Zurück aus dem Urlaub

Melanie Lanner Selbstbegegnung

Frisch zurück aus unserem wunderbaren, entspannenden und erkenntnisreichen Urlaub fällt es mir noch etwas schwer, wieder in meinem Alltag in Graz anzukommen. Alles läuft nicht mehr ganz so geschmiert, rund und routiniert wie vor dem Urlaub. Ich brauche für die Alltagsgestaltung viel länger als zuvor. Gleichzeitig schafft mir der Abstand die Möglichkeit, meinen Alltag mit geklärtem Blick zu betrachten. Ich erkenne so manche Gewohnheiten, die mir, gerade weil sie zur Gewohnheit geworden sind, leicht von der Hand gehen, die jedoch eigentlich nicht (mehr) zu mir passen. Dann heißt es, meinen Alltag anders zu gestalten. Ich habe zum Beispiel erkannt, dass ich, seitdem ich Mama bin, Süßes esse, wenn ich mich eigentlich ausruhen müsste. Das will ich ändern!

Auf „meiner“ Trauminsel habe ich mich auch wieder in Aspekten erfahren können, die in meinem Alltag oft zu kurz kommen. Ich habe mich ziellos treiben lassen und spontanen Impulsen folgen können. Ich habe beim Wandern Wege beschritten, die ich noch nicht kenne (obwohl ich schon viermal jeweils mehrere Wochen dort war) und es genossen, nicht zu wissen, wohin mich der Weg führen wird. Wir waren sowieso den ganzen Tag draußen und haben das Meer, den Wind, die brennende Sonne, Steine, Kies, Sand, verdorrtes Gras wirklich gespürt. Meine Sinne waren offen, weit und frei. Noch immer spüre ich, wie das sanfte, türkisfarbene Wasser der Bucht in Zaglav meinen Körper umhüllt. Ich spüre, wie der Wind mit meinen Haaren spielt. Endlich kann ich wieder mal richtig durchatmen, muss meine Sinne nicht aufgrund von Überforderung unterdrücken, kann ganz im Hier und Jetzt ankommen. Ich höre die Zikaden in ihrem ununterbrochenen Liebeslied. Es versetzt mich in Trance, und ich träume. Von Träumen in einer Nussschale. Ich schmecke die Meerluft – immer und überall. Und frische Feigen. Trauben, überall Trauben. Und selbstgemachten Rotwein unserer Vermieter. Ich habe mich so lebendig wie schon lange nicht mehr gefühlt. Das hat wohl ganz viel mit dem sinn-haften Erleben der Welt zu tun. Ich brauche den direkten Kontakt zu Natur. Das ist mir im Urlaub (noch einmal) so richtig klar geworden.

barfuss

Hast du dir im Sommer auch eine kleine oder größere Auszeit nehmen können? Bist du verreist? Wohin? Was hast du erlebt, was hast du erfahren, was für Erkenntnisse hast du gewonnen? Was von deinem Urlaubsfeeling willst du in deinen Alltag integrieren? Wie kann es gelingen? Und was brauchst du dafür?

„Wir können nicht allein mit Willenskraft unser Verhalten ändern.
Eher sollten wir unsere Umgebung so gestalten,
dass wir automatisch öfter das tun, was wir gern machen.
Gehört Lesen dazu, könnten wir etwa überall im Haus Bücher herumliegen lassen,
um eher mal zu einem zu greifen.“
(Paul Dolan)

Wie kannst du dein Umfeld (deine Wohnung, deinen Arbeitsplatz etc.) gestalten, um das zu tun, was du tun willst?

Ich habe mir zum Beispiel vorgenommen, regelmäßig (!) in die Natur zu gehen – in den direkten Kontakt und sie nicht nur über Zäune und Mauern hinweg zu beobachten, sondern sie zu spüren und mit allen Sinnen zu erfahren. Das brauche ich – um abzuschalten, um mich aufzuladen, um ganz in meinem Körper und verbunden mit meinen Sinnen zu sein, ja, um zu LEBEN.

Was brauchst du?

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