Traditionell Chinesische Medizin

Shiatsu hat seine theoretische Basis im Daoismus/Taoismus und im Zen-Buddhismus. Auf dem Daoismus beruht die Traditionell Chinesische Medizin (TCM) und ihre Vorstellung der universalen Lebensenergie Ki, von Yin und Yang und von den Fünf Elementen, worauf ich hier näher eingehe.

Yin und Yang

„Was geschieht in unseren Körpern, damit wir am Leben bleiben?
Wir atmen ein und wir atmen aus; die Herzklappen öffnen sich und schließen sich;
Nervenimpulse kontrahieren und entspannen unsere Muskeln,
damit wir unseren Körper bewegen können; die zusammenziehende und ausdehnende Bewegung der Peristaltik schiebt den Speisebrei durch den Dickdarm;
die Amplitude der Gehirnwellen oszilliert zwischen niedrig und hoch
und lenkt unseren denkenden Verstand.
Alles in uns hat diesen Zwei-Wege-Rhythmus, der das den Gezeiten ähnliche Muster der Natur:
Ebbe und Flut, Tag und Nacht usw. widerspiegelt.
Es ist alles ein Teil des Musters des Lebens.“
(Simon Fall)

Das universale Eine Ki – im Daoismus „Dao“ genannt – trennt sich bei der Entstehung der Welt in zwei Teile: Yin und Yang. Aus dem Spiel dieser wechselseitigen Pole entsteht Leben. Leben braucht Dualität, diese Spannung. Ohne polare Spannung gäbe es kein Leben. Das gesamte Universum ist aus dem Wechselspiel dieser beiden Kräfte geschaffen und von ihm bedingt.

Dualität gibt es auch im hellenistischen, im jüdischen und christlichen Denken, jedoch beschreiben Yin und Yang das universelle Gesetz des ewigen Wandels, keine statischen und weder klar voneinander getrennte, gegensätzliche Zustände noch absolute Begriffe. Vielmehr sind sie im dynamischen Wandel sich ergänzende Aspekte. Yin bedingt Yang, und ohne Yang existiert kein Yin. Alle Dinge und Erscheinungen tragen auch ihr Gegenteil in sich und bilden mit diesem eine Einheit. Und am Höhepunkt ihrer Existenz wandeln sie sich stets in ihr Gegenteil. Oder wie es bei Rumi, einem islamischen Sufi, heißt:

„Wo immer Schmerz ist, dort geht die Medizin hin.
Wo immer Armut ist, dort geht die Hilfe hin.“

Das Taiji-Symbol

Das Konzept von Yin und Yang wird zum ersten Mal im I Ging, dem Buch der Wandlungen, erwähnt, welches 4.000 Jahre alt ist. Im Westen ist es besonders durch das Taiji-Symbol bekannt geworden:

Yin-Yang

In einem Kreis liegen die beiden Pole Yin (schwarze Fläche) und Yang (weiße Fläche), die sich gegenseitig bedingen und die immer wieder ineinander übergehen. Dort wo Yang am größten ist (das Weiße oben im Bild), entspringt schon das neue Yin. Am höchsten Punkt des Yin (das Schwarze unten im Bild), liegt das neue Yang. So gehen Yin und Yang stetig auseinander hervor und beeinflussen sich wechselseitig. Yin kann nur wachsen, wenn Yang abnimmt. Und Yang kann nur zunehmen, wenn Yin vergeht. Yin und Yang sind also keine starren Zustände oder Zuschreibungen, sondern ein dynamischer Prozess.

Die kleinen Punkte in der jeweiligen Gegenfarbe sagen aus, dass in jedem Yang auch ein Yin und in jedem Yin auch ein Yang verborgen liegt. Nichts ist nur Yin oder nur Yang. Der dunkelste, kälteste Teil der Nacht ist schon der Beginn des neuen Morgenrots. – Und so ist es auch in unserem Leben: In der größten Verzweiflung liegt die Hoffnung auf einen Neubeginn. Oder auf körperlich-energetischer Ebene: Wenn in einem Bereich Energiemangel herrscht, liegt darin auch eine verborgene Stärke (von uns) verborgen. Es gibt kein Yin ohne Yang, und kein Yang ohne Yin. Was passiert, wenn du dein Leben einmal aus dieser Perspektive betrachtest?

