft im Stamm sammeln, nach innen. Der Herbst fragt nach dem Wesentlichen: Was ist das wirklich Wichtige in meinem Leben? Was macht mein Leben aus? Und was macht MICH aus?

Dies sind auch spirituelle Fragen, Fragen nach unserem Lebenssinn und dem höchsten Prinzip in unserem Leben. Denn im Shiatsu wird der Mensch als Einheit gesehen: als körperliches, emotionales, mentales und spirituelles Wesen.

Der Herbst wird in der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) dem Element „Metall“ zugeordnet. Metalle, insbesondere das Gold, sind wertvolle Schätze der Natur. Wie auf materieller Ebene steht das Metall-Element auf der geistigen Ebene für unsere Ideale und Werte. Und je mehr wir uns dem Wesentlichen im Leben öffnen, desto mehr sind wir bereit, alles andere gehen zu lassen. Verdichtung und Veredelung, Rückzug und Loslassen, das sind die Qualitäten des Metall-Elements. Mehr zu Shiatsu im Herbst…

Melanie LannerShiatsu im Herbst

Übung für dich daheim

Melanie Lanner Shiatsu

Willst du deinem Metall-Element etwas Gutes tun? Dann hat der Dachverband für Shiatsu (ÖDS) folgende Übung für dich entwickelt. Zum Video…

Diese Übung stärkt das Immunsystem und wirkt positiv auf Lunge, Atmung und Haut.

Viel Freude beim Üben!

Melanie LannerÜbung für dich daheim

Shiatsu im Spätsommer

Melanie Lanner Shiatsu

Die Nächte werden kühler, tagsüber ist es manchmal immer noch recht heiß. Diese Zeit im Jahr wird in der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) einer eigene Jahreszeit zugeschrieben: die des Spätsommers. Der Spätsommer ist die Zeit der Ernte, der Sammlung und des Bewahrens. Wir bereiten uns auf die kalten Monate vor, kochen ein, legen Vorräte an und sammeln die nicht mehr ganz so heißen Sonnenstrahlen, damit sie uns im Winter wärmen und erfreuen mögen. Der Spätsommer ist auch ein Moment des Innehaltens zwischen den Polen von Yang und Yin, der hellen und der dunklen Jahreszeit. Sammlung, Zentrierung und In-unserer-Mitte-Sein, das ist die Qualität des Spätsommers. Wir genießen die Fülle der Natur und sind voller Dankbarkeit für ihre vielseitigen und bunten Gaben.

Ertne Erde TCM Spätsommer

Der Spätsommer wird in der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) dem Element „Erde“ zugeordnet. Denn die Erde ist es, die uns trägt und nährt. Die Erde ist das verbindende Element, welches Gegensätze zu verbinden vermag. Die Mitte unseres Lebens und des Lebens im Allgemeinen – weshalb sie in früheren Darstellungen der Fünf Wandlungsphasen in der Mitte der vier anderen Wandlungsphasen dargestellt wurde. Mehr zu Shiatsu im Spätsommer…

Melanie LannerShiatsu im Spätsommer

Tue deiner Milz Gutes!

Melanie Lanner Shiatsu

Dem Erd-Element zugeordnet werden zwei Meridiane: der Magen und die Milz-Bauchspeicheldrüse. In besonders schöner Weise wird im Buch „Heilung der Mitte“ von Dr. med. Georg Weidinger von der Bedeutung von Magen-Milz/Bauchspeicheldrüse (er nennt sie „Milz“) gesprochen. Dabei ist die Milz unser gesamter Verdauungsapparat oder, in einem modernen Begriff, unser Stoffwechsel.

Milz TCM Essen

Da das Buch zu tiefgehend ist, um es hier zusammenzufassen, will ich nur ein Bild herausgreifen, das mich besonders berührt: Georg Weidinger spricht von der Milz als alleinerziehender Mutter von elf Kindern (das sind die anderen elf Meridiane). Geht es der Mutter gut, dann geht ihr alles scheinbar mühelos von der Hand und alle Kinder fühlen sich wohl.

