Der Dickdarm-Meridian

Melanie Berner Shiatsu

Jetzt habe ich lange keinen Blogartikel geschrieben. Aber vielleicht kann man über das Loslassen auch nur im Herbst schreiben.

12 Monate – 12 Meridiane

Das war der Plan: Mich jeden Monat mit einem Meridian zu beschäftigen. Denn Meridiane sind eines der Herzstücke vom Shiatsu. Gleichzeitig habe ich trotz ihrer effektiven Wirkung in den Shiatsu-Behandlungen eine innere Blockade gegen das Meridian-Konzept. Sie wirken – und trotzdem kann ich nicht an 12 Energieleitbahnen durch den Körper glauben. Da rebelliert meine innere Wissenschaftlerin zu stark dagegen.

Doch Meridiane sind viel mehr als Organ-Energie-Qualitäten in unserem Körper. Meridiane sind verschiedene Lebensaspekte, verschiedene Qualitäten von LEBEN oder – in der Sprache der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) – verschiedene Farben, Geschmäcker, Nuancen der Einen Energie KI.

Mich mit Meridianen als verschiedenen Lebensaspekten zu beschäftigen, lässt meinen Widerstand kleiner werden. Ja, LEBEN daran glaube ich: Dieses große verbundene Etwas, das Große Ganze, in dem alles miteinander verbunden ist. Das sich stetig wandelt und sich in verschiedenen Aspekten zeigt: seien es Jahreszeiten, verschiedene Lebensphasen, unser eigener Biorhythmus, Einatmen – Ausatmen…

Meridiane sind Ausdruck dieses sich ständig verwandelnden Lebens. Auch sie sind miteinander verbunden, nicht getrennt. Und doch zeigen sie das Leben in verschiedenen Aspekten. In meinen bisherigen Blogartikeln habe ich mich bereits acht Meridian-Lebensqualitäten gewidmet. Heute möchte ich mich der Dickdarm-Energie zuwenden.

Dickdarm-Meridian

Der Dickdarm-Meridian oder das Loslassen

Der Dickdarm steht für das Loslassen. Das spricht, glaube ich, für sich.

Im Japanischen bedeutet das Wort „Nagori“ die Wehmut der Trennung im Vergehen der Jahreszeit. Klingt schöner als Dickdarm-Qualität, finde ich.  Und bezeichnet eine Qualität des Loslassens.

So, wie die Meridiane verschiedene Lebensaspekte repräsentieren, trägt auch das Loslassen verschiedene Facetten in sich:

  • Loslassen, (mich) fallenlassen – etwas, das in der Shiatsu-Behandlung eingeladen wird

Dazu fällt mir vor allem ein Ausdruck aus dem Buch „HARA – Die energetische Mitte des Menschen“ von Karlfried Graf Dürckheim ein, der mich stark berührt: Ich lasse mich in den Schultern los, nicht: Ich lasse meine Schultern fallen oder drücke meine Schultern nach unten.

„Nur wo der Mensch lernt, sich in einer bewussten und anhaltenden Gebärde des Vertrauens in seiner Mitte niederzulassen und sich gläubig in sie einzulassen,
wird er gelassen.“
(Karlfried Graf Dürckheim)

Probiere selbst einmal den Unterschied!

  • Loslassen, sich hingeben, sich anheimgeben

Loslassen hat mit Vertrauen zu tun. Nur wenn wir vertrauen, können wir loslassen. Wem oder was vertraust du?

  • Loslassen, zulassen

Loslassen hat also auch mit Zulassen zu tun – Zulassen, was ist. Keinen Widerstand aufbauen – weder im Kopf noch im Körper. Spannungszustände im Körper sind häufig verkörperte Widerstände. Widerstände gegen das, was ist. Das, was sich zeigen will: seien es Emotionen, Schmerz, manchmal auch tiefliegende Traumata.

  • Loslassen, Altes beenden, Raum schaffen

Loslassen schafft Abschiede. Und dadurch Raum für Neues. Damit Neues entstehen und sich Raum nehmen kann, müssen wir Altes loslassen: liebgewonnene, aber ungesunde Gewohnheiten, unpassende Routinen, überwachsene Haltungen, manchmal auch andere Menschen, unseren Wohnort, Beruf… Was auch immer es ist: Im Loslassen liegt der Neubeginn. So wie der neue Frühling schon im Herbst beginnt …

  • Loslassen bei Verlust, Trauer

Manchmal müssen wir tiefe Verluste verarbeiten. Wir müssen durch die Trauer hindurch. Nur so können wir die schmerzhafte Erfahrung integrieren und dann – wann auch immer wir bereit sind – weitergehen.

  • Loslassen, ernten, vollenden

Manchmal ereilt uns kein Schicksalsschlag, sondern es ist an uns, loszulassen und Altes bewusst zu beenden.

Manchmal geht das ganz leicht. Dann fällt das Alte wie eine reife Frucht von uns ab. Der Prozess ist vollendet. Wir können die Früchte ernten.

  • Loslassen, abschneiden

Doch manchmal ist es an uns, bewusst etwas abzuschneiden, ja, in gewisser Weise zu zerstören. Eine Grenze zu setzen.

Grenzen setzen

Und damit wären wir schon bei der zweiten wichtigen Qualität des Dickdarm-Meridians: Neinsagen und Grenzen setzen.

Grenzen zu setzen, fängt damit an, für uns selbst Prioritäten zu setzen. Es führt uns dahin, anderen Menschen auch einmal eine Bitte abzuschlagen und „Nein“ zu sagen. Doch auch unseren Gedanken und Gefühlen gegenüber gilt es Grenzen zu setzen: Wir müssen uns von uns selbst nicht alles gefallen lassen. Wir sind nicht verantwortlich für das, was wir denken und fühlen. Vielmehr gleichen Gedanken und Gefühle Naturphänomenen: Sie kommen und gehen. Doch wir sind dafür verantwortlich, wie wir mit ihnen umgehen.

Es ist unsere Haltung, um die es geht.

 

Suchst du in diesem Prozess Unterstützung? Dann freue ich mich, wenn du dich zur Terminvereinbarung meldest.

Melanie BernerDer Dickdarm-Meridian