Yin und Yang sind im Taiji-Symbol in einen Kreis eingebettet, der im Daoismus „Dao“ genannt wird, das Allumfassende, über das nichts ausgesagt, was dennoch erfahren werden kann. Dao ist das Verbundensein jenseits der Dualität (von Yin und Yang) bzw. das, was beide einschließt und über das es hinausreicht. In der dualistischen Welt der Erde, (in unserem individuellen Leben also, wenn wir geboren werden), trennen sich die komplementären Energien Yin und Yang und erzeugen Spannung. Zwischen ihnen fließt die Lebenskraft Ki. So erzeugen Yin und Yang die Fünf Elemente und mit ihnen die „zehntausend Dinge“ der erscheinenden Welt. Der Kreis verweist außerdem darauf, dass auch scheinbare Gegensätze (wie z. B. Licht und Schatten, Tag und Nacht) aus demselben Urgrund hervorgehen.

Yin und Yang_2

Yin und Yang sind komplementäre Polaritäten.

Yin und Yang ergänzen, bedingen und kontrollieren einander. Das Verschwinden des Einen würde das Verschwinden des Anderen bedeuten, da beides Teil desselben Systems sind, wie positiv und negativ gepolte Elektrizität, die erst den elektrischen Strom erzeugt (vgl. Watts 1983: S. 44). Die Vorstellung von Yin und Yang ist also kein „gewöhnlicher Dualismus, sondern eine explizite Zweiheit, die eine implizite Einheit zum Ausdruck bringt“ (ebd. S. 52).

Dabei wird keines wichtiger oder besser als das andere bewertet. Vielmehr geht es darum zu erkennen, dass das Spiel dieser Polaritäten erst das Leben hervorbringt. Alles entsteht aus dem Spiel von Yin und Yang – aus dem Wechsel von Tag und Nacht, Licht und Schatten, Aktivität und Passivität, Wachstum und Zerfall… Das Universum ist stetig diesem dualen Wandel unterworfen – so auch der menschliche Körper. Erst aus dem dualen Spiel entsteht das Leben.

Zuordnungen zu Yin und Yang

Das chinesische Symbol für Yin bedeutet die schattige Seite eines Hügels, die für Yang die sonnige Seite. Die Yin und Yang zugeschriebenen Lebensaspekte sind aus Naturbeobachtungen abgeleitet: Dass die Sonne am Himmel steht, wird mit Aktivität assoziiert. Yang ist also eine aktive (Energie-)Qualität. Nach Sonnenuntergang wird es ruhig, und wir entspannen uns. Yin wird somit mit Ruhe in Zusammenhang gebracht. Sonnenschein ist warm, trocken und hell, also hat auch Yang diese Eigenschaften. Nach Sonnenuntergang, also in der Yin-Zeit, wird es kühl, feucht und dunkel. Der Tag und der Himmel gehören zum Yang. Nacht und (Kühle der) Erde sind Yin (vgl. Fall 2000: S. 46-49). Das heißt, die Zuordnung verschiedener Lebensaspekte zu Yin und Yang haben sich aus Naturphänomenen ergeben. Hier findest du eine kleine Zusammenfassung ihrer Entsprechungen, die fürs Shiatsu im Besonderen relevant sind:

Yin Yang
Vorderseite Rückseite
innen (z.B. Organe) außen (z.B. Haut)
tiefgehend oberflächlich
unten oben
absteigend aufsteigend
kalt, kühl warm, heiß
trocken nass
passiv aktiv
schlaff starr
langsam schnell
leise laut
unbewusst bewusst
Gedanken Gefühle
Mangel/Leere Fülle/Übermaß
chronische Symptome und Beschwerden akute Symptome und Beschwerden
Substanz Energie
Blut KI
Unterkörper, Beine, Füße, Becken Oberkörper, Kopf

Yin und Yang in unserem Körper

Yin und Yang finden sich auch in unserem Körper – ähnlich dem Parasympathikus und Sympathikus der westlichen Medizin. Ruhe und Aktivität, Entspannung und Anspannung, innen und außen sind zum Beispiel Polaritäten, die unseren Körper betreffen. Erwärmen, Bewegen, Umwandeln, Zurückhalten und Schützen sind die Hauptfunktionen des Yang im menschlichen Organismus. Kühlen, Befeuchten, Ernähren und Beruhigen sind die Hauptfunktionen des Yin. (Mehr dazu auf der Seite von shiatsu-austria…)

Die TCM unterscheidet Yin- und Yang-Meridiane, die jeweils ein Geschwisterpaar bilden, z.B. ist der Magen das Yang- und Milz-Bauchspeicheldrüse das Yin-Organ unseres Verdauungssystems. Yin-Organe sind die sechs Speicherorgane Lunge, Milz-Bauchspeicheldrüse, Herz, Herzkreislauf und Leber. Sie dienen der Bildung, Umwandlung, Speicherung, Freisetzung und Regulation der Körpersubstanzen. Die sechs Yang-Organe sind die Hohlorgane Dickdarm, Magen, Dünndarm und die Gallenblase, die für die Zwischenaufnahme, Weiterleitung und Ausscheidung verantwortlich sind, sowie der Dreifache Erwärmer, der für Regulation der verschiedenen Körperbereiche zuständig ist.