Und damit es der Milz gutgeht, braucht sie vor allem die passende Nahrung. Die TCM-Ernährungslehre ist eine Wissenschaft für sich. Doch es gibt einige Eckpunkte, die, wenn sie eingehalten werden, so freundlich zur Milz sind, dass sie gerne ihre Aufgaben als alleinerziehende Mutter erfüllt:

  • Regelmäßig essen (drei Mahlzeiten pro Tag)
  • Warm essen und/oder mit wärmenden Gewürzen wie Ingwer und Pfeffer würzen
  • Besonders wichtig: Warm frühstücken!
  • Ausreichend und warm trinken
  • Auf Weizenmehl und raffinierten Zucker, so weit als möglich, verzichten.
  • Viel pflanzliches und wenig tierisches Eiweiß

Und neben dem Was, ist es besonders das Wie, das der Milz bekommt: In entspannter Atmosphäre essen! Also: Zum Essen hinsetzen, bewusst essen (und nicht nebenher lesen oder fernsehen) und Zeit zum Genießen nehmen.

Probiere es aus! Vielleicht für einen Monat – und schaue dann, wie du dich damit fühlst.

Denn:

„Sorge dich nicht um die Ernte, sondern um die richtige Bestellung deiner Felder!“
(Konfuzius)

Für weitere Hinweise kann dir das Buch von Georg Weidinger nur wärmstens empfehlen – verständlich geschrieben, theoretisch fundiert und viele praktische Hinweise.

Melanie LannerTue deiner Milz Gutes!

Der Erde etwas zurückgeben

Melanie Lanner Shiatsu

Wir sind nicht getrennt von der Natur. Das ist die Weisheit der Traditionell Chinesischen Medizin. Wir sind Natur. Wir tragen, wie auch die Natur als Ganzes, alle fünf Elemente in uns. Somit sind wir auch verantwortlich für das, was uns umgibt. Geben wir also der Natur etwas zurück. Aus Dankbarkeit für unser Leben. Aus Dankbarkeit für all die Fülle, die uns umgibt.

Geben wir der Erde, die uns ernährt und mit allem Lebensnotwendigen versorgt, etwas zurück. Setze (mindestens) einen konkreten Schritt, um der Erde etwas zurückzugeben. Ein paar Beispiele:

  • Kaufe Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft.
  • Pflanze selbst alte Kultursorten biologisch in deinem Garten oder auf deinem Balkon an. (Samen kannst du zum Beispiel beim Verein „Arche Noah“ beziehen.)
  • Spende einem Projekt zum Humusaufbau.
  • Oder für eine Bodengenossenschaft
  • Werde Mitglied in der Solidarischen Landwirtschaft.
  • Engagiere dich in ökologischen Projekten zum Artenschutz, zur Wiederaufforstung oder für gentechnikfreie Landwirtschaft.
  • Oderoderoder…

Was ist deine Idee?

Melanie LannerDer Erde etwas zurückgeben

Das Erd-Element

Melanie Lanner Shiatsu

Im Zuge meiner Recherchen für unser nächstes Element – das Erd-Element – bin ich auf einen Satz gestoßen, der mich mitten ins Herz getroffen hat:

„Alle Veränderungen im Leben,
alle mehr oder weniger tiefgreifenden Umwandlungsprozesse,
denen wir uns stellen, können aus der eigenen Mitte heraus geschehen.“
(Klaus-Dieter Platsch)

Denn ich stehe in meinem privaten Leben vor einer riesigen Umbruchsituation. Und spüre tagtäglich, wie wichtig es ist, diesen Herausforderungen aus meiner Mitte heraus zu begegnen. Beziehungsweise spüre ich genau das Gegenteil: Wie anstrengend es ist, nicht in meiner Mitte zu sein und „außer mir“ zu handeln. Die Mitte, das ist das Erd-Element in uns. Und damit beschäftige ich mich in diesem Artikel.

