Wut

Im Shiatsu sind einzelne Gefühle den fünf Elementen zugeordnet. Emotional steht das Element „Holz“ im Zusammenhang mit Wut, Ärger und Aggression (siehe Shiatsu im Frühling). Also mit Gefühlen, die in unserer Gesellschaft eher unterdrückt, geleugnet oder hinuntergeschluckt, statt gefühlt und ausgedrückt werden. Etwas ist uns über die Leber gelaufen (auch die Leber gehört im Shiatsu zum Holz-Element), wir haben jedoch nicht gelernt, mit unserem Ärger konstruktiv umzugehen. Wir spüren Aggression als körperliche Anspannung wissen aber nicht wohin mit all unserer Kraft. Wir werden überschwemmt von unserer Wut, finden aber kein Ventil, um sie auszudrücken. Körperlich kann sich dies zum Beispiel in Kopfschmerzen oder Menstruationsbeschwerden niederschlagen. Wir fürchten uns vor unserer eigenen Kraft, weil wir nicht gelernt haben, Aggression als Energie – die nicht per se negativ, sondern neutral ist – zuzulassen.

Doch: Wut und Aggression ermöglichen es uns, Dinge umzusetzen, aktiv anzugehen und zu spüren, was wir nicht wollen, und es deshalb anders zu machen. Sie ermöglichen es uns, wirklich authentisch wir selbst zu sein – und nicht nur dem Bild zu entsprechen, wie wir sein sollten. Sie hilft uns, uns gegen das abzugrenzen, was nicht zu uns oder nicht mehr in unser Leben passt. Aggression ist eine aktivierende Energie, die uns dabei unterstützt, Ziele festzulegen und zu erreichen. Im Shiatsu wird diese Energiequalität des Holzelementes als die Kraft gesehen, die ein Samenkorn in sich trägt, wenn es den Boden durchstößt, Richtung Licht wächst und zu sprießen beginnt. Das ist nicht negativ, oder?!?

Um dieser Kraft in einem vorurteilsfreien und geschützten Rahmen zu begegnen, stelle ich dir eine Wut-Übung vor, in der es darum geht, deine Wut kennen zu lernen, statt sie zu unterdrücken, zu verleugnen oder klein zu reden. Stelle dir deine Wut einmal bildlich vor. Wie siehst sie aus? Was für eine Form hat sie, welche Farbe, welche Gestalt? An welcher Stelle deines Körpers spürst du sie? Und wie? Vielleicht als Wärme, Kribbeln, Kraft, Anspannung oder ______ [bitte einsetzen]? Macht sie eine bestimmte Geste oder Bewegung? Welches Geräusch würde sie machen? Und wie würde sie riechen? Gibt es einen bestimmten Satz deiner Wut? Nimm dies einfach nur wahr, ohne es zu bewerten. Es gibt keine „gute“ oder „schlechte“ Wut, es geht um dein ureigenes Gefühl, den Ausdruck deines Selbst – und darum, diese Sprache deines Inneren  ernst zu nehmen, die dir etwas über dich selbst – beispielsweise über deine Bedürfnisse und Grenzen – erzählen will. Nimm dir also Zeit, deine Wut mit all deinen Sinnen wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten oder zu beurteilen. Und verleihe ihr, wenn du magst, einen kreativen Ausdruck (siehe Gefühlsbilder):

WutDas ist deine Wut – Willkommen!

Eine weitere Übung zu Wut und Aggressionen, die mir sehr geholfen hat, ist, ein äußeres Bild für sie zu finden: Finde ein positives Bild, ein Vorbild für Wut und das Ausleben von Aggressionen. Das kann ein Mensch sein, den du kennst und der dir als Vorbild dient, wie auch du mit deiner Wut umgehen kannst. Es können auch Fabelwesen, Götter und Göttinnen, Tiere oder andere Wesen sein. Wenn du eines gefunden hast (und keine Sorge, die Suche kann durchaus länger als gedacht werden, aber es findet sich bestimmt etwas!), dann bringe ein Bild oder ein Symbol dieses Wesens an einem Ort an, den du öfter betrachtest, und an dem du dir die positive Kraft der Aggression wünschst, z.B. für die innere Abgrenzung, zum „Nein“-Sagen, für ein klares „Stopp“ oder um aktiv zu werden (z.B. am Spiegel oder über dem Schreibtisch). Denn: Wut tut manchmal gut 😉

Eine weitere Möglichkeit, deiner Wut und Aggressionen zu begegnen, ist eine Shiatsu-Behandlung. Auf körperlicher Ebene äußern sich Aggressionen nämlich meist als Anspannung. Dann geht es um die Fragen, woher diese Anspannung kommt, was sie aufrecht erhält und ob du diese Kraft vielleicht sogar gerade brauchst, z.B. um dich durchzusetzen. Es geht darum, die Kraft der Wut wirklich zu spüren, zuzulassen und durch den Körper strömen zu lassen, statt sie zum Beispiel einem Garkessel gleich im Bauch zu unterdrücken – nach dem Motto „Deckel drauf und weg ist sie“. Meist führt die körperliche Wahrnehmung in tiefliegende Themen, und ich freue mich, dich dabei zu begleiten!

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Die zweite Übung ist aus dem Buch „Ich bin so wütend! Nutzen Sie die positive Kraft Ihrer Wut“ von Anita Timpe mit vielen hilfreichen Wut-Übungen.

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Melanie LannerWut