Auch im Körper wird der relationale Bezug von Yin und Yang deutlich: der Brustkorb ist zum Beispiel in Bezug auf den Rücken Yin, weil an der Körpervorderseite gelegen, in Bezug auf den Bauch jedoch Yang, weil er weiter oben im Körper liegt. Der Brustkorb ist also weder Yin noch Yang, sondern Yin und Yang beschreiben wechselseitige Beziehungen und einen sich gegenseitig bedingenden Prozess.

Gesundheit bedeutet aus dieser Perspektive, einen harmonischen Ausgleich zwischen Yin und Yang und einen fließenden Übergang der verschiedenen (Entwicklungs- oder Lebens-)Phasen. Als Beispiel: Gehen wir in unserem Beruf hauptsächlich einer sitzenden Tätigkeit nach, fehlt uns als Ausgleich das Yang in Form von Bewegung. Haben wir in diesem Beruf hohe Anforderungen zu erfüllen (was einem Yang-Zustand entspricht), brauchen wir als Ausgleich auch den Aspekt des Yin: Ruhe, Abschalten, Entspannen. Schon alleine an diesem Beispiel, welches die Lebensrealität vieler meiner KlientInnen darstellt, wird deutlich, dass Yin und Yang nur in Bezug aufeinander existieren. Denn als Ausgleich zu einem anstrengenden, fordernden Beruf im Büro, z.B. im mittleren Management, braucht es sowohl einen Yin- als auch einen Yang-Ausgleich – eben in verschiedenen Aspekten.

Yin und Yang_(Glace_et_Feu)

Das Gleichgewicht (wieder) finden

Was es als Ausgleich braucht, um gesund zu bleiben oder wieder zu werden, ist individuell verschieden. Dennoch hat es sich bewährt, das eigene Leben (oder als Shiatsu-Praktikerin das Leben meiner KlientInnen) unter dem Blickwinkel von Yin und Yang zu betrachten. Manchmal ergeben sich dadurch leicht umsetzbare und alltagstaugliche Möglichkeiten und Strategien, um mehr ins Gleichgewicht zu kommen. Und Gleichgewicht bedeutet in diesem Zusammenhang, einen Ausgleich zu den alltäglichen Gewohnheiten zu schaffen.

„Energetische Ausgeglichenheit ist also kein statischer Zustand ohne Spannung, sondern der permanente Ausgleich durchgehend vorhandener Spannungsfelder. Das eigentliche Problem für uns ist nicht das Spannungsfeld, sondern unsere mangelnde Fähigkeit, es zwischen den beiden Polen fließen zu lassen. Je weniger uns dies gelingt, desto mehr versuchen wir, Spannungen zu vermeiden, mitunter auch dadurch, dass wir einen Pol des Spannungsfeldes ausblenden und so zu einer die Wirklichkeit verzerrenden Scheinharmonie finden. Damit fällt zwar die Spannung aus unserem Wahrnehmungsfeld, jedoch nicht aus unserem Leben. Wenn wir ihr aber in unserem Bewusstsein keine Chance geben, berauben wir uns selbst der Möglichkeit, mit ihr zu arbeiten. Statt dessen beginnen die Spannungen mit uns zu arbeiten, unsere Muskeln zu verkrampfen oder auf andere Weise unsere Körperfunktionen zu beeinträchtigen: Wir somatisieren. Wollen wir körperliche Beschwerden heilen, so müssen wir den Energiefluss fördern; den Energiefluss fördern aber heißt, sich den Spannungsfeldern des Lebens zu öffnen, der Widersprüchlichkeit der Welt in uns selbst einen Platz zu geben und an ihr zu wachsen.“
(Schrievers 2004: 406)

Ausgleich heißt also nicht, ohne Spannung zu leben, sondern inmitten der Spannung ausgeglichen, also in der eigenen Mitte zu bleiben. Völlige Ausgeglichenheit zwischen Yin und Yang ist nicht möglich. Das würde ihr Ende und damit auch unseren Tod bedeuten. Und auch relative Ausgeglichenheit ist immer nur in kurzen Momenten möglich. Denn das Leben fordert uns stetig heraus, uns an andere Bedingungen und Situationen anzupassen, immer wieder neue Herausforderungen zu bestehen und stets wechselnde Emotionen zu verarbeiten. Auch unser Körper muss sich immer wieder neu regulieren. Ausgleich von Yin und Yang bedeutet also „inmitten des Spannungsfeldes entspannen und unsere Leitbahnen durchlässig machen“ (ebd. S. 405).