Erd-Element

Foto: Isabel Garreau-Egger

Das Element „Erde“ meint sowohl den Erd- und Ackerboden als auch unseren Planeten Erde. Das Erd-Element steht für das Irdisch-Materielle, die konkrete Manifestation (als Gegenpol zum schöpferischen Prinzip des Himmels). Bildlich ist es die gebärende und nährende Mutter (Erde). Außerdem sorgt das Erd-Element für Ausgleich und Gleichgewicht, es vermittelt zwischen Gegensätzen und bewirkt den nahtlosen Übergang von einer Wandlungsphase in die nächste und ist deren Zentrum. Mehr…

„Wie wir auftreten, ob wir mit beiden Beinen im Leben stehen,
ob wir uns in diesem Leben zu Hause geborgen fühlen,
ob wir uns im Großen und Ganzen wohl in unserer Haut fühlen
und ob unsere Ausstrahlung und unser Aussehen gesund und vital sind
– all dies hängt von unserer Verbindung mit der Erde ab.“
(Achim Eckert)

Deshalb ist die Erde so zentral – in Umbruchsituationen oder im ganz „normalen“ Alltag. Aus unserer Mitte heraus sind wir den Herausforderungen des Lebens gewachsen. Sind wir nicht in unserer Mitte, kann uns schon ein kleiner Windhauch umstoßen. In unserer Mitte zu sein, heißt auch, geerdet, präsent und ganz da zu sein. Ganz im Augenblick – egal, was er gerade für uns bereit hält. Höhen oder Tiefen. Oder etwas dazwischen.

Das wünsche ich dir von Herzen: GANZ DA SEIN!

Melanie LannerDas Erd-Element

Was ist Heilung in einer kranken Welt?

Melanie Lanner Shiatsu

Mein Artikel ist im Shiatsu-Journal veröffentlicht worden.

Shiatsu-Journal Heilung Shiatsu

Hier kannst du den gesamten Artikel direkt lesen:

Was ist Heilung in einer kranken Welt?

Im Shiatsu heilen wir zwar nicht im herkömmlichen medizinischen Sinn. Dennoch ist Shiatsu im weiten Sinn betrachtet eine Heilkunst. Doch was ist Heilung? Und was bedeutet individuelle Heilung in einer kranken Welt?

Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Also ist auch Heilen – das Begleiten des Heilungsweges wie zum Beispiel im Shiatsu– mehr als Symptombekämpfung. Natürlich geht es in einem ersten Schritt um Symptomlinderung. Durch effektive Shiatsu-Behandlungen und manchmal auch gerade dadurch, dass die Beschwerden in einen größeren (Sinn-)Zusammenhang gestellt werden können. Denn dann können sie angenommen werden – als Ruf, etwas in sich und im eigenen Leben zu verändern.

Manchmal ist nämlich gerade eine Krankheit oder ein Symptom ein Tor zu mehr Gesundheit und in einem umfassenden Sinn zu mehr Heilung. Heilung im Sinne von Ganzwerdung. Heilung im Sinne von Selbsterkenntnis und Bewusstwerdung. Die Krankheit wird zum Aufruf, den eigenen Heilungsweg zu wagen.

Selbsterkenntnis und Bewusstheit führen zu mehr innerem und äußerem Freiraum

Auf diesem Weg der Ganz- und Bewusstwerdung finden wir mehr innere und äußere Freiräume. Denn erst durch Bewusstwerdung habe ich die Wahl, wie ich mich gegenüber äußeren und inneren Gegebenheiten einstelle und wie ich mich bestimmten Situationen gegenüber einstelle.

Dieser Freiraum ermöglicht also Wahlmöglichkeiten – bei Entscheidungen und dabei, wie ich mich in bestimmten Situationen verhalte. Auch im Umgang mit inneren Impulsen (sogenannten Trieben, Komplexen, Archetypen und Begierden) entsteht durch Bewusstwerdung ein innerer Freiraum. Dann bin ich von diesen psychischen Impulsen nicht unbewusst getrieben, sondern kann zu ihnen Stellung beziehen. Ich kann bewusst entscheiden, welchen Impulsen ich (wie) folge und welchen nicht. Heilung bedeutet dann mehr inneren und äußeren Freiraum und mehr Gestaltungsfähigkeit in unserem Leben.

