Freude

Die Freude ist die Emotion des Feuer-Elements, das im Shiatsu im Sommers zuhause ist (siehe Shiatsu im Sommer). Ausdruck der Freude ist das Lachen.

Und Lachen ist gesund.

Dass Humor sich positiv auf unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unsere Lebensfreude auswirkt, ist hinlänglich bekannt. Lachen schüttet entzündungshemmende und schmerzstillende Substanzen aus, baut Stresshormone ab und stärkt das Immunsystem. Doch genau in schwierigen Lebenssituationen und belastenden Beziehungen geht uns der Humor oft verloren.

Humor als Bewältigungsstrategie

Klinikclowns machen sich das Lachen als Bewältigungsstrategie zunutze, indem sie schwerstkranke Kinder und Erwachsene in Krankenhäusern besuchen und durch das Lachen Ablenkung und Freude schenken. Im Lachyoga wird Lachen bewusst durch gezielte Übungen auf der motorischen Ebene herbeigeführt. Dabei soll ein zuerst willentliches Lachen in ein natürliches Lachen übergehen. Durch das Lachen, auch ohne Grund, soll das Wohlbefinden gesteigert werden.

„Wir lachen nicht, weil wir glücklich sind –
wir sind glücklich, weil wir lachen!“
(Madan Kataria)

Im Shiatsu stellt sich Lachen meist spontan ein – nämlich dann, wenn sich, (über die Körperarbeit) die Angststarre löst.

Wir lachen auch in meiner Praxis

Paula, Mitte 40, kommt wegen Verdauungsbeschwerden zum Shiatsu. Es stellt sich heraus, dass sie ihr Arbeitsumfeld belastet. Besonders die Beziehung zu ihrem Chef ist schwierig. Bei der letzten Weihnachtsfeier hat er ihr gesagt, dass er sie gerne als Fußabstreifer benutzt und dass er sie deshalb gerne in seinem Team hat. Paula mag ihre Arbeit im Labor. Doch die Probleme mit ihrem Chef nehmen immer mehr zu, so auch ihre Verdauungsbeschwerden.

Paula kommt über ein Jahr ungefähr einmal pro Monat zu mir zum Shiatsu. Und dann ändert sich „plötzlich“ etwas. In einer Behandlung erzählt sie mir lachend, dass sie ihren Chef am liebsten umbringen will und führt auch Details dazu näher aus. Die Klammer der Ohnmacht und Angst löst sich. Schon am nächsten Tag kündigt sie. Die Verdauungsprobleme sind auch seitdem verschwunden.

In meiner Praxis lachen wir auch über die verzweifelte Partnersuche, über den ganz normalen Wahnsinn im Familienleben und manchmal auch über unsere eigene Verletzlichkeit.

Lachen Freude

Foto: Southbanksteve (CC BY 2.0)

Humor ist, wenn man trotzdem lacht…

Humor hat viele individuelle und gesellschaftliche Aspekte: Humor schafft Ablenkung und dadurch Entspannung vom „ernsten Alltag“. Als Tragikomik schenkt er Trost. Humor ist eine Bewältigungsstrategie, mit beängstigenden und bedrückenden Situationen umzugehen. Denn Humor schafft Distanz, ohne dabei das Thema zu verdrängen. Dadurch kann er auch beängstigenden, erschreckenden Situationen etwas entgegensetzen. Er öffnet die Klammer der Angst – zumindest ein Stück weit. Manchmal wird Humor auch als (politische) Waffe eingesetzt, z.B. in der Satire.

Humor nimmt den Druck aus unangenehmen Situationen, hilft Stress abzubauen und bringt mehr Leichtigkeit und Offenheit den kleinen und großen Verrücktheiten des Lebens gegenüber.

Humor schafft Abstand. Und Abstand lässt uns schwierige Situationen von außen betrachten – und eröffnet dadurch die Möglichkeit einer neuen Perspektive, vielleicht sogar einer Lösung.

„Das Leben ist voller Leid, Krankheit, Schmerz –
und zu kurz ist es übrigens auch!“
(Woody Allen)

Humor ist ein Ventil und ein Werkzeug, um, wie Rainer Spallek dies in seinem Artikel „Die Meister der Selbstironie“ über den jiddischen Witz zusammenfasst, Leid zu entmachten und zu mildern (Spallek 2015: 47-48). Er kann „den Schrecken bändigen, der von tatsächlich bedrohlichen Ereignissen ausgeht“, die tragische Situation erträglicher machen und Spannungen, die sich aufgebaut haben, lösen (Berger 1998: 22, 70). Manchmal ist Lachen der erste Schritt auf unserem Weg Richtung Befreiung und damit Heilung. Lachen ist also gesund.