Wie du selbst in deinem alltäglichen Leben für einen Ausgleich der Pole sorgst, erfährst du in meinem Artikel über Shiatsu – ein Leben in der Polarität.

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Yin und Yang in der Shiatsu-Behandlung

Ziel der Shiatsu-Behandlung ist es, einen Ausgleich zwischen Yang und Yin zu finden. Wird in unserem Berufsalltag zum Beispiel mehr der Yang-Anteil gelebt, geht es darum, den Yin-Anteil zu stärken. Haben wir einen Beruf, in dem wir uns viel bewegen oder viel Verantwortung tragen oder unter großem (Zeit-)Druck stehen, wird vor allem der Yang-Part von uns gefordert. Dann geht es in der Shiatsu-Behandlung ums Loslassen und Entspannen. Wir lassen uns tief in die Matte hinein sinken und können loslassen. Der Druck von außen hilft, den inneren Druck loszulassen und uns fallenzulassen. Ich brauche neben meinem Beruf als Shiatsu-Praktikerin, der eher meinen Yin-Anteil fordert, einen anderen Ausgleich: die geistige Beschäftigung. In der Shiatsu-Behandlung geht es dann darum, die fehlende bzw. schwächere Energiequalität zum Beispiel durch tonisierenden oder sedierenden Druck, durch Dehnungen und Streckungen und andere aktivierende oder entspannende Techniken, wie zum Beispiel Atemübungen, zu aktivieren.

Auf körperlich-energetischer Ebene wird der Yin-Zustand „Kyo“ (Energieleere) und der Yang-Zustand „Jitsu“ (Energiefülle) genannt. Für einen Ausgleich geht es dann darum zu spüren, wo im Körper – in einzelnen Körperbereichen oder (Teilen von) Meridianen – (zu) viel und wo (zu) wenig Energie vorhanden ist.

Viel Energie manifestiert sich zum Beispiel als Schwitzen, Erröten der Haut, Fieber, Entzündungen (Temperatur); Schwellungen, Aufgedunsenheit, Blähungen (Volumen); Bluthochdruck, schneller Puls, laute Stimme, Aktivismus, expressive Gestik, Bewegungsdrang, Emotionalität, Spannung von Haut und Gewebe (Druck); zusammengezogene, verspannte Muskeln (Dichte). Meistens haben Jitsu-Zuständen ein Kyo, also energieschwache, erschöpfte Zonen (z.B. schwache Mitte oder Beine), zur Ursache (vgl. Itin 2007: S. 124). Deshalb geht es in der Shiatsu-Behandlung um das Finden von Kyo- und Jitsu-Zuständen im Körper und einen Ausgleich davon.

„Gesundheit ist gegeben, wenn der Körper gleichmäßig mit angemessen viel Energie versorgt ist.
Energetisches Ungleichgewicht und fehlendes Pulsieren
führen zu Beschwerden und Krankheiten.“
(ebd. S. 168)

Durch speziellen Druck und verbindende Berührung kann ein Ausgleich zwischen den Körperbereichen und Meridianen unterstützt werden, sodass der Körper wieder mehr ins Gleichgewicht kommt. Und Gleichgewicht bedeutet Gesundheit und ganzheitliches Wohlbefinden.

Außerdem geht es um die Frage, wie der fehlende oder weniger gelebte Pol ins Leben integriert werden kann. Meistens sind es Kleinigkeiten, die schon viel bewegen, wie zum Beispiel zum Runterkommen ein Fußbad oder zum Aktivieren ein fünfminütiges freies Tanzen.

Oft braucht es nicht viel, es braucht nur Bewusstheit und den Willen, alle Aspekte des Lebens zu leben – und zu genießen.

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin für eine Shiatsu-Behandlung vereinbarst!