Heilung geht auch über uns selbst hinaus

Durch diesen inneren Freiraum wird es außerdem möglich, unseren eigenen Ich-Standpunkt bewusst zu machen und ihn so zu überwachsen. Dann wird es möglich, den Standpunkt anderer Menschen einzunehmen, Mitgefühl zu entwickeln und sich um andere und um das Allgemeinwohl zu kümmern. Weiter gedacht, ist Heilung also etwas, das unser Ich überschreitet. Denn wirkliche Heilung ist gerade das Aufweichen des eigenen starren Ich-Standpunkts. Als Ich-Standpunkt bezeichne ich einen (inneren) Ort, von dem wir die Welt, unsere Beziehungen, ja alles um uns herum und auch uns selbst aus betrachten.

Mein enger Ich-Standpunkt, der nur meine eigene Perspektive sieht, kann sich durch unseren Heilungsweg weiten. Denn je mehr Heilung ich erfahre, desto weniger muss ich auf meinem statten Ich-Standpunkt verharren. Ja, desto flexibler werde ich in meinem Fühlen, Denken und Handeln. Wenn ich meinen Ich-Standpunkt nicht aus Angst oder Verletzung verteidigen muss, werde ich beweglicher. Ich kann mich flexibler auf die jeweilige Situation einlassen und mich ihr angemessen verhalten. Wenn ich meinen Ich-Standpunkt durch mehr innere Weite nicht zwanghaft verteidigen muss, kann ich mich auch empathisch in andere einfühlen und deren Standpunkt verstehend einnehmen.

Auch Beziehungen können dadurch tiefgehende Heilung erfahren. Und wir sind bereit, andere auf ihrem Heilungsweg zu begleiten.

Befreiung vom eigenen Ich-Standpunkt

Manchmal erfahren wir sogar Momente der Befreiung von unserem Ich-Standpunkt. Dann können wir noch etwas tiefer blickend erkennen, dass es so etwas wie ein getrenntes Ich gar nicht gibt.

Denn je tiefer wir uns selbst erkennen, desto klarer wird, dass es kein vereinzeltes Ich gibt. Was es gibt, ist Verbundensein. Und im Erkennen der Verbundenheit liegt gleichzeitig die tiefste Heilung

Sprechen wir von Shiatsu als Heilkunst, geht Shiatsu also sowohl über Symptomlinderung als auch über die individuelle Person hinaus. An diesem Punkt des Heilungsweges bedeutet Heilung das Eintauchen in eine tiefere Realität als unser Alltagsbewusstsein. In die Realität des Verbundenseins. Denn Verbundenheit ist die Realität, Trennung eine (kollektive) Illusion.

Was bedeutet Heilung in einer kranken Welt?

Wird uns die Verbundenheit als Realität bewusst, stellt sich die Frage nach Heilung noch einmal neu: Was bedeutet individuelle Heilung in einer kranken Welt? Was bedeutet Heilung in einer Welt der Klimakatastrophe? Was heißt individuelle Heilung in einer Welt der globalen ökologischen und sozialen Krise? Wird uns die Verbundenheit als Realität bewusst, dann müssen wir aufwachen und erkennen, dass es keine individuelle Heilung gibt und geben kann.

Unsere Heilkunst kann dann nicht bei einer individuellen Person aufhören. Ja, es geht beim Heilen nicht um das Heilen dieser einen Person. Es geht um die Heilung der Welt.

Wir sind aufgerufen, Heilung von unserer Praxis auch hinaus in die Welt zu tragen!

