Das eigene Feld bestellen

Melanie Lanner Gemeinwohl, Selbstbegegnung

In mir dreht sich gerade – aus aktuellem Anlass – alles um das Gemeinwohl bzw. die Gemeinwohl-Ökonomie. Ich habe diesen Samstag auf dem Kongress zur Gemeinwohlökonomie in Graz auf dem Podium gemeinsam mit Herrn Bürgermeister Nagl und Christian Felber zum Thema diskutiert. Das war auf mehreren Ebenen ein ganz spannendes Erlebnis für mich 🙂

GWOE-KongressMein Part auf dem Podium war, immer wieder auf das Tun zu verweisen: machen, tun und handeln, das eigene Leben gestalten, die eigene Handlungs- und Gestaltungsmacht nutzen. Durch die Fragen des Plenums ist mir noch einmal bewusst geworden, wie machtlos wir uns oft aufgrund von „Systemzwängen“ fühlen. „Das System“ erscheint so übermächtig. Was kann ich als Einzelner, als Einzelne schon tun?!

Macht-Ohnmacht ist mehr als ein Gefühl. Oftmals sind es real erlebte Erfahrungen, wenn Menschen zum Beispiel für das, wer sie sind, oder für ihre Meinungen, Religion, Sexualität etc. verfolgt werden. Auch Kinder sind den Eltern und anderen Bezugspersonen machtlos ausgeliefert. Macht-Ohnmacht hat also eine gesellschaftliche und eine Beziehungskomponente. Doch dies sind nicht die Aspekte, mit denen ich mich hier befassen will, sondern mit einem Gefühl von Ohnmacht, das mir in vielen Gesprächen mit Menschen – so auch auf dem Podium des Gemeinwohlökonomie-Kongresses – und in meiner Praxis begegnet: „Ich kann doch nichts an meinem Leben ändern!”, “Was kann ich denn tun?!” und “Es ist halt so.“ Auch ich kenne dieses Ohnmachtsgefühl. Ich glaube auch, dass dies ein systemisch und strukturell erzeugtes Gefühl ist. Ich glaube nur einfach nicht, dass wir alle wirklich machtlos sind! Über manche Dinge und Situationen haben wir Macht, über andere nicht. Darauf, dass und wann wir sterben, haben wir zum Beispiel keinen Einfluss. Doch in unserem Leben haben wir oftmals mehr Gestaltungsmacht, als wir selbst glauben. Nämlich dann, wenn wir das, was wir in unserem Leben sowieso tun, gestalten. Dann ist es möglich, an einer neuen Welt zu bauen: der individuellen und der kollektiven.

Das eigene Feld bestellen

Du nutzt deine Macht, wenn du dein Leben und dein Umfeld gestaltest und das, was du sowieso tust, mit dem bewirtschaftest, was dir wichtig ist. Für mich sind dies die Werte der Gerechtigkeit, des Respekts, des Mitgefühls, der Empathie und der Freiheit. Ich stelle mir immer wieder die Frage: „Was bedeutet es, unter den für mich wichtigen Prinzipien Shiatsu zu machen, Mutter zu sein, einzukaufen etc.?“ – Und dann tue ich es auch.

Beispiele, das eigene Feld zu bestellen, gibt es viele: Eine Freundin von mir ist Kindergartenpädagogin und arbeitet in einer Kinderkrippe. Ihr ist es besonders wichtig, die Kinder in ihrer Würde zu stärken. Es geht viel um die Art der Kommunikation, darum, dass Kinder ihre Grenzen äußern können und deren Bedürfnisse gehört werden. So gestaltet sie ihr Feld nach den Werten, die ihr wichtig sind. Eine andere Freundin von mir ist Mutter, Mediatorin und hat den Gemeinwohl-Kongress mit organisiert. Das sind alleine drei Felder, die sie nach ihren Werten bewirtschaftet: Was ist mir in der Erziehung unseres Kindes wichtig? Was für ein Setting von Kommunikation schaffe ich als Mutter, Mediatorin, Partnerin – immer und überall? Sie nutzt ihre Handlungsmacht auch, um mit anderen Menschen gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, was ihr wichtig ist.

GestaltenAlso: Wenn ich mein Feld bestelle, wenn ich etwas bewusst mache und mein Leben nach meinen Vorstellungen gestalte, spüre ich meine Macht. 

Daran knüpft sich auch die Frage, worüber du Macht haben willst. Das heißt auch: Was willst du wirklich?Erinnere dich an die “Unendliche Geschichte” von Michael Ende, deren Motto „Tu, was du willst“ ist. Klingt leicht, oder?! Ist es aber nicht. Zu wissen, was ich wirklich will, ist oftmals der schwierigere Part als das, was ich will, dann zu tun. Die Zugänge zum eigenen Inneren über die Selbst-Gespräche, die ich dir auf meinem Blog vorstelle, sind Möglichkeiten herauszufinden, was du wirklich willst.

Veränderungen vollziehen sich Schritt für Schritt – die eigenen und die gesellschaftlichen. Du musst nur losgehen. Ist der erste Schritt getan, verfliegt das Gefühl von Ohnmacht meist wie von selbst.

Melanie LannerDas eigene Feld bestellen