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Die Fünf Elemente

Im Daoismus gibt es ein ungetrenntes Ganzes, das Dao, aus dem alle Erscheinungsformen hervorgehen. Erst wenn sich das Dao in Yin und Yang teilt, entsteht die Welt – eine duale Welt. Und aus Yin und Yang entstehen die Fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser und aus ihnen alle bestehenden Erscheinungen der Welt.

Die Fünf Elemente werden auch als die fünf Wandlungsphasen bezeichnet, da sie keine festen Bestandteile, sondern einen dynamischen Prozess darstellen: Eines geht ins andere über und nähert bzw. schwächt dieses. Um Feuer zu machen, braucht man Holz. Die Asche des Feuers nährt die Erde. Die Erde bringt die Metalle hervor. Spurenelemente (Metall) beleben das Wasser. Und Wasser lässt Pflanzen und damit das Holz wachsen… Die Fünf Elemente bzw. Wandlungsphasen beschreiben diesen stetigen Wandel des Lebens.

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Den Fünf Elementen werden Jahreszeiten, Tageszeiten, Mondphasen, Farben, Geschmäcker, Sinnesorgane, Körpergewebe, Emotionen und weitere Themen zugeordnet. Durch die Fünf Elemente wird daher auch der Zusammenhang zwischen dem menschlichen Körper und all den anderen Naturerscheinungen deutlich, da sie beschreiben, wie dynamische Prozesse von Werden, Wandlung und Vergehen in allem Lebendigen ablaufen. Die Vorstellung der Fünf Elemente macht deutlich, dass der Mensch ein Teil des Großen Ganzen ist.

Die 12 Meridiane und die Fünf Elemente

Auch die zwölf Meridiane werden Elementen zugeordnet. Hierfür bilden sie Geschwisterpaare, z.B. Lunge und Dickdarm, die sich wechselseitig beeinflussen und unterstützen. Ist zum Beispiel die Lungenenergie geschwächt, greift die Dickdarmenergie ein, um die fehlende Funktion auszufüllen. Außerdem verbinden sie ein gemeinsames Thema und eine Emotion: Lunge und Dickdarm haben beide mit dem Ausscheiden zu tun. Ist die Ausatmung (also die Lungenenergie) schwach, übernimmt die Dickdarmenergie diesen Teil der Ausscheidungsfunktion. Manchmal ist sie dadurch überlastet und zeigt Symptome, die ihren Ursprung jedoch eigentlich in einer Lungenenergie-Schwäche haben. Den Ursprung eines energetischen Ungleichgewichts im Körper zu finden, ist Ziel einer Shiatsu-Behandlung. Der gemeinsamen Funktion der Geschwistermeridiane wird jeweils ein Element zugeordnet:

Holz
  • Leber
  • Gallenblase
Feuer
  • Herz
  • Herzbeutel
  • Dünndarm
  • Dreifacher Erwärmer
Erde
  • Milz-Bauchspeicheldrüse
  • Magen
Metall
  • Lunge
  • Dickdarm
Wasser
  • Niere
  • Blase

Dem Feuer-Element sind vier Meridiane zugeordnet, da es mit dem Herz so zentral ist, dass dessen Funktion als allerletztes leiden darf. Denn hört das Herz auf zu schlagen, hören wir auf zu leben. Deshalb hat das Herz drei Helfer an die Seite gestellt bekommen, um es zu schützen: den Herzbeutel (der auch organisch eine Schutzhülle um das Herz darstellt), den Dreifachen Erwärmer und den Dünndarm (weswegen wir in emotionalen Belastungssituationen oft Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme bekommen).
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Literatur:

Eckert, Achim (2011): Das heilende Tao: Die Lehre der fünf Elemente. Basiswissen für Shiatsu und Akupunktur, Qi Gong, Tai Ji und Feng Shui. 12. Auflage. Müller & Steinicke.

Fall, Simon (2000): Wie Schneeflocken fallen. Shiatsu als spirituelle Praxis. Heidelberg: Bruno Endrich.

Itin, Peter (2007): Shiatsu als Therapie. Norderstedt: Books on demand.

Schimmel, Annemarie (1978): Rumi. Ich bin Wind und du bist Feuer. Leben und Werk des großen Mystikers. Düsseldorf/Köln: Diederichs.

Schrievers, Joachim (2004): Durch Berührung wachsen. Shiatsu und Qigong als Tor zu energetischer Körperarbeit. Bern: Hans Huber.

Watts, Alan (1983): Der Lauf des Wassers. Eine Einführung in den Taoismus. München: Suhrkamp.

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Melanie LannerTraditionell Chinesische Medizin