Shiatsu im Sommer

Du leidest unter Schlafstörungen und unruhigen Träumen?
Es fällt dir schwer, dich zu konzentrieren?
Du fühlst dich schlapp, müde und depressiv?
Dann ist Shiatsu im Sommer genau das Richtige für dich!

Der Sommer ist die Jahreszeit der Wärme, der lustvollen, freudigen, nach außen gerichteten Energie. Im Sommer sehnen wir uns danach, nach draußen zu gehen und uns mit anderen zu treffen, uns auszutauschen und zu feiern. Die Natur erinnert uns in ihrer Üppigkeit daran, auch selbst unsere volle Größe zu entfalten. Nichts zurückzuhalten, sondern unser ganzes Potential zu leben.

Deshalb wird in der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) der Sommer dem Element „Feuer“ zugeordnet. Denn auch Feuer erhitzt und entfaltet sich. Und wenn es nicht kontrolliert wird, dehnt es sich grenzenlos aus. Feuer ist ambivalent wie die Hitze im Sommer: Zum Einen brauchen wir die Wärme – physisch und auch im übertragenen Sinn. Denn niemand kann ohne die Herzenswärme von Mitmenschen und ohne die belebende Kraft des eigenen Herzensfeuers leben.

Zum Anderen ist das Feuer eine zerstörerische Kraft, die alles niederbrennt, wenn wir nicht wissen, mit ihr umzugehen. Doch manchmal braucht es auch genau diese Zerstörung: Damit etwas Neues entstehen kann. Deshalb ist das Feuer auch Wandlungskraft per se. In uns und unserem Leben kann sie so zu Läuterung und Reinigung führen – manchmal auch, indem sie Altes „einfach“ verbrennt.

Das Feuer-Element meint außerdem Begeisterung, Enthusiasmus und Inspiration. Ja, der Verlust des Lebensfeuers kann uns in eine tiefe Depression stürzen. Ein zu viel aber auch in manische Zustände. Die Feuer-Energie ist also eine explosive Kraft, mit der wir lernen müssen (maßvoll) umzugehen.

So explosiv und expandierend das Feuer auch ist, es braucht immer einen Brennstoff, um brennen zu können. Hat es diesen nicht, erlischt es. Etwas, das in unserer hektischen, stressigen Zeit mit einer wachsenden Anzahl von Menschen im Burn-out von besonderer Wichtigkeit ist. Denn um (für etwas) brennen zu können, braucht es erst einen Brennstoff. Insofern ist das Feuer-Element auch ein zutiefst abhängiges Element bzw. macht es uns unsere eigene Abhängigkeit und damit auch Verbundenheit mit allem, was ist, bewusst.

Feuer TCM Element

Die Emotion des „Feuers” ist die Freude

In diesem Wissen um die tiefe Verbundenheit und das Eingebundensein in die Natur, im Staunen über ihre großartige Schönheit und ihr fast schon wundersames Zusammenspiel, kann tiefe Freude erwachsen. Denn Freude, als dem Feuer-Element zugeordnete Emotion, meint in der TCM nicht nur (aber auch!) die Freude am Zusammensein mit lieben Menschen, am ausgelassenen miteinander Feiern und am leidenschaftlichen Wirken an Herzensprojekten. Freude geht in der TCM tiefer: Sie meint die reine Freude am Dasein, ja, Freude als „natürlichen“ Zustand des Menschen. Folgen wir unserer Freude, fließen alle Energien im Körper frei. Dann sind wir im Lebensfluss oder, wie die TCM es nennt, dann verwirklichen wir das Dao. Etwas, was sie als die höchste Lebenskunst versteht. (Mehr zum Thema „Freude”…)

Körperlicher Ausdruck des Feuer-Elements

Körperlich manifestiert sich das Feuer-Element vor allem in Hitze-Zuständen: also in fieberhaften Erkrankungen, starkem Schwitzen, aber auch in Unruhezuständen und Schlafstörungen. Feuer steigt auf, deshalb zeigen sich viele dieser Symptome in der oberen Leibeshälfte, vorzugsweise im Kopf.

Da der dem Feuer-Element zugehörige Meridian das Herz ist (siehe unten), gehören das Blut, im Speziellen die Blutzirkulation und die Blut-Gefäße, zum Feuer-Element. Leidest du also unter Beschwerden in diesen Bereichen, kann dies auf ein Ungleichgewicht im Feuer-Element hindeuten.*

Auch alle emotionalen Beschwerden und psychiatrischen Erkrankungen haben eine Verbindung zum Feuer-Element. Doch das Feuer-Element steht nicht nur im Zusammenhang mit unseren Emotionen, sondern auch mit unserem Geist (siehe unten). Deshalb können mangelnde Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeitsstörungen sowie Beeinträchtigungen der Merkfähigkeit, besonders des Langzeitgedächtnisses, ebenfalls ein Hinweis auf ein Ungleichgewicht im Feuer-Element darstellen.

Weitere Themen des Feuer-Elements:

  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • Venen- und Arterienbeschwerden, Blutgefäßerkrankungen
  • Starke Stimmungsschwankungen
  • Unklares Denken und unklare Sprechweise, wie z.B. auch Stottern, Lispeln
  • Nervosität, Ängstlichkeit, Lampenfieber, Schlafstörungen

Feuer Element SchlafstörungenMeridiane des Feuers: Herz, Herzbeutel, Dünndarm und der Dreifache Erwärmer

Jedem Element werden neben Körperbereichen auch mindestens zwei Meridiane zugeordnet, die in ihrer Energiequalität dem jeweiligen Element entsprechen. Beim Feuer-Element sind es sogar vier, um der zentralen Rolle des Herzens Rechnung zu tragen. Und wie bei den anderen Meridianen sind nicht ausschließlich die körperlichen Organe gemeint, sondern ihr ganzer Funktionszusammenhang (mehr dazu in meinem Artikel über Meridiane).

Das Herz als oberste Instanz im Körper

Das Feuer-Element meint auf der Ebene der Meridiane vor allem das Herz. Das Herz ist unser Kaiser, heißt es im Shiatsu, die oberste Instanz in unserem Körper. Hört das Herz auf zu schlagen, sterben wir. Das Herz ist außerdem das Zentrum unseres Bewusstseins, unseres Denkens und Fühlens. Und einem Kaiser gleich, ist das Herz für das Zusammenspiel all der anderen Organ- und Energiefunktionen (der weiteren elf Meridiane) zuständig.

Die anderen drei Feuer-Meridiane sind die Beschützer des Herzens. Deshalb neigen wir in emotional angespannten und aufwühlenden Zeiten auch häufig zu Magen- und Verdauungsbeschwerden, weil der Dünndarm regulierend eingreift, um das Herz vor Schaden zu bewahren. Der Herzbeutel ist die schützende organische Hülle um das Herz – physisch und im übertragenen Sinn verstanden. Der Dreifache Erwärmer hat keine organische Entsprechung, sondern dient der Wärmeregulation im gesamten Oberkörper und damit einer gesunden Balance.

Die drei Hilfsmeridiane übernehmen dabei weniger eigene körperliche Funktionen (wie der Dünndarm in der westlichen Medizin), sondern dienen dem Herzen bei seiner überlebenswichtigen Aufgabe, das Blut und damit unseren Lebenssaft durch unseren Körper zu pumpen.

Das Herz ist mehr als ein Pumporgan

In der Traditionell Chinesischen Medizin hat das Herz neben seiner physischen Funktion, das Blut durch den Körper zu pumpen, noch eine weitere zentrale Funktion: Es ist die Verbindung zwischen der physischen und der feinstofflichen Welt, zwischen Himmel und Erde (wie es in der TCM heißt), oder – auf unseren Körper bezogen – zwischen somatisch-körperlichen Beschwerden und ihren psychischen und mentalen Hintergründen.

Das Herz als unser emotionales Zentrum

Wir verorten unsere Emotionen zumeist im Herzen. Und so wird auch in der Traditionell Chinesischen Medizin das Herz als unser emotionales Zentrum betrachtet. Das Feuer-Element nährt die Fähigkeit, Liebe geben und annehmen zu können. Die Herz-Energie sorgt für eine klare und ehrliche Kommunikation und die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse mitzuteilen. Sprache, Beziehungsfähigkeit und Lieben sind die Herzens-Bereiche in unserem Leben.

Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
(Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz)

Element TCM Herz

Psychischer Aspekt des Feuers

Neben dem emotionalen Zentrum entwickelt der Mensch im Feuer-Element auch seine geistigen und spirituellen Kräfte. Feuer meint innere Klarheit, höheres Bewusstsein, leuchtender Geist – in der Traditionell Chinesischen Medizin shen genannt. Das Bewusstsein shen ist mehr als der Verstand und wird häufig auch als Geist oder Seele, Gottheit sowie mentale Eigenschaften oder Verstand übersetzt.

Es umfasst alle Ebenen des Bewusstseins – auch die, die über die individuelle Person hinausreichen. shen ist die Verbindung des individuellen Menschen mit einem allumfassenden, universellen Bewusstsein. Aus diesem universellen Bewusstsein ist alles entstanden – und das individuelle shen ist ein kleiner Ausschnitt davon. Darüber hinaus umschließt shen Bewusstes und Unbewusstes, das heißt auch das ganze Feld unserer kollektiven Prägungen.

Kurz gesagt, ist shen das Geistige im Menschen. Das, was einen Mensch zum Menschen macht: seine Bewusstsein, seine Liebesfähigkeit und seine spirituelle Sehnsucht.

Feuer TCM shen

Wie kann dich Shiatsu insbesondere im Sommer unterstützen?

Shiatsu ist eine Möglichkeit, die pure Freude am Sein und am Leben zu erfahren und ganz in diesem einen Moment aufzugehen. Denn Shiatsu ist auch (gemeinsame) Meditation. Ganz da zu sein, wo du gerade bist. Präsent sein, ganz im Augenblick aufgehend. Staunend, ehrfürchtig vor dem Wunder dieses Moments genießt du DICH.

Im Shiatsu kannst du deine Gefühle im Körper spüren, verankern und emotionale Erlebnisse integrieren, statt durch die ständigen Stimmungsschwankungen aus deiner Mitte herausgerissen zu werden. Denn Gefühle wollen vor allem gefühlt werden – und nicht zerdacht und in Schubladen gesperrt, verdrängt oder weggemacht werden. Shiatsu ist eine Möglichkeit, Gefühlen in einem geschützten und begleiteten Rahmen zu begegnen. (Zum Umgang mit deinen Gefühlen findest du hier weitere Hinweise.)

Wird im Shiatsu ein Körperbereich oder ein Punkt berührt, wo sich ein emotionales Thema festgesetzt oder verkörpert hat, dann geht die Berührung mit Gefühlen einher. Ja, oft mit emotionalem und körperlichem Schmerz. Meist sind das tiefliegende Themen der Vergangenheit, die nicht verarbeitet werden konnten und deshalb ins Unbewusste verschoben wurden, die sich jedoch im Körper „festsetzen“ oder speichern. Wird dann dieser Bereich oder Punkt unseres Körpers berührt, gelockert, in Bewegung und zum Fließen gebracht, kommen wir in Kontakt mit den bislang unbewussten Gefühlen und Themen. Und dies erleben wir zumeist als Schmerz. Doch wenn wir in diesen Schmerz hineingehen, mit der Aufmerksamkeit dort verweilen, atmen und achtsam mit uns selbst sind, kann sich körperlich etwas lösen und Gefühle können befreit werden. Auch ungelöste emotionale Themen können dadurch gelöst werden. 

Shiatsu zur Stressbewältigung und als Burnout-Prophylaxe

Darüber hinaus haben Stresssymptome (wie zum Beispiel Schlafstörungen, Nervosität und innere Unruhe) meist eine Ungleichgewicht im Feuer-Element als Grundlage. Im Shiatsu geht es dann darum, das Ungleichgewicht der Energien zu erkennen und durch Druck von bestimmten Körperbereichen und Akupunkturpunkten wieder mehr Ausgeglichenheit zu fördern. Außerdem kann Shiatsu zu mehr Entspannung beitragen und das Abschalten von den alltäglichen Herausforderungen begleiten. Stress kann dadurch gemindert werden. Und wir können gegensteuern, bevor wir ausbrennen.

Suchst du Begleitung in diesem Prozess?

Dann freue ich mich, wenn du einen Termin vereinbarst!

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(*) Ich schreibe „kann“, weil die TCM anders als die westliche Medizin nicht symptom-basierend ist, sie denkt also nicht: „Du hast dieses Symptom, also hilft dir (voraussichtlich) diese Medizin“, sondern sie betrachtet den ganzen Menschen in seiner Erscheinung, Konstitution, seinen Lebensumständen und psychisch-spirituellen Prozessen. Und körperliche Symptome sind ein Hinweis (von mehreren), was diese Person zu diesem Zeitpunkt gerade am meisten unterstützend braucht.

Literatur

Wenn du das Thema der „Fünf Elemente“ vertiefen willst, empfehle ich dir folgendes leicht verständliche Buch: Eckert, Achim (2011): Das heilende Tao: Die Lehre der fünf Elemente. Basiswissen für Shiatsu und Akupunktur, Qi Gong, Tai Ji und Feng Shui. 12. Auflage. Müller & Steinicke.

Willst du ganz tief eintauchen, finde ich folgendes Buch großartig: Platsch, Klaus-Dieter (2005): Die fünf Wandlungsphasen. Das Tor zur chinesischen Medizin. München: Elsevier.

Wenn du dich näher mit deinen Gefühlen beschäftigen willst, findest du auf meinem Blog theoretische Hinweise sowie eine wunderbare Übung: das Gefühlsrad und Hinweise zu den einzelnen Gefühlen, die in der Traditionell Chinesischen Medizin den Fünf Elementen zugeordnet werden. Und wenn du dich näher mit Gefühlen beschäftigen willst, lege ich dir die Bücher von Udo Baer und Gabriele Frick-Baer sehr ans Herz, die in der „Bibliothek der Gefühle“ erschienen sind.

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