Shiatsu im Spätsommer

Deine Verdauung spielt verrückt?
Du leidest unter Allergien oder einem schwachen Immunsystem?
Du hast deine Mitte verloren?
Dann ist Shiatsu im Spätsommer genau das Richtige für dich!

Der Spätsommer ist im Shiatsu eine eigene Jahreszeit: die Zeit der Ernte, der Sammlung und des Bewahrens. Wir bereiten uns auf die kalten Monate vor, kochen ein, legen Vorräte an und sammeln die nicht mehr ganz so heißen Sonnenstrahlen, damit sie uns im Winter wärmen und erfreuen mögen. Der Spätsommer ist auch ein Moment des Innehaltens zwischen den Polen von Yang und Yin, der hellen und der dunklen Jahreszeit. Sammlung, Zentrierung und In-unserer-Mitte-Sein, das ist die Qualität des Spätsommers. Wir genießen die Fülle der Natur und sind voller Dankbarkeit für ihre vielseitigen und bunten Gaben.

Der Spätsommer wird in der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) dem Element „Erde“ zugeordnet, denn die Erde ist es, die uns trägt und nährt. Die Erde ist das verbindende Element, welches Gegensätze zu verbinden vermag, die Mitte unseres Lebens und des Lebens im Allgemeinen – weshalb sie in früheren Darstellungen der Fünf Wandlungsphasen in der Mitte der vier anderen Wandlungsphasen dargestellt wurde.

Das Element „Erde“ meint sowohl den Erd- und Ackerboden als auch unseren Planeten Erde. Das Erd-Element steht für das Irdisch-Materielle, die konkrete Manifestation (als Gegenpol zum schöpferischen Prinzip des Himmels). Bildlich ist es die gebärende und nährende Mutter (Erde). Das Erd-Element sorgt für Ausgleich und Gleichgewicht, es vermittelt zwischen Gegensätzen und bewirkt den nahtlosen Übergang von einer Wandlungsphase in die nächste und ist deren Zentrum.

„In der Tat, die Erde ist das, was die fünf Wandlungsphasen und die vier Jahreszeiten zusammenführt.
Metall, Holz, Wasser, Feuer, sie haben ihre eigenen Aufgaben.
Jedoch, wenn sie sich nicht auf die Erde als Zentrum beziehen,
würden sie alle zusammenstürzen.
Demnach ist die Erde die Kontrolleurin der fünf Wandlungsphasen
und ihr Qi deren vereinigendes Prinzip.“
(Chun Qiu Fan Luc a. 135 v. Chr., zitiert nach Platsch 2005, S. 302)

Erde Element TCM

Foto: Isabel Garreau-Egger

Die Emotion des Elementes „Erde“ ist das Mitgefühl

Die Erde repräsentiert also das Zentrum des Lebens und unsere Mitte. Das Mitgefühl ist die dem Erd-Element zugehörige Emotion, denn das Mitgefühl ist die Mitte unseres Zusammenlebens. Mitgefühl ist mehr als ein Gefühl – es ist eine (Lebens-)Haltung. Eine Haltung, die auf einen Bereich außerhalb unseres eigenen privaten, persönlichen Lebens und Horizonts, unseres „kleinen“ Alltags und unseres getrennten, neurotischen Ich verweist. Mitgefühl trägt uns ins Miteinander und ins gemeinsame Handeln. Erst durch Mitgefühl können wir konstruktiv und friedlich miteinander leben. Mitgefühl ist ein verbindendes Element unserer Gemeinschaft. Deshalb „gehört” das Mitgefühl zum Erd-Element. (Mehr zum Thema Mitgefühl…) 

Körperlicher Ausdruck des Erd-Elements

Auch in unserem Körper repräsentiert das Erd-Element unsere Mitte: unseren Bauch und unsere Verdauungsorgane. Störungen oder Beschwerden deiner Verdauung können also ebenso ein Hinweis auf ein Ungleichgewicht im Erd-Element sein wie das Gefühl, nicht in der eigenen Mitte bzw. außer sich zu sein.*

Darüber hinaus wird dem Erd-Element die mittlere Körperschicht, also das Binde- und Fettgewebe sowie die inneren Bänder zugeordnet. Eine Neigung zu blauen Flecken kann also auf eine Schwäche im Erd-Element hindeuten. Wie ich unten weiter ausführen werde, steht das Erd-Element auch im Zusammenhang mit der Blutbildung. Deshalbist es auch für die weibliche Menstruation von zentraler Bedeutung, insbesondere bei Zwischen- oder Schmierblutungen sowie bei Menorrhagien (also starken bzw. Sturzblutungen).

