Gefühle

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Gefühle wollen vor allem gefühlt werden. Gefühlt – wie die Sonne unseren Rücken wärmt, wie der Wind unser Haar zerzaust, wie der Regen uns abkühlt. Gefühle ändern sich so schnell wie Wetter und sind ebenso schwer vorhersagbar. Gefühle sind Naturphänomene. Sie lassen sich nicht kontrollieren, nicht unterdrücken, nicht planen.

Und Gefühle sind nicht persönlich. Ich bin nicht die Verursacherin meiner Gefühle. Vielmehr kommen die Gefühle über mich. Ich habe keine Gefühle, die Gefühle haben mich.

Und was, wenn der Schmerz kommt?

„Nichts übergehen, alles aufdecken, sich nicht mehr betrügen.
Auch die schmerzhaftesten Stellen berühren.
Alles wagen, mitten durch den Schmerz hindurchgehen.
Und dann wird einem leichter, die Last des bösen Urteils fällt ab,
man entdeckt unter alledem das Gute in sich.
Danach ist man richtig auf dem Weg, von Stufe zu Stufe, immer weiter.“
(Ulli Olvedi)

Schmerz – körperlicher und/oder emotionaler – zeigt an, dass etwas berührt wurde, sich etwas löst, etwas in Bewegung kommt.* Schmerz begleitet Wandlungsprozesse. Schmerz fordert uns auf, aufmerksam zu sein, hin zu spüren, hindurchzugehen. Schmerz ist unser Wachstumslehrer.

Manchmal wird im Shiatsu ein Körperbereich oder ein Punkt berührt, wo sich ein emotionales Thema festgesetzt oder verkörpert hat, wie wir das sagen. Dann geht die Berührung mit Gefühlen einher, ja oft mit emotionalem und körperlichem Schmerz. Meist sind das tiefliegende Themen der Vergangenheit, die nicht verarbeitet werden konnten und deshalb ins Unbewusste verschoben wurden, die sich jedoch im Körper „festsetzen“ oder speichern. (Zum Körper als Sprache des Unbewussten habe ich einen eigenen Blogartikel geschrieben.) Wird dann dieser Bereich oder Punkt unseres Körpers berührt, gelockert, in Bewegung und zum Fließen gebracht, kommen wir in Kontakt mit den bislang unbewussten Gefühlen und Themen. Und dies erleben wir zumeist als Schmerz. Doch wenn wir in diesen Schmerz hineingehen, mit der Aufmerksamkeit dort verweilen, atmen und achtsam mit uns selbst sind, kann sich körperlich etwas lösen und Gefühle können befreit werden.

Gefühle nicht persönlich zu nehmen, bedeutet also nicht, sie nicht zu fühlen. Im Gegenteil, Gefühle sind zum Fühlen da. Gefühle tauchen auf, werden gefühlt und gehen wieder. Sie setzen sich nur dann (im Körper) fest, wenn wir sie nicht fühlen, zum Beispiel weil wir überfordert sind oder als Kind überfordert waren. Nicht an Gefühlen festzuhalten – oder wir könnten auch sagen, uns nicht mit ihnen zu identifizieren, indem wir glauben, wir wären unsere Wut, unsere Trauer, unsere Ängste –, ist ein gesunder Umgang mit Gefühlen – den bunten Wechselwettern unserer Seele.

Gewitter

Gefühlsbilder

Um Gefühle ins Bewusstsein zu heben und ihnen einen Ausdruck zu verleihen, ist es meines Erachtens oft sinnvoller, sie kreativ zu gestalten, als allzu viel darüber zu sprechen, geschweige denn sie analytisch zu sezieren. Gestalte also auf deine Art und Weise deine Gefühle, z.B. über das Malen, das Tanzen/in Bewegung, über Töne und Musik. Dann bist du deinen Gefühlen auch nicht mehr ausgeliefert, sondern du gestaltest sie und hebst sie in dein Bewusstsein. Denn erst wenn dir deine Gefühle bewusst werden, können sie dich nicht mehr unbewusst überschwemmen.

