Krankheit im Daoismus und Zen-Buddhismus

„Shiatsu ist keine Methode, sondern ein Weg.
Sein Ursprung ist der Ursprung des Lebens.
Sein Wirken das Wirken der Natur.
Seine Lehre ist die Lehre vom Spiel der Lebenskräfte.“
(Schrievers 2004: 313)

Beide Traditionen gehen davon aus, dass Krankheiten sowohl innere als auch äußere Ursachen haben. Im Daoismus und in der auf ihm beruhenden Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) werden als äußere Ursachen klimatische Bedingungen, Lebensumstände und Ernährungsgewohnheiten betrachtet und deren krankheitsfördernden Auswirkungen auf den Körper durch Akupunktur, Moxa-Therapie (Erwärmung der Akupunkturpunkte), Ernährungsberatung, Kräuter-, Bewegungs- und manuelle Therapien (u.a. Shiatsu) gemildert.

Als innere Faktoren zählen vor allem Emotionen. Hierbei werden Emotionen nicht als etwas vom Körper Getrenntes angesehen. Vielmehr spiegeln Emotionen den Zustand des Körpers wider und umgekehrt. Das kennen wir sicher auch aus unserem eigenen Leben: Sind wir körperlich geschwächt, sind wir auch psychisch schneller niedergeschlagen. Und sind wir gerade psychisch angeschlagen, werden wir auch schneller krank. Emotionen sind in dieser Sichtweise nicht per se krankheitsfördernd, können jedoch – im Übermaß erlebt oder verdrängt – zu einem inneren Ungleichgewicht und in weiterer Folge zu Krankheiten führen. Das richtige Maß zu halten, ist somit – wie immer in der TCM – auch der gesunde Weg im Umgang mit den Emotionen. Sie also weder zu verdrängen noch länger an ihnen anzuhaften.

In der Sichtweise des (Zen-)Buddhismus gehen den äußeren Ursachen von Erkrankungen die inneren voraus. Das lässt sich daran erkennen, dass wir, nur wenn wir selbst die innere Bereitschaft haben und zum Beispiel unser Immunsystem geschwächt ist, erkranken und nicht alle Viren und Bakterien, die ständig um uns herum sind, zu einer Erkrankung führen. Krankheiten haben darüber hinaus im Buddhismus auch eine spirituelle Dimension. Sich selbst als getrenntes, isoliertes Ich zu betrachten, das nicht mit allem bzw. einem großen Ganzen verbunden ist, wird als Ursprung allen Leides und somit auch von körperlichen Erkrankungen betrachtet.

„Die Disharmonie im Menschen, die der Ausgangspunkt von Krankheit und Leid ist,
hat ihren Ursprung im Entstehen eines begrenzten und persönlichen Bewusstseins,
eines Ich-Bewusstseins, dass [sic!] sich getrennt von Shen
[dem göttlichen, unsterblichen Teil in der Tiefe unseres Seins] und vom Universum erlebt.“
(Schrievers 2004: S. 206)

Heilung bedeutet daher aus buddhistischer Sicht, diese Illusion der Trennung zu durchleuchten und das Verbundensein und damit das eigene wahre Selbst zu erkennen.

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Foto: Isabel Garreau-Egger

Im Shiatsu werden beide theoretischen Zugänge in die Praxis integriert. Zum Einen werden manuelle Techniken angewandt, um das innere Gleichgewicht, das sowohl durch physische als auch durch psychische Ursachen gestört sein kann, wiederherzustellen. Ich merke zum Beispiel gerade als Kleinkindmama, wie sich – wie wir es so schön nennen – eine Leber-Ki-Stagnation aufbaut, da ich mich in meiner Selbstbestimmtheit eingesperrt und in meiner Kreativität blockiert fühle. Emotional äußert sich dies in Unbeherrschtheit, Ungeduld und häufigeren Zornausbrüchen. Shiatsu hilft mir konkret, den Energiestau zu lösen – und wirkt somit gleichzeitig auf meine Emotionen. Ich fühle mich nach der Shiatsu-Behandlung viel gelassener, obwohl sich in den äußeren Umständen nichts verändert hat. Ich habe wieder mehr inneren Freiraum gewonnen, mit dem, wie mein Leben gerade nun einmal ist, umzugehen. Das ist gut für mich – und für meine Familie :-)

Zum Anderen liegt Shiatsu eine prozesshafte Weltsicht zugrunde. Weder das Leben noch das Ich – und somit auch der Körper – werden als statisch angenommen. Alles fließt, alles ist in ständiger Veränderung (siehe auch Shiatsu – ein Leben in Polaritäten). Der Mensch wird als Ganzes betrachtet, auch in seiner spirituellen Natur.

„Erst wenn wir uns tiefer einlassen, merken wir allmählich, dass es nicht in uns fließt, sondern wir selbst fließen, das heißt wir erfahren, dass das, was wir bis dahin ‚Ich‘ genannt haben,
sich in einem ständigen Veränderungsprozess befindet.“
(Schrievers 2004: S. 195)

Diese prozessorientierte Sichtweise hilft auch, die Illusion eines starren Ichs loszulassen. Verbundenheit kann somit erfahren werden. Durch die körperliche Berührung wird diese Erfahrung verstärkt.

Das ist die spirituelle Dimension von Shiatsu – Shiatsu, das über die konkrete Behandlungssituation hinausreicht und zu einem Lebensweg wird.

Neugierig? Dann freue ich mich, wenn du einen Termin vereinbarst.

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Literatur:

Ploberger, Florian (2006): Psychologische Aspekte in der Traditionell Chinesischen Medizin. Schiedlberg: Bacopa.

Schrievers, Joachim (2004): Durch Berührung wachsen. Shiatsu und Qigong als Tor zu energetischer Körperarbeit. Bern: Hans Huber.

Tripp, Eduard: Gesundheit und Heilung aus buddhistischer Sicht. (pdf)

Tripp, Eduard: Spirituelle Dimensionen von Krankheit und Heilung. (pdf)

zum ganzheitlichen Körperkonzept | Gesundheit – Was ist das? | zu Shiatsu – Was ist das?

Melanie LannerKrankheit im Daoismus und Zen-Buddhismus