Was ist Heilung?

Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Also ist auch Heilung – das Begleiten des Heilungsweges – mehr als Symptombekämpfung. Natürlich geht es in einem ersten Schritt um Symptomlinderung. Durch effektive Behandlungsmethoden und manchmal auch gerade dadurch, dass die Beschwerden in einen größeren (Sinn-)Zusammenhang gestellt werden können. Denn dann können sie angenommen werden – als Ruf, etwas in sich und im eigenen Leben zu verändern.

Manchmal ist nämlich gerade eine Krankheit oder ein Symptom ein Tor zu mehr Gesundheit und in einem umfassenden Sinn zu mehr Heilung. Heilung im Sinne von Ganzwerdung. Heilung im Sinne von Selbsterkenntnis und Bewusstwerdung. Die Krankheit wird zum Aufruf, den eigenen Heilungsweg zu wagen.

Heilung

Selbsterkenntnis und Bewusstheit führen zu mehr innerem und äußerem Freiraum

Auf diesem Weg der Ganz- und Bewusstwerdung finden wir mehr innere und äußere Freiräume. Denn erst durch Bewusstwerdung habe ich die Wahl, wie ich mich gegenüber äußeren und inneren Gegebenheiten einstelle und wie ich mich bestimmten Situationen gegenüber einstelle. Dieser Freiraum ermöglicht also Wahlmöglichkeiten – bei Entscheidungen und dabei, wie ich mich in bestimmten Situationen verhalte. Auch im Umgang mit inneren Impulsen (sogenannten Trieben, Komplexen, Archetypen und Begierden) entsteht durch Bewusstwerdung ein innerer Freiraum. Dann bin ich von diesen psychischen Impulsen nicht unbewusst getrieben, sondern kann zu ihnen Stellung beziehen. Ich kann bewusst entscheiden, welchen Impulsen ich (wie) folge und welchen nicht.

Heilung bedeutet dann mehr inneren und äußeren Freiraum und mehr Gestaltungsfähigkeit in unserem Leben.

Heilung geht auch über uns selbst hinaus

Durch diesen inneren Freiraum wird es außerdem möglich, unseren eigenen Ich-Standpunkt bewusst zu machen und ihn so zu überwachsen. Dann wird es möglich, den Standpunkt anderer Menschen einzunehmen, Mitgefühl zu entwickeln und sich um andere und um das Allgemeinwohl zu kümmern. Weiter gedacht, ist Heilung also etwas, das unser Ich überschreitet. Denn wirkliche Heilung ist gerade das Aufweichen des eigenen starren Ich-Standpunkts.

Als Ich-Standpunkt bezeichne ich einen (inneren) Ort, von dem wir die Welt, unsere Beziehungen, ja alles um uns herum und auch uns selbst aus betrachten.

Mein enger Ich-Standpunkt, der nur meine eigene Perspektive sieht, kann sich durch unseren Heilungsweg weiten. Denn je mehr Heilung ich erfahre, desto weniger muss ich auf meinem starren Ich-Standpunkt verharren. Ja, desto flexibler werde ich in meinem Fühlen, Denken und Handeln. Wenn ich meinen Ich-Standpunkt nicht aus Angst oder Verletzung verteidigen muss, werde ich beweglicher. Ich kann mich flexibler auf die jeweilige Situation einlassen und mich ihr angemessen verhalten.

Wenn ich meinen Ich-Standpunkt durch mehr innere Weite nicht zwanghaft verteidigen muss, kann ich mich auch empathisch in andere einfühlen und deren Standpunkt verstehend einnehmen. Auch Beziehungen können dadurch tiefgehende Heilung erfahren. Und wir sind bereit, andere auf ihrem Heilungsweg zu begleiten.

Befreiung vom eigenen Ich-Standpunkt

Manchmal erfahren wir sogar Momente der Befreiung von unserem Ich-Standpunkt. Dann können wir noch etwas tiefer blickend erkennen, dass es so etwas wie ein getrenntes Ich gar nicht gibt.

Denn je tiefer wir uns selbst erkennen, desto klarer wird, dass es kein vereinzeltes Ich gibt. Was es gibt, ist Verbundensein. Und im Erkennen der Verbundenheit liegt gleichzeitig die tiefste Heilung.

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Shiatsu-Termin vereinbarst!

 

Krankheit im Daoismus und Zen-Buddhismus | Gesundheit – Was ist das?

Melanie LannerWas ist Heilung?