Klimawandel als Chance

Eine neue Mitte für unser kollektives Zusammenleben lässt sich auch durch eine gemeinsame Aufgabe finden. Unser vorrangiges Ziel muss die Erhaltung unserer Erde auch als unsere Lebensgrundlage und dadurch eine Antwort auf den Klimawandel sein.

Wir brauchen ja nur zu schauen, was mit Spezies passiert ist, deren Lebensgrundlage wir Menschen eingeschränkt oder zerstört haben. Dann wird klar, dass wir, wollen wir Menschen das Anthropozän überleben, eine Antwort auf den Klimawandel finden müssen.

Klimawandel als Herausforderung an die Menschheit als Ganzes

Schauen wir uns alleine das Ziel an, den weltweiten CO2-Ausstoß zu limitieren, wird deutlich, wie schwierig es ist, dieses Ziel durchzusetzen und zu erreichen – zumindest wenn wir in nationalstaatlichen Grenzen denken und organisiert sind, wenn Wirtschaftswachstum die Mitte unseres kollektiven Zusammenlebens bleibt und wenn es kein Denken in Verbundenheit, sondern in Konkurrenz (zwischen Staaten, Schichten, globalen Zentren und Peripherien, zwischen transnationalen Konzernen und ihren Profiten etc.) gibt.

Klimawandel

Betrachten wir es einmal so: Der Klimawandel betrifft uns alle. Als gesamte Menschheit und natürlich auch andere Lebewesen, ja, das ganze ökologische Gleichgewicht auf der Erde. Wir alle werden die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommen – jetzt schon oder erst etwas später. Wir müssen also auch an die Generationen nach uns denken, wenn wir noch nicht von den Folgen des Klimawandels überzeugt sind. Welche Welt wollen wir unseren Kindern, Enkelkindern, Urenkelkindern hinterlassen? Wollen wir ihnen eine Welt hinterlassen? Dann müssen wir aufhören, in der Kategorie „Nach uns die Sintflut“ zu denken!

Klimawandel ist ein globales Thema, das nur global gelöst werden kann. Global lösen lassen sich Probleme nur, wenn wir wirklich global denken, also alle Grenzen in unserem Kopf – und natürlich auch in unserem Handeln – überwinden und an die Erde oder zumindest an die Menschheit als Ganzes denken (weil das in diesem Fall sowieso ein und dasselbe ist).

Eine globalisierte Welt braucht global wirksame Strukturen

Um gemeinsam wirken zu können, braucht es eine gemeinsame Ausrichtung: Das ist die Ausrichtung auf den Klimawandel statt auf Wirtschaftswachstum und Standortwettbewerb, der ja auch nichts anderes bedeutet als nationalstaatliche Konkurrenz.

Dann brauchen wir noch gemeinsame umsetzbare Ziele: Das sind zum Beispiel die CO2-Reduktionen um so und so viel Prozent in so und so viel Jahren weltweit, über die sich fast alle wissenschaftlichen Quellen und zivilgesellschaftlichen Bewegungen einig sind. Und dann braucht es den Abschied von einem alten System, das in nationalstaatlichen Grenzen und in wirtschaftlichen Termini denkt. Unter diesen Voraussetzungen können wir gemeinsam überlegen, wie wir als gesamte Menschheit den CO2-Ausstoß reduzieren und dies in einem weltweiten System organisieren.

Klimawandel

Erscheint uns diese Aufgabe zu groß, ist das verständlich. Doch uns bleibt keine andere Wahl. Wir Menschen haben den Klimawandel zu verantworten, also sind wir auch verantwortlich dafür, eine Lösung zu finden.

Werden wir also erwachsen!

Denn ganz einfach: Ohne das ökologische Gleichgewicht der Erde keine Lebensgrundlage für uns Menschen und viele andere Lebewesen, auf die wir auch angewiesen sind. Durch das Anthropozän ist dieses Gleichgewicht ins Wanken geraten und vielleicht kurz davor zu kollabieren. Zumindest steht es nicht gut um dieses fragile Gleichgewicht, wenn wir weitermachen wie bisher. Augen zu verschließen und den Status quo aufrechtzuerhalten, ist also keine Lösung.

Wird die Menschheit das Anthropozän überleben?

Schon aus rein egoistischen Gründen müssen wir den Klimawandel zur obersten Priorität erheben – nämlich um unser Überleben als Menschheit zu sichern. Auch die Zielsetzung ist klar: weltweite CO2-Reduktion, und zwar schnell.

Auch an diesem Punkt sind wir uns einig. Wir müssen es „nur“ noch tun! Und das Handeln scheitert am Denken in Konkurrenz und an überalterten Strukturen, die in einer globalisierten Welt mit globalen Problemen nicht mehr tragen.

Wenn ich sage, wir brauchen einen weltweiten Plan der CO2-Reduktion, höre ich schon die Stimmen, die sagen, wie das gehen soll. In einem so großen System können wir ja gar nicht alle Faktoren überblicken. Mag sein. Aber trotzdem ist es so, dass wir ja schon in einer globalisierten Welt leben. Sie ist schon Realität. Nur unsere Organisationsstrukturen sind der Entwicklung noch nicht nachgekommen. Also gilt es, diese an unser System anzupassen, wie es nun einmal ist: nämlich global. Ob es uns passt oder nicht, bleiben wir bei den Tatsachen: Wir leben in einem globalen System. Mit globalen Problemen. Denken wir dann nicht global, also in Verbundenheit, ist das eine reine Illusion und Verschleierung der Tatsachen.

Aus einem gemeinsamen Engagement gegen den Klimawandel wachsen die neuen Strukturen

Machen wir den Klimawandel und mit ihm die CO2-Reduktion zum Ziel unseres kollektiven Handelns, wird klar, dass wir einen Systemwandel brauchen. Und damit ein anderes Denken – ein Denken in Verbundenheit. Das macht Angst. Weil wir nicht wissen, wie das geht. Weil wir nicht wissen, was dann passiert. Und weil dann alles unsicher wird: Worauf können wir dann noch bauen, womit können wir rechnen, worauf können wir zählen?

Doch gerade im gemeinsamen Engagement für ein kollektives Thema der ersten Priorität – wie dem Klimawandel – kann eine neue kollektive Mitte wachsen und aus ihr heraus ein neues System. Ein System, das den Gegebenheiten, wie sie nun einmal sind, angemessen ist. Ein System, in dem wir handlungsfähig bleiben und an einem Strang ziehen können, um kollektive Probleme wie den Klimawandel zu bewältigen.

Wir müssen noch nicht einmal wissen, wohin uns dieses gemeinsame Engagement strukturell führen und wie dieses entstehende System aussehen wird. Wie unsere Welt organisiert und gestaltet sein wird. Wir müssen uns nur auf den Weg machen – einen gemeinsamen Weg, um ein globales Problem zu lösen: den Klimawandel und damit die Erhaltung der Menschheit.

Was kommt nach dem Anthropozän?

Die Erde kann ohne uns leben. Viele Lebewesen können ohne uns Menschen sogar besser leben. Doch wollen auch wir als Menschheit das Anthropozän überleben? Und: Was kommt dann nach dem Anthropozän? Eine Welt mit oder ohne Menschen?

Melanie LannerKlimawandel als Chance