Lachen

Das Lachen und die Traditionell Chinesische Medizin

Lachen öffnet das Herz. Und das Herz gehört im Shiatsu ebenfalls zum Element „Feuer“. Dem Feuer werden vier Meridiane zugeordnet (während die anderen Elemente nur je 2 Meridiane „haben“). Dies streicht die besondere Bedeutung des Herzens heraus: Ohne Herzschlag sterben wir. Deshalb wird das Herz in der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) als der Kaiser unseres Körpers bezeichnet. Und der Kaiser muss geschützt werden.

Dafür stehen ihm drei Helfer zur Verfügung: der Herzbeutel (oder auch als Herzkreislauf bezeichnet), der ominöse Dreifacher Erwärmer und der Dünndarm. Letzeres erkennen wir dadurch, dass wir oft Verdauungsbeschwerden bekommen, wenn wir emotional belastet sind: Lieber Bauchweh als Herzleiden. Der Dünndarm schützt also das Herz, indem eher der Bauch als das Herz angegriffen werden.

Dem Herz ist vor allem unser Gefühlsleben zugeordnet. Während der Meridian „Herz“ vor allem unser physisches Herz meint, also unsere Blut-Pumpe, wird mit Herzkreislaufsystem der emotionale Aspekt des Herzens bezeichnet. Beide stehen im engen Zusammenhang. Um diesen beiden Gutes zu tun, ist es vor allem wichtig, ein freudvolles Leben zu führen.

Das ist manchmal leichter gesagt als getan. Ich meine damit auch nicht, immer glücklich und happy sein zu müssen. Gerade dieser Zwang schafft ja schon viel Druck und dadurch keine Lebensfreude mehr. Zumal das Leben einfach nicht immer happy-beppy ist, sondern viele Facetten in sich trägt.

Freude in diesem Zusammenhang bedeutet für mich vor allem Zufriedenheit mit dem Nicht-Perfekten. Denn wann ist denn das Leben jemals ganz und gar perfekt?!? – Und wenn es das ist, löst es sich bestimmt im nächsten Moment wieder auf, denn ansonsten würden wir uns ja nicht weiterentwickeln… Leben bedeutet Veränderung. In dieser Veränderung, in dieser stetigen Bewegung innere Ruhe und Frieden zu finden, bedeutet, mit der eigenen Herzenergie im Reinen und damit im Fluss des Lebens zu sein und zu bleiben.

Mit einem Schuss Humor gelingt es mir leicht(er), dem Leben mit mehr Offenheit und Leichtigkeit – und damit mit einem offenen Herzen – zu begegnen.

In diesem Sinne:

In den alten Zeiten, irgendwo im Osten Europas, kam ein Reisender mitten im Winter in einem Schtetl an.
Vor der Synagoge saß ein alter Mann zitternd vor Kälte auf einer Bank.
„Was macht ihr denn hier?“ fragte der Fremde.
„Ich warte auf Messias.“

„Das ist wahrhaftig ein wichtiger Beruf“, sagte der Reisende.
„Da nehme ich an, dass die Gemeinde Euch ein gutes Gehalt zahlt?“
„Überhaupt nicht“, sagte der Mann. „Die zahlen mir gar nichts.
Sie lassen mich bloß auf dieser Bank sitzen. Gelegentlich kommt jemand und bringt mir ein wenig zu essen.“

„Das ist dann aber nicht leicht für Euch“, sagte der Reisende.
„Aber auch wenn sie Euch nichts bezahlen, dann werdet Ihr doch sicher hochgeehrt, weil Ihr diese wichtige Aufgabe tut?“
„Überhaupt nicht“, sagte der alte Mann. „Sie glauben alle, ich sei verrückt.“
„Das verstehe ich nicht“, sagte der Reisende. „Ihr werdet nicht bezahlt. Ihr werdet nicht geachtet.
Ihr sitzt hier draußen in der Kälte, frierend und hungrig. Was soll denn das für ein Beruf sein?“
Der alte Mann antwortete: „Es ist ein Posten auf Dauer.“

Heute schon gelacht?!? :-)

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Literatur:

Berger, Peter L. (1997): Erlösendes Lachen. Das Komische in der menschlichen Erfahrung. Berlin: Walter de Gruyter.

Spallek, Alfred (2015): Die Meister der Selbstironie. In: WEGE-Magazin, 01/2015, S. 46-49.

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Melanie LannerFreude