Trennung ist die Ursache allen Leidens

Heil bedeutet „ganz, vollkommen, vollständig“. Und Heilen heißt, etwas zu verbinden und ganz zu machen. Verbundenheit bedeutet Leben und Trennung Tod. Dort, wo wir verbunden sind, fließt die Energie, ist Leben – im individuellen wie im kollektiven Leben. Die Körperbereiche, die wir von uns abtrennen und deren Themen wir abspalten, sind die, die Schmerzen oder andere Beschwerden verursachen. So ist es auch im kollektiven Leben: Dort, wo die (sozialen) Trennlinien verlaufen, entsteht Leid.

Denn Trennung ist das, was Leiden schafft – kollektiv ebenso wie individuell. Trennung entlang von sozialen Gruppierungen, ausschließenden Gruppenidentitäten und nationalstaatlichen Grenzen. Rassismus, Sexismus und alle anderen Formen von Diskriminierung machen krank. Uns als Betroffene und uns als Gesellschaft. Dass Menschen um ihre bloße Existenz bangen müssen, dass sie Krieg und Gewalt ausgesetzt sind, macht krank. Betroffenen ebenso wie uns als Kollektiv. Mauern, die wir im Inneren und Äußeren gegenüber „den Fremden“ errichten, machen krank. Geflüchtete Menschen und andere soziale AußenseiterInnen ebenso wie unsere Gesellschaft. An dieser Trennung zwischen „Wir“ und „den Anderen“ krankt auch unsere Gesellschaft.

Die Ausbeutung der Natur, der Verlust der Artenvielfalt, der Klimawandel machen krank. Sie zerstören auch unsere eigene Lebensgrundlage. Doch gerade dadurch wird auch deutlich: Alles ist miteinander verbunden. Nichts ist getrennt. Trennung bedeutet Tod, Verbundenheit Heilung.

Unsere Welt ist krank. Und sie braucht Heilung.

Um die Welt zu heilen, braucht es konkrete Taten. Es braucht Menschen, die biologische Landwirtschaft betreiben und die biologisch angebaute Lebensmittel kaufen. Es braucht Menschen, die Bäume pflanzen, Solarenergie nutzen und Humus aufbauen. Zur Heilung der Welt braucht es auch Menschen, die auf die Straße gehen und für eine gerechtere Klimapolitik und gegen den Sozialabbau protestieren. Es braucht Menschen in politischen Entscheidungspositionen, die sich für erneuerbare Energien starkmachen und eine Energiewende herbeiführen. Es braucht politische Entscheidungen, die Flächenversiegelung stoppen, Patente auf Leben verbieten und zur globalen Gerechtigkeit beitragen. Und es braucht all diese konkreten Taten – und noch viele mehr.

Machen auch wir uns dran – mit all unseren Fähigkeiten und Gaben –, die Erde zu unterstützen, sich selbst zu heilen. Bringen wir Heilung auch außerhalb unserer Praxisräume.

Wirken wir in unseren Beziehungen und in all den sozialen Bezügen, in denen wir uns sowieso bewegen (u.a. in unserer Praxisgemeinschaft, in Arbeitsteams, in unserem sozialen Engagement, im Elternbeirat), als Menschen, die Trennung überwinden und Verbindungen schaffen. Verbinden wir in uns bisher getrennte gesellschaftliche Bereiche. Verbinden wir Wissenschaft mit Spiritualität, Wirtschaft mit Heiligung der Natur, Politik mit Selbstentfaltung. Wirken wir aus einem Menschenbild der Verbundenheit. In allem, was wir tun. Darin liegt Heilung.

Über die Autorin:

Melanie Lanner, Diplom-Soziologin und Master in Gender Studies, arbeitet seit 2012 als Shiatsu-Praktikerin und Tanzpädagogin in freier Praxis in Graz. Sie ist Autorin des Buchs Hin zu Fuß, zurück auf Adlerschwingen – „Der Herr der Ringe“ als heldenhafte Selbsterfahrung, das 2018 im Verlag opus magnum erschienen ist, sowie mehrerer Zeitschriftenartikel zu vielfältigen Themen. Besonders interessiert sie sich für die Zusammenhänge von individueller Heilung und der Heilung der Welt.

Melanie LannerWas ist Heilung in einer kranken Welt?