Ich habe mich meinen Gefühlen über Gefühls-Bilder angenähert. Dabei geht es weder darum, etwas Schönes oder Perfektes zu schaffen noch darum, dich von deinen Vorstellungen leiten zu lassen, wie Gefühle sein sollten. Es geht um das, was spontan in dir entsteht. Lege dir dafür alle Mal-Utensilien, die du brauchst, zurecht. Ich tue mir am leichtesten mit Wasserfarben oder Ölkreiden, weil ich es mit ihnen am besten schaffe, mich einfach leiten zu lassen, statt etwas besonders Schönes gestalten zu müssen. Auch Acryl- oder Goughefarben eignen sich gut, um mit ihren leuchtenden, klaren Farben Gefühle auszudrücken. Wenn du magst, kannst du dir eine Musik auflegen, die dich mit dem Gefühl verbindet, mit dem du dich beschäftigen willst.

Bevor du loslegst, nimm dir Zeit, noch einmal ganz bei dir anzukommen. Nimm ein paar kräftige Atemzüge, verbinde dich mit dem Gefühl, das gerade da ist oder mit dem du dich beschäftigen willst. Und dann nimm, möglichst ohne nachzudenken, Stifte, Pinsel und/oder Farben in die Hand und beginne… Schritt für Schritt, Farbe für Farbe, ohne Konzept – du musst nicht wissen, wohin dich das Malen bringt. Sei einfach neugierig, was sich dir zeigen will. Und versuche, es nicht zu bewerten.

Wenn du merkst, dass du beginnst, das Bild „gut“ malen zu wollen oder dich selbst zu bewerten, brich den Prozess (für heute) ab und komme zu deiner Atmung zurück. Ich empfehle dir überhaupt möglichst schnell zu malen, um deinem spontanen Ausdruck zu folgen, statt deinen Vorstellungen und Konzepten, wie Gefühle sein bzw. aussehen sollten. Zehn bis fünfzehn Minuten sind pro Gefühlsbild absolut ausreichend.

Nimm dir danach noch Zeit, das Bild zu betrachtenfreie Assoziationen entstehen zu lassen und deine ersten Eindrücke wahrzunehmen. Nimm ein paar kräftige Atemzüge und beende deinen Malprozess. Wenn du magst, kannst du dir ein paar Notizen in deinem Tagebuch machen.

Für mich hat es sich auch als hilfreich herausgestellt, die Bilder mit anderen vertrauten Menschen zu teilen – meinem Mann, meinen Freundinnen und Freunden – weil sie durch ihre Außensicht meine eigenen Eindrücke bereichern. Mache sie dann jedoch auch darauf aufmerksam, dass es dir nicht um eine „künstlerische Kritik“ geht oder darum, „wie man richtig malt“, sondern um dein inneres Erleben und dessen Ausdruck. Und wenn du magst, kannst du dein Bild gerne in die nächste Shiatsu-Behandlung mitbringen, sodass das Gefühl zum Thema der Behandlung wird und um einen weiteren Aspekt, nämlich den der Körpererfahrung, ergänzt wird.

Damit du dir den Zugang besser vorstellen kannst, schenke ich dir einige Bilder von mir. Aber denk daran: Es gibt keine falschen und keine richtigen Bilder, keine schönen und keine hässlichen – es gibt nur DEINE!

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Wenn du dich näher mit Gefühlen beschäftigen willst, lege ich dir die Bücher von Udo Baer und Gabriele Frick-Baer sehr ans Herz, die in der „Bibliothek der Gefühle“ erschienen sind. Eine weitere Möglichkeit, dich deinen Gefühlen anzunähern, ist das Gefühlsrad. Wie es funktioniert, erzähle ich dir hier. Außerdem stelle ich dir die fünf Gefühle vor, die mit den fünf Elementen der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) in Zusammenhang stehen (die wiederum die theoretische Basis vom Shiatsu ist), vor. Jedem Element wird ein Gefühl zugeordnet:

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Melanie LannerGefühle