Weitere Themen des Erd-Elements:

  • Verdauungsbeschwerden, wie z.B. Gastritis, Sodbrennen, Durchfall und Verstopfung, Mundgeruch
  • Ess-Störungen und Gewichtsprobleme
  • Allergien, Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselstörungen
  • schwaches Immunsystem, Infektanfälligkeit
  • Erkrankungen der Lymphknoten und Lymphgefäße
  • Störungen der Rhythmen im menschlichen Organismus (z.B. Schlaf- und Wach-Rhythmus, Atmung, Appetit und Verdauung)

Shiatsu Verdauung Allergien

Meridiane der Erde: Milz-Bauchspeicheldrüse und Magen

Die für die Verdauung zuständigen Organe werden in der TCM Milz-Bauchspeicheldrüse (im Folgenden „Milz“ genannt) und Magen genannt. Natürlich übernehmen auch Dünn- und Dickdarm, Blase und Niere sowie Leber und Gallenblase wichtige Verdauungs- und Ausscheidungsfunktionen. Doch in der TCM wird weniger entlang unterschiedlicher Organe als entlang ihren Funktionen unterschieden. Und eine wesentliche Funktion im menschlichen Körper ist die Verdauung, also das Gewinnen von Nährstoffen aus der von außen zugeführten Nahrung. Und diese Funktion wird in der TCM der Funktionseinheit Milz-Bauchspeicheldrüse und Magen zugeordnet.

Verdauung

Deshalb werden Magen und Milz in der TCM die öffentlichen Vorratshäuser oder Kornspeicher genannt. Denn sie können Vorräte aufnehmen und speichern. Der Magen zerkleinert die aufgenommene Nahrung, bereitet sie also vor und zerlegt sie in die Einzelteile. Das Milz-Bauchspeicheldrüsen-System liefert wichtige Verdauungssäfte und ist zuständig für die Süße unseres Lebens (die Bauchspeicheldrüse reguliert den Insulin-Spiegel). Während die Magen-Energie aktiv ausschreitet, um sich das zu holen, was sie braucht, also für unsere Bedürfnis-Befriedigung zuständig ist, reguliert die Milz das (weibliche) Hormonsystem, dadurch auch den Menstruationszyklus sowie das Lymphsystem. Sie spielt auch in der Immunabwehr eine wichtige Rolle. In der westlichen Medizin wird ihre Aufgabe als Verdauung, Assimilation und Metabolismus bezeichnet.

Blutbildung

Darüber hinaus sind Magen und Milz in der Traditionell Chinesischen Medizin an der Blutbildung beteiligt, denn sie extrahieren aus der Nahrung alle Nährstoffe, die der Organismus braucht – auch um Blut herzustellen. Darüber hinaus hält die Milz das Blut in den Gefäßen. Blut-Zirkulationsstörungen und Blutaustritte, Neigung zu Hämatomen sowie menstruelle Beschwerden können also ein Hinweis auf ein Ungleichgewicht im Erd-Element darstellen.

Versorgung der Extremitäten und Körperperipherien

Aus der aufgenommenen Nahrung gewinnen Magen und insbesondere die Milz also die Grundsubstanzen für die Bildung von Blut, Ki und Körpersäften. Die Milz sorgt außerdem dafür, dass diese Essenzen im ganzen Körper zirkulieren und insbesondere auch in die Extremitäten und Körperperipherien transportiert werden. Beschwerden in den Peripherien, z.B. Schmerzen in den Unterschenkeln, geschwollene Fingern oder Knöchel und periphere Ödeme, können also ein Hinweis auf ein Ungleichgewicht im Erd-Element sein.

Shiatsu TCM Verdauung

Foto: Isabel Garreau-Egger

Psychischer Aspekt der Erde

Das Erd-Element ist jedoch nicht nur für das Verdauen auf körperlich-stofflicher Ebene zuständig, sondern für die Nahrungsaufnahme, Verdauung und Assimilation auf allen Ebenen. Wollen wir Erfahrungen und Situationen verdauen und damit integrieren, brauchen wir ebenfalls die Kraft des Erd-Elements: das Denken.

„Ganz analog zur stofflichen Verdauung arbeitet die Milz
auf der feinstofflichen Ebene des Denkens.
Sie nimmt von außen kommende Gedanken, Bilder und Informationen auf,
analysiert sie zu verdaulichen Gedankensträngen,
nimmt die jeweiligen Informationen auf,
wandelt sie um und macht sie entweder
zu Bausteinen der eigener Gedanken oder Ideen
oder lässt sie als nicht-brauchbare Gedanken, Ideen und Konzepte wieder gehen.
So hat die Milz genau dieselbe Funktion auf der feinstofflichen
wie auf der stofflichen Ebene:
Sie verstoffwechselt Gedankenformen, Ideen und Konzepte.“
(Platsch 2005, S. 328)

Durch das Erd-Element werden also Eindrücke und Erlebnisse gedanklich ebenso verdaut und verarbeitet wie unser Essen. Ist das Erd-Element im Ungleichgewicht, können wir Erfahrungen nicht verarbeiten und bleiben an ihnen „kleben“. Dann neigen wir zum Grübeln und Gedankenkreisen. Wollen wir unser Erd-Element ins Gleichgewicht bringen, geht es um die Fragen: Was nährt mich? Was tut mir gut? Mit was will ich mich füllen?

