Was hat Putzen mit einem symbolischen Leben zu tun?

Melanie Lanner Selbstbegegnung

Nachdem ich im vorletzten Blogeintrag erzählt habe, dass ich mit dem Loslassen auf vielen Ebenen beschäftigt bin, bin ich jetzt in die Reinigungsphase übergegangen. Ich habe das Gefühl als würde ich das Nest für das Neue vorbereiten. Und dazu gehört für mich, alles sauber und ordentlich zu machen. Plötzlich stören mich „Putz-Baustellen“ in unserer Wohnung, die mir die letzten Monate nicht einmal aufgefallen sind. Gerade habe ich unsere Glas-Küchentür geputzt. Und mit dem Reinigen und der gewonnenen Durchsicht habe ich auch inneren Durchblick gewonnen: Mir ist „ganz von alleine“ eine Lösung für ein Thema eingefallen, das mich die letzten Tage beschäftigt hat, ohne dass ich mit meinen Überlegungen weitergekommen bin.

Ich finde es immer spannend, wie Innen und Außen zusammengehören und Teil derselben Medaille sind. In der Analytischen Psychologie nach C. G. Jung wird das Leben in einem größeren Zusammenhang als ausschließlich der materiell-greifbaren Welt und all dessen gesehen, was mit unserem Verstand zu erfassen ist. Symbolen wird eine zentrale Rolle in unserem Leben und in unserem Erleben von uns selbst zugeschrieben. Lutz Müller, ebenfalls ein Psychotherapeut nach C. G. Jung nennt dies ein „symbolisches Leben“.

„Es handelt sich dabei nicht um ein blindes Zurückfallen in abergläubische Verhaltens- und Denkweisen, bei denen wir wieder beginnen, an Gespenster zu glauben und Hexenjagden zu veranstalten. Es handelt sich vielmehr darum, unseren rationalen Blick zu ergänzen durch die Möglichkeit des ‚magischen‘ Blickes, der die Welt in einer mehr symbolischen Weise wahrnimmt. […] Die uns umgebenden Gebrauchsgegenstände wären wie beseelt, es schiene, als hätten sie einen eigenen Willen, als könnte man mit ihnen sprechen und auf ihre Antwort warten. Alltägliche Routinehandlungen würden zu Ritualen und Zeremonien, die uns das Gefühl gäben, in einem höheren Ganzen eingebettet zu sein. Wir wüssten von Orten der Macht, von Pflanzen der Kraft und von Tieren, die mit unserer Seele in Verwandtschaft stehen. Im Rauschen des Windes glaubten wir die Stimmen der Windgeister zu hören, im Donnern und Blitzen das Walten mächtiger Dämonen zu sehen und im Murmeln des Baches die Weisheit der Natur zu vernehmen.“ (Müller 1986: 292-293)

Möglichkeiten, einen symbolischen Blick zu üben, sind Raum für Phantasie zu schaffen, die Imagination/Trancereise und die Traumarbeit. Zur Arbeit mit Symbolen schaue hier…

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Foto: Ananth BS (CC BY-SA 2.0)

Für mich bietet der symbolische Zugang eine Möglichkeit, in den ganz normalen Alltagsroutinen einen Sinn und größeren Lebenszusammenhang zu finden. Das erfüllt mich mit Freude und einem inneren Frieden, der sich schwer in Worte fassen lässt. Immer dann wenn ich die größeren Zusammenhänge erkenne und mich mit ihnen verbunden fühle – mich also auch im Fluss des Lebens fühle –, stellt sich eine tiefe innere Ruhe in mir ein. Es geht für mich nämlich auch darum, durch diesen symbolischen Zugang zum Leben meinen Platz im Leben zu erkennen und einzunehmen. Dann fühle ich mich verbunden und nicht mehr so getrennt, eingebunden und nicht mehr verloren. Vielleicht weißt du, was ich meine…?!?

Und vielleicht hilft es ja „nur“, deine Hausarbeit mit mehr Leichtigkeit zu erledigen?!? 😉

Jetzt gehe ich dann auf jeden Fall den riesen Spiegel in unserem Schlafzimmer an. Vielleicht verschafft mir der saubere Spiegel ja ein Stück mehr Klarheit und Selbsterkenntnis*…

Literatur:
Jung, C. G. u.a. (1981): Der Mensch und seine Symbole. 13. Auflage. Olten/Freiburg i. Breisgau: Walter.

Müller, Lutz (1986): Suche nach dem Zauberwort. Identität und schöpferisches Leben. Stuttgart: Kreuz.

Walker, Barbara G. (1996): Das geheime Wissen der Frauen. Ein Lexikon. 3. Auflage. München: dtv.
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*) Spiegelbilder (früher in Form von Reflexionen über Wasser) werden seit der Antike als Symbole der Seele betrachtet. Deshalb haben Vampire, Werwölfe und Dämonen auch kein Spiegelbild, woran sie der Legende entsprechend erkannt werden können (Walker 1996: 1032-1034).

Melanie LannerWas hat Putzen mit einem symbolischen Leben zu tun?