Shiatsu Verdauung Allergien

Foto: Isabel Garreau-Egger

Wie kann dich Shiatsu insbesondere im Spätsommer unterstützen?

Shiatsu ist eine Möglichkeit, dich mit deiner Mitte zu verbinden und deine Mitte zu stärken. In unserer Mitte finden wir unsere Kraft, einen Ort der Ruhe und des Friedens. Einen Ort, den wir gerade in unserer hektischen Zeit dringend brauchen, spätestens immer dann wenn wir „unsere Mitte verloren“ haben. Das Bewusstwerden des eigenen Körpers und seiner Botschaften, seiner Grenzen und unserer Bedürfnisse führt uns zu innerer Kraft und Sicherheit, einem Gefühl von Zuhause-sein in uns selbst. Shiatsu kann durch zentrierende Techniken den Weg zu unserem inneren Zentrum weisen und dieses über körperliche Berührung stärken.

Shiatsu stärkt unser HARA, unsere Körpermitte

Die physische und energetische Mitte unseres Körpers heißt im Shiatsu HARA. Das HARA umfasst unseren Bauch einschließlich unserer Eingeweide und Gedärme. Mit unserem HARA verbunden zu sein, heißt, uns zu zentrieren. Und zentriert finden wir innere Kraft und Stärke. In der Shiatsu-Behandlung kann das HARA gestärkt und damit unsere Zentrierung gefördert werden. Mehr zum HARA… Dadurch sind wir gewappnet, den Herausforderungen unseres Lebens zu begegnen.

Kommen wir darüber hinaus im Shiatsu mit den Botschaften unseres Körpers in Kontakt, bekommen wir Zugang zu unseren Bedürfnissen, denn der Körper ist, wie die Träume, ein Zugang zum Unbewussten. Körperliche Symptome sind in diesem Zusammenhang meist kein Ausdruck krankhafter Phänomene und müssen deshalb auch nicht geheilt werden. Vielmehr fordert der Körper eine Änderung der Lebensumstände und der Bewusstseinseinstellung. Außerdem zeigt er uns in direkter und unzweideutiger Weise, was uns guttut und was nicht – wenn wir ihm zuhören. Mehr…

Über das Wahrnehmen des eigenen Körpers und unserer ureigenen Bedürfnisse kommen wir in Kontakt mit unserem Selbst. Selbstwahrnehmung ist die Grundlage von Empathie. Das eigene Leid zu kennen und tragen zu können, ist die Basis für Mitgefühl. Shiatsu fördert die Selbstwahrnehmung und damit auch die Empathie und schlussendlich, wenn die Trennung als Illusion erkannt wird, auch das Mitgefühl.

Darüber hinaus kann der Druck von bestimmten Akupunkturpunkten und Körperbereichen unterstützend bei Verdauungs- und Menstruationsbeschwerden sowie bei Autoimmunreaktionen, wie Allergien, wirken. (Mehr zu Menstruation und Shiatsu findest du hier.) Shiatsu hat auch einen positiven Einfluss auf das Immunsystem.

Suchst du Begleitung in diesem Prozess?

Dann freue ich mich, wenn du einen Termin vereinbarst!

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(*) Ich schreibe „kann“, weil die TCM anders als die westliche Medizin nicht symptom-basierend ist, sie denkt also nicht: „Du hast dieses Symptom, also hilft dir (voraussichtlich) diese Medizin“, sondern sie betrachtet den ganzen Menschen in seiner Erscheinung, Konstitution, seinen Lebensumständen und psychisch-spirituellen Prozessen. Und körperliche Symptome sind ein Hinweis (von mehreren), was diese Person zu diesem Zeitpunkt gerade am meisten unterstützend braucht.

Und hier findest du Informationen, was du selbst tun kannst, um deiner Milz Gutes zu tun.

Literatur

Wenn du das Thema der „Fünf Elemente“ vertiefen willst, empfehle ich dir folgendes leicht verständliche Buch: Eckert, Achim (2011): Das heilende Tao: Die Lehre der fünf Elemente. Basiswissen für Shiatsu und Akupunktur, Qi Gong, Tai Ji und Feng Shui. 12. Auflage. Müller & Steinicke.

Willst du ganz tief eintauchen, finde ich folgendes Buch großartig: Platsch, Klaus-Dieter (2005): Die fünf Wandlungsphasen. Das Tor zur chinesischen Medizin. München: